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Paech-Brot-Gelände

Einst stand auf dem Dreieck zwischen Birken- und Stephanstraße ein Berliner Traditionsunternehmen, die 1927 gegründete Brotfabrik der Familie Paech. Bekannt war Paech in Berlin vor allem durch die wunderbare Gebrauchslyrik, die in 50er bis 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in den U-Bahnen und Bussen der BVG für die Produkte der Großbäckerei warben.

Überregional bekannt wurde Paech-Brot, als der Brotfabrikant Horst Schiesser am 18. September 1986 die Neue Heimat, bis dahin Filetstück im Imperium des Deutschen Gewerkschaftsbundes, für 1 Mark übernahm. Schiesser, der Besitzer von Geschi-Brot, hatte erst im Juli 1986 zusammen mit Klaus Radner, dem die Brotfabrik Funke-Kaiser in Oberhausen gehört, seinen größten Berliner Konkurrenten, die Paech-Brot GmbH & Co. gekauft. Schon im November 1986 verkauft Schiesser wohl aus Finanznot an das Brotimperium der Familie Wendeln aus Garrel in Oldenburg. Schiessers eigenes Brotimperium geht schließlich 1997 in Konkurs.

Paech-Brot-Gelände

Brot wird hier nur noch bis 1992 hergestellt. Nachdem der wenig ansehnliche Gebäudekomplex jahrelang nur noch als Zwischen- und Auslieferungslager für die Wendelnsche Brotindustrie gedient hatte, wurde er 2004 abgerissen und das Gelände planiert.

Ein verbliebenes Wohnhaus, das beim Abriss der Fabrikanlagen beschädigt wurde, wurde dann im Februar 2005 ebenfalls abgerissen.

Paech-Brot-Gelände

Danach harrte der freie Platz, nachdem der Boden 2007 gründlich umgekehrt und gesäubert wurde, einer neuen Nutzung. Inmitten der Brache stand nur Paech-Brot-Gelände noch der Schornstein auf weiter Flur, aus gelben Ziegeln sauber gemauert, und, wie man jetzt kurz vor seinem Abriss erfuhr, nie genutzt.

Paech-Brot-GeländeAnfang 2008 kam dann Bewegung in die Sache. Ein Einkaufszentrum mit einem Edeka-Markt soll hier gebaut werden. Kurze Zeit später steht dann auch ein großes Bauschild auf dem Gelände.

Aber erst schlug im April 2008 ein Zirkus hier sein Zelt auf, dessen Tiere nun und dann den großen Platz als Freigehege nutzen durfen. Esel erfreuten mit ihrem Ih-Ah die Herzen der Moabiter Kinder und Ziegen grasten unter den beiden verbliebenen Bäumen.

Paech-Brot-Gelände

Doch nichts passiert. Das ganze Jahr 2008 nicht. Bis dann der Wind eine Hälfte des Bauschilds wegriss, so dass nur noch Fetzen herunterhängen. Aber vom bis Ende 2008 versprochenen Markt ist immer noch nichts zu sehen. Nur der Schornstein steht noch einsam.

Paech-Brot-Gelände

Dem geht es dann doch noch an den Kragen. Im wahrsten Sinne des Wortes: vorsichtig werden im Dezember 2008  die obersten zwei, drei Meter von Hand abgetragen. Dann verschwindet der Bautrupp wieder und der Schornstein bleibt angenagt zurück.

Paech-Brot-Gelände Paech-Brot-Gelände

Zwischendurch liegen dann noch zwei umgestürzte Bauwagen auf der Brache.

Paech-Brot-Gelände

Aber plötzlich, Anfang 2009 werden gleichsam über Nacht Kräne und Silos und Container-Büros errichtet. Und der Bau des Einkaufszentrums beginnt mit Macht. Sogar nachts und an den Wochenenden wird hier manchmal geschuftet.

Paech-Brot-Gelände

Das Architektenbüro nps tschoban voss liefert die Pläne, Bauherr ist die WEGA support GmbH, eine Vermögensverwaltung aus dem niedersächsischen Garrel, deren Geschäftsführer aus dem Brotimperium der Famile Wendeln stammt, und Edeka wird der Mieter des größten Teils des Neubaus werden und im Erdgeschoss das größte Berliner e-center eröffnen. Die Fertigstellung ist für 2010 geplant. Eine Beschreibung des Projektes mit Bildern des nun begonnen Gebäudes gibt es ebenfalls auf den Seiten der Architekten.

Die beiden obersten Etagen des Neubaus werden, wie moabitonline berichtet, ein neues Hostel beherbergen, das »Singer109 Westside« der J.A.G. Apartments GmbH, die in Berlin Mitte das Apartment Hostel Singer109 betreibt. Das Hostel soll im September 2010 seinen Betrieb aufnehmen.

Fortsetzungen zu diesem Artikel gibt es unter Baustelle verbessert, jetzt mit fünf Kränen und Einer geht noch.



Edeka e-center

Birkenstraße 23S, 10559 Berlin
Edeka

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  1. ottogang
    25. März 2009 um 16:49 | #1

    Ich bitte um fortláufenden Bericht des Historikers, damit uns ja kein Detail entgeht. Interessant in Text und Bild.

    • 25. März 2009 um 16:52 | #2

      Werde ich versuchen. Ich habe leider keine Bilder des Geländes vor dem Abriss gehabt, weil ich damals doch noch nicht wissen konnte, dass ich später einmal diesen Artikel schreiben würde …

  2. botschaftneukoelln
    26. März 2009 um 11:10 | #3

    Hallo Vilmos, kannst Du mir verraten, wie man eine solche Galerie (wie am Schluß des Beitrages) «erstellt» ???

    Vielen Dank und Grüße aus Schlachtensee,

    Matthias

    post@schsalom.org

    • 26. März 2009 um 11:47 | #4

      Ja, gerne. In der Medienverwaltung (“ Vom Rechner Von einer URL Galerie (6) Multimedia“) gibt es den Punkt Galerie, wenn du den auswählst, kannst du danach ganz unten „Galerie einfügen“ auswählen.

      • botschaftneukoelln
        26. März 2009 um 11:56 | #5

        Danke !!!
        (wird mein Neue Heymat-Beitrag irgendwann «freigeschaltet»?)

  3. Peter Thiele
    23. Juli 2009 um 13:57 | #6

    Wo sind die bekannten Werbesprüche von Paechbrot veröffentlicht? (z. B. Und der Orje sprach zum Kulle, haste nich ne Paechbrotstulle?
    Peter

  1. 27. April 2009 um 18:27 | #1
  2. 24. Juli 2009 um 17:51 | #2
  3. 18. August 2009 um 18:15 | #3
  4. 6. November 2009 um 10:20 | #4
  5. 21. November 2009 um 23:30 | #5