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Archiv für September 2010

Umspannwerk Moabit

30. September 2010 11 Kommentare

Franz Schwechten, nach dessen Plänen neben vielen anderen Gebäuden in Berlin auch das Kraftwerk Moabit gebaut wurde, hat uns zwischen Wilhelmshavener- und Stromstraße inmitten der geschlossenen Wohnbebauung eines der ältesten Umspannwerke Berlins hinterlassen.

Derweil die prachtvolle Stuckfassade an der Wilhelmshavener Straße klassizistisch-historisierend gestaltet ist und so gar nicht das Gesicht eines Zweckbaus trägt, ist das 1901 fertiggestellte Gebäude im Inneren ganz sachlich-technisch gehalten. Um 1925 entstand hinter Schwechtens Bau nach Plänen des Bewag-Hausarchitekten Hans Heinrich Müller ein Erweiterungsbau aus Backstein, ganz im Stil der neuen Sachlichkeit und mit einer starken Betonung der Horizontalen, die Müller – wie so oft an seinen Bauten – durch schmale, hohe Fenster erreicht. Dem ursprünglichen Zweck dienen beide Häuser schon lange nicht mehr, alle technischen Einrichtungen wurden bis auf wenige Ausnahmen demontiert, so dass sich die großen Räume, die sich im Erdgeschoss des Müllerschen Baus über zwei Etagen erstrecken, völlig leer sind und einer neuen Verwendung harren. Ein dritter, erst 1986 erstellter Bau an der Stromstraße beherbergt heute die technischen Einrichtungen zur Stromverteilung.

Mit einer Kunstausstellung lässt sich das Gebäude ganz hervorragend bespielen, vor allem, wenn die ausgestellten Werke groß sind und Raum brauchen, um ihre Wirkung entfalten zu können. Das ist mit „The Disasters of Peace“ der Fall: sechzehn Künstler stellen hier ihre Werke aus, und einige sind so groß, dass sie wohl nur mit Mühe einen anderen Raum finden könnten.

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Bis zum 10. Oktober 2010 kann man die Ausstellung – und das Umspannwerk – noch besichtigen, geöffnet ist täglich von 10:30 bis 21:00 Uhr. Bleibt zu hoffen, dass dieser wunderbare Ort zukünftig öfter für Ausstellungen und ähnliches verwendet wird und damit der Öffentlichkeit zugänglich wird.


Umspannwerk Moabit
Wilhelmshavener Straße 7, 10551 Berlin


Post aus Hongkong

29. September 2010 3 Kommentare

Drei Wochen habe ich gewartet, nun ist es endlich da, das Päckchen aus Hongkong.

Schöne Briefmarken haben sie auch draufgeklebt: Den Rotohrbülbül (Red-whiskered Bulbul), den Seidenreiher (Little Egret) und den Weißbrustseeadler (White-bellied Sea Eagle).

Doch der Reihe nach: Im Urlaub habe ich das Display meiner Kompaktkamera (Fuji Finepix F70 EXR), die ich meistens ohne weitere Schutzhülle in der Hosentasche dabei habe, kaputt gemacht. Ohne es zu bemerken, bin ich wohl irgendwo angestoßen, jedenfalls ist das Resultat, dass das Display deutlich die Stelle der Gewalteinwirkung zeigt, aber nur noch rund ein Fünftel des Bilds, das man aufnehmen möchte, und auch das nur sehr undeutlich. Die Kamera funktioniert zwar weiterhin, man muss aber alles weitestgehend im Blindflug erledigen.

Wieder zu Hause, habe ich gleich nachgeforscht, ob eine Reparatur des Displays möglich und auch preislich sinnvoll ist. Fuji bietet, so fand ich schnell heraus, einen Reparaturservice an, bei dem zum Pauschalpreis von stolzen 150€ repariert wird, was auch immer kaputt ist. Ein Preis, der doch deutlich mitteilt, dass sie lieber nichts reparieren wollen. Eine schnelle Preisabfrage im Internet lieferte drüber hinaus, dass die Kamera inzwischen für wenige Euro mehr neu zu kaufen ist, sich die Reparatur bei Fuji folglich nicht lohnt. Also musste eine andere Lösung gefunden werden.

Ein Viertelstündchen weiterer Suche lieferte einerseits ein nützliches Video, in dem man sieht, wie man das Display selber tauschen kann, andererseits Informationen über einige Lieferanten aus Fernost (da kommt die Kamera ja eh her), die ein Display samt sämtlichem erforderlichen Werkzeug für rund 25 bis 35€ anbieten, die meisten davon findet man auf eBay. Ich habe den gewählt, der versandkostenfrei lieferte und eine hohe Zahl positiver Bewertungen hatte. Dank paypal war auch das Bezahlen schnell erledigt, und einen Tag später hatte ich die Nachricht in der E-Mail, dass das Display auf dem Weg zu mir sei und in 7 bis 20 Tagen bei mir eintreffen würde. Nun hat es genau einen Tag länger gedauert, darüber bin ich auch nicht verzweifelt.

Ausgepackt habe ich schon, jetzt muss ich das Ganze nur noch einbauen.

Windows im öffentlichen Leben

25. September 2010 7 Kommentare

Da wollte ich einmal mehr der Post ein Paket anvertrauen, ohne mich in die kapitalistische Warteschlange in der Postfiliale einreihen zu müssen, gehe am Sonntag zur nächsten Packstation und dann das:


Click on OK to terminate the program

Das wird wohl hier heute nichts mit dem versprochenen Sparen. Man kennt das Versagen der Windows-Systeme im öffentlichen Bereich ja schon zur Genüge, aber ein Trost ist das auch nicht.

Dann folge ich doch mal der Aufforderung des Automaten und drücke auf OK – ist ja ein Touschscreen, eine Maus braucht man nicht:


Das Gerät ist derzeit ausser Betrieb

Na toll, außer Betrieb war das Gerät vorher auch schon. Aber die Packstation legt immerhin einen Neustart hin:


Windows is shutting down

Genutzt hat auch der nichts, der Bildschirm kehrte zur Anzeige „Das Gerät ist derzeit ausser Betrieb“ zurück.

Integration

22. September 2010 11 Kommentare

Wo aus Hochfeld immer wieder Berichte eintreffen, dass das mit der Integration nicht so toll klappt, und der Bestseller eines Hobby-Rassentheoretikers alle Welt über deren Misserfolg diskutieren lässt, scheint die Integration in Moabit doch schon viel weiter zu sein.

In Vorurteilen geschult, erwartet man bei den einschlägigen Motorradclubs etwas ältere, stämmige Herren in martialischen Lederklamotten mit Fransen auf fetten Harley-Davidson-Maschinen, hier treffen sich jedoch eher migrationshintergründige Männer in jüngeren Jahren und sitzen mit oder ohne Kutte schon mal ganz entspannt vor ihrem Headquarter. Sie verstehen sich als Support Team Moabit und haben ihr Chapter Bandidos MC Başkent (Hauptstadt) genannt. Mit Moabit im Besonderen und Berlin im Allgemeinen scheinen sie also ganz zufrieden zu sein.

Motorräder habe ich dort eigenartigerweise noch keine gesehen.

Die Trulli des Architekten

19. September 2010 14 Kommentare

Ein Trullo (vom griechischen Wort τρούλος für Kuppel) ist ein massiver Rundbau aus Stein, ursprünglich gebaut »a secco«, also ohne Mörtel, mit einem spitzen Dach aus übereinander geschichteten Steinplatten. Diese überlieferte Bauweise bedient sich des vorhandenen Materials, der auf den Feldern allgegenwärtigen Steine. Mehrere Trulli, eng aneinander gebaut, wachsen zu einem Haus zusammen und aus mehreren solchen Häusern können ganze Städte entstehen. In schönen Valle d’Itria, das zwischen Bari und Brindisi im Absatz des italienischen Stiefels liegt, prägt die Architektur der Trulli, die aus hellem Stein oder weiß gekälkt sind und zwischen den silbriggrünen Oliven herausblitzen, das Landschaftsbild.

In der Nähe von Cisternino liegen die Trulli dell’Architetto. Der Eigentümer, ein Architekt, hat das um 1850 angelegte Ensemble aus mehreren Trulli in jahrelanger Arbeit liebevoll hergerichtet und zwei Ferienwohnungen angelegt, die man einzeln oder auch zusammen mieten kann. Jede der Ferienwohnungen verfügt über einen Wohnraum mit Schlafsofa, ein Schlafzimmer mit Doppelbett, ein eigenes Bad und eine Küche. Hier finden jeweils 2-4 Personen Platz.

Um die Trulli herum erstreckt sich eine große, gemeinschaftlich genutzte Terrasse, von der aus man einen schönen Blick auf die Landschaft des Valle d’Itria hat. Es ist herrlich ruhig hier, denn man wohnt mitten in den hier allgegenwärtigen Olivenhainen, ungefähr einen Kilometer von Cisternino entfernt, wo man auch seine Einkäufe erledigen kann. Cisternino zählt sich mit seinen engen Gässchen und weiß gekälkten Häusern zu den schönsten Orten Italiens (I borghi più belli d’Italia). Darüber hinaus gilt es als Zentrum der apulischen Fornelli, jener Metzgereien, die abends einen Grill betreiben, auf dem man sich die Erzeugnisse des Schlachters gleich vor Ort zubereiten lassen kann, wie zum Beispiel Da Zio Pietro.

Auch die anderen weißen Städte, wie Ostuni, wohl die bekannteste, Martina Franca und Locorotondo liegen nicht weit entfernt und bieten sich für einen Besuch geradezu an. Wer baden möchte, muss nur rund 10 Kilometer bis zur Adriaküste überwinden.

Ein Auto ist hier durchaus empfehlenswert bis unabdingbar, entweder man kommt mit dem eigenen (rund 2000 km von Berlin) oder man fliegt bis Bari (BRI) oder Brindisi (BDS) und nimmt sich einen Mietwagen.

Über Preise (ab 500€ die Woche), Verfügbarkeit und Kontaktmöglichkeiten zum Eigentümer informiert die unten angegebene Website.

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I Trulli dell’Architetto
72014 Cisternino

www.homelidays.de


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La Madonna delle Immondizie

15. September 2010 Hinterlasse einen Kommentar

Danke, Herr Trittin, dass Sie bei uns das Plastikflaschenpfand eingeführt haben.

Die Rote Zwiebel aus Tropea

13. September 2010 6 Kommentare

Zwiebeln gehören an viele Speisen. Sie sind ein alltäglicher und darum meist wenig erwähnenswerter Bestandteil unserer Ernährung. Dabei sind sie doch wirklich unabkömmlich, denn es reicht meistens, eine Zwiebel in Würfeln oder Ringen in der Pfanne anzubräunen, um einen unwiderstehlichen Duft in der ganzen Wohnung zu verbreiten und die Vorfreude aufs baldige Essen zu wecken.

Manchmal darf sich die Zwiebel aber auch außergewöhnlicher Beachtung erfreuen, vor allem, wenn sie rot und mild ist. In Apulien war ich ja nun, aber die fast 400 zusätzlichen Kilometer bis nach Tropea in Kalabrien habe ich nicht geschafft, und so war es mir nicht vergönnt, die Rote Zwiebel von Tropea überhaupt und erst recht in haushaltsüblichen Mengen zu erstehen, denn auch in den Gemüseläden und Supermärkten in Apulien habe ich sie nirgendwo entdecken können.

  

Aber dann! Am Brennerpass, auf der italienischen Seite, wo in den letzten Jahren ein riesiges Outlet-Center entstanden ist, und die allerletzte Gelegenheit besteht, in den vielen Lebensmittelgeschäften, Obst- und Fruchtständen sich mit allem einzudecken, was man meint vergessen zu haben oder unbedingt ganz dringend noch kaufen zu müssen, da liegen sie im Korb: die Zwiebeln aus Tropea, rot-violett, zu Zöpfen geflochten.

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