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Archiv für April 2011

„Gänsebrücke“ in Moabit

25. April 2011 17 Kommentare

Dass Moabit eine „Bärenbrücke“ hat, ist zumindest den Berlinern weitgehend bekannt. Dass es aber „auf der anderen Seite“, Richtung Wedding, eine Brücke gibt, die den Namen „Gänsebrücke“ verdiente, ist weniger bekannt. Das liegt wahrscheinlich daran, dass die Dimension der Gänse im Vergleich zum Gesamtbauwerk viel bescheidener ausfällt als die der Bären auf der Brücke, die Moabit mit dem Hansaviertel verbindet, und außerdem nur zwei Gänse auf der Moabiter Seite die Auffahrt zur Brücke zieren. So heißt die Brücke schlicht Putlitzbrücke, wie der fast ebenso große, aber in Teilen schmuckere Vorgänger benannt nach dem märkischen Städtchen Putlitz im nordwestlichen Zipfel von Brandenburg.

Die beiden Gänse – eine hat leider ihren Kopf verloren – zierten bereits die alte, 1912 errichtete Brücke. Sie stammen vom Bildhauer Walther Schmarje, der unter anderem auch die Tierfiguren auf der Gotzkowsky-Brücke erschuf.

Die Brücke selbst ist ein eher unspektakulärer Betonbau aus dem Ende der 1970er Jahre. Damals waren die Planungen für die autogerechte Stadt wohl noch nicht verpönt, so dass die Putlitzbrücke nicht nur außerordentlich lang, sondern mit eigentlich drei Spuren in jeder Richtung ziemlich breit geraten ist. Die Anpassung der Breite der Stromstraße in Moabit und der Föhrerstraße auf dem Wedding ist glücklicherweise nicht erfolgt, lediglich einige Neubauten sind zurückgesetzt.

Warum aber nun die Gänse auf der Brücke? Die finden sich im Wappen der namensgebenden Stadt Putlitz, immerhin ein paar Jahrhunderte älter als Berlin. Und die Gänse kommen in das Wappen, weil das Adelsgeschlecht Gans Edle Herren von Putlitz bis in die jüngere Zeit das Leben in Putlitz bestimmte.

Und nicht dass man denke, dass Gustav Gans aus Entenhausen kommt, vielmehr ist auch er einer aus dem Geschlecht Gans zu Putlitz und war am Ende des 19. Jahrhunderts Intendant am Karlsruher Theater sowie Präsident des deutschen Bühnenvereins.

An die Tatsache, dass auch vom Bahnhof Putlitzstraße die Deportationszüge in die Konzentrationslager abfuhren, erinnert das Deportationsmahnmal auf der Mitte der Brücke Brücke.

Eisler beim Staatsrat

18. April 2011 2 Kommentare

Ganz so war es nicht, aber fast. Mein geliebter RIAS Kammerchor (jedenfalls ein Teil davon) sang Eisler, Schütz und Krenek im ehemaligen Staatsratsgebäude der DDR. Ein passender Ort für Eisler, auch wenn dort heute kein Sozialismus mehr gemacht wird, sondern eine private Hochschule für Verwaltung und Technik (ESMT – European School of Management and Technology) vermutlich gut zahlende junge Leute zu Meistern der Geschäftsverwaltung ausbildet. „Die Executive MBA Klasse 2009-2011 besteht aus 25 Männer und vier Frauen”, vermeldet die Schule in dürftigem Deutsch auf ihrer Homepage – bei dem geringen Frauenanteil schon in der Ausbildung wird es wohl in absehbarer Zeit nichts mit einem höheren Frauenanteil in den Chefetagen unserer Großunternehmen.


Ausschnitt aus dem Glasfenster von Walter Womacka

Der Kapitalismus hat gesiegt, und die Schule ist sogar als gemeinnützig anerkannt. So ändern sich die Zeiten.

Aber von der schnöden MBA-Schmiede zurück zur Musik. Hauptwerk des Abends waren Hanns Eislers „Bilder aus der Kriegsfibel“, Vertonungen eines Teils der Verse, mit denen Brecht die Bilder seiner Kriegsfibel kommentierte. Unterstützt wurden die Solisten des Kammerchors dabei von Mitgliedern des Oberstufenchors der Beethoven-Oberschule Lankwitz. Die eindringliche, unglaublich exakt und kraftvoll gespielte Musik zum Gesang lieferte das belgische Prometheus Ensemble.

Die Kriegsfibel wurde an diesem Abend gar zwei Mal gespielt – beim zweiten Mal begleitet von der Projektion der Bilder aus dem Buch. Die Kriegsfotos sammelte Brecht schon während seines Exils, eine erste Fassung der Kriegsfibel entstand schon 1944, aber erst 1955 wurde sie veröffentlicht. Zwei Jahre später vertonte Hanns Eisler vierzehn der insgesamt neunundsechzig Texte für kleines Ensemble, Sänger und Chor.

Zum Abschluss des Konzert sangen die Chormitglieder – ebenso grandios – Ernst Kreneks 1932 entstandene „Kantate von der Vergänglichkeit des Irdischen”. Als Kontrastprogramm zwischen den beiden Hauptwerken des Abends gab es zwei Stücke geistlicher Chormusik von Heinrich Schütz.


Holz und Aluminium

Mehr zum Anfang der 1960er Jahre gebauten Staatsratsgebäudes findet sich in der Wikipedia.

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