
Seinen Namen trägt das Café nicht umsonst. Es ist in einem der wenigen Altbauten untergebracht, die auf einer Landnase des ehemaligen sowjetischen Sektors stehen, die sich zwischen den Gleisanlagen des Lehrter Güterbahnhofs und des Nordbahnhofs die Chausseestraße entlang nach Norden in den früheren französischen Sektor erstreckt.

Ausschnitt aus meinem ersten Berlin-Plan von 1972 (der Osten ist grau, der Westen rosa)
Ringsherum stand einst die Mauer, die nun zwar schon fast 20 Jahre weg ist, aber auf diesem Stück Mitte, eingekeilt zwischen Moabit und Wedding, scheinen sich Fuchs und Hase immer noch Gute Nacht zu sagen.
Viele der Gäste des Cafés scheinen dann auch Patienten aus dem nahegelegenen Bundeswehrkrankenhaus mit ihren Besuchern zu sein. Aber es wird hier viel gebaut, auf den Freiflächen werden schicken Stadtvillen errichtet, von denen einige an der neuen Straße Am Pankepark schon fertig und bewohnt sind. Die Gentrifizierung scheint in vollem Gange, auch wenn es auf diesem Gelände gerade nicht so viel angestammte Bevölkerung gibt. Denn hier stehen etliche zivile und militärische Gesundheitseinrichtungen, Verwaltungs- und Industriebauten, wie das ehemalige
Augusta-Hospital, das heute leer steht und zu einem Hotel umgebaut werden soll, dahinter ein Kraft- oder Heizwerk mit einem weithin sichtbaren Betonschornstein. Bis in die 1970er Jahre hatte das Oberste Gericht der DDR seinen Sitz gleich nebenan in der Scharnhorststraße 6.
Die Schlapphüte des Bundesnachrichtendienstes, dessen neues Hochsicherheitsgebäude für viele Millionen nicht weit von hier an der Chausseestraße entsteht, dort, wo einst das später in Stadion der Weltjugend umbenannte Walter-Ulbricht-Stadion stand und jetzt noch etliche Baukräne in die Luft ragen, werden hier vielleicht aus Sicherheitsgründen nicht ihre Mittagspause verbringen dürfen.
Aber zurück ins Café: Es gibt hier guten Kaffee und feinen Kuchen aus einer Bio-Bäckerei. Der Kaffee, der aus eine Rösterei in der Hamburger Speicherstadt kommt, wird auch in Gebinden übern Damm verkauft, ebenso wie ein kleines Angebot von Weinen, darunter auch Frankenweine von einem Winzer in Volkach, die gänzlich ohne Bocksbeutel auskommen.

Im hübsch gestalteten Café hängen Ölbilder nach Covern von Jazz-Schallplatten
Hinter dem Tresen wartet eine kleine, aber feine Auswahl an schottischen Whiskies auf Verkostung, aber das war am frühen Sonntagnachmittag eher nicht passend. Statt dessen lieber Cappuccino und Kirschsandkuchen für mich, heiße Schokolade und New York Cheese Cake für die Lieblingszicke. Beide Kuchen gefielen uns sehr gut, aber wir fanden, dass die Stücke ruhig etwas größer hätten sein können. Bei den Getränken war die Schokolade der Hit, wirklich sehr überzeugend im Geschmack.
Café – Bistro – Catering
„Am Ende der Welt“
Leif Russek & Ulrike Rodel
Scharnhorststraße 5, 10115 Berlin
0176-24563010
www.cafeamendederwelt.de
Mo-Fr: 8-18 Uhr, Sa-So: 10-18 Uhr
Kommentare