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St. Marienkirche in Berlin

St. Marien  St. Marien

Direkt neben, oder besser unter dem Fernsehturm steht St. Marien, eine dreischiffige Hallenkirche im Stil der märkischen Backsteingotik, gebaut aus roten Ziegeln und mit einem Turm aus massiven Feldsteinen, der ursprünglich eine hölzerne Haube trug. Ihr Bau wurde um 1270 begonnen und Anfang des 14. Jahrhunderts fertiggestellt.

Einst stand die Kirche im Zentrum des alten Berlins am Neuen Markt und war dicht umgeben von Bürger- und Geschäftshäusern, die teilweise, wenn auch kriegsbeschädigt, noch bis 1960 hier standen. Heute ist sie neben dem Roten Rathaus das einzige historische Gebäude, das auf der leeren Fläche der von Liebknechtriegel und Rathauspassage gesäumten via triumphalis der sozialistischen Stadt, übrig geblieben ist.

St. Marien  St. Marien

Im Laufe ihrer Geschichte erfuhr die Kirche wiederholt Umbauten. Nicht nur der Turm wechselte öfter, meistens in Folge eines Brandes, seine Gestalt. Die jetzige Kupferhaube im neugotischen Stil wurde 1790 durch Carl Gotthard Langhans geschaffen. Das Kircheninnere wurde 1703 unter Leitung von Andreas Schlüter zu einem Predigtsaal umgestaltet. Aus dieser Zeit stammt die bis heute erhaltene barocke Alabasterkanzel. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts fand ein erneuter Umbau unter Leitung von Hermann Blankenstein statt.

Nachdem die Kirche im Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschädigt geblieben war, wurden viele Kunstwerke aus anderen zerstörten Kirchen nach St. Marien gebracht, so dass die Kirche heute über eine ungewöhnlich reichhaltige Ausstattung verfügt.

St. Marien  St. Marien

Ganz besonders hervorzuheben ist die Darstellung des Totentanzes in der Turmhalle, die aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert stammt. Auf 22 Meter Länge zeigt das Fresko einen Reigen aus geistlichen und weltlichen Ständevertretern, die jeweils von einer Todesgestalt begleitet werden. In den Versen unter den 28 Bildern, die die älteste erhaltene Berliner Dichtung darstellen, beklagen die Sterblichen ihr Leid und bitten den Tod um Aufschub. Die Bilder sind leider stark verblasst und Teile, vor allem der Texte, fehlen.

St. Marien

Unter dem Ritter in der Mitte dieses Ausschnitts ist folgendes zu lesen (zitiert nach Peter Walter: Der Berliner Totentanz zu St. Marien, Berlin 2005):

Her ritter med juweme krewete stolt
hir hebbe gy gedragen dat rode golt
hebbe gy iwer ere hir genuch gedhan
so moge gy nhu froliken mede my ghan
legget das scarpe swert van iwer siden
gi muthen med my an den dodendantz gliden

Herr Ritter mit eurem Harnisch stolz
Hier habt ihr getragen das rote Gold
Habt ihr eurer Ehre auf Erden genüge getan
So könnt ihr jetzt fröhlich mit mir gehen
Legt das scharfe Schwert von eurer Seite
Ihr müsst mich jetzt beim Totentanz begleiten

Von des Ritters Flehen um Aufschub sind leider nur noch wenige Worte erhalten.

Die Orgel ist eine Rekonstruktion des alten Werks des Berliner Orgelbauers Joachim Wagner von 1723, auf der einst auch Johann Sebastian Bach spielte. Restbestände der alten Orgel sind in den Neubau eingegangen, den die Orgelbaufirma Alfred Kern & Fils aus Straßburg durchführte.


St. Marienkirche
Karl-Liebknecht-Straße 8, 10178 Berlin

030 2424467
www.marienkirche-berlin.de
Eintrag in der Berliner Denkmaldatenbank

Öffnungszeiten: täglich 10 bis 21 Uhr

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  1. philipp1112
    21. Oktober 2009 um 21:18 | #1

    Womit Du bewiesen hast, dass Kirchturm höher ist als Fernsehturm (Bild 1), auch das Hauptschiff ist gut getroffen.

  2. 21. Oktober 2009 um 22:27 | #2

    Auf den Totentanz in Sankt Marien hat mich Peter Weiß mit seiner Ästhetik des Widerstands gehetzt. Und seitdem jage ich Totentänzen hinterher.

  3. opavati
    22. Oktober 2009 um 09:40 | #4

    “Im Zentrum des alten Berlins, auf dem ehemaligen Neuen Markt, heute Alexanderplatz, steht St. Marien..”

    Der Alexanderplatz war auch schon im alten Berlin etwas weiter weg auf der anderen Seite der Stadtbahntrasse, die es im alten Berlin natürlich noch nicht gab.

  4. 22. Oktober 2009 um 13:02 | #6

    Wenigstens hat er sich mit dieser beliebten Fehlbenennung um den Namen Schloßplatz drücken können. Marx-Engels-Platz heißt er ja nicht mehr.

    • opavati
      22. Oktober 2009 um 14:02 | #7

      Ich kann mich noch gut an Häuser an der Stelle des Fernsehturms erinnern, Mitte der 60er war das, mein erster Berlinbesuch.

    • 22. Oktober 2009 um 16:59 | #8

      Davor liegt aber noch das Marx-Engels-Forum (und das heißt wohl immer noch so)

      • opavati
        22. Oktober 2009 um 18:10 | #9

        Das möchte sein.

        Wird ja aber abgerissen, wegen der Kanzler-U-Bahn. Dort kommt ein Baustellen-Einstieg usw. hin.

  5. 22. Oktober 2009 um 14:35 | #10

    Oh, ich finde diese virtuellen Ausflüge großartig. Und jetzt wieder an die Arbeit …

  6. karu02
    22. Oktober 2009 um 18:33 | #11

    Das Portal gefällt mir sehr und die Wandmalerei werde ich mir bei Gelegenheit im Original anschauen. Danke für den informativen Bericht.

  7. 2. November 2009 um 08:53 | #12

    Ganz schön spannend.

  8. 4. November 2009 um 03:53 | #13

    Originell finde ich die Idee zur Finanzierung der Restaurierung des Totentanzfreskos. Ein Ausschnitt steht im Kircheninneren und gegen eine Spende kann ein Mosaiksteinchen erworben werden, welches à la Malen nach Zahlen aufgeklebt wird (Uhu sponsert mit). Sieht schon ganz gut gefüllt aus.

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