Archiv

Archiv für August 2009

Neumanns Erntegarten

12. August 2009 14 Kommentare

Der Sommer ist die Zeit des Obstes. Wer keinen eigenen Garten mit Obstbäumen hat, kann sich auf einem der Berliner Wochenmärkte versorgen oder ist auf den Lebensmittelhandel angewiesen, bei dem das Obst oft über Hunderte von Kilometern herangekarrt wurde.

Neumanns Erntegarten

Oder aber man fährt mit Familie oder Freunden nach Potsdam zu Neumanns Erntegarten und pflückt selbst. Ganz besonders ist das angebracht, wenn man selber Marmeladen bereiten will, denn hier bekommt man die richtigen Mengen zum günstigen Preis. Dabei hat man noch eine große Auswahl unterschiedlicher Obstsorten, natürlich der Reifezeit entsprechend.

Neumanns Erntegarten

Hier wird Pflaumenmus eingekocht (drei Tage lang!)

Süßkirschen, Stachelbeeren, Johannisbeeren sind jetzt schon abgeerntet, Sauerkirschen gibt es gerade noch, Pflaumen und Himbeeren warten darauf, geerntet zu werden und die Apfel- und Birnenzeit hat mit Ausnahme von ein paar frühen Sorten zum alsbaldigen Verzehr noch nicht richtig begonnen. Der Erntegarten hat etliche Apfelsorten im Angebot: Vistabella, Klarapfel, Piros, Helios, Retina, Apollo, Alkmene, Carola, Goldparmäne, Elstar, Albrechtsapfel, Oldenburg, Resi, Boskoop, Ontario. Bei Goldparmäne und Boskoop möchte ich im September gerne miternten, das Kilo selbstgepflückte Äpfel kostet 1 €, gerade richtig, um einen kleinen Wintervorrat anzulegen.

Der Hof bezeichnet sich zwar in der Eigenwerbung selbst als „Erlebnishof“, ist dankenswerter Weise aber, was das angebotene Bespaßungsprogramm angeht, zurückhaltend und bei weitem nicht mit solchen Auswüchsen wie Karls Erdbeerhof in Rövershagen zu vergleichen. Für die Kinder gibt es ein Freigehege mit Ziegen, Gänsen, Enten, einem Esel und sogar einem Wollschweinpaar.

Neumanns Erntegarten

Der Hofladen bietet Produkte aus der Region, darunter auch die Biere der Braumanufaktur Forsthaus Templin (gleich ein paar Flaschen des Champagne du Nord, hier Potsdamer Weiße genannt, gekauft) und Wurstwaren aus der eigenen Schlachtung (wie gut, dass die Kinder nicht wissen, dass so manches Tier aus dem Freigehege hier geendet ist).


Neumanns Erntegarten

Am Heineberg 2, 14469 Potsdam
0331 501651
www.neumanns-erntegarten.de

Der Hüter des Westhafens

12. August 2009 3 Kommentare

Graureiher

Das Stöckchen heb ich auf. Nicht nur in Stuttgart hütet er die Wasserläufe, auch in Berlin wurde er schon gesichtet.

Graureiher

D’ailleurs, c’est toujours les autres qui meurent

10. August 2009 5 Kommentare

D'ailleurs c'est toujours les autres qui meurent

Auf der anderen Straßenseite steht das Gesundbrunnencenter, davor die Curry-Baude mit einer der besten Currywürste Berlins. Hier, auf dem Blochplatz, diesem kleinen Dreieck zwischen Bad-, Hoch- und Böttgerstraße, ist es auch nicht gerade idyllisch. Der Platz ist eine eher unspektakuläre Grünanlage, dem allerdings in der Vergangenheit schon einmal größere Bedeutung zukam: von 1875 bis 1910 zog hier die städtische Gärtnerei Planzen für die Schulen heran. Benannt ist der Platz seit 1910 nach dem jüdischen Arzt und bedeutenden Naturforscher Marcus Élieser Bloch.

Was man nicht sieht, ist der große Tiefbunker unter dem Platz, der 1942 von Kriegsgefangenen errichtet und 1970, in der Zeit des kalten Krieges, als Schutzraum für rund 1300 Personen reaktiviert wurde. Gewartet wird er heute von Verein Berliner Unterwelten, der auch Führungen durch den Atomschutzbunker anbietet.

Hin und wieder ist der Bunker Schauplatz kultureller Veranstaltungen. Ein Zeugnis einer solcher Veranstaltung ist an der Oberfläche erhalten geblieben. An einem der beiden Betonhäuschen, die auf dem Platz stehen und die Zugänge für die unterirdischen Anlagen in sich bergen, sind blau emaillierte Schilder angebracht, im Stil französischer Straßenschilder ausgeführt und zumindest im Sommer vom wilden Wein überwuchert.

»D’ailleurs, c’est toujours les autres qui meurent« steht auf der einen Seite, die deutsche Übersetzung »Übrigens sind es immer die anderen, die sterben« auf der anderen. Die französische Fassung — eigentlich ganz passend für den ehemals zum französischen Sektor gehörenden Bezirk Wedding — ist die Grabinschrift von Marcel Duchamp.

Übrigens sind es immer die Anderen die sterben

Die Schilder sind das Projekt »Cimetière Monumental« des Künstlers Pierre Granoux und sind der oberirdisch verbliebene Teil der Ausstellung »Der Tod«, bei der mehr als 80 Künstler ihre Projekte im Rahmen des internationalen Kunstprojekts M°A°I°S vom 22. April bis zum 12. Mai 2001 im Tiefbunker zeigten. Der Katalog zur Ausstellung ist online als PDF verfügbar.


Blochplatz, 13357 Berlin

Die Türme von Moabit

10. August 2009 4 Kommentare

Türme von Moabit

Von links nach rechts sieht man hier den alles überragenden Turm der Heilandskirche (mit 87 Metern ist er nicht, wie der Lokalpatriot gerne behauptet, der höchste, sondern laut www.berliner-kirchtuerme.de nur der vierthöchste Berlins), die Türme von St. Paulus, der Kirche des Dominikanerklosters, den Nachkriegsstummelturm der Reformationskirche und das verspielte Türmchen auf dem grobschlächtigen Rathaus Tiergarten.

Die letzten drei etwas größer:

Tüme von Moabit

Es gibt natürlich noch ein paar Türme mehr in Moabit, aber die wollten nicht alle gleichzeitig vor die Kamera.

Sklep spożywczy u Zosi – Polnische Lebensmittel

9. August 2009 20 Kommentare

Seit einigen Wochen gibt es auf der Turmstraße einen polnischen Lebensmittelhandel. Das finde ich eine prima Sache, denn dort gibt es Dinge, für die man sonst weit fahren müsste (mindestens aber bis in die Markthalle in Tegel, denn dort gibt es auch einen polnischen Stand). Das Angebot in dem kleinem Laden ist ziemlich umfangreich: polnische Biere und Alkoholika, Milchprodukte, Tiefkühlware, darunter Pierogi mit unterschiedlichsten Füllungen, Konserven, Fertigsuppen und eine große Vielzahl an Würsten. Und die haben es mir schon angetan, vor allem die Myśliwska (Jägerwurst), gut mit Wacholder gewürzt. Darüber hinaus gibt es dreimal die Woche (Mo, Mi, Fr) frisches polnisches Brot. Die Preise sind durchweg als günstig zu bezeichnen, und ab einem Einkaufswert von 20€ wird sogar im Umkreis von 8 km gratis geliefert, das ist doch mal Service! Und für die, die weiter weg wohnen, gibt es seit Neuestem auch einen Internetshop.

Polnische Lebensmittel

Zu den vielen unterschiedlichen Würsten, die hier angeboten werden, passt es dann ja auch gut, dass eine überdimensionale Wurst die Aufmerksamkeit der Vorübergehenden auf den Laden ziehen soll.

Wer keine Wurst kaufen mag, möchte vielleicht die Waren und Dienstleitungen aus einer ganz anderen Branche in Anspruch nehmen, die der Inhaber Dariusz Klichowski anpreist: Trockenbau, Klinker und Verblendsteine innen und außen, Dekorations- und Gartenelemente. Ein anschauliches Beispiel der Verblendung liefert die Fassade des Lebensmitteladens.


Sklep spożywczy

Turmstraße 13, 10559 Berlin
030 96517299
www.uzosi.de

Mo-Sa: 8-22h

Befreit den Arminiusplatz – Reißt das Rathaus endlich ab!

8. August 2009 6 Kommentare

Die Galerie Nord eröffnete gestern die neue Doppelausstellung modelisme von Albert Weis und Stadtskulptur geht uns alle an! von Erik Göngrich. Anhand der konkreten Entwicklung der Turmstraße beschäftigen sich die beiden Künstler mit Veränderungen des Stadtraums nach 1945.

Reißt das Rathaus endlich ab!

Als Teil der Ausstellung wird auch die Vitrine vor dem Rathaus Tiergarten wieder bespielt. Hier fordert Erik Göngrich den Abriss des Rathauses, damit Moabit seinen einst einzigen Platz — den Arminiusplatz — zurückbekommt.

Reißt das Rathaus endlich ab! Reißt das Rathaus endlich ab!
Links: so sieht es heute aus, rechts: so könnte ein grüner Arminiusplatz ohne Rathaus aussehen


Luftbild der Markthalle 1920 – mit freiem Blick über den Arminiusplatz

Dieser Forderung schließe ich mich gerne an, denn nur so bekommen wir wieder den freien Blick auf die Arminiushalle, die schönste aller Berliner Markthallen.

Arminiushalle
Das hässliche Rathaus verdeckt den Blick auf die schöne Markthalle

Und dass die Forderung gleich an prominenter Stelle vor dem betroffenen Objekt erhoben wird, ist doch auch sympathisch. Sie scheint auch bemerkt zu werden, denn ich habe etliche Passanten vor der Vitrine einhalten sehen. Auch der Tagessspiegel berichtet über die Ausstellung und die Aktion.

.

Im Rahmen der Ausstellung finden folgende Veranstaltungen statt (vor allem den Stadtspaziergang möchte ich empfehlen, der bringt selbst den alteingesessenen Moabiter an bislang unbekannte Plätze):

Sonntag, 9. August, 14 Uhr
Stadtspaziergang »Stadtskulptur geht uns alle an!«
mit Erik Göngrich (Künstler) und Claudia Beelitz (Kunsthistorikerin)
Erkundungen und Beobachtungen in der Stadtlandschaft Moabits mit Beispielen typischer Hinterhof-(Post-)Moderne in der Stadtplanung der 1960er – 90er Jahre.
Dauer: ca. 1 Std., Treffpunkt: Kunstverein Tiergarten | Galerie Nord

Dienstag 11. 8. und donnerstags 20. 8., 27. 8., 3. 9., 10. 9., 15–17 Uhr
Skulptur als Modell: Welches Tonmodell würden Sie gerne für Moabit mit Ihren Händen formen?
mit Erik Göngrich (nur am 11. 8.!) und Heidrun Reutlinger
Modellieren in der Werkstatt-Keramik-Energie-Box (Erik Göngrich, 2009)
Immer Donnerstags von 15 – 17 Uhr oder nach Absprache mit Heidrun Reutlinger

Donnerstag, 27. August, 17 Uhr
Führung durch die Ausstellung
mit dem Kurator Ralf F. Hartmann

Samstag, 29. August, ab 14 Uhr
Formel 8 – Spurensuche und Rollerrallye im Kleinen Tiergarten
mit Heidrun Reutlinger (Kunstvermittlung)
14 Uhr: Stadtskulptur im Park – Ein Suchspiel für Entdecker (Treffpunkt: Strom-, Ecke Turmstr.)
15.30 Uhr: Eroberung der Rollerbahn und Picknick auf der Grünfläche! (Treffpunkt: Roller­bahn im Kleinen Tiergarten)

Samstag, 5. September, 10–20 Uhr
Stadtkunstquiz
mit Heidrun Reutlinger (Kunstvermittlung)
Quiz zu den aktuellen Ausstellungen »modelisme« und »Stadtskulptur geht uns alle an!«.
Ort: Infostand vor dem Rathaus Tiergarten im Rahmen des Turmstraßenfests

Mittwoch, 9. September, 20 Uhr
Kunst und Ökonomie an der Turmstraße
Diskussionsveranstaltung mit Erik Göngrich, Albert Weis, Dr. Winfried Richard (bgmr), Friedrich von Borries (Architekt, Raumtaktik Berlin, angefragt) und Evelyn Möbus (Bezirks­amt Mitte | Stadtplanungsamt, angefragt)

Samstag, 12. September, 15 Uhr
Stadtspaziergang »Stadtskulptur geht uns alle an!«
mit Erik Göngrich (Künstler) und Claudia Beelitz (Kunsthistorikerin)
Erkundungen und Beobachtungen in der Stadtlandschaft Moabits mit Beispielen typischer Hinterhof-(Post-)Moderne in der Stadtplanung der 1960er – 90er Jahre.
Dauer: ca. 1 Std., Treffpunkt: Kunstverein Tiergarten | Galerie Nord

Samstag, 12. September, 17 Uhr
Finissage


Schweiztag 2009

1. August 2009 2 Kommentare

Natürlich feiern die Schweizer ihren Nationalfeiertag jedes Jahr, um an den Rütlischwur zu erinnern, jenen Schweizer Nationalmythos, auf den die Gründung der Schweiz zurückzuführen ist. So ein Mythos hat doch etwas Beruhigendes und stiftet Identität.

Schweizerische Botschaft

Derweil die Schweizer im letzen Jahr einen überdimensionalen Graubündener Steinbock auf das Dach ihrer Botschaft hievten, waren es heuer rote Kühe mit weißem Kreuz — diesmal nicht nur auf dem Dach sondern auch im Spreebogenpark auf der Wiese zwischen Botschaft und Spree.

Schweizerische Botschaft

Zwar waren die Kühe nur hölzern, aber sie trugen trotzdem originale Kuhglocken um den Hals, darunter waren auch einige sehr schöne Stücke — nicht nur die eher einfacheren, gemeinhin bekannten Modelle aus getriebenem Blech, sondern auch echte, gegossene Bronzeglocken. So eine Schweizer Kuh hat eben ganz schön schwer zu tragen.

Schweizerische Botschaft

Läuten durfte man die Glocken auch: 

Zu ihrem großen Fest rund um das Botschaftsgebäude hatten mich die Schweizer einmal mehr nicht eingeladen, weswegen sie auch dieses Jahr auf meine Gesellschaft verzichten mussten.

Schweizerische Botschaft

Trotzdem habe ich mir das grandiose Feuerwerk nicht entgehen lassen, das pünktlich um 22:30 Uhr begann, gratis und draußen, ohne Einladung und diesmal sogar ohne Regen. Das Video der letzen Minute vermittelt nur einen schwachen Eindruck:

Nächstes Jahr will ich aber endlich mal eine Einladung, liest hier vielleicht ein Schweizer mit, der mir eine besorgen kann?

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.

Join 99 other followers