Paech-Brunnen

Paech-Brunnen

An der Kreuzung von Birkenstraße und Stephanstraße mit der verkehrsgeplagten Stromstraße gibt es eine unscheinbare und etwas verkommene Mini-Grünanlage. Sogar ein paar Bänke sind hier aufgestellt, die jedoch – wenn überhaupt – nur von Männern mit Bierflaschen besetzt sind. Einst stand auf dem Dreieck zwischen Birken- und Stephanstraße die Brotfabrik der Familie Paech, ein Berliner Traditionsunternehmen. Bekannt war Paech vor allem durch die wunderbare Gebrauchslyrik, die in den U-Bahnen und Bussen für die Produkte der Großbäckerei warben:

Oh, wie schimpft der Opapa – die Oma hat kein Paech-Brot da.

Haste im Verkehr mal Frust, mit Paech-Brot kriegste wieder Lust.

Kuno sprach zu Kunigunde: „Paech-Brot ist in aller Munde!“

Ach liebe Mutti, bitte, bitte, gib mir noch ‘ne Paech-Brot-Schnitte!

Beim Ja-Wort schweigt die junge Braut, weil sie noch schnell ein Paech-Brot kaut.

Was nützt dir Schinken Wurst und Ei, fehlt das Peach-Brot dir dabei.

Janz wurscht, wat druffliecht – eens ist wichtig: mit Paech-Brot liechste imma richtig!

Der Orje fragt den Kulle, haste nich ‘ne Paech-Brot-Stulle?

Paech-Brot gibt es täglich frisch, aus dem Ofen auf den Tisch.

Außer den markanten Werbesprüchen ist von Paech nicht mehr viel geblieben, die Brotfabrik geschleift, das Gelände für ein künftiges Einkaufscenter planiert, nur der Schornstein steht noch. Aber halt: In der Grünanlage auf der Spitze des Dreiecks steht ein Brunnen, gestiftet von Paech, als die Fabrik noch produzierte. Eine kleine Bronzetafel am Fuße des Brunnens verrät: »Paech Brunnen • 1980 • Brot – ein Segen der Erde«. Er ist auch als »Brotbrunnen« bekannt.

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In einem in den Boden eingelassenen Becken aus Beton steht eine 2,40 Meter hohe Bronzeplastik der Künstlerin Brigitte Haacke-Stamm. Zwei lebensgroße Frauen sitzen sich gegenüber, die eine mit einem Kind auf dem Rücken, das in seinen Händen Brötchen trägt, die andere mit einer Katze auf dem Rücken, die einen Fisch im Maul hält, und Brot auf den Knien. Die Forellen, die ringsum angebracht sind, speien schon lange kein Wasser mehr, die Plastik ist beschmiert, und im Becken sammelt sich der Müll. Ein trauriger Anblick.

Nachtrag 24. April 2004: Nun ist er plötzlich weg, der Brunnen, nur noch das leere Becken ist übrig. Das kleine Dreieck, auf dem der Brotbrunnen stand, ist eingezäunt und Teil der großen Baustelle auf dem Paech-Brot-Gelände geworden.

Paech-Brot-Brunnen demontiert


Birkenstraße, Ecke Stromstraße, 10559 Berlin
www.stadtentwicklung.berlin.de

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17 Gedanken zu “Paech-Brunnen

  1. Lieber Autor..

    ich kann dem geschrieben nur zustimmen. ich selber bin in der Putlitzstraße aufgewachsen. Mein Opa arbeitete bei Peach und ich kann mich gut erinnern an den Tag, als der Brunnen mit einem schönen Straßenfest eröffnet wurde.
    Warum muss eigentlich immer alles verkommen..schade eigentlich. Gestern fuhr ich voller Entsetzten an dem brachliegenden Grundstück der ehem. Peach-Fabrik vorbei, da nun auch der Schornstein abgerissen wurde. Ich hatte gedacht, dass wenigstens dieser stehen bleibt. Weiß jemand warum er so lange übriggelassen wurde und dann doch dem Baukran zum Opfer fiel?

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    • Der Schornstein sollte wohl gesprengt werden, was wohl nicht ging, daraufhin musste er Stein für Stein abgetragen werden, was wohl nicht so einfach war, da ein großer Spezialkran dazu nötig war.

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  2. von den og. Sprüchen sind mir auch noch einige in Erinnerung, vor allem der letzte mit Orje und Kulle.
    Schöne Geschichte seine eigene Geschichte mal wieder zu durchforsten.

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  3. Schade, dass Brunnen und Schornstein jetzt weg sind! Wohne erst seit 3 Jahren um die Ecke und den Schornstein hab ich richtig lieb gewonnen :-) Soweit ich von dem Bauplan gehört / gelesen habe, soll der Brunnen wieder aufgebaut werden!

    Wenn ich schon meinen Lieblingsschornstein (im Winter mit Lichtergirlande) nie wieder sehe, dann doch hoffentlich ab dem Winter wieder diesen schönen Brunnen!

    http://www.stephankiez.de/wiki/index.php?title=Paech-Brot-Areal

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  4. “Der Opa schimpft der Omama, denn is gibt kein Paech Brot da!”

    Als 19 jaerige Amerikaner kam ich erst nach Berlin im 1961 und Deutsche und Berliner Redensarten waren mir fremd, aber die obrige ist mir vom Steglizem Strassenbahn geblieben. Der Strassenbahn war sofort weg, aber Paech-Brot blieb laenger. Heute, im Stieftocher’s Las Vegas Haus heize ich deswegen jetzt aber Opa, und meine Frau ist Opa’s Grandma zu dem Enkeln. Die Kleinen haben sonst zufiele grandmas and grandpas. Die Redensarten sind immernoch fremd. ..rb..

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  5. Die Sprüche sind einzigartig auf ihre weise. Sie haben sich in vielen Köpfen eingebrannt wie mir scheint und es ist schon interessant sie nun noch einmal alle zu lesen. Ebenso wie die Geschichte für die zukünftige Nutzung des Geländes und dem einstigen Abriss des Gebäudes. So geht ein weiteres Stück Berliner Geschichte zuende, vermutlich gescheitert an der Vereinigung von Ost & West und der zunehmenden Globalisierung dank derer man nun Knoblauch aus China für 49 Cent im Supermarkt des Vertrauens bekommt.

    Achja, die “Reime” begleiteten mich durch meine Kindheit in der U-Bahn. Ich habe sie nie vergessen.

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  6. Den Brunnen habe ich vorgestern wieder gesehen auf einem kleinen Transporter und ich freue mich das es “Ihn” noch gibt und er mit in den Bau eingebunden wird freu*

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  7. eine frage die habe ich noch ..gibt es noch bilder von der Peachbrotfabrik vom Inneren..also Betriebsräume(Produktion) o.ä? ich habe mal versucht da mal zu reachieren aber nix brachbares gefunden..es wäre cool wenn es davon irgendwelche bilder oder filme zu sehen gibt/gäbe

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  8. Mein Vater erfreut uns noch heute mit paech Brot Sprüchen. Es ist eine Freude diese Sprüche hier zu finden . Dachte schon nur die Ärzte kennen dieses sprachgut.

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  9. Guten Tag, Herr Krause, na wie geht’s? Danke gut, ich esse Paech-Brot stets!
    Dieser fehlte noch, kann mich noch gut an alle erinnern.

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