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Archiv für Mai 2010

Schiffshebewerk Niederfinow

31. Mai 2010 9 Kommentare

Bereits 1620 wurde der Finowkanal als künstliche Wasserstraße zwischen Havel und Oder in Betrieb genommen, so dass Berlin eine Verbindung auf dem Wasserweg mit der Ostsee erhielt. Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Kanal weitestgehend zerstört und erst 1743 wieder aufgebaut. Er ist heute die älteste noch schiffbare künstliche Wasserstraße Deutschlands.

Die große Bedeutung für die industrielle Entwicklung von Eberswalde-Finow hat der Finowkanal mit der 1914 erfolgten Fertigstellung des Oder-Havel-Kanals verloren, der wesentlich größere Schiffe befördern kann und weniger Schleusen aufweist. Südlich der ehemaligen Schleusentreppe in Niederfinow, die den Höhenunterschied zwischen Barnim und Oderbruch ausgleicht, entstand nach langer Planungs- und Bautätigkeit das Schiffshebewerk Niederfinow. Es nahm 1934 seinen Betrieb auf sorgte für eine deutliche Verkürzung der Fahrzeiten, denn eine Schleusung mit dem Hebewerk dauert nur rund 20 Minuten.

Das Schiffshebewerk ist ein markantes Zeugnis der Ingenieurbaukunst, das viele interessante technische Details aufweist und dadurch auch eine hohe touristische Anziehungskraft besitzt (siehe auch die unten angegeben Website des Wasser- und Schifffahrtsamts, auf der unter vielem anderen eine Computeranimation zu sehen ist, die die Funktionsweise detailliert erläutert). Da es inzwischen an seine Kapazitätsgrenze gelangt ist und die modernen Schubverbände nicht mehr aufnehmen kann, wird auf dem Platz der früheren Schleusentreppe ein neues Hebewerk errichtet. Mal schauen, ob es auch so ein hohe Langlebigkeit aufweisen wird.


Schiffshebewerk Niederfinow
Hebewerkstraße , 16248 Niederfinow

033362 215
www.wsa-eberswalde.de

Besichtigungszeiten: im Sommer 9.00 bis 18.00, im Winter 9.00 bis 16.00 Uhr

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Havel, Oder, Richtung Haff

30. Mai 2010 10 Kommentare

Berlin liegt im Osten. Und eigentlich auch ein bisschen an der Ostsee. Jedenfalls ist man schnell dort, mit dem Auto oder mit dem Zug (mit dem Brandenburg-Ticket für 27 € fahren fünf Menschen nach Stettin und zurück, und das sogar schneller als mit dem Auto). Gemütlicher und langsamer geht es mit dem Schiff. Segeln kann man zwar auf den kanalisierten Flüssen Havel und Oder und den Kanälen nicht, aber unter Motor schafft man die rund 160 km nach Stettin gut in zwei Tagen. Einige Schleusen und das Schiffshebewerk Niederfinow liegen auf dem Weg, das bringt Abwechslung in die streckenweise doch etwas eintönige Tuckerei.


Auf dem Oder-Havel-Kanal

Vom Stößensee geht es auf der Havel durch die Spandauer Schleuse in den Niederneuendorfer See, an Hennigsdorf mit seinem Stahlwerk und den großen Schrotthalden, vorbei über Oranienburg, bis die Havel bei Liebenwalde nach Norden abzweigt und wir auf dem Oder-Havel-Kanal bleiben. Durch den Lehnitzsee geht es zur Lehnitzschleuse, die unter Sportschiffern nicht gut gelitten ist, da man hier in der Regel lange warten muss, bis man geschleust wird. Wir aber hatten Glück und durften sogar – was hier ganz und gar unüblich ist – mit der Berufsschifffahrt in die Schleusenkammer.


In der Lehnitzschleuse

Nach der Lehnitzschleuse fährt man etliche Kilometer durch Wald und Wiesen, was schon etwas eintönig werden kann, lässt Eberswalde rechts liegen und erreicht das Schiffshebewerk Niederfinow, wo es vom Barnim zum nördlichen Ende des Oderbruchs sechsunddreißig Meter abwärts geht.


Schiffshebewerk Niederfinow

Auch hier mussten wir nicht lange warten, der Trog war oben und der Schleusenwärter, der uns hatte kommen sehen, wartete netterweise auf uns, bevor er den Trog hinunterfuhr, um ein unten wartendes Frachtschiff heraufzuhieven. So waren wir das einzige Schiff im Trog.


Auf dem Oder-Havel-Kanal bei Liepe


Auf der Alten Oder bei Oderberg

Im Oderbruch direkt hinter dem Hebewerk erstreckt sich eine ganz wunderbare Fußlandschaft mit Blick auf die sanften und im Mai satt grünen Hügel der Oderberge. Vorbei an den den Orten Liepe und Oderberg, wo der Kanal in die Alten Oder übergeht, erreicht man bald das untere Ende des Oder-Havel-Kanals. Hier liegt die Schleuse Hohensaaten, ein Wasserbauwerk aus den 1960er Jahren, vor der wir die Nacht verbrachten und einen Spaziergang zur nahegelegenen Oder machten, in deren Auen die Frösche ein gewaltiges Abendkonzert veranstalteten (und die Mücken dankbar für das frische Blut waren).


Abendstimmung an der Schleuse Hohensaaten

Am nächsten Morgen ging es dann früh durch die Schleuse in die Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße und damit in den Nationalpark Unteres Odertal. Zwischen diesem 1926 fertiggestellten Kanal und der ein wenig östlicher verlaufenden Oder erstreckt sich eine Wiesen- und Auenlandschaft, die von vielen Wasserläufen der alten Oder durchzogen. Diese Polder werden bei Hochwasser geflutet und nehmen große Mengen Wasser auf. Bei Friedrichsthal endet der Kanal und mündet in den westlichen der beiden Oderarme.


Polderlandschaft an der Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße

Nach einem vergleichsweise kurzen Stück auf der Oder verlässt man kurz hinter der früheren Hansestadt Gartz die Uckermark (und damit auch Deutschland) und ist bald darauf auch schon in Stettin mit seinen scheinbar endlosen Hafen- und Industrieanlagen.


Hafenanlagen in Stettin

Die zweite Nacht verbrachten wir im Hafen der Marina Gocław am nördlichen Rand von Stettin. Dort stellten wir noch am gleichen Tag den Mast, denn die beiden weiteren Brücken auf unserer Fahrt würden Klappbrücken sein. Und mit gestelltem Mast lässt’s sich besser segeln.


Mit gestelltem Mast in der Marina Gocław

Fortsetzung: Haff, Uecker, Peenestrom.


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Schrott

30. Mai 2010 4 Kommentare

Ueckermünder Brauhaus

28. Mai 2010 6 Kommentare

Der Name Brauhaus suggeriert, dass hier Bier gebraut wird. Und in der Tat, es steht nicht nur ein kupferner Braukessel im Gastraum, es gibt hier tatsächlich Hausgebrautes. Ich war mit drei Freunden hier – hungrig und durstig von des Tages Segelabenteuern bestellten wir vier große Helle. Aber was dann kam, schmeckte uns so abenteuerlich, dass keiner von uns mehr als einen Schluck wagte zu trinken. Irgendwie schien uns das Bier bereits seine maximale Lagerdauer überschritten zu haben, denn anders konnten wir uns den süßlich-säuerlichen Geschmack, der von einer chemisch anmutenden Note begleitet wurde, die nicht in ein Bier hinein gehört, nicht erklären. Also gingen die vier Biere zurück und wurden gegen vier Radeberger aus der Oetker-Pipeline getauscht, die waren jedenfalls nicht von eigenartigen Geschmacksnoten begleitet. Auf den Versuch, ein Dunkles aus eigener Produktion zu probieren, verzichteten wir nach einer Warnung vom Nebentisch: »Das schmeckt auch nicht besser!«

Das Essen, das wir bestellt hatten – zwei mal Fisch und zwei mal Zwiebelrostbraten – war in Ordnung, aber auch nicht über den Durchschnitt hinausragend.

Die Überraschung kam beim Zahlen: auf der Rechnung standen nicht nur die vier zurückgegangenen Biere, sonder auch ein Dunkles und ein Weizen, die wir beide weder bestellt noch bekommen hatten. Wenigsten klappte die Rückabwicklung dieser Position anstandslos. Ansonsten war der Service freundlich und flink (hatte allerdings keines der hier gebrauten Erzeugnisse jemals getrunken!).

Insgesamt ein weniger erfreulicher Brauhausbesuch, der nicht gerade dazu verleitet, hier ein zweites Mal einzukehren.


3birnen

Ueckermünder Brauhaus
Markt 3/4, 17373 Ueckermünde

039771 800
www.stadtkrug-ueckermuende.de

Willkommen beim Fenster

13. Mai 2010 4 Kommentare

Immer wieder sieht man schöne Fehlermeldungen von Windows in der Öffentlichkeit. Besonders auf den Bildschirmen des Berliner Fensters in der U-Bahn tauchen sie gerne in großer Zahl und Varietät auf.

»Willkommen beim Fenster« fand ich doch schon mal ganz passend. Das Bild ist leider unscharf, die U-Bahn in Fahrt wackelt doch mehr als man denkt. Und die anderen Fahrgäste wundern sich, warum der Kerl da die Monitore fotografiert. Steht der Zug endlich im Bahnhof still, ist Willkommen beim Fenster zwar weg, aber die Fehlermeldung lässt sich fotografieren.

»The file or directory \Share\Update\2066\fux_x_bin is corrupt and unreadable. Please run the Chkdsk utility.«

Der U-Bahn-Fahrer weiß offensichtlich nicht, wie man Chkdsk anwirft. Wahrscheinlich steht es auch nicht in seiner Stellenbeschreibung.

Idyll in Gefahr

12. Mai 2010 10 Kommentare

Berlin ist auch die Hauptstadt der Kleingärtner, jedenfalls ist das der Eindruck, den ich auf meinen Streifzügen durch die Stadt gewonnen habe. Jedes Zipfelchen Erde wird zum Garten umgewandelt und gehegt und gepflegt. Und das nicht nur am Rand der Stadt, nein, auch mittendrin, vor allem entlang der umfangreichen Bahnanlagen, findet man diese Kolonien. Und das mitunter auch an Plätzen, die so gar nicht idyllisch erscheinen.

Besungen hat das Laubenpieperglück auch schon Claire Waldoff:

Jibt et denn wat Schöneres
Als wenn Sonntags so
Quietschvergnügt und froh
Sie ihm unterfäßt
Und sich führen läßt
Schon am Morgen früh
In de Laubenkolonie

Ein Kleingartenidyll nach dem anderen muss jedoch dem Grundstückverwertungsdruck weichen, so auch die Anlage der Eisenbahn-Landwirtschaft an der Lehrter Straße.

Hier soll gebaut werden und die Kleingärten, die der Naherholung vieler Moabiter dienen, müssen Platz machen für Wohnen und Gewerbe. Dabei könnt man sich durchaus eine Neugestaltung des großen ehemaligen Bahngeländes zwischen Lehrter Straße und Eisenbahn vorstellen, bei der Kleingärten bestehen bleiben und in die neue Bebauung integriert werden, wie es wohl auch einer der Architektenentwürfe für das Gelände vorgeschlagen hatte, der aber leider nicht den ersten Preis geholt hat. Es verwundert schon, wie die Profitinteressen einiger weniger dem Gemeinwohl vorangestellt werden – die im Grundgesetz festgeschriebene Sozialbindung des Eigentums kann ich dabei nicht erkennen.

Neues Bild

11. Mai 2010 3 Kommentare

Nun habe ich mich doch wieder einmal nicht zurückhalten können und musste bei der Galerie Sievi, die gerade ihr zwanzigjähriges Bestehen feiert, unbedingt ein Bild kaufen. Diesmal eines von der mir bis dato unbekannten rumänischen Künstlerin Nora Blaj aus Timişoara (Temesvár, Temeschwar) im Banat. Sie malt wunderbar farbkräftige Bilder, mit viel Rot und gern auch mit Gold. In ihre Bilder arbeitet sie gelegentlich Zeitungsausrisse ein, fast immer aber handgeschriebene Texte – manchmal ganz deutlich, manchmal eher zurückhaltend. Mein neues Bild ist zwar eines der wenigen ohne Blattgold, aber auch hier schimmern die handgeschriebenen Texte durch (auf dem Foto sind sie nur schwer zu erkennen).


Ohne Titel, 2008

Eine Ausstellung in ihrer Heimatstadt, die die Galerie Orchideea 2001 ihren Werken widmete, trug ebenso wie eines der gezeigten Bilder den Titel »Hemografie« – benannt in Bezug zu einem Gedichtband von Nichita Stănescu, einem der bedeutendsten rumänischen Dichter des 20. Jahrhunderts. Im Vorwort zu seiner Gedichtsammlung Ordinea cuvintelor (Wortstellung) schreibt Stănescu:

Ein Engel kam zu mir und sagte: „Ich habe dich lange beobachtet, mit der Absicht, dich in einen Wissenschaftler zu verwandeln, doch du hast nichts dergleichen zustande gebracht!“ „Doch, das habe ich! Ich habe eine Wissenschaft erfunden, die so subtil ist, dass sie manchmal nicht als solche erkennbar wird. Sie nennt sich »Hämographie«, das Schreiben mit sich selbst.”

Hämographie bezeichnet auch eine paranormale Erscheinung, bei der Blut eigenständig und ohne menschliches Zutun Worte bildet, entweder indem es auf eine Oberfläche tropft oder indem es aufgesaugt wird, z.B. in einem Verband oder einer Handtuch.

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