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Archiv für April 2009

Geheime Botschaften

28. April 2009 9 Kommentare

Die Stadt ist voller Botschaften. Ich meine nicht die australische, usbekische und österreichische, nein, ich meine die Zeichen und Nachrichten, die an Laternenpfählen, an Häuserwänden oder, wenn man nach unten schaut, auf dem Gehweg zu finden sind.

Ach Hasi, du warst ja lange bei der Stasi
Auf der Treppe zur U-Bahn Birkenstraße

Oft sind es nur Zeichnungen, von wenig Text begleitet oder auch ganz ohne, oder es sind ganze Texte, manchmal enigmatisch und für den vorbeigehenden Betrachter kaum zu entschlüsseln, manchmal auch nur ein paar Worte, witzig, nachdenklich machend, oder auch nur vom beabsichtigten Empfänger zu verstehen.

Tassen im Schrank – Folge 12

26. April 2009 9 Kommentare

Ich schwächele: Auch heute erscheinen wieder Tassen aus fremden Schränken.

Fiaker

So muss der Cappuccino serviert werden: in einer mittelgroßen (bloß keine Frage: „small, medium oder large“) Tasse, am besten in einem klassischen, dickwandigen Modell, braun oder weiß, mit einem feinporigen Milchschaum aus frischer Milch (weder H-Milch, igitt, oder Sahne), mit einem kräftigen Espresso darunter und einem Glas Wasser dazu (hier nicht im Bild). So gibt es ihn in Moabit im Fiaker. Ein Stück guter Kuchen gehört nicht unbedingt dazu, kann aber gar nicht schaden, um die Mittagspause zu versüßen.

Und nicht nur im Fiaker lässt sich der Kaffee genießen, auch im Arema gefällt mir gut, was man bekommt, wenn man zum Frühstück eine Tasse Kaffee bestellt:

Arema

Kolonistenkirche Marienthal

25. April 2009 4 Kommentare

1763 legte das Domänenamt Badingen hier eine Kolonistensiedlung für Leineweber an, in der ein paar Jahre später auch Hugenotten angesiedelt worden.

Kolonistenkirche Marienthal

1782 bekamen die Kolonisten dann ihre eigene Kirche: ein kleines, schlichtes Fachwerkgebäude, das ursprünglich nur aus einem Betsaal bestand und später um das etwas niedrigere Küsterhaus erweitert wurde. Über dem Nordgiebel des älteren Teils steht ein kleiner Dachreiter mit geschweifter Haube.

Kolonistenkirche Marienthal
Am Altar: Darstellung eines Schiffes

Die Geschichte Marienthals ist eng mit der Schifffahrt verbunden, denn mit dem Schiff wurde fast alles in Brandenburg transportiert, LKW und Eisenbahn gab es damals noch nicht und Wasserläufe waren in ausreichender Zahl vorhanden. Bereits 1732 war der Wentowkanal erbaut worden, der den Wentowsee mit der Havel bei Marienthal verbindet. 1816 wurde er so ausgebaut, dass er auch mit Odermaßkähnen befahrbar wurde. Viele Marienthaler wurden Schiffer. Davon zeugt auch der 1842 gegründete und bis heute bestehende Schifferverein, der jedes Jahr seinen Schifferball feiert.

Kolonistenkirche Marienthal

Der eigentliche Aufschwung kam mit der Entwicklung der Ziegelindustrie – die Mildenberger Ziegelei ist nicht weit entfernt – und der damit verbundenen Zunahme der Binnenschifffahrt. Zahlreiche Häuser im Ort sind Zeugnis für den Wohlstand der Bürger in der damaligen Zeit.


Dorfstraße, 16792 Zehdenick OT Marienthal
033080 60224

Von Ostern bis Oktober tägl. von 9 – 17 Uhr geöffnet,
sonst Schlüssel bei Frau Ehlert, Dorfstr. 63, Tel. 033080 60268

Tassen im Schrank – Folge 11

23. April 2009 10 Kommentare

Der eigene Schrank gibt nichts mehr her, darum gibt es heute mal eine Tasse aus fremden Schränken, eine Tasse, die ich im Küchenschrank auf Maloche entdeckt habe, als ich mir einen Café Creme – so steht es wenigstens auf der bürolichen Kaffeemaschine – zapfen wollte. Zwischen all den immer gleichen weißen Firmentassen mit dem blauen Rand und den paar bekannten Sondertassen fiel sie mir ins Auge, ich hatte sie noch nie zuvor gesehen, und da habe ich gleich zugegriffen. Sind das Bärentatzen oder ist das einfach nur ein Muster?

Tasse

Sie ist bestimmt die Lieblingsbürotasse einer Kollegin oder eines Kollegen, ich habe sie trotzdem aus dem Schrank genommen und meinen Kaffee daraus getrunken, und ich bin mir fast sicher, dass sie jemand an diesem Tag vermisst hat. Aber ich habe sie abends auch wieder zurückgebracht in die Küche und brav in die Spülmaschine gestellt.

„Am Ende der Welt“

21. April 2009 8 Kommentare

Am Ende der Welt

Seinen Namen trägt das Café nicht umsonst. Es ist in einem der wenigen Altbauten untergebracht, die auf einer Landnase des ehemaligen sowjetischen Sektors stehen, die sich zwischen den Gleisanlagen des Lehrter Güterbahnhofs und des Nordbahnhofs die Chausseestraße entlang nach Norden in den früheren französischen Sektor erstreckt.

Stadtplan 1972
Ausschnitt aus meinem ersten Berlin-Plan von 1972 (der Osten ist grau, der Westen rosa)

Ringsherum stand einst die Mauer, die nun zwar schon fast 20 Jahre weg ist, aber auf diesem Stück Mitte, eingekeilt zwischen Moabit und Wedding, scheinen sich Fuchs und Hase immer noch Gute Nacht zu sagen.

Viele der Gäste des Cafés scheinen dann auch Patienten aus dem nahegelegenen Bundeswehrkrankenhaus mit ihren Besuchern zu sein. Aber es wird hier viel gebaut, auf den Freiflächen werden schicken Stadtvillen errichtet, von denen einige an der neuen Straße Am Pankepark schon fertig und bewohnt sind. Die Gentrifizierung scheint in vollem Gange, auch wenn es auf diesem Gelände gerade nicht so viel angestammte Bevölkerung gibt. Denn hier stehen etliche zivile und militärische Gesundheitseinrichtungen, Verwaltungs- und Industriebauten, wie das ehemalige Augusta-Hospital Augusta-Hospital, das heute leer steht und zu einem Hotel umgebaut werden soll, dahinter ein Kraft- oder Heizwerk mit einem weithin sichtbaren Betonschornstein. Bis in die 1970er Jahre hatte das Oberste Gericht der DDR seinen Sitz gleich nebenan in der Scharnhorststraße 6.

Die Schlapphüte des Bundesnachrichtendienstes, dessen neues Hochsicherheitsgebäude für viele Millionen nicht weit von hier an der Chausseestraße entsteht, dort, wo einst das später in Stadion der Weltjugend umbenannte Walter-Ulbricht-Stadion stand und jetzt noch etliche Baukräne in die Luft ragen, werden hier vielleicht aus Sicherheitsgründen nicht ihre Mittagspause verbringen dürfen.

Aber zurück ins Café: Es gibt hier guten Kaffee und feinen Kuchen aus einer Bio-Bäckerei. Der Kaffee, der aus eine Rösterei in der Hamburger Speicherstadt kommt, wird auch in Gebinden übern Damm verkauft, ebenso wie ein kleines Angebot von Weinen, darunter auch Frankenweine von einem Winzer in Volkach, die gänzlich ohne Bocksbeutel auskommen.

Am Ende der Welt
Im hübsch gestalteten Café hängen Ölbilder nach Covern von Jazz-Schallplatten

Hinter dem Tresen wartet eine kleine, aber feine Auswahl an schottischen Whiskies auf Verkostung, aber das war am frühen Sonntagnachmittag eher nicht passend. Statt dessen lieber Cappuccino und Kirschsandkuchen für mich, heiße Schokolade und New York Cheese Cake für die Lieblingszicke. Beide Kuchen gefielen uns sehr gut, aber wir fanden, dass die Stücke ruhig etwas größer hätten sein können. Bei den Getränken war die Schokolade der Hit, wirklich sehr überzeugend im Geschmack.


Café – Bistro – Catering
„Am Ende der Welt“
Leif Russek & Ulrike Rodel
Scharnhorststraße 5, 10115 Berlin
0176-24563010
www.cafeamendederwelt.de
Mo-Fr: 8-18 Uhr, Sa-So: 10-18 Uhr

Tassen im Schrank – Folge 10

20. April 2009 8 Kommentare

Vor ein paar Jahren gab es ein neues, spannendes Portal im Internet, über das man des öfteren stolperte, wenn man nach Kneipen und Restaurants googelte und auf Besprechungen eben dieser Lokale hingewiesen wurde. Es war ein typisches Web-2.0-Mitmachportal, denn unter dem Motto „Finde spannende Orte in Deiner Stadt und schreib Deine Meinung dazu“ wurde man dazu eingeladen, über das zu schreiben, was man in seiner Stadt interessant fand. Qype hieß es, ein eigenartiger Name, aber einer, den man sich merkte, eben weil er so eigenartig war.

Ich fand es prima und ich bin gleich auf diesen Zug aufgesprungen und habe selber begonnen, über Lokale und anderes – hauptsächlich in meinem Kiez in Moabit – zu schreiben. Mit kleinem Geschenken hat Qype die Freizeitschreiber bei Laune gehalten, mal wurden Kinogutscheine verlost, hin und wieder gab es das eine oder andere T-Shirt, ein anderes Mal bekam man einen Schlüsselanhänger und einmal gab es auch eine schöne Tasse, die heute auch in meinem Schrank steht.

Tasse
Gerade ist sie umgefallen, die Qype-Tasse

Aus vielen Gründen bin ich auf Qype zwar bei weitem nicht mehr so aktiv wie früher, aber aus der Tasse trinke ich immer noch gerne.

Tassen im Schrank – Folge 9

17. April 2009 10 Kommentare

Die schöne, schlanke arte-Tasse ist eine Gasttasse in meinem Schrank. Sie ist nämliche nicht die meine, sondern die der Meinen (der politisch nicht korrekte Gebrauch des besitzanzeigenden Fürworts möge mir verziehen werden).

Tasse

Aber ich darf auch schon mal daraus trinken. Und das, obwohl ich ja selber schuld daran bin, dass ich keine eigene habe, denn entgegen ihrem Rat habe ich seinerzeit kein Probeabo für das arte magazin, die Programmzeitschrift von arte, abgeschlossen, bei dem man zur Belohnung eine solche Tasse geschenkt bekam. Man kann sie zwar immer noch bekommen, die Tasse, aber muss dann schon ein Jahresabo abschließen.

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