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Archiv für Mai 2009

Saicaf

26. Mai 2009 18 Kommentare

Jahrelang habe ich immer wieder bei meinen Reisen nach Apulien im Süden Italiens nicht nur das hervorragende Olivenöl »Cima di Bitonto« mitgebracht, sondern auch immer ein paar Kilo Kaffee, und zwar Saicaf aus Bari oder Quarta aus Lecce. Der Kaffee in Apulien wird ganz offensichtlich anders geröstet als im Norden Italiens und schmeckt mir einfach besser.

Beide Kaffeemarken findet man schon in Italien außerhalb des lokalen Verbreitungsgebiets nicht, geschweige denn in Deutschland. Auto mit Saicaf-Logo Umso größer war die Überraschung, als ich an einem Sonntag auf dem Weg zum Segeln einen auf der Heerstraße geparkten Lieferwagen mit Berliner Kennzeichen sah, auf dem das Saicaf-Logo prangte. Also scheint es doch in Berlin jemanden zu geben, der Saicaf vertreibt. Allerdings war keine Adresse oder Telefonnummer angebracht, auf einer im Auto zurückgelassenen Visitenkarte konnte ich aber Namen und E-Mail-Adresse erspähen.

Noch viel größer war jedoch die Überraschung, als die Lieblingszicke einen Tag später rein zufällig das zugehörige Ladengeschäft entdeckte, das sich — Zufall über Zufall — in Moabit auf der Levetzowstraße befindet. Im Schaufenster stehen brav die Tüten mit den verschiedenen Sorten Saicaf aufgereiht.

Saicaf auf der Levetzowstraße

Es wäre ja toll, wenn ich demnächst Kaffee von Saicaf für meinen Espresso in Moabit kaufen könnte! Öffnungszeiten gibt es aber nicht, es bleibt also nur die telefonische Kontaktaufnahme mit Vereinbarung eines Termins.

Ein paar Tage später werde ich dann auch im Laden freundlich empfangen und darf mit dem Besitzer, der den Kaffee von Saicaf und Espressomaschinen der bekannten Marke Gaggia an gewerbliche Abnehmer verkauft, über Espresso fachsimpeln. Einen frisch gebrühten Espresso der Sorte Elkafe gibt’s natürlich auch dazu. Der Kaffee ist in verschiedenen Mischungsverhältnissen von 60% Arabica zu 40% Robusta bis hin zu 100% Arabica erhältlich. Ich kaufe gleich ein paar Kilo, drei unterschiedliche Sorten, aber alle mit Robusta, denn ich mag den kräftigen Geschmack. Der Preis liegt eher ein wenig unter dem, was ich sonst für den Kilobeutel in Bohnen zahle und richtet sich wie üblich nach der Qualität: je höher der Anteil Arabica, desto teurer.

Im Laden auf der Levetzowstraße, den er erst ein paar Monate hat, möchte seine Frau demnächst ein Café einrichten, so dass man den Kaffee auch probieren und dann auch ohne Terminvereinbarung kaufen kann.


Calogero Catania
Levetzowstraße 22, 10555 Berlin
0176-820 75 890
saicaf-berlin@arcor.de

Max-Taut-Schule

23. Mai 2009 3 Kommentare

Max-Taut-Schule

Am Nöldnerplatz in Lichtenberg steht einer der größten Schulbauten der Weimarer Republik. Gebaut wurde die Anlage zwischen 1929 und 1935 nach Plänen von Max Taut, der 1927 als Sieger aus dem Wettbewerb für die „Lichtenberger Schulen“ — Lyzeum, Mittel- und Berufsschule — hervorgegangen war. Heute besuchen hier rund 3.200 Schüler und Auszubildende das Oberstufenzentrum Versorgungs- und Reinigungstechnik mit einer für mich verwirrenden Anzahl unterschiedlicher Schultypen zur beruflichen Bildung.

Die Anlage, deren zwei- und dreigeschossige Flügel sich die Fischerstraße und Schlichtallee entlang ziehen, ist als Eisenbetonkonstruktion ausgeführt und mit gelben oder roten Klinkern verblendet. Mit Ausnahme einer Eingangsfront an der Fischerstraße, die ein aus Terrakotta gefertigtes Relief mit der Darstellung einer Frau umringt von Kindern trägt, sind alle Bauteile schmucklos. Es sei denn, man betrachtet die intensiv rote und blaue Farbe der Fensterrahmen als Schmuck.

Max-Taut-Schule

Der Schulkomplex ist ein typisches Beispiel des „Neuen Bauens“ und steht heute unter Denkmalschutz. Die im zweiten Weltkrieg durch Brandbomben zerstörte Aula der Schule stand 60 Jahre als Ruine vor der Schule, bis sie zwischen 2005 und 2007 unter Leitung des Architekten Max Dudler wiederaufgebaut wurde (siehe dazu Artikel in BauNetz mit weiteren Bildern). Als moderner Multifunktionsraum bietet die Aula 800 Menschen Platz für unterschiedliche Veranstaltungen.

Wir waren zu dritt, um die Aula zu besichtigen, sahen jedoch wenig Aussicht auf Erfolg, da just zu diesem Zeitpunkt in ebendieser Aula der Landesparteitag der SPD stattfand, und FWMeiersteinwandten uns zum gehen. Doch die Lieblingszicke hatte sich schon mit unserem Anliegen an die Einlassdame gewandt, nach dem Motto: Nachfragen ist immer gut. Als ihr mit der eher verhaltenen Auskunft gedient wurde: „Da müssen Sie sich schon akkreditieren!“, stürmte sie zum entsprechenden Schalter und kam mit drei laminierten Ausweisen zurück, die uns ohne weiteres die Türen zum Internum und damit auch zur Aula öffneten. Sie hatte überlegt, Rudi Ratlos, Frank-Walter Meierstein und Agneta Zögerlich anzugeben (man weiß ja nie, einmal den Namen genannt, und schon ist man Parteimitglied), sich dann aber doch für grenzenlose Ehrlichkeit entschieden. Bleibt zu sagen, dass mehr als die Aula selbst die Tatsache begeisterte, unseren Regierenden mit seiner Banknachbarin schwätzen zu sehen.


Die Galerie ist wegen eines Fehlers bei WordPress leider etwas durcheinander.


Fischerstraße 36,10317Berlin
030-52280148
www.max-taut-schule.de

BBI-Infotower

22. Mai 2009 5 Kommentare

Schön sind sie ja schon, die temporären Bauwerke, die errichtet werden, um dem Touristen oder auch dem gemeinen Anwohner einen Ein-, Über- und Ausblick über die größeren Baustellen in und um die Hauptstadt zu gewähren. Nachdem die schöne rote Infobox am Potsdamer Platz nicht mehr ist, gibt es seit 2007 den Aussichtsturm am Flughafen Schönefeld, offiziell BBI-Infotower genannt.

Flughafen BBI

Ein schönes, dynamisches, luftiges Bauwerk: Eine transparente Außenhülle, die durch eine Vielzahl von Stahlseilen festgehalten wird, dreht sich mit dreieckigem Grundriss um einen Betonkern gute 32 Meter in die Höhe. Im hohlen Kern kann man sich mit dem Aufzug nach oben fahren lassen oder aber die 178 Stufen der Stahltreppe, die sich um den Kern wendelt, eigenfüßig nach oben laufen. Dabei wird jedes konstruktive Element des Gebäudes sichtbar: der Betonkern, die Treppe, die Tragrahmen der Hülle, die großen „Wantenspanner“ des Tragwerks, das Kern und Hülle verbindet, die Stahlseile, die die äußere Membran halten. Entworfen hat den Turm das Architekturbüro Kusus+Kusus.

Flughafen BBI

Oben angelangt, kann man bei schlechtem Wetter auf der überdachten Plattform, oder aber, wenn es nicht regnet, ganz oben im Freien stehen. Vor dort hat man einen tollen Blick über die gigantische Baustelle und auf die Skyline von Berlin.

Flughafen BBI Flughafen BBI

Im Besucherpavillon, in dem man auch den Obolus in Höhe von 2 € bezahlt, gibt es ein Modell des künftigen Flughafens und weitere Informationen zum Baugeschehen, so dass man den Aufstieg einigermaßen informiert beginnt und beim Ausblick vom Turm auf die Baustelle das ein oder andere der zukünftigen Struktur erkennen kann. An Tagen, an denen es nicht überlaufen ist, hat darüber hinaus das freundliche und sachkundige Personal genug Zeit, um die Fragen des neugierigen Besuchers zu beantworten.

Flughafen BBI

Und manchmal fliegt hier nicht nur easyjet, sondern auch ein stolzer Roter Milan.

Flughafen BBI Flughafen BBI


BBI-Infotower, Schönefeld (Karte bei Google Maps)
www.berlin-airport.de
täglich von 10 bis 18 Uhr

Siedlung „Neu Jerusalem“

19. Mai 2009 15 Kommentare

Ein Kleinod, an dem man achtlos vorbeifährt, liegt in Staaken beidseits der Heerstraße. Ein Kleinod freilich, das recht verwahrlost ist, und schon deswegen nicht wahrgenommen wird.

Von 1923 bis 1925 wurden hier für Angehörige der Fliegerakademie des Staakener Luftschiffhafens 21 Doppelhäuser nach den Plänen des Architekten Erwin Anton Gutkind erbaut. Die Siedlung ist ganz im Stil der neuen Sachlichkeit gehalten und steht damit in scharfem Kontrast zur eher idyllischen Anmutung der nahe liegenden Staakener Gartenstadt mit ihren krummen Gassen und Giebelhäusern, die Paul Schmitthenner noch nicht einmal zehn Jahre zuvor projektiert hatte. Ebenso wie in der Gartenstadt verfügt auch in Gutkinds Siedlung jedes Haus über einen eigenen Garten, der zur Selbstversorgung der Bewohner beitragen sollte. Die Planung der Gärten übernahm mit Leberecht Migge einer der bedeutendsten Gartenbauarchitekten des Neuen Bauens mit großem sozialreformerischen Anliegen.

Neu Jerusalem Straßenseite
Ursprünglicher Zustand, Ansicht von der Straßenseite

Gutkinds Häuser sind strenge Kuben mit geometrischer Staffelung des Baukörpers, im Erdgeschoss weiß verputzt, und ursprünglich oben mit roten Klinkern verkleidet — ein spannender Materialmix, der sich an vielen seiner Bauten, wie den Wohnanlagen „Am Eschengraben“ und „Sonnenhof“, wiederfindet.

Für die Bewohner waren diese Architektur wohl zu avantgardistisch, denn schon Ende der 20er Jahre begannen sie damit, die Klinkerverblendung des Obergeschosses abzuschlagen und durch weißen Putz zu ersetzen. Im Volksmund erhielt die Siedlung bald den Namen „Neu Jerusalem“, weil ihre weißen Fassaden mit den Flachdächern an die Stuttgarter Weißenhofsiedlung erinnerten, die Gegner des Neuen Bauens als „Araberdorf“ oder „Vorort von Jerusalem“ verspotteten.

Siedlung Neu Jerusalem

Die Häuser der denkmalgeschützten Siedlung lagen bis zum Mauerfall auf dem Gebiet der DDR und sind danach in das Eigentum des Bezirks Spandau gelangt. Vierzig Jahre Mangelwirtschaft in der DDR und zwanzig Jahre Armut der öffentlichen Hand in Berlin haben ihre Spuren hinterlassen: die Bauten sind in einem traurigen Zustand und scheinen dem Verfall preisgegeben. 2008 hat sie der Berliner Liegenschaftsfond als Renditeobjekt an den Investor NCE Northern Cross Estate GmbH verkaufen können. Sie sollen in den nächsten Jahren vom Potsdamer Architekturbüro 3PO saniert und rekonstruiert werden (dort sind auch einige Bilder zu finden, die zeigen, wie die Häuser wieder aussehen sollen).

Siedlung Neu Jerusalem

Die heutigen Mieter, die in den maroden Häusern für relativ geringe Mieten wohnen, befürchten jetzt, wie der Berliner Mieterverein berichtete, dass sie nach einer Luxusmodernisierung nicht mehr in der Lage sein werden, die dann sehr wahrscheinlich viel höheren Mieten zu bezahlen. Einige haben, wie ein Anwohner erzählt, schon freiwillig das Feld geräumt, um den Umbaumaßnahmen zu entgehen.

Neu Jerusalem Gartenseite
Ursprünglicher Zustand: Ansicht von der Gartenseite


Zwischen Heerstraße und Nennhauser Damm, 13591 Berlin

Eintrag bei archinform.net
Artikel in der Märkischen Allgemeinen

Quynh Anh

17. Mai 2009 3 Kommentare

In den Räumen, die ganz früher ein eher trauriges jugoslawisches Restaurant beherbergten, dem das italienische Restaurant Il Forno folgte, das sich nach kurzer Zeit unter dem Namen China il Forno zum Chinesen verwandelte, hat Anfang März 2009 ein vietnamesisches Restaurant eröffnet. Die finstere Einrichtung, die Il Forno schon vom Vorgänger übernommen hatte, ist nun endlich entsorgt und hat freundlichen, hellen Farben Platz gemacht.

Quynh Anh
Nun sind die Wände rosarot und auf den Tischen stehen echte Tulpen. Das Bild der Niagara-Fälle scheint mir allerdings ein wenig fehl am Platz.

Quynh Anh (spricht man das wie Queen Anne aus? Ich habe vergessen zu fragen…) wirbt mit einem kleinem aber feinen Angebot immer frisch zubereiteter Speisen und das zu sehr niedrigen Preisen (4,50 € oder weniger). Dem Anspruch werden sie offensichtlich gerecht, was ich gegessen habe, war frisch zubereitet und recht wohlschmeckend. Hier war ich nicht das letzte Mal — es ist zwar kein Gourmettempel, aber das Preis-Leistungs-Verhältnis ist wirklich sehr gut, ohne dass der Geschmack dabei auf der Strecke bleibt.

Witzig fand ich, dass kurz bevor ich ging, drei Jungs zwischen acht und zwölf Jahren sich jeweils einen Riesenteller Gebratene Nudeln mit Hühnerfleisch und Gemüse (pro Teller 3,00 €) bestellten und mit großem Appetit aßen — Fastfood der besseren Art.

Auf dem Werbezettel, den das Lokal verteilt, sind neben vielen Passagen in korrektem, verständlichen Deutsch auch einige Sätze zu finden, die man auch mit gutem Willen nicht verstehen kann:

  • Jeden Tag haben wir Ente kross [...] mit frischem Gemüse, gehaltenen Schankraum die wechselnden Tagesangebot.
  • Die Verweildauer ist noch immer äußerst kurz.

Vor allem letzteres verwundert: verlassen die Gäste fluchtartig das Lokal?


Turmstraße 6, Moabit, 10559 Berlin
030 74398753
Mo-Fr: 11-23, Sa-So: 12-23

Trattoria Belmonte

13. Mai 2009 3 Kommentare

Ziemlich lange hat es gedauert, bis wir nach dem Monte Croce (Kreuzberg) nun endlich auch ein Belmonte (Schöneberg) bekommen haben.

Trattoria Belmonte

Wo ganz, ganz früher einmal ein griechisches Restaurant residierte und in den letzten zehn Jahren das Shima, hat vor rund zwei Wochen nun ein italienisches Restaurant eröffnet. „L’amore per la cucina italiana“ lautet das Leitmotiv des Belmonte, und mir kommt es nach zwei Besuchen so vor, als ob man dem Anspruch dauerhaft gerecht werden könne. Vom Vorgänger hat man den großen Spiegel, das Lichtdesign und das Mobilar übernommen, die Farben sind jedoch geändert. Sitzen kann man je nach Lust und Laune entweder an schlichten Holztischen oder fein eingedeckt.

Trattoria Belmonte

Und das findet man im Belmonte: Ungewöhnlich belegte Pizzen von 5,50 bis 8,50 €, gute Auswahl an wechselnden Tagesgerichten, darunter sehr interessante Nudelgerichte um 10 € (die Papardelle mit lecker fencheliger Salsiccia, Rucola und Ziegenfrischkäse waren ein Gedicht), günstige Getränkepreise (große Flasche San Pellegrino unter 4 €), ein hervorragender Espresso (heiße dickbäuchige Tasse, schokoladenbraun, dichte Crema, intensiver Geschmack, wenig Säure), sehr freundliches und entgegenkommendes Personal.

Man gibt sich viel Mühe, ich glaube, das Belmonte könnte langfristig glatt zu einem Lieblingslokal werden!


4birnenSchwäbische Straße 5, 10781 Berlin
030 2111990
www.trattoria-belmonte.de

Bedürfnisbefriedigung verboten!

8. Mai 2009 8 Kommentare

Es ist schon interessant, welche Verbotsschilder man heutzutage meint aufstellen zu müssen. „Die Gesellschaft bekommt die Verbotsschilder, die sie verdient“, oder wie muss ich das verstehen?

Verbotsschild
Gesehen am Tor einer Einfahrt am U-Bhf Turmstraße

Es ist ja nicht so, dass der U-Bahnhof Turmstraße eine einsame Stelle wäre, an der man völlig ungestört von anderen Mitmenschen seine Notdurft verrichten könnte, also nicht so ein idyllischer, abgelegener Ort, wie ihn Richensa im Uckermärkischen Wald gefunden hat. Nein, hier mitten in der Stadt kommen jeden Tag Abertausende Menschen vorbei und es wartet immer eine Menschentraube auf den Bus.

Seltsam. Aber schön gezeichnet sind die bedürfnisbefriedigenden Strichmännchen schon.

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