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Archiv für Januar 2009

Hunter’s Lounge

29. Januar 2009 Hinterlasse einen Kommentar

Direkt am Volkspark Friedrichshain, gegenüber vom Denkmal für die Spanienkämpfer, lockt eine Kneipe mit einem flatternden Transparent „Wildwechsel“ Kundschaft an – Hunter’s Lounge der passende neudeutsche Name.

Hunter's Lounge

Auf der Speisekarte gibt es stilecht dann auch Medaillons von der Wildsau, Wildschweingulasch, Ragout von Damwild und weitere Wildgerichte, alle zu nicht sonderlich hohen Preisen. Man findet jedoch auch Klassiker wie Soljanka und Steak au four, allerdings ist das Würzfleisch in der eigenständigen Variante schon als Ragout fin in der Neuzeit angekommen.

Wenn man nach dem Studium der Karte die Kneipe betritt, fällt der Blick – je nach Betrachter – erst mal auf den kalten Hund im Glaskasten oder auf den Bambihirsch, der in einem Durchbruch zwischen Vor- und Hauptraum sein Geweih präsentieren darf.

Hunter's Lounge

Auch die freundliche und hübsche blonde Bedienung trägt – um beim Thema der Kneipe zu bleiben – Geweih, allerdings am A…

Eingekehrt bin ich hier völlig durchgefroren an einem kalten Januarsamstag nach ein paar Stunden Spaziergangs durch den verschneiten Volkspark. Es gab heiße Zitrone für schlappe 1,80 € und eine heiße Schokolade mit Rum für 4 €, beides heiß und alleine schon darum prima. Gegessen habe ich hier nichts (noch nicht mal Kalten Hund), nur mal an der Soljanka meiner Begleitung nippen dürfen, die war ganz OK.


3birnenBüschingstraße 35, 10249 Berlin
030 38042132

La Mano Verde

25. Januar 2009 4 Kommentare

Nachtrag Mai 2010: Das Mano Verde ist von Friedenau in die Scharnhorststraße am Rand von Mitte umgezogen. Der frühere Chefkoch Björn Moschinski, auf dessen Küche sich nachstehender Bericht und meine Bewertung beziehen, ist nicht mehr dabei. Meine Bilder sind ebenfalls noch vom alten Standort.

La Mano Verde

Als ich den Namen »La Mano verde« las, dachte ich erst an den bekannten »Grünen Daumen«. Näheres Hinsehen offenbart jedoch, dass der Name keine Gärtnerei, sondern ein Restaurant bezeichnet. Und dann auch noch ein ganz besonderes, nämlich ein veganes, das mit Gourmetambitionen den verwöhnten Gaumen ansprechen möchte.

Nun bin ich kein Anhänger einer Weltanschauung oder Überzeugung, die mir eine bestimmte Diät nahe- oder auferlegt, vielmehr esse ich, was mir schmeckt. Warum also nicht auch vegan? Die Karte und die Beschreibung der Küche auf der Homepage hatten mich jedenfalls neugierig gemacht.

Gelegen ist das Restaurant am westlichen Rand des gutbürgerlichen Friedenaus, und untergebracht ist es in sehr schönen Räumen: ein Ecklokal mit großen Rundbogenfenstern, die viel Licht hereinlassen, und mit großer Deckenhöhe, die dem Eintretenden den Eindruck von Großzügigkeit vermittelt. Weiß eingedeckte Tische auf dunklem Parkett runden den Eindruck ab.

La Mano Verde

Die Speisekarte verspricht asiatische, italienische und arabische Einflüsse. Sie wird ergänzt durch eine Tafel mit den wechselnden Tagesgerichten. Die Entscheidung fällt nicht leicht, also lassen wir uns beraten: von der sehr freundlichen jungen Frau, die uns bedient, und später auch vom Küchenchef. Dabei erfahren wir, dass mehr als zwei Drittel der Gäste – wie auch wir – keine Veganer sind. Und dass er wegen der nicht gerade alltäglichen Ausrichtung der Küche gerne zur Verfügung steht, um aufkommende Fragen zu beantworten.

Schon die Vorspeisen bieten ein absolutes Highlight: Ravioli Rouge. Nun muss man dabei nicht an gefüllte Nudeln denken, der Name Ravioli bezeichnet lediglich die Tatsache, dass hier etwas gefüllt ist, und zwar marinierte, dünne Scheiben von roter Bete. Die Füllung besteht aus einer Creme auf Basis von Cashew-Nüssen. Dazu sehr gut abgeschmeckter Fenchelsalat und – als Tüpfelchen auf dem i – Feigenmus. Ein Gedicht – die Kombination der verschiedenen Geschmacksnuancen ist perfekt.

Bei den Hauptgerichten punktete das Pilzrisotto. Dazu gab es Kräuterpesto und (die allseits verbreitete) Balsamicoreduktion – und wieder war es die Kombination, die überzeugte.

Ein Nachtisch musste selbstverständlich auch sein: Mousse au Chocolat, so entdeckte ich, kann auch ohne Ei, Sahne und Butter sehr gut schmecken und ist dann auch so leicht, dass die Portion deutlich größer als gewohnt ausfallen kann. Das Tiramisu konnte leider nicht so gut abschneiden.

Insgesamt war es ein sehr erfreulicher Abend, der Lust auf ein Wiederkommen macht, vielleicht im frühen Sommer, wenn das Restaurant die Plätze im Vorgarten in Betrieb nimmt. Dem Küchenchef wünsche ich weiterhin eine so glückliche Hand bei der Erfindung seiner Kompositionen – ich lasse mich gerne weiterhin überraschen.


4birnenWiesbadener Straße 79, 12161 Berlin
030 82703120

lamanoverde.de

Fiaker Kaffeerösterei

22. Januar 2009 Hinterlasse einen Kommentar

Dort, wo bis vor einiger Zeit noch der „Grüne Laden“ angesiedelt war, hat vor ein paar Tagen ein Café mit eigener Kaffeerösterei eröffnet.

Der Name Fiaker verspricht Wiener Kaffeehauskultur. Heute war ich also zum ersten mal dort, zum Antesten, sozusagen. Die freundliche, etwas auf retro getrimmte Einrichtung des Cafés verbreitet Gemütlichkeit. Und ist so ganz und gar nicht Coffee Shop oder Coffee Togo, find ich gut.

Fiaker

Hier lässt man sich gerne nieder und liest — wie es sich für ein Kaffeehaus gehört — die Tageszeitung. Dazu bestellte ich mir einen Cappuccino samt einem Stück Kuchen. Überwiegend stammt der hier aus eigener Herstellung, es gibt aber auch ein, zwei Sorten Fertigware bester Qualität aus der Mailänder Pasticceria Bindi, nicht uninteressant. Passend zum Cappuccino schien mir die Cappuccino-Torte, was eine gute Wahl war.

Fiaker

Als sehr angenehm habe ich empfunden, dass ich einen Cappuccino einfach so bestellen durfte, ohne in einen Dialog über die Größe, die Art des Häubchens oder irgendwelche eigenartigen amerikanischen Zusatzstoffe verwickelt zu werden, mit denen man anderswo den mediokren — vielleicht sogar guten, aber das lässt sich ja nicht mehr feststellen — Geschmack des verwendeten Kaffees übertüncht. Auch die Frage „Zum Mitnehmen?“ blieb mir erspart — ich trinke doch meinen Kaffee eh nicht aus Pappbechern mit Schnabeltassenanmutung. Die Milch zum Kapuziner ist keine H-Milch, sondern Bio-Frischmilch — mit 3,8% Fett. Und der Cappuccino war gut! Das alles verdient mindestens vier Birnen.

Ach so, den hier gerösteten Kaffee kann man natürlich auch erwerben und mit nach Hause nehmen.


4birnenBochumer Straße 5, Moabit, 10555 Berlin

3 Moms

16. Januar 2009 Hinterlasse einen Kommentar

Ein ganz hübsch gestaltetes, kleines Lokal, in dem die drei Moms wirklich erfrischend frisches und gutes Essen zaubern. Ich hatte als Vorspeise die Sommerrollen mit Hühnerfleisch, die schon rein optisch ein kleines Kunstwerk waren: aus der bleichen Umhüllung schaute ein langes, schmales, grünes Blatt heraus. Leider hatte ich sie aufgegessen, bevor ich ein Foto machen konnte, so gut waren sie.

Danach bekam ich die vielgerühmte Nummer 27, denn ich hatte Glück und saß am Erstbestellertisch: Thit Qay, kross gebratener Schweinebauch mit Sauer-Scharf-Sauce und Salat.

3 moms
Nummer 27 sieht nicht nur gut aus, sondern schmeckt auch so!

Ein bisschen lang hat es ja schon gedauert, bis unser Essen kam, vielleicht hätten die drei Moms nicht versuchen sollen, alle Gerichte für zwanzig Leute ungefähr zur gleichen Zeit auf den Tisch zu bringen, wodurch einiges auch nicht mehr ganz heiß war. Dafür war aber die freundliche junge Frau, die uns bediente, außergewöhnlich aufmerksam und flott, manchmal hatte ich den Eindruck, es reichte aus, nur daran zu denken, dass ich jetzt noch einen Wein haben wollte, und schon stand ein neues Glas vor mir.

Prima, ich glaube, hier werde ich noch öfter essen.


5birnenHornstraße 1, 10965 Berlin
030 23628364
tägl. 12-23 Uhr, Sa ab 17 Uhr

Friedhof der Märzgefallenen

11. Januar 2009 Hinterlasse einen Kommentar

Der Friedhof der Märzgefallenen ist mit Abmessungen von gerade mal 40 x 30 Meter wahrscheinlich der kleinste der Berliner Friedhöfe, aber ganz bestimmt einer der zeitgeschichtlich bedeutsamsten. Angelegt wurde er als letzte Ruhestätte für die rund 250 zivilen Opfer der Revolution vom 18. März 1848. Rund 20.000 Menschen nahmen am 22. März 1848 an einem rund vier Stunden dauernden Festzug teil, der die Särge nach der Aufbahrung der Märzgefallenen auf dem Gendarmenmarkt aus der Innenstadt zum Begräbnisplatz geleitete.

Friedhof der Märzgefallenen

Der Friedhof wurde schnell zum Symbol der deutschen Demokratiebewegung, so dass die Obrigkeit schon bald das Betreten des Friedhofs an den Jahrestagen der Märzrevolution verbot und nur wenige Jahre später den Friedhof gleich ganz planieren wollte. Trotz der Umbettung eines kleinen Teils der Toten ist es dazu jedoch nicht gekommen.

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts blieb der Friedhof immer wieder Gegenstand politischer Auseinandersetzungen und sollte gar ganz in einen „normalen“ Friedhof umgewandelt werden, der keinerlei Bezug zur Märzrevolution mehr aufweisen sollte. Da verstand es sich von selbst, dass der preußische Staat alle Bemühungen zur Errichtung eines Denkmals für die Gefallenen abschlägig beschieden hat.

1918 fanden weitere Bestattungen auf dem Friedhof statt: Am 20. November wurden sieben bei der Novemberrevolution ums Leben Gekommene bestattet, am 21. Dezember folgte das Begräbnis weiterer 14 Revolutionäre und schließlich wurden am 29. Dezember rund 30 bei den Weihnachtskämpfen gefallene Zivilisten und Soldaten beerdigt. Die meisten von ihnen waren Matrosen der Volksmarinedivision, die das Berliner Stadtschloss besetzt hielten. An sie erinnert die 1960 vor dem Friedhof aufgestellte, von Hans Kies geschaffene Bronzefigur „Roter Matrose“.

Karl Liebknecht, der im November noch selbst die Trauerrede für die ersten Opfer der Novemberrevolution gehalten hatte, sollte im Januar 1919 auf Wunsch von USPD und KPD nach seiner Ermordung zusammen mit anderen Opfern der Januarkämpfe selbst auf dem Friedhof der Märzgefallenen bestattet werden. Der Magistrat verweigerte das jedoch und betrieb die Beisetzung auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde – in der hintersten Ecke des Friedhofs, die im Volksmund auch Verbrecherecke genannt wurde.

Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs wurde der Friedhof 1948 erneut umgestaltet und erhielt endlich einen zentralen Gedenkstein, dessen Rückseite die Namen der Märzgefallenen trägt und an dessen Vorderseite zu lesen ist:

Friedhof der Märzgefallenen

Viele der ursprünglichen Grabsteine sind heute nicht mehr erhalten. 1957 wurde die Friedhofsanlage um drei große Grabplatten für die Opfer der Novemberrevolution erweitert.


Ernst-Zinna-Weg, Friedrichshain, 10249 Berlin
www.stadtentwicklung.berlin.de

Restaurant Die Tenne in Mönchengladbach

4. Januar 2009 2 Kommentare

Die Tenne Rustikales Ambiente, rustikale Bedienung, rustikale Tischdekoration, rustikale Portionen, rustikale Zubereitung. Es passt alles zusammen und zu Rheydt anscheinend auch, denn die Tenne war am zweiten Weihnachtstag abends gut besucht und die einheimischen Besucher waren ganz offensichtlich sehr zufrieden.

Die TenneIch fand es eher durchschnittlich. Für die in Rechnung gestellten Preise hätte ich ein wenig mehr erwartet: etwas bessere Sauce – anstelle der mehr nach Convenience schmeckenden Soße – zum Pfeffersteak, etwas mehr Liebe bei der Tischdekoration – verblühte und von Blattfallsucht gezeichnete Weihnachtssterne gehen gar nicht – und dass ich erst nach mehrfacher Aufforderung einen Blick in die Weinkarte werfen durfte, in der der offene Wein dann dazu passend ohne Herkunftsbezeichnung aufgeführt wurde, gefiel mir auch nicht.

Für Zeitreisende ohne Furcht und Tadel empfehle ich einen Abstecher in die Restrooms, da findet sich stilechte, unverfälschte Sanitärarchitektur der 70er Jahre: grün, grün, grün.

Die Tenne


3birnenMarktstraße 7-9, Rheydt, 41236 Mönchengladbach
02166 49217

www.die-tenne-mg.de

Fielmann Moabit

2. Januar 2009 1 Kommentar

Eigentlich bin ich kein Anhänger dieser Kettenläden, die auf billig machen. Vor vielen Jahren war ich einmal beim Konkurrenten Apollo und fand dort alle meine Vorurteile bestätigt. Nie wieder, schwor ich mir damals leise. Vielleicht hängt vieles ja auch vom Personal in den einzelnen Filialen ab, allerdings glaube ich auch, dass die Firmenpolitik nicht ganz ohne Einfluss ist.

Jedenfalls sprang ich dann doch über meinen Schatten und schleppte irgendwann meine Lieblingszicke zur Fielmannfiliale in Moabit, nachdem ihre wunderschöne alte Designerbrille kaputt gegangen war. Es war mehr aus Selbstschutz, denn ich wollte ihr Gejammer, dass sie ohne Brille „nichts mehr sehen könne“ nicht länger ertragen und dachte, eine Brille für wenig Geld ist geeignet, die unabsehbare Zeitspanne ausgedehnter Entscheidungsfindungsprozesse zu überbrücken. Was soll ich sagen: ich war baff. Die Freundlichkeit und Fachkenntnis des Personals sowie die Bereitschaft, sich für den Kunden Zeit zu nehmen, waren überdurchschnittlich. Nach einem aufwendigen Sehtest und ausführlicher Beratung verließen wir nach anderthalb Stunden die Filiale und hatten eine Fernbrille und eine Sonnenbrille mit korrigierenden Gläsern zusammen für deutlich weniger als 100 € erstanden. Wenige Tage später waren die Brillen abholbereit, was durch eine SMS angekündigt wurde.

Die Fielmannbrille erfüllte zwar nicht die Designansprüche, stellte letztendlich dann doch als dauerhaftes Provisorium zufrieden. Vor kurzem begann jedoch das Lamento erneut, kurzfristig musste eine neue Brille her. Wieder schleppte ich sie zu Fielmann, wieder in die Filiale Moabit. Und wieder war die Beratung sehr zufriedenstellend.


Turmstraße 44, Moabit, 10551 Berlin
030 3956426

www.fielmann.de

Mo-Fr: 9-19h, Sa: 9-14h

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