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Archiv für März 2010

Medusenhaupt-Brunnen

31. März 2010 9 Kommentare

Auf dem Henriettenplatz in Halensee (am »oberen Ende« des Kurfürstendamms, wie man hier zu sagen pflegt) steht ein ganz besonderer Brunnen. Ziemlich groß, aber trotzdem wohl oft übersehen, weil er hinter den golden schimmernden Kolonnaden der Ars Urbana von Heinz Mack am südlichen Rand des Platzes steht.


Der Brunnen hinter den Kolonnaden

Der Brunnen ist ein Werk des französischen Künstlerpaars Anne und Patrick Poirier, das auch das Dépôt de mémoire et d’oubli in Koblenz geschaffen hat. Genannt wird er Medusenhaupt-Brunnen, oder Gorgo-Brunnen oder auch La Fontaine de Gorgo – womit auch gleich klar wird, was die Skulptur darstellt.


Medusa im Käfig

Von dem überdimensionalen Haupt der Medusa, das hier aus einem quadratischen Becken auftaucht, sieht man nur die Augenpartie, die Stirn mit den vergoldeten Flügeln und die Haare, aus denen die Schlangen herauswachsen, die sich mit dem Wasser in das Becker ergießen.

Medusa war in der griechischen Mythologie eine der Gorgonen – drei weibliche Wesen, die am Rande der Erde wohnten und so hässlich waren, dass jeder, der sie erblickte, sofort zu Stein erstarrte. Zwar war Medusa ursprünglich von großer Schönheit, wurde aber von Pallas Athene in ein Ungeheuer verwandelt, als diese sie bei einem Techtelmechtel mit dem Meeresgott Poseidon überraschte. Fortan trug sie ein Schuppenkleid und Flügel, ihre Eckzähne waren überlang, ihr hing ständig die Zunge heraus, und aus ihren Haaren wuchsen Schlangen. Perseus gelang es mit einem Trick und Athenes Hilfe, Medusa, die als einzige der Gorgonen sterblich war, zu enthaupten. Ihrem Hals entsprang dabei das geflügelte Pferd Pegasos, denn als Poseidon Medusa schwängerte, hatte er die Gestalt eines Pferdes angenommen.

Ein kleines vergoldetes Pferd steht dann auch neben einem Granitblock auf der Rückseite des Brunnens.


Pegasos ohne Flügel

Unablässig rinnt das Wasser über Medusens Haupt – wenigstens im Sommer, und dann auch nur, wenn der Bezirk genügend Geld für den Betrieb des Brunnens aufbringen kann oder der Stadtmöbelhersteller Wall und der Außenwerber Ströer auch weiterhin den Betrieb vieler Brunnen in Berlin sponsorn. Im Winter jedoch gibt der Brunnen ein eher trauriges Bild ab, er ist nicht nur abgestellt, sondern auch noch eingesperrt hinter soliden eisernen Gittern, die den Blick auf das Kunstwerk nehmen. Das Gefängnis für Medusa scheint wohl erforderlich, um die Skulptur gegen den Vandalismus marodierender Jugendlicher zu schützen, die leider beim Anblick der Medusa nicht zu Stein erstarren.

Ich hoffe, dass auch dieser Brunnen wieder in Betrieb geht, am 30.3.2010, als die Bilder entstanden, war er jedenfalls noch eingesperrt.

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Medusenhaupt-Brunnen
Henriettenplatz, 10711 Berlin

Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf

L’art pour l’art

28. März 2010 7 Kommentare

Eine wunderschöne Maschine, die keinen wirklichen Nutzen hat, außer dass sie auf höchst faszinierende Weise zeigt, dass man ein Gedankenmodell auch manifest werden lassen kann, hat Mike Davey gebaut (ich empfehle, beim ersten Anschauen des Videos den Ton mit den technischen Erklärungen des Konstrukteurs abzuschalten und sich ganz auf die Details der Arbeitsweise der Maschine zu konzentrieren):

Die Informatiker haben natürlich gleich erkannt, um welche Maschine es sich handelt: die Turingmaschine. Mit ihr kann man alles berechnen, was überhaupt berechenbar ist, allerdings wird man bei dieser Maschine ein Weilchen auf das Ergebnis warten müssen. Letzteres kann man miterleben, wenn man sich die anderen Videos zu Mikes Turingmaschine auf YouTube anschaut.

Achso: Am besten gefällt mir der Löschkopf.

Eine andere, ebenso wunderbare und für die meisten wohl anschaulichere Maschine hat Mike vor zwei Jahren gebaut: die Nickel-O-Matic.

Danke für den Hinweis an den Schockwellenreiter.

Thiels Restaurant in Charlottenburg

Das Thiels, nach seinem jungen Küchenchef Alexander Thiel benannt, ist ein wirklich angenehmer Ort, um mit Freunden essen zu gehen. Die Einrichtung ist schlicht, nichts stört das Auge und die Räume strahlen eine ruhige und angenehme Atmosphäre aus. Noch viel angenehmer macht den Aufenthalt jedoch das überaus freundliche und aufmerksame, aber keineswegs devote Personal unter Leitung der Inhaberin Anne Zirkel.

Auch ich war hier zum ersten Mal anlässlich einer mit der Kurbel veranstalteten kulinarischen Filmnacht und habe nach einem schönen Film recht gut gegessen. Trotz des festen Menus bedeutete es keinerlei Problem, die Muschelsuppe, die den ersten der drei Gänge darstellte, gegen eine andere Suppe zu tauschen. Ich bekam stattdessen eine Sellerie-Apfel-Suppe, die mir außergewöhnlich gut gefiel. Das anschließende Kalbsragout, mit kräftigen Oliven gut abgeschmeckt, war ohne Zweifel gut, fiel aber im Vergleich zur Suppe ab. Zum Nachtisch gab’s ein leckeres Tiramisu auf Fruchtspiegel. Der Gesamtpreis für Kino und 3-Gang-Menu ist überaus fair.

Was besonders positiv auffiel, war die gut zusammengestellte Weinauswahl mit relativ vielen auch offen erhältlichen Weinen. Sowohl die Beschreibungen der Weine in der Karte als auch die treffenden Empfehlungen des Obers machten es zum Vergnügen, hier Wein auszusuchen als auch zu trinken.

Ein überaus angenehmes Restaurant mit viel Potential, eine Wiederkehr ist recht wahrscheinlich.


4birnen
Thiels Restaurant
Giesebrechtstraße 19, 10629 Berlin

030 30831418
www.restaurant-thiels.de

Kreuzberg Tower and Wings

20. März 2010 11 Kommentare

Beim Vorbeifahren sind mir die drei Gebäude an der Charlottenstraße in Kreuzberg ins Auge gefallen, wahrscheinlich wegen der ungewöhnlichen Fassadengestaltung mit den »Augenbrauen« über Balkonen und Fenstern. Ich fand den Turm mit den beiden flankierenden Wohnhäusern so ungewöhnlich, dass ich angehalten habe, um ein paar Fotos zu machen (im Oktober 2009 aufgenommen).

Das Ensemble ist einer der Beiträge des amerikanischen Architekten John Hejduk zur IBA 1987 und wurde 1988 als öffentlich geförderter Mietwohnungsbau fertiggestellt. Die beiden fünfgeschossigen Bauten mit dem »umgedrehten Dach« bieten 48 familiengerechte Wohnungen in unterschiedlichen Größen. Der dazwischen stehende Turm hat 14 Stockwerke mit Atelierwohnungen für bildende Künstler – »Die Kunst will hoch hinaus« titelte die BZ seinerzeit zu Hejduks Plänen.

Hejduk hat überwiegend theoretisch gearbeitet und nur eine handvoll Bauwerke hinterlassen, davon aber gleich drei in Berlin. Hier hat er mit wenigen einfachen geometrischen Elementen gespielt und diese Häuser mit der sehr außergewöhnlichen Formensprache erschaffen. Bei seinen Berliner Werken hat der Architekt bei der Farbgebung ganz klar gegen den damaligen postmodernen Trend der Buntheit Stellung bezogen und sich für eine gedämpfte Farbpalette aus grau und grün entschieden, die er selbst als Hommage an den Berliner Himmel und die umgebende Stadtlandschaft beschrieben hat.

Nachdem die Gebäude jahrelang vernachlässigt wurden, unterzieht sie der neue Eigentümer, die BERLINHAUS Verwaltung GmbH, gegenwärtig einer Modernisierung, die mit satten Mietsteigerungen einhergeht, wie die Berliner Zeitung berichtet. Die Sanierung greift erheblich in das äußere Erscheinungsbild ein, vor allem was die Farbgebung und wesentliche Gestaltungselemente der Fassade angeht. Für den Erhalt der Fassadengestaltung nach den Ideen des Architekten läuft derzeit eine Online-Petition »Stop the disfigurement of John Hejduk’s Berlin Tower«, auf die ich gerne hinweise.

Mein Dank geht an Grit von Nicht winken! In der Großstadt!, die mich auf die Petition hingewiesen hat, so dass ich endlich den lang geplanten Bericht zu diesen Häusern geschrieben habe. Mehr Informationen zum Thema gibt es bei SLAB Magazine, architectureinberlin und Fantastic Journal.


Atelierturm
Charlottenstraße 96-98, 10969 Berlin


www.berlinhaus.de

Ich glaub, da brennen 80 Milliarden

16. März 2010 6 Kommentare


Löschwassereinspeisung beim Bundesministerium der Finanzen

Kategorien:Ärgern und aufregen Tags:

Balzac Coffee in Charlottenburg

14. März 2010 5 Kommentare

Nach dem überaus interessanten Vortrag von Olafur Eliasson im schönen Renaissance-Theater war Kaffeetrinken mit den Freunden angesagt, um das soeben Gehörte zu besprechen. Direkt gegenüber vom Theater betreibt die Kette des Hamburger Kaffeerösters Balzac eine Filiale. Mein Murren ob des Vorschlags, gerade dort einzukehren, wurde überhört.

Ich pflege ja so meine Vorurteile gegen diese Coffee-Shop-Ketten. Und eigenartigerweise bestätigen sie sich immer wieder, so auch hier. Schon beim Eintreten fand ich es seltsam, dass es überhaupt nicht nach Kaffee roch, sondern nach den fremden Geschmacksstoffen, vor allem Karamell, mit denen diese Ketten ihren Kaffee meinen aufmotzen zu müssen. Eigenartig ist hier auch die Größenbezeichnung der Getränke: die kleinste Größe heißt tall. Nicht ganz zur unrecht, wie sich herausstellte, denn der Cappuccino, den ich bestellt habe, kam nicht in einer „ordentlichen“ Cappuccinotasse, sondern in einem großen, hohen Pott, der hier offensichtlich für alle Warmgetränke verwendet wird. Mir hat der Cappuccino überhaupt nicht geschmeckt, ich fand ihn sogar den schlechtesten, den ich in den letzten Monaten getrunken habe. Er erschien mir dünn und mit wenig Kaffeegeschmack, vor allem mit zuviel Wasser zubereitet, darauf ein Häubchen relativ grobporigen Schaums von fettreduzierter Milch (ich vermute H-Milch). Für die gebotene Qualität ist der Cappuccino deutlich überteuert, vor allem, wenn man bedenkt, dass es ein Selbstbedienungsladen ist.

Dazu kommt, dass der Laden eine äußerst unangenehme Akustik hat, es gibt kaum schalldämmende Materialien, und die lauten Rufe des Personals hinter dem Tresen – die Frau an der Kasse ruft die Bestellungen zum Mann an der Kaffeemaschine, eine andere ruft lauthals und wiederholt Bestelltes und noch nicht Abgeholtes aus – erhöhen die Geräuschkulisse zusätzlich. Kein Ort um sich zu unterhalten.


1birnen
Balzac Coffee
Knesebeckstraße 1-2, 10623 Berlin

www.balzaccoffee.com

Holiday Inn Berlin-Mitte

13. März 2010 6 Kommentare

Direkt gegenüber dem Bahnhof Gesundbrunnen und unmittelbar am Blochplatz mit den Eingängen zum Tiefbunker steht eines der Berliner Hotels der Kette Holiday Inn. Die Architektur des vielstöckigen Gebäudes regt nicht gerade zu Beifallsstürmen an, so dass man die wahren Werte im Innern suchen muss.

Übernachtet habe ich hier noch nicht, denn soweit ist Gesundbrunnen nicht von Moabit entfernt, aber das reichhaltige Frühstücksbüffet ist eine lobende Erwähnung allemal wert. Das Büffet bietet praktisch alles, was der hungrige Frühstücker begehrt. Gleich wenn man das Restaurant betritt, findet man einen Tisch mit einer reichen Auswahl an Teesorten in Beuteln der besseren Art, frischen Kaffee, verschiedene Obstsäfte, Sekt und Mineralwasser. Das Angebot an Getreideflocken samt verschiedenen Zutaten wie Sonnenblumenkerne, Mandeln, Rosinen usw. für das selbstgemischte Müsli ist reichhaltig, daneben gibt es auch fertig angerichtetes Bircher Müesli und etliche Joghurts und Quarks, sowohl natur als auch mit Früchten. An warmen Gerichte finden sich Rühreier (trotz Rechaud recht akzeptabel) mit krossem Speck, Nürnberger Würstchen, Kartoffelpuffer, kleine Pizzen, Eierkuchen mit Fruchtfüllung. Selbstverständlich gibt es auch Brot, Brötchen und Croissants, Wurst, Schinken, Käse und Marmeladen, darunter die gute Marillenkonfitüre von darbo.

Ich habe bestimmt noch etliches vergessen, auf jeden Fall lässt es sich hier vortrefflich schlemmen und man bekommt für 16 € einen wirklichen Gegenwert geboten. Der Preis mag manchem vielleicht auf den ersten Blick etwas hoch erscheinen, aber angesichts der Üppigkeit und der Tatsache, dass darin schon alle Getränke enthalten sind, kommt man hier vielleicht sogar günstiger weg als beim Frühstück im Café oder in der Kneipe „um die Ecke“. Da das Restaurant eher etwas dunkel ist, empfiehlt es sich, einen Platz an der großen Fensterfront zum Blochplatz zu reservieren.

Das Hotel selbst bietet eine ganze Reihe interessanter Angebote für Privatreisende zu günstigen Preisen an, vor allem die Arrangements für Familien scheinen mir sehr attraktiv, auch im Hinblick darauf, dass man mit dem ICE quasi direkt vor das Hotel fahren kann, denn der Bahnhof Gesundbrunnen liegt nur ein paar Hundert Meter entfernt. Von dort kommt man auch sehr flott per U- und S-Bahn in alle Stadtteile.


Holiday Inn Berlin-Mitte
Hochstraße 2-3, 13357 Berlin

030 460030
www.hiberlin.de
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