Stillstand

Kaltgestellt: Dampflokomotive an Birken
Eingang über den S-Bahnhof Priesterweg , 12157 Berlin
www.gruen-berlin.de

Kaltgestellt: Dampflokomotive an Birken
Die Ritter tragen schon lange keine Schilde mehr, was wohl auch daran liegt, dass es keine gerüsteten Ritter hoch zu Ross mehr gibt. Als sie noch zahlreicher waren, entstand der Beruf des Schildmalers: die Schilde wollten mit dem Wappen des Ritters bemalt sein, damit der Angreifer auch sah, wes Stammes Mann sich hinter dem Schild verbarg.
Nachdem die Nachfrage nach Schilden sank, bemalten die Schildermaler nicht mehr den Schild des wackeren Kämpfers, sondern das Schild des werbewilligen Wirtshauses, Zunftgenossen und Kaufmanns. Der Bedarf an Schildern überstieg bald den an Schilden. Statt Bildern, Emblemen und Ornamenten malten sie zunehmend Schriften. Schriftenmaler wurde schließlich ihre neue Berufsbezeichnung.
Nach den Schilden ist ihnen inzwischen auch das Malen weitestgehend abhanden gekommen. Heute lassen sie den Kollegen Computer die Schriften auf das Schild bringen. Und der Beruf heißt Schilder- und Lichtreklamehersteller oder ganz schnöde Werbetechniker.
Gelegentlich findet man sie aber noch, die vom Schildermaler sorgfältig handgemalten Exemplare, Relikte einer vergangenen Zeit, bemalt mit Schriften, wie man sie in keinem Schriftenkatalog finden kann.
Wer sich für die durchaus lange und komplexe Geschichte des Schilds interessiert, sei auf den lesenswerten Eintrag dazu im Grimmschen Wörterbuch verwiesen.
Auf dem mexikanischen Schulschiff, der Cuauhtémoc, war ich ja schon mehrfach anlässlich der Tall Ships’ Races, nun bin ich endlich auch einmal in der mexikanischen Botschaft gewesen.

Die unterschiedlich geneigten hellen Lamellen sorgen für Dynamik
Gebaut wurde sie nach Plänen der mexikanischen Architekten Teodoro Gonzáles de León und Francisco Serrano Cacho. Die beiden Architekten schufen so ein einerseits durchweg modernes Gebäude, andererseits haben sie viele Elemente der mexikanischen Tradition integriert, ohne folkloristisch zu werden. So ist das Baumaterial für die 18 Meter hohen, unterschiedlich geneigten Stelen, die wie ein Fächer das äußere Bild bestimmen, und des Atriums, das das Innere des Gebäudes prägt, aus Beton, der mit weißen Marmorstücken und Marmormehl statt Kies und Sand gemischt wurde und dessen Oberfläche in mühevoller Handarbeit durch Meißeln aufgeraut wurde, so dass der Marmor wieder zu Tage tritt.
Das als Zylinder ausgeführte Atrium, das sich über die gesamten fünf Stockwerke erstreckt, erinnert an die Form des Maya-Observatoriums El Caracol in Chichén Itzá. Ein als Pyramide ausgeführter Garten nimmt ein anderes traditionelles architektonisches Element auf. Das Dach des Zylinders besteht vollständig aus Glas, und ein Teil des Zylinders lässt durch regelmäßig angeordnete runde Glasbausteine zusätzliches Licht in den Raum, der so vom Licht, das vom hellen Marmorbeton reflektiert wird, durchflutet ist.

Blick im Atrium nach oben, zum blauen Himmel
Ganz wunderbar fand ich die Dachterrasse, die nicht wie üblich die Klimaanlagen und andere technische Einrichtungen trägt, sondern in Art eines Steingartens, der an eine mittelamerikanische Landschaft erinnert, angelegt ist, auf dem geometrische Baukörper wie überdimensional Bauklötze liegen.

Lavendel blüht auf der Dachterrasse
Im Erdgeschoss der Botschaft gibt es einen großen Raum, der für wechselnde Ausstellungen genutzt wird, denn die Botschaft ist auch das mexikanische Kulturzentrum in Berlin. Als ich die Botschaft besuchte, lief hier gerade die Ausstellung Acróstico mit Werken von fünf jungen Künstlern aus Mexiko-Stadt, die in Berlin leben. Die Ausstellungen kann man jeden Werktag morgens von 9 bis 13 Uhr besuchen, wobei man sich auch das Atrium anschauen kann. Über das aktuelle Programm informiert die unten angegebene Website.
Montag bis Freitag 9:00-13:00 Uhr
Paris zählt schon rund fünfzig Gemeinschaftsgärten – von Bürgern direkt in ihrer Nachbarschaft auf öffentlichen Plätzen angelegte und betreute Gärten. Angefangen haben diese Initiativen in Paris oft mit der Begrünung von Baumscheiben, aber das ist natürlich ein wenig dürftig, wenn man eigentlich einen richtigen Garten anlegen will. Also tun sich die Bürger zusammen, suchen sich einen ungenutzten Platz – und sei es eine Verkehrsinsel – in der unmittelbaren Umgebung und wandeln ihn in einen gemeinschaftlich gepflegten Garten um.
Obwohl die Schaffung dieser Jardins Partagés sicherlich auf die Bewegung des Guerilla Gardening zurückgeht, verläuft die Anlage neuen Grüns durch die Bürger in Paris wohl überwiegend in organisierten Bahnen. Die Stadt Paris akzeptiert und unterstützt diese Gärten, denn im Äquivalent des deutschen Flächennutzungsplans, dem P.L.U. (Plan Local d’Urbanisme), von 2006 findet man einen Programmpunkt zur Förderung von Bereichen, in denen die Schaffung neuer Grünanlagen nötig ist, insbesondere in dicht bebauten Quartieren, oder solchen, die mit öffentlichem Grün unterversorgt sind.
Für den neuen Gemeinschaftsgarten, der derzeit vor dem Square Alban Satragne in genau einem solchen dicht bebauten Quartier angelegt wird, macht sich Gilles Bayart, der Vorsitzende des Vereins Jardins & PLU’s stark, und beruft sich dabei, wie der Name des Vereins schon andeutet, auf den genannten P.L.U. Er kämpft im Dickicht rivalisierender Ämter – Verkehrsverwaltung und Umweltverwaltung – für die formale Anerkennung des Gartens. Und das ist nicht einfach, denn die Bürokratie in Frankreich braucht sich hinter der deutschen nicht zu verstecken.
Rund dreißig Mitstreiter hat er schon, weitere fünfzig haben ihr Interesse bekundet, erzählt er uns begeistert. Fünfzehn Projekte, die jeweils ein Stück von rund vier Quadratmetern mit Nutz- und Zierpflanzen gestalten, sind bereits entstanden, und 30 weitere sind begonnen. Wir sollen die Botschaft auch nach Berlin tragen, fordert es uns schmunzelnd auf, als wir uns von ihm verabschieden.
Der Garten soll nach Victor Schœlcher – dem französischen Politiker, der sich Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgreich für die Freiheit der Sklaven in den französischen Kolonien einsetzte und dessen Geburtshaus nur wenige Meter entfernt stand – benannt werden.
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