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Archiv für August 2010

Caseificio Tritto Vincenzo in Bitonto

30. August 2010 3 Kommentare

Selbstverständlich verkauft Vincenzo Tritto in seinem Geschäft frische Milchprodukte (latticini), wie z.B. Mozarella, Ricotta und Burrata. Alle diese Frischkäse bekommt man hier in einer in Deutschland weitgehend ungekannten Qualität, denn sie sind wirklich frisch, weil sie nicht aus der Großmolkerei bezogen werden, sondern im eigenen Betrieb gleich hinter dem Laden hergestellt werden. Darüber hinaus bietet er ein gut ausgesuchtes Sortiment an Delikatessen an. Mein Favorit ist hier eindeutig der rohe Schinken aus Norcia, mild und eher süß im Geschmack. Mehrere davon hängen hinter dem Tresen an der Wand, von außen überzogen mit einer Schicht aus Kräutern und Gewürzen. Die Lieblingszicke fand hingegen großen Gefallen an einer Art Presskopf aus Kalabrien. Den sollte ich immer mitbringen, wenn ich hier einkaufen ging.

An den Namen dieser Spezialität konnte ich mich beim ersten Einkauf nicht mehr genau erinnern, ich wusste nur noch, dass es etwas Kalabrisches war und Kopf im Namen vorkam. Also lautete meine Bestellung: „Tre fette di Testa del Calabrese“ (drei Scheiben vom Kopf des Kalabresen), was zu allgemeiner Erheiterung unter allen Anwesenden führte, heißt die Wurstsorte doch eigentlich Coppa di Testa. Der Chef wusste trotzdem, welche Wurst ich wollte.


Caseificio Tritto Vincenzo
Viale Giovanni XXVIII 59, 70032 Bitonto

+39.080.3751732

Braceria Caputi in Quasano

28. August 2010 8 Kommentare

Die Fornelli sind eine Tradition in der apulischen Murgia: Viele Metzgereien betreiben eine kleine, einfache Restauration gleich im Laden oder in einem separaten Lokal neben dem Geschäft, gegenüber oder um die Ecke. Dort kann man an zwei, drei Abenden in der Woche die Produkte des Macellaio gleich verzehren.

Man wählt am Tresen aus, was man essen möchte, der Metzger wiegt es aus, man bestellt noch einen Wein dazu und bezahlt gleich am Tresen, und eine halbe Stunde später kommen die frisch gegrillten Köstlichkeiten an den Tisch. Vorab gibt es in der Regel ein paar Kleinigkeiten zum Naschen, wie z.B. Oliven, und dazu trinkt man meist einen lokalen Rotwein.

In Quasano ist das Fornello, das die Metzgerei Caputi im Sommer betreibt, eigentlich schon kein Fornello im eigentlichen Sinn, sondern ein großes Gartenrestaurant mit Metzgerei in der Mitte. Das Prinzip des Fornello bleibt: Man wählt am Tresen aus, was man möchte.

Das Ambiente ist einerseits schlicht, man sitzt auf Plastikgartenstühlen, isst von Platiktellern und trinkt aus Plastikbechern. Andererseits sitzt man auf Terrassen aus Naturstein in einem sehr schönen Garten unter hohen Bäumen, und das bei durchweg angenehmen Temperaturen, die hier in einer Höhe von rund 500 Metern etliche Grade unter der brütenden Hitze der Küstenebene liegen.

Bei Caputi gibt es unter anderem Tagliata, grobe Salsiccia, feine Cervellata (eine Bratwurst hergestellt aus Rind- und Schweinefleisch und Pecorino, Spezialität aus Torrito), Fegatini (Leber zwischen Lorbeerblättern) und Gnumarieddi (Mini-Rouladen mit Innereien vom Lamm). Alles war sehr frisch, hervorragend gewürzt und kam auf den Punkt perfekt gegrillt auf den Teller.

Der in Italien übliche Obolus für Pane e Coperto deckt hier nicht nur das Brot, sondern auch eine relativ üppige Auswahl an Vorspeisen (Oliven, eingelegte Gemüse, Crostini, Taralli, Wurstsalat aus Mortadella und Schinken), rohes Gemüse (Möhren, Sellerie und Carosseli, einer apulischen Melonenart, die von Slow Food für die Arche des Geschmacks ausgewählt wurde) zum Hauptgang, Früchte und ein paar Kekse als Nachspeise und sogar einen Limoncello zum Abschluss.

Zu viert haben wir mit Wasser und Wein fünfzig Euro bezahlt — ein wahrhaft günstiger Preis für ein so gutes Essen.


Braceria Caputi
Largo del Canale, 70020 Quasano

+39.339.3830723

Vecchio Caffè Amoia in Giovinazzo

27. August 2010 Hinterlasse einen Kommentar

Die Bar Amoia ist der Laden für hausgemachtes Eis in Giovinazzo. Seit Jahren ein fester Anlaufpunkt, nicht nur für Eis, sondern auch für eine Granita di caffè con doppia panna. Diesmal auch mit einem Foto dieser Köstlichkeit, wenn auch schon halb gegessen (der Appetit war stärker als der Wille, ein Foto zu machen).


Bar Amoia
Piazza Vittorio Emanuele 38, 70054 Giovinazzo

+39.080.3942066

Panificio del Sacro Cuore in Bitonto

26. August 2010 8 Kommentare

Derweil man in Deutschland meistens beim Bäcker alle möglichen Backwaren aus einer Hand bekommt, trennt man in anderen Ländern strikt zwischen Brot und und süßen Backwaren. So auch in Italien: Das Panificio backt nur Brot, für alles Süße muss man in die Pasticceria. Zum Brot zählen allerdings — je nach Region — etliche andere nichtsüße Dinge, die man im Brotofen zubereiten kann, zum Beispiel die Focaccia aus dickem, lockeren Hefeteig, in den Tomaten und Oliven eingesunken sind und der satt mit Olivenöl getränkt ist. Nicht fehlen darf der Origano, der hier mit einem Aroma erhältlich ist, das meilenweit von dem entfernt ist, was bei uns aus dem Streuglas kommt.

Beim Brotbäcker zum Heiligen Herzen, der seinen Namen vom Istituto del Sacro Cuore gleich auf der anderen Straßenseite hat, ist die Focaccia jedenfalls fast so gut wie bei Mamma zu Hause. Sehr gelungen fand ich hier auch die Ciabatte, die es mit und ohne Oliven gibt.

Der Bäcker hält selbstverständlich auch das ein oder andere Schwätzchen mit seinen Kunden, besonders gern — so schien es zumindest — mit Fremden, die den Weg in sein Geschäft gefunden haben, das von außen nur durch den feinen Geruch nach frischem Brot erkennbar ist. So erkundigt er sich gleich, wo man herkommt, wie lange man vorhat zu bleiben, was man schon alles gesehen hat, und wie einem Apulien so ganz allgemein gefällt. Die anderen Kunden warten derweil geduldig und beteiligen sich am Gespräch. Tipps für weitere Ausflüge bekommt man so auch gleich.

Nachdem wir erzählten, dass wir in Acquaviva delle Fonti waren, um die dort angebauten roten, besonders milden Zwiebeln einzukaufen, fragte er uns, ob wir diese Zwiebeln schon gebacken gegessen hätten.

Wenn wir ihm morgen früh eine Zwiebel brächten, könnten wir sie gegen Mittag gebacken mitnehmen. Am besten schmeckten sie mit Salz und Öl, manche würden auch Essig dazu nehmen.


Rote Zwiebel aus Acquaviva, noch ungebacken

Dieses Angebot haben wie gerne angenommen und tatsächlich waren die so gebackenen Zwiebeln mit viel Salz und gutem bitontinischem Olivenöl außerordentlich lecker.


Panificio del Sacro Cuore
Via Santa Lucia Filippini, 70032 Bitonto

Bar Centrale in Trani

24. August 2010 2 Kommentare

Ein Besuch von Trani, der wunderschönen Stadt am Meer — gebaut aus dem weißen. leicht rötlichen Stein, dem die Stadt den Namen gab: Pietra di Trani, im gleißenden Licht der südlichen Sonne, unter hellblau strahlendem Himmel — gehört für mich einfach zu jeder Apulienreise.

Dass es hier auch eine Bar gibt, die zwar keinen Blick auf den Hafen, das Meer oder die Kathedrale bietet, dafür aber eine erstklassige „Granita di caffè con doppia panna“ im Programm hat, wusste ich bis dieses Jahr auch noch nicht, aber man wird ja gerne um angenehme Erfahrungen reicher.

Bis zum frühen Nachmittag sitzt man in der Bar Centrale bequem im Schatten der Oleanderbäume auf dem Gehweg und kann die Granita oder aber auch den Aperativo genießen, der mit einem reichen Angebot an leckeren Häppchen (stuzzichini) geliefert wird, fast schon ein kleines Mittagessen.

Die Bedienung ist darüber hinaus sehr kompetent und freundlich, man darf sich also rundum wohlfühlen.

Näher anschauen kann sich man die Bar Centrale samt Umgebung auch mit Google Street View.


Bar Centrale
Corso Cavour 57, 70059 Trani‎

+39.0883.486774

Ristorante La Casaccia in Acquasanta Terme

22. August 2010 8 Kommentare

Auf dem Weg von den Sibillinischen Bergen mit der atemberaubenden Hochebene von Castelluccio führt der Weg zur Adria durch das Tal des Flusses Nera, am Rande des Nationalparks der Monti della Laga entlang, in dem der höchste Berg des italienischen Festlands, der Gran Sasso, steht. In dieser gebirgigen Gegend muss die Küche einfach gut sein, man erwartet Pilze, Wild und ähnliche Schmankerl.

Die Erwartungen werden im Ristorante La Casaccia bestens erfüllt, gleich wenn man das Restaurant betritt, sieht (und riecht) man den großen Holzkohlengrill, vor dem in einer gläsernen Theke große Stücke von Rind und Schaf und Salsicce auf den Grill und den hungrigen Gast warten. Nach Beratung mit dem Chef und vom Angebot der Theke überzeugt, bestellt die Lieblingszicke eine Grigliata, derweil ich mich für Nudeln mit schwarzen Trüffeln und Lardo di Collonata entscheide. Beides mundete uns sehr.

Leider entsprach der Service — zumindest am Tag unseres Besuchs — gar nicht der Qualität des Essens: der zum Fleisch bestellte Salat als auch das Brot zum Essen kamen viel zu spät und man ignorierte unser Bemühen, auf den Missstand aufmerksam zu machen, mit großer Beharrlichkeit. Ansonsten wären fünf Birnen durchaus gerechtfertigt, vor allem, wenn man die aufgerufenen Preise in Betracht zieht. Beide Gerichte unter zehn Euro, ein Viertel Montepulciano für zwei und eine große Flasche Wasser für gar nur 1,50 Euro — Getränkepreise, von denen man in Deutschland nur träumen kann.


4birnen
Ristorante La Casaccia
Via Salaria Superiore 10/a, 63041 Acquasanta Terme (AP)

+39.0736.802141
www.ristorantelacasaccia.com

Caffè Napoli in Monopoli

21. August 2010 11 Kommentare

In Monopoli ist man schon weit genug südlich in Apulien, um mit einiger Hoffnung auf eine positive Antwort im Café nach „granita di caffè con doppia panna“ fragen zu können. Das Café Napoli mit großem Freisitz am landseitigen Eingang zur Altstadt von Monopoli schien vertrauenswürdig genug, um diese Frage zu stellen. Die Antwort des mit lustiger rosa Krawatte zum schwarzen Hemd ausgestatteten Kellners: Natürlich gibt es „granita di caffè“ und natürlich auch mit „doppia panna“. Also Tisch gesucht, hingesetzt, bestellt.

Und genossen: Schön steif geschlagene Sahne oben und unten, dazwischen dunkelbrauner, fast schwarzer zu Eis gefrorener Espresso, der durch ständiges Rühren in einer entsprechenden Maschine wie ein Sorbet halbsteif und geschmeidig gehalten wird. Insgesamt war es für die erste solche Granita nach vier Jahren Abstinenz ein herrliches Erlebnis, auch wenn die Granita nicht ganz an die weltbeste aus dem Caffè Tripoli in Martina Franca heranreicht.

P. S. Trotz des Namens spielt man hier nicht ausschließlich Monopoli, auch wurde das Spiel hier nicht erfunden, vielmehr sind Stadt und Name griechischen Ursprungs.


4birnen
Caffè Napoli
Via Garibaldi 2, 70043 Monopoli

+39-080-930 3104
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