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Archiv für August 2009

uferlos an der Panke

31. August 2009 5 Kommentare

Sang Claire Waldoff einst noch:

Und steh’ am Ufer ich der Panke,
Möcht jleich ich wieder Leine ziehn:
Bei dem Jestanke. Na ick danke.
Ne dufte Stadt ist mein Berlin …

so kann man heute doch vom Jestanke jänzlich unbehelligt im schönen grünen Garten des uferlos am Ufer eben dieser inzwischen an vielen Stellen wieder renaturierten Panke sitzen und die warmen Spätsommerabende genießen.

Café Uferlos

Nicht nur ein gepflegtes Feierabendbier schmeckt hier, nein, zu meiner Verwunderung kann man auch sehr gut essen. Auf einer großen Tafel im Innenraum sind die Tagesgerichte ausgehängt. Mit Preisen von ca. 9 bis 15 € für ein Hauptgericht ist man für den Wedding (pardon, genauer: Gesundbrunnen) sicher schon auf der etwas teureren Seite, aber was auf den Tisch kommt, scheint mir jeden Euro wert.

Mein Essen war erstens eine ungewöhnliche Kombination und zweitens auch noch ungewöhnlich gut zubereitet: „Medaillons vom Schweinefilet mit Blutwurst-Chilikruste, Birnen-Chutney und La Ratte-Kartoffeln“ stand auf der Karte, dazu kamen aber auch noch Pfifferlinge in Sahne mit rohen Frühlingszwiebeln. Klingt schräg, schmeckte mir in dieser Zusammenstellung aber sehr gut. Nur das Filet hätte ich mir einen Tick mehr rosa gewünscht.

Café Uferlos

Ich komme wieder!


4birnen
uferlos
Uferstraße 13, 13357 Berlin

030 46600510

Hafenfest

30. August 2009 3 Kommentare

Jedes Jahr findet in Berlin an einem Wochenende gegen Ende August das Hafenfest mit historischen Schiffen statt. Das erste dieser Feste gab es bereits 1990 im Humboldthafen am Lehrter Bahnhof, spätere folgten dann an der Mühlendammschleuse in Mitte, nachdem der Historische Hafen dort ein neues Domizil gefunden hatte.

Hafenfest
Hafenfest im Historischen Hafen

Der Historische Hafen Berlin wird im Wesentlichen von zwei Organisationen getragen, dem 1990 gegründeten Verein Berlin–Brandenburgische Schifffahrtsgesellschaft e.V. und der zwei Jahre danach gegründeten Spree–Cöllnische Schifffahrtsgesellschaft mbH. Gemeinsam haben sie mehr als dreißig historische Binnenschiffe unterschiedlicher Bauart und Herkunft im Historischen Hafen versammelt.

Die Gemeinsamkeit ist aber wohl nicht von Dauer, denn wo deutsche Menschen in einem Verein zusammenarbeiten, gibt es oft Zwietracht, so auch hier, wo sich die beiden Organisationen vor Gericht um das liebe Geld und um Liegerechte im historischen Hafen stritten. Vielleicht war es auch ein Ost-West-Konflikt – es ist schwierig, als Außenstehender in dem Netz der beteiligten Organisationen und deren Allianzen den Überblick zu bewahren.

Hafenfest
Hafenfest (?) im Humboldthafen

Die Uneinigkeit führte auch dazu, dass in diesem Jahr zwei Hafenfeste stattfinden sollten: eines im Historischen Hafen am Mühlendamm und ein zweites im Humboldthafen. Letzteres ist nicht wirklich ein Hafenfest geworden, sondern war im wesentlichen eine Abendveranstaltung im Rahmen der langen Nacht der Museen. Ein paar historische Schiffe, darunter das Ausstellungsschiff Kurier, lagen zwar im Humboldthafen, vom veröffentlichten umfangreichen Programm war jedoch nichts zu sehen. Wobei es dem Humboldthafen ja durchaus gut zu Gesicht stehen würde, wieder als – zusätzlicher – historischer Hafen zu dienen statt weiterhin als relativ unansehnlicher Veranstaltungsort für Sandsations, Zauberzirkusse und ähnliches herhalten zu müssen.

19. Hafenfest im Historischen Hafen
Zentralkapelle Berlin

Am Mühlendamm war schon deutlich mehr Fest: man konnte sich nicht nur die vielen historischen Schiffe in Aktion ansehen, es gab auch ein zünftiges musikalisches Rahmenprogramm, wovon mir die Blasmusik der Zentralkapelle Berlin, eines mir leider bis dato unbekannten symphonischen Blasorchesters, überaus gut gefallen hat.

Und selbstverständlich hatte man die Möglichkeit, auf dem Dampfschlepper Andreas eine einstündige Tour bis zu den Treptowers und zurück zu machen.

Hafenfest
Die Dampfmaschine von Andreas in Aktion

Erstaunlich kommt es mir doch immer wieder vor, um wie viel geräuschloser und erschütterungsfreier als ein gewöhnlicher Schiffsdiesel so eine Dampfmaschine ihre Arbeit verrichtet.

Die Dampfmaschine von Andreas stammt übrigens von 1926 und wurde 1944 in Ermangelung eines Dieselmotors in den Schlepper eingebaut. Es ist ein kleines Wunder, dass sie heute noch läuft, das wir den engagierten Menschen verdanken, die sich mit ihrem Herzblut dem Erhalt der historischen Schiffe verschrieben haben.

Und immer wieder gerne gesehen wird das Löschboot der Berliner Feuerwehr, das beim Losfahren mit „Hebeln auf dem Tisch“ erst mal heftigen Wellenschlag im Hafen verursachte (daher auch die etwas wacklige Kameraführung), wodurch sich sogar eine Schute losriss, und dann die üblichen Wasserspiele (hier mit Regenbogen) veranstaltete. Am Ende auch mit Durchfeuchtung einiger Musiker der Zentralkapelle, die zu laut nach einer Abkühlung gerufen hatten.


Historischer Hafen
Märkisches Ufer, 10179 Berlin

tentstation – letzte Saison

26. August 2009 5 Kommentare

Vier Jahre war die tentstation nun als Zwischennutzer des früheren Moabiter Sommerbads ein überaus erfolgreicher Campingplatz mitten in Berlin, so grün und ruhig gelegen wie man es ganz oft noch nicht einmal am Rande anderer Großstädte erlebt.

tentstation
Frisbee im Schwimmbecken

Aber die tentstation war nicht nur ein Campingplatz, sondern auch ein Veranstaltungsort für Konzerte, DJ-Sessions, Video- und Filmvorführungen und vieles andere mehr. Selbst wenn es keine Veranstaltung gab, konnte man in lauen Sommernächten wunderbar auf der alten Tribüne sitzen, ein Bier trinken und die ganz besondere, schon fast zauberhaft zu nennende Atmosphäre des morbiden Orts auf sich wirken lassen.

tentstation
Die Tribüne ist zur Bar geworden

Hier merkt man dann auch schnell, wie international die Besucher des Campingplatzes sind, Sprachfetzen in Holländisch, Französisch, Englisch, Schottisch, Spanisch, Polnisch und anderen Sprachen dringen ans Ohr.

tentstation
Blick von der Tribüne  ins Grüne

Schade, dass das Schwimmbad kein Schwimmbad mehr ist, schade nun auch, dass die tentstation nun einem Wellness-Bad weichen muss.

tentstation
Vermietes Bademeisterhäuschen am Abend

Wer die besondere Atmosphäre selber erleben möchte, muss sich also sputen. Den einen oder anderen lauen Sommer- oder Frühherbstabend wird es ja wohl noch geben.


Seydlitzstraße 6, 10557 Berlin
+49 30 39404650
www.tentstation.de

Liebe Frau Bundeskanzler Merkel …

24. August 2009 12 Kommentare

Liebe Frau Bundeskanzler Merkel,

es freut mich, dass Sie soviel Bürgernähe zeigen und Ihr schönes großes Haus Ihren Bürgern für Feiern zu besonderen Anlässen zur Verfügung stellen. Besonders berührt hat es mich, dass Sie hier auch bei Migranten keine Ausnahme machen.

Nun habe ich zwar selber keinen Migrationshintergrund, suche aber schon seit geraumer Zeit angemessene Räume für die Ausrichtung meines 65. Geburtstags. Das ist zwar noch ein paar Jahre hin, aber ich möchte gerne schon frühzeitig reservieren, denn ich kann mir vorstellen, dass nach dem Bekanntwerden Ihrer großzügigen Geste viele Bürger von diesem Angebot Gebrauch machen wollen.

Übrigens werde ich keine zusätzlichen Kosten verursachen, denn ich würde das erforderliche zusätzliche Servicepersonal gerne selber organisieren und bezahlen. Ich erwarte so um die 30 bis 40 Gäste, deren Einladung und Betreuung ich natürlich eigenständig vornehmen werde, so dass auch hier keine zusätzlichen Aufwände für das Bundeskanzleramt anfallen.

In Erwartung Ihrer baldigen Antwort
verbleibe ich mit den besten Wünschen für einen erfolgreichen Wahlkampf,

Ihr vilmoskörte


Bundeskanzleramt
Willy-Brandt-Straße 1, 10557 Berlin

0180-272 0000

www.bundeskanzlerin.de

Humboldthafenbrücke

24. August 2009 14 Kommentare

Der 2006 zum ersten Mal verliehene Deutsche Brückenbaupreis wird alle zwei Jahre von der BundesingenieurkammerKein Ding ohne Ing.«) und dem Verband beratender Ingenieure vergeben, »um den Beitrag der Ingenieure zur Baukultur stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken«. Keine schlechte Idee, denn wenn man genau hinschaut, bemerkt man, dass viele dieser eigentlich reinen Funktionsbauten ganz oft auch wunderbare Beispiele gelungener Architektur sind. Gerade in Berlin sind in den Jahren nach der »Wende« viele schöne neue Brücken entstanden, von denen die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung einige in der Broschüre „ÜberBrücken“ und auch online vorstellt.

Humboldthafenbrücke

Deutscher Brückenbaupreis2008 wurde die Humboldhafenbrücke mit diesem Preis ausgezeichnet. Der verantwortliche Ingenieur, Prof. Dr.-Ing. Jörg Schlaich, durfte die Preisskulptur im Rahmen eines Festaktes an der TU Dresden entgegennehmen. Seitdem hängt auch das Hinweisschild auf den Preis am Lehrter Bahnhof.

Eigentlich ist es ja nicht nur eine Brücke, die hier Moabit und Mitte miteinander verbindet, sondern vier nebeneinander liegende. Die Brücke ist rund 240 Meter lang, die sich auf sechs Bögen erstrecken, deren größter mit 60 Meter den Hafen überspannt. Ungewöhnlich ist der Materialeinsatz, der das sonst übliche auf den Kopf stellt: Träger aus Stahl unten und die Fahrbahn aus Beton oben. Das ermöglicht für eine Brücke solcher Tragfähigkeit ein recht filigranes Erscheinungsbild.


Humboldthafenbrücke
Friedrich-List-Ufer, 10557 Berlin

Humboldthafenbrücke in der Wikipedia

IKEA

21. August 2009 Hinterlasse einen Kommentar

 IKEA   ist IKEA ist IKEA – einer wie der andere. Köttbullar esse ich hier nicht und anderes auch nicht. Eine FAMILY-Card habe ich nicht und ein Community-Gefühl kommt bei mir auch nicht auf, wenn ich mit Tausend anderen Kunden die endlosen verschlungenen Wege durch die Möbelaustellung nehmen muss. Gelegentlich kaufe ich mir aber mal ein Möbel in Einzelteilen, weil ich so gern bastele und schraube und kein Web-2.0-Unternehmen habe.

Vor mehr als einem Vierteljahrhundert habe ich bei IKEA Spandau – damals der einzige in Berlin – eine Kücheneinrichtung gekauft. Hier finde ich – anders als bei der Gastronomie – ein System gut, meines hieß damals Faktum. Es heißt auch heute noch so und – oh Wunder – die Abmessungen der Schränke sind immer noch so wie damals, so dass ich meiner Küche ein Facelifting gönnen kann: die Schränke bleiben, nur die Türen werden gewechselt. Toll.

Das zweite Wunder ist, das alles was ich dafür brauche, auf Lager ist, ich also nur einmal hinfahren muss.

Die „neue“ Küche hat mich knapp über 200 € und drei Nachmittage Schrauben gekostet. Ich bin zufrieden.

Braumanufaktur Forsthaus Templin

20. August 2009 10 Kommentare

Forsthaus Templin

Anlässlich des Teltower Rübchenfestes Ende September 2007 hatte ich das Bier der Braumanufaktur zum ersten Mal probieren können. Ein Besuch der Brauerei mit der angeschlossenen Gastwirtschaft am Templiner See stand seitdem auf dem Plan. Zwei Jahr später habe ich es doch endlich geschafft, das Brauhaus selbst zu besuchen.

Und es ist ein besonders schöner Abend geworden: mit guten Freunden das besondere Bier genossen, gut gegessen und gut unterhalten. Man sitzt sehr schön im großen Biergarten, der zwar nicht direkt am Templiner See liegt aber den Blick auf riesige Platanen eröffnet.

Forsthaus Templin  Forsthaus Templin
Weiße pur vorab und Braumeistersteak mit Potsdamer Stange

Hingefahren waren wir vor allem, um die hier gebraute Weiße zu verkosten. Die darf zwar nicht Berliner Weiße heißen, sondern muss als Potsdamer Weiße bezeichnet werden, ist aber geschmacklich nach meiner Meinung der überwiegend in Berlin servierten Weiße eines großen Bauimperiums haushoch überlegen, zudem selbige in vielen Gaststätten als Fertigmischung gereicht wird. Die Weiße der Braumanufaktur hat einen intensiven Geschmack, der dazu einlädt, sie pur zu genießen, sich aber auch behaupten kann, wenn man sie mit Schuss trinkt, aber besonders. Wer es ganz klassisch mag, bestellt sich einen Kümmel dazu und genießt sie als Weiße mit Strippe.

Die Küche ist deftig-kräftig, ganz wie es sich für ein Brauhaus gehört. Zu vielen Gerichten wird Treberbrot gereicht (Treber sind die Rückstände des Malzes bei der Bierherstellung), ein sehr schmackhaftes, dunkles Brot, das man hier – ebenso wie die Biere – zwecks Mitnahme nach Hause erwerben kann. Das Bierkutschersteak (in Bier marinierter Schweinekamm) mit Bratkartoffeln in Bier eingelegten Zwiebelringen schmeckte mir vorzüglich. Die Preise kann man nicht anders als günstig bezeichnen, und das gilt für Essen und Trinken gleichermaßen.

Übrigens hält direkt vor dem Forsthaus der Havelbus 607, der einen auch nach dem Genuß aller angebotenen Bierspezialitäten sicher nach Postdam Hbf bringt. Hinfahren kann man auch vom Volkspark Glienecke (Krughorn, gegenüber der Sacrower Heilandkirche) aus mit dem Wassertaxi, eine sehr schöne Fahrt von rund 50 Minuten Dauer, die an vielen Potsdamer Sehenswürdigkeiten vorbeiführt.


5birnen

Braumanufaktur Forsthaus Templin

Templiner Straße 102, 14473 Potsdam
033209 217979
www.braumanufaktur.de

Öffnungszeiten: täglich 11-23h

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