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Archiv für Januar 2011

Jugendstil in Moabit

30. Januar 2011 11 Kommentare

Einst gab es im südöstlichen Moabit, dort wo nach dem Wegzug der Borsigschen Maschinenbauanstalt um die Wende zum 20. Jahrhundert ein gutbürgerliches Wohnquartier entstand, eine ganze Menge Häuser, deren Fassaden und Hauseingänge durch den Jugendstil geprägt waren. Derweil viele Fassaden in Berlin nach dem zweiten Weltkrieg ihres Schmucks beraubt worden sind und so unwiederbringlich verloren gegangen sind, gibt es im Inneren einiger Häuser durchaus noch Stilelemente aus der Zeit ihres Baus in unterschiedlichem Erhaltungszustand, wie z.B. das vollkommen erhaltene Vestibül in der Kirchstraße.

Eine ganz besondere Fassade ist nun in der Thomasiusstraße endlich wiederhergestellt, nachdem sie einige Jahre einen desolatem Eindruck machte – der Putz war lose und viele der bronzenen Schmuckelemente waren demontiert.

Gebaut wurde das Mietshaus 1902 durch den Architekten und Baumeister Hans Landé. Die Ornamente im Putz stammen vom Bildhauer Carl Caspary, der vermutlich auch die Bronzearbeiten – wie die große Faunfratze am Giebel und das Relief über dem Eingang – schuf.

Caspary wirkte auch an der Gestaltung des Hausinneren mit. Das Vestibül mit den Wandgemälden ist bis heute erhalten.

Spechte in der Stadt

29. Januar 2011 4 Kommentare

Nicht nur die Amsel singt schon seit zwei Wochen, auch der Specht ist schon eifrig auf der Balz. Heute morgen trommelten gleich zwei dieser hübschen bunten Vögel auf die Bäume im Fritz-Schloß-Park ein.

Samenhandlung

26. Januar 2011 12 Kommentare

Die Beusselstraße, diese vielbefahrene Nord-Süd-Achse, die den Charlottenburger zum Flughafen Tegel und die vielen Lastwagen zum Berliner Großmarkt bringt, gehört ganz sicherlich zu den unattraktivsten Straßen Moabits, wenn nicht gar ganz Berlins. Die Gefahr, dass sich hier in den nächsten zwanzig Jahren Schwaben in größerer Zahl niederlassen, würde ich als ganz gering einschätzen.

Seit vielen Jahren liegen die meisten Messwerte, mit denen in Berlin die Luftverschmutzung erfasst wird, oberhalb dessen, was die EU als maximale Grenzwerte festgelegt hat. Auch wenn das Programm zur Verbesserung der Luftqualität den Namen Heaven trägt, ist hier sicher nicht der Himmel auf Erden.

Niedergang und Aufschwung liegen dicht beieinander, was früher vielleicht noch als gut-bürgerlich galt, ist heute ein quirliges Quartier mit vielen arabischen Geschäften. Aus den vermeintlich besseren Zeiten stammt nicht nur der Rosentraum, sondern auch die Samenhandlung gleich gegenüber.

Hier werden schon seit längerem keine Samen mehr verkauft und auch die benachbarte Heißmangel steht wohl schon eine Weile kalt. Obgleich: Dort könnte vielleicht eine Wiederbelebung passieren, denn nach dem allgegenwärtigen Matratzenhandel scheinen neuerdings Wäschereien und Bügeldienste Hochkonjunktur zu haben.

Wenigstens die schönen Schriftzüge Samenhandlung und Heissmangel, hergestellt unter Verwendung von Paul Renners Futura, sind uns bis heute geblieben, eigentlich ein Fall fürs Buchstabenmuseum.

Der Frühling kann kommen!

16. Januar 2011 8 Kommentare

Straßen und Wege sind endlich wieder vom Eis befreit. Der Winter ist vorbei, der Frühling kommt bald. Das muss sich wohl die Amsel gedacht haben, die seit ein paar Tagen wieder in meinem Hinterhof ihren Gesang ertönen lässt, früh am Morgen, derweil es noch stockfinster ist.

Ob es wohl derselbe Amselmann ist, wie vor einem Jahr?

Kundendienst per E-Mail

11. Januar 2011 5 Kommentare

Seit Jahren kaufe ich immer mal wieder beim Blumenversender valentins „im Internet“ Blumen, die ich zu Geburtstagen und anderen Anlässen ans andere Ende der Republik schicken lasse. Das hat immer sehr gut geklappt, die Blumen waren pünktlich per DHL da, sie waren ordentlich verpackt und so frisch, dass sie eine Woche oder länger hielten.

Bei der letzten Bestellung erhielt ich wie üblich eine Versandbestätigung, diesmal unter Angabe einer Trackingnummer und dem Hinweis auf die Online-Sendungsverfolgung. Klasse, das ist doch mal ein lobenswerter Dienst, denke ich. Um nachzusehen, wo die Blumen sind, klicke ich auf den Link in der E-Mail. Es erscheint eine wenig informative Seite, die weitgehend leer ist. Aha, wohl eine falsche URL, denke ich, und finde mit ein paar Klicks über einen anderen Weg die angebotene Sendungsverfolgung.

Dort kann ich meine Trackingnummer eingeben und erfahre, dass die Sendung „auf Tour gegangen“ ist. Man kann wohl noch genauer nachschauen, denn es gibt da einen Link „Sendungsverfolgung direkt bei DHL“. Das probiere ich und werde auf die Sendunsgverfolgung von DHL geleitet, um dort zu erfahren, dass DHL die Trackingnummer nicht kennt.

Das ist alles seltsam. Ich schreibe also eine E-Mail an den Blumenversender und füge die Bildschirmabzüge bei:

Der Link zur Sendungsverfolgung führt leider auf eine leere Seite.

Erst wenn ich auf den Menupunkt „Tracking“ gehe und die Nummer manuell eingebe, erfahre ich, dass die Sendung unterwegs ist.

Bei der Weiterleitung auf die DHL-Seite tritt dann ein Fehler auf, da die DHL-Trackingnummer unbekannt ist (Ihre Suche ergab leider keine Treffer. Bitte überprüfen Sie die eingebene(n) Sendungsnummer(n) oder Sendungsreferenz(en). Sendungsnummer(n) 1234567890).

Das ist nicht sehr zufriedenstellend und sollte dringend verbessert werden. Ich würde es zudem begrüßen, wenn Sie in Ihrer e-Mail direkt angeben würden, dass das Paket per DHL verschickt wurde und dazu auch direkt die DHL Trackingnummer.

Die Mail scheint auch angekommen, aber wohl nicht gelesen oder verstanden worden zu sein, denn ich erhalte einen Tag später eine Antwort:

Vielen Dank für Ihre E-Mail.

Wir bedauern sehr, dass Ihr Blumengruß die Empfängerin nicht am gewünschten Tag erreicht hat.

Sie haben sich bei der gewünschten Versandart für die „Standard-Lieferung“ entschieden. Wir weisen Sie bereits während des Bestellvorgangs darauf hin, dass es hierbei bei der Deutschen Post vereinzelt zu Lieferverzögerungen um einen Werktag kommen kann. Hierfür bitten wir um Ihr Verständnis.

Gerne möchten wir Sie auf unser 7-Tage-Frische-Garantie hinweisen. Bitte informieren Sie uns ob Ihr Blumengruß welk geliefert wurde. Wir werden in diesem Fall einen frischen Ersatz-Strauß kostenlos zustellen.

Ihre Sendung können Sie mit der Trackingnummer 123456789 auf www.hermespaketshop.de verfolgen.

Das ist zwar überhaupt keine Antwort auf meine Frage, gibt aber indirekt schon mal eine Erklärung dafür, dass ich das Paket bei DHL nicht finde, denn es ist wohl mit Hermes versandt worden. Die Erläuterung aus dem Standardtextbaustein, dass es „bei der Deutschen Post vereinzelt zu Lieferverzögerungen um einen Werktag kommen kann“, steht dann allerdings im krassen Widerspruch dazu. Der Blutdruck steigt und folgende E-Mail verlässt meinen Rechner in Richtung Blumenversender:

Ich bitte Sie darum, die E-Mail, die ich Ihnen geschickt habe, zu LESEN, bevor sich mich mit einer Standard-Antwort aus dem Text-Baukasten abspeisen. Ich finde das kein kundenfreundliches Verhalten.

Die Tradition beim Blumenversender will es offensichtlich, dass meine E-Mails nicht gelesen werden, denn einen Tag später erhalte ich Antwort:

Vielen Dank für Ihre E-Mail.

Wir bedauern sehr, dass Ihr Präsent nicht ausgeliefert wurde.

Sehr gern möchten wir Ihnen eine Ersatzlieferung oder eine Kostenerstattung anbieten. Bitte teilen Sie uns mit, welche Lösung Sie bevorzugen.

Wir hoffen auf Ihr Verständnis und wünschen Ihnen zukünftig wieder ungetrübte Freude mit Valentins.

Was soll ich dazu sagen: Ich habe nie behauptet, dass die Blumen nicht angekommen sind (sie wurden übrigens pünktlich ausgeliefert, obwohl am Tag nach der Auslieferung immer noch „Sendung auf Tour gegangen“ auf der Trackingseite stand), ich habe mich nur über die mangelhafte Implementierung der Sendungsverfolgung beschwert.

Ich hätte zu diesem Zeitpunkt die angebotene Kostenerstattung in Anspruch nehmen sollen, aber ich habe noch einmal versucht darzulegen, dass die nicht funktionierende Sendungsverfolgung das Problem ist. Aber auch das wird nicht richtig verstanden:

vielen Dank für Ihre E-Mail.

Bitte entschuldigen Sie.

Gerne haben wir Ihr Anliegen an unseren Logistikpartner weitergeleitet.

Zukünftig wünschen wir Ihnen ungetrübte Freude mit Valentins.

Es ist zum Haareraufen: Der Logistikpartner kann doch nichts dafür, dass der Blumenversender seine Software nicht richtig implementiert hat! Ich bin nun wirklich erschüttert und gebe auf. Ich werde wohl künftig nicht mehr probieren, auf Mängel hinzuweisen und Verbesserungsvorschläge einzureichen.


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