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Archiv für Juli 2010

Café Kokerei Zollverein

31. Juli 2010 2 Kommentare

Auf dem großen Gelände der Zeche Zollverein gibt es gut verteilt einige Restaurationsbetriebe, einer davon ist das Café Kokerei. Es befindet sich im Erdgeschoss der Mischanlage, dort, wo auch der Informationsschalter ist und der sehr interessante »Denkmalpfad Kokerei« beginnt. Zwischen Mischanlage, geparkten Drückmaschinen und Werksschwimmbad kann man auch schön im Freien sitzen – ein angenehmer Ort, um sich am Nachmittag zu erholen und eine große Apfelschorle zu trinken, nachdem man den ganzen Tag über das Gelände gestapft ist und die Beine schwer geworden sind.

Weil’s so angenehm hier war, die Speisekarte einen guten Eindruck machte und die aufgerufenen Preise fern davon waren, den Besucher aufgrund der quasi monopolistischen Stellung abzocken zu wollen, wurde das Café kurzerhand zum Ort der abendlichen Mahls auserkoren. Eine Entscheidung, die sich als vollkommen richtig herausstellte. Es gab Himmel und Erde mit sehr guter Blutwurst für 9,90 €, und des Steigers Krüstchen, ein leckeres, knuspriges Schweinefilet für 14,00 € wusste auch zu gefallen. In ganz Essen schien es kein Mineralwasser ohne Kohlensäure mehr zu geben, weswegen ein Glas Leitungswasser samt Erklärung der Umstände an den Tisch kam. Das stand dann am Ende auch auf der Rechnung, allerdings mit dem sehr kundenfreundlichen Preis von 0,00 €.


4birnen
Café Kokerei Zollverein
Arendahls Wiese, Tor 3, 1 Essen

0201 8301298
www.cultural-service.de

Mo-Fr 12:00 bis 20:00, Sa+So 11:00 bis 20:00

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Zeche Zollverein

29. Juli 2010 7 Kommentare


Kohlenwäsche mit Besucherzentrum

Die Zeche Zollverein behauptet von sich selbst, die schönste und modernste Zeche des Ruhrgebiets gewesen zu sein. Das mag ich nach einem Besuch dort wohl glauben und finde, dass sie dem Anspruch, die schönste zu sein, ganz sicher gerecht wird, vor allem, nachdem der Kohlenstaub weggeräumt wurde und die Gebäude alle aufs feinste herausgeputzt wurden (und immer noch werden).

Das Gelände der Zechenkomplexes, den die Unesco 2001 in den Rang des Welterbes erhoben hat, ist riesig und besteht aus drei Teilen: der eigentlichen Zeche rund um Schacht XII, dessen Förderanlage zum Wahrzeichen von Zollverein und der europäischen Kulturhauptstadt Essen geworden ist, der Kokerei Zollverein und dem Zechengelände rund um Schacht 1/2/8.

Kathedrale des Fleißes: Kesselhaus flankiert von Kompressorenhäusern

Wahrlich grandios tritt auf dem aufgeräumten Gelände um Schacht XII die in Stahlfachwerk ausgeführte Architektur auf, die durch ihre besonders schlichte Ausführung, die ganz dem Gedanken »Form follows function« folgt, eine ganz besondere Schönheit ausstrahlt. Architekten dieses 1930 fertiggestellten Ensembles waren Fritz Schupp und Martin Kremmer. Im riesigen Gebäude der frühere Kohlenwaschanlage befindet sich heute u.a. das Besucherzentrum und das Neue Ruhrmuseum. Es empfiehlt sich nicht, hier gleich um 10 Uhr morgens aufzutauchen, da zur Öffnungszeit Busladungen mit Schulklassen ankommen, die für rund eine halbe Stunde für heftigen Lärm und lange Schlangen sorgen.

Will man die technischen Anlagen besuchen, um zu verstehen, was hier mit der Kohle gemacht wurde, und auch auf den höchsten Punkt des Gebäudes, von wo aus man einen tollen Ausblick über die gesamte Zeche haben soll, muss man die geführte Tour »Denkmalpfad Zollverein« buchen, was man am besten im Voraus unter der unten angegeben Telefonnummer macht, da diese Touren gerade im Jahr der Kulturhauptstadt oft ausverkauft sind. Auf jeden Fall sollte man aber einmal über das Gelände laufen, um sich die bestechende Industriearchitektur anzuschauen.


Maschinenseite der Koksöfen

Schon viel ruhiger ist es auf dem Gelände der Kokerei, die sich ebenfalls in gewaltigen Ausmaßen präsentiert. Sie wurde erst in den 1960er Jahren gebaut, Architekt war auch hier Fritz Schupp, der die klare Formensprache von Schacht XII fortsetzte. Auf der Schwarzen Seite reihen sich mehrere Batterien mit insgesamt 304 Koksöfen über eine Länge von fast einem Kilometer aneinander, die aus riesigen Förderanlagen und Bunkern für die Kohle aus der nebenan liegenden Zeche ernährt wurden. Jenseits der sechs großen Schornsteine, die der Abfuhr der Verbrennungsgase aus der Heizung der Koksöfen diente, schließt sich die Weiße Seite der Kokerei an, die der chemischen Verwertung der Nutzgase diente, die bei der Verkokung entstehen. Die Koksöfenbatterien selbst haben wiederum zwei Seiten: die Koksseite, auf der der fertige Koks den Ofen verlässt und zum Löschturm gefahren wird, und die Maschinenseite, auf der die riesigen Drückmaschinen den fertigen Koks aus dem Ofen drücken.

Das alles und noch viel mehr, nämlich wie hier aus Kohle Koks hergestellt wurde, erfährt man auf einer empfehlenswerten Führung durch die Kokerei (Anmeldung in der Mischanlage der Kokerei). Hier hat man die Chance, durch das Innere der früheren Koksöfen zu laufen und die Funktion der Öfen und und ihrer Beheizung – alles sauber aus speziell geformten Schamottsteinen gemauert – erklärt zu bekommen. Nur 45 cm breit ist ein einzelner Koksofen, dafür aber rund sechs Meter hoch und dreizehn Meter tief, was für die Aufnahme von zig Tonnen Kohle reichte, die von der Ofendecke aus mit einem Füllwagen über mehrere Öffnungen eingebracht wurde. Das schönste Wort, das ich hier gelernt habe, ist Kokskuchenführungswagen – er nimmt auf der Koksseite den fertigen Koks auf, den die Drückmaschine auf der Maschinenseite aus dem Koksofen drückt.

Die Ausstellung „Palast der Projekte“ des russischen Künstlerpaares Ilja und Emilia Kabakov im ehemaligen Salzlager der Kokerei war leider wegen der Vorbereitungen für eine Veranstaltung nicht zugänglich. Ich kann das nicht ganz verstehen: Warum muss man, wenn man auf Zollverein schon etliche Hallen hat, um Ausstellungen und Veranstaltungen durchzuführen, ausgerechnet eine weltbekannte Dauerausstellung wochenlang schließen? Ebenso – jedoch eher dauerhaft – geschlossen präsentierte sich leider das Sonnenrad, mit dem man eigentlich durch und über die Kokerei hätte schweben können.

Zwischen dem Gelände von Schacht XII und der Kokerei liegt auf den früheren Bergehalden der Zeche der Skultpurenwald, in dem sich einige der wunderbaren Skulpturen aus Granitblöcken von Ulrich Rückriem befinden – die meisten versteckt im Wald, die größte – das Castell – auf einer Freifläche, dem ehemaligen Absetzbecken.

An einem Tag kann man unmöglich das ganze Gelände erkunden, geschweige denn, das große Angebot an Führungen und Ausstellungen wahrnehmen. So blieb auch mir leider keine Zeit, die Anlagen auf Schacht 1/2/8 zu erkunden. Spätestens nachmittags um vier stellt sich darüber hinaus bleierne Müdigkeit in den Beinen ein, vor allem, wenn die Sommersonne erbarmungslos auf den Besucher herabbrennt. Da empfiehlt sich das Aufsuchen einer der Restaurationsmöglichkeiten (Restauration in des Wortes ursprünglicher Bedeutung tut dann auch not). Besonders wusste das Café Kokerei Zollverein zu überzeugen.

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(Die Stiftung Zollverein erlaubt das Fotografieren auf ihrem Gelände nur für rein privaten Gebrauch und verlangt die vorherige Genehmigung für alle anderen Zwecke. Die Veröffentlichung der Bilder in diesem Artikel erfolgt mit Genehmigung der Stiftung).


Stiftung Zollverein
Gelsenkirchener Straße 181, 45309 Essen

0201 246810
www.zollverein.de


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Ganze / Teile

28. Juli 2010 2 Kommentare

Mehr als zwanzig junge Künstler haben sich darauf eingelassen, mit ihren Kunstwerken in Beziehung zu den Räumen der entkernten Schuckerthöfe zu treten. Dabei sind ganz unterschiedliche Formen entstanden: Aufmerksamkeit heischende Videoproduktionen, großformatige Bilder, abstrakte Skulpturen, Installationen zum Einfangen des Sonnenlichts, Sitzgruppen, in denen man sich gegenseitig bewegt, bis hin zu Kunstwerken, die so mit dem Raum verbunden sind, dass man sie erst auf den zweiten oder dritten Blick erst als solche wahrnimmt. Wobei die Räume an sich in ihrer Auflösung schon einen ganz eigenen Reiz entfalten. Ich fand es sehr spannend und kann den Besuch nur empfehlen.

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Die Ausstellung wird begleitet von einer ganzen Reihe von Veranstaltungen, die auf der unten angegebenen Homepage beschrieben sind.


Ganze / Teile
In den Schuckerthöfen
Am Teltower Park 28-30, 12435 Berlin

www.ganze-teile.de

17. Juli bis 18. August
Mi–Fr 16–22, Sa 12-22, So 12-18

Reptilopard, freilaufend

28. Juli 2010 3 Kommentare


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Press F1 to continue

27. Juli 2010 1 Kommentar

Die Deutsche Bahn kann es, die Berliner U-Bahn hat es schon länger im Angebot, selbst im Museum hat es schon zugeschlagen: das Wintel-Debakel. Dank der Modernisierungswelle hat es nun auch die Busse der BVG ereilt, diesmal sogar ganz ohne Hilfe von Microsoft:

Eine F1-Taste, die der Busfahrer oder ein mutiger Fahrgast drücken könnte, damit die Haltestellenanzeige wieder funktioniert (das geht auch mit ungültiger CMOS-Prüfsumme) ist übrigens weit und breit nicht zu sehen.

Oberhafenkantine Berlin

25. Juli 2010 3 Kommentare

Eine Replika der legendären Hamburger Oberhafenkantine steht seit kurzem auf dem Gelände des Kunstcampus’ am Hamburger Bahnhof, zwischen Rieckhalle und Halle am Wasser.

Der Künstler Thorsten Passfeld hat den Nachbau von Hamburgs schrägstem Ort im Maßstab 1:1 aus alten Brettern von Transportkisten und anderem Altholz gezimmert. Per Schiff ist die hölzerne Oberhafenkantine nun aus dem Hamburger Hafen nach Moabit an den Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal gelangt und wartet seit Ende Juni auf Interessenten, die das Replikat für eine Feier oder Veranstaltung mieten wollen.


Oberhafenkantine Berlin
Invalidenstraße 50-51, 10557 Berlin

0170 69059096
oberhafenkantine-berlin.de

Flughafen Schönefeld

24. Juli 2010 14 Kommentare

Als es die DDR noch gab und der Flughafen Schönefeld noch auf dem Gebiet derselben lag, bin ich ziemlich oft von dort nach Budapest geflogen, denn das war billiger und schneller – ohne Umsteigen in Frankfurt. Es war allerdings immer ein kleines Abenteuer, die zwei Kilometer von der West-Berliner Stadtgrenze zum Flughafen zurückzulegen.

Das ging entweder mit dem qualmenden Ikarus-Bus, der vom ZOB am Funkturm nach Schönefeld fuhr und unterwegs einen halblegalen Zwischenstopp am S-Bahnhof Tempelhof einlegte (man erinnere sich, dass die S-Bahn nach einem Vier-Mächte-Vertrag damals auch im Westen von der Reichsbahn der DDR betrieben wurde und Reichsbahngelände damit auch irgendwie exterritorial war), oder man fuhr mit der BVG bis zur Grenze, um selbige fußläufig zu überwinden.

Inmitten von Spanischen Reitern und Betonblöcken lagen die Grenzabfertigungstellen der DDR, die man nach der Entrichtung von 5 DM für ein Transitvisum und eingehender Kontrolle der Papiere durch die Passkontrolleinheiten (Teil des Ministeriums für Staatssicherheit) passieren durfte, um dann an einem Tor in einem Drahtgitterzaun zwischen den Panzersperren darauf zu warten, dass einem der Grenzer auf dem Wachturm gnädig den Einlass gewährte: der elektrische Türöffner summte und der Reisende drückte die Türe zum Arbeiter- und Bauernstaat auf. Nicht, dass man danach etwa die damalige Rudower Chaussee bis zum Empfangsgebäude des Flughafens weiter zu Fuß hätte laufen dürfen, nein, man musste nach Passieren der Grenzanlagen auf den nächsten Flughafenbus – ja, genau den, der vom ZOB kam – warten, der einen dann, ohne übrigens weiteres Entgelt zu fordern, zum Terminal brachte. Man hätte sich so ganz allein ja sonst auf dem letzten Kilometer auch glatt verlaufen oder gar staatsfeindliche Aktivitäten entfalten können. Letzteres haben die Mitarbeiter der Passkontrolleinheit, die den Bus stets begleiteten, natürlich verhindern können.

Es war, wie vieles damals in der geteilten Stadt, sehr bizarr.

Heute ist es etwas schneller und einfacher, aber auch viel unspektakulärer, zum Flughafen Schönefeld zu gelangen. Und wo früher Interflug, Aeroflot, LOT und Malév nach Budapest, Moskau, Warschau starteten, fliegt man heute mit den Billigfliegern dieser Welt, meistens auf dem Weg in den Urlaub, nach Barcelona, Pisa, Paris oder London. Der Flughafen hat so gar nicht mehr den Charme der gewesenen Republik und riecht noch nicht einmal mehr nach DDR. Verantwortlich für das ganz besondere Aroma der – wie Gerhard Seyfried so schön spottete – Deutschen Desinfizierten Republik, das man hin und wieder auch heute noch schnuppern kann, war das „Fein-Desinfektionsmittel Wofasept“ aus dem VEB Chemiekombinat Bitterfeld; gelegentlich kann man bei ebay noch eine Originalflasche ersteigern.

Auch wenn das Flughafengebäude inzwischen deutlich aufgehübscht worden ist, sind seine Tage wohl gezählt. Denn nach der Fertigstellung den neuen Flughafens BBI, dessen Bau man vom Infotower aus verfolgen kann, wird hier alles ganz anders aussehen und ablaufen.


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