San Salvatore in Campi

Außerhalb des Orts Campi, direkt an der Straße von Preci nach Norcia, steht eine ungewöhnliche Kirche, deren Fassade mit den zwei Portalen, den zwei fein gestalteten Rosetten darüber und dem von einer eher derben Säule getragenen Vordach so die Blicke auf sich zieht, dass man einfach anhalten muss, um sie sich näher anzusehen. Leider ist das nicht ganz einfach, denn die Kirche ist fast immer geschlossen und wird wohl nur für besondere Anlasse geöffnet. Immerhin gibt es eine Hinweistafel, auf der sich einiges zur Geschichte entnehmen lässt. Allerdings ist der Text (wie so oft) in einem dermaßen blumigen Italienisch verfasst, dass dem nach Information dürstenden Reisenden das Verstehen nicht gerade einfach gemacht wird.

Bereits 1115 wurde diese Kirche im romanischen Stil als Pieve di Santa Maria fertiggestellt (eine Pieve ist eine Landkirche, die zu jener Zeit im dünn besiedelten ländlichen Raum das geistliche und weltliche Zentrum einer Gemeinde darstellte). Im Fundament und den Streben finden sich vereinzelt große Steine und Säulenreste, die aus der etruskisch-römischen Zeit stammen (vielleicht aus dem 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung).

Als die Kirche zu klein wurde, verdoppelte man sie 1493, indem ein zweites Schiff daneben gebaut wurde: die Kirche bekam einen zweiten Gang, ein zweite Türe und die Fassade die zweite Rosette. Bis heute kann man die verschiedenen Bauperioden schon außen an der Fassade erkennen.

Gegen 1464 erfuhr die Kirche, die zu jener Zeit noch unter der Verwaltung der nahegelegenen Abtei St. Eutizio stand, ihre letzte große Verschönerung: Abt Epifanio beauftragte Künstler mit der Ausschmückung der Kirche, darunter Nicola da Siena und Maler aus der Familie Sparapane aus Norcia. Ende des 15. Jahrhunderts erhielt die Kirche den heutigen Namen San Salvatore.

Mehrfach sind wir an der verschlossenen Kirche vorbeigefahren, bis eines Tages die Tür offen stand, weil die Kirche für eine Taufe vorbereitet wurde. So konnten wir auch das Innere besichtigen. Obwohl äußerlich unter einem großen Dach, verfügt das linke, ältere Schiff im hinteren Teil noch über ein Holzdach, während der vordere Teil und das rechte Schiff durch ein gotisches Kreuzrippengewölbe gedeckt sind.


Das rechte, neuere Kirchenschiff

Auch sonst könnten die beiden Schiffe der Kirche unterschiedlicher nicht sein, das rechte ist weitgehend nüchtern und fast nur im Altarraum verziert, das linke reich mit Fresken bedeckt. Besonders auffallend ist dort, im älteren Teil, eine auf zwei achteckigen Säulen ruhende Empore, die quer in der Mitte des Schiffs angebracht ist und als Ikonostase mit Szenen aus der Passion Christi, den Aposteln und der Krönung der Jungfrau Maria bemalt ist (die Empore wird seit einem Erdeben von einer hölzernen Konstruktion gestützt).


Das linke Kirchenschiff mit der Ikonostase und Fresken von Vater und Sohn Sparapane (1464)

Die Fresken im oberen Teil der Ikonostase stammen von Giovanni und Antonio Sparapane, derweil die im unteren Teil von Nicola da Siena sind. Vor der Ikonostase steht der in Form eines Brunnens gehaltene Taufstein aus dem 11. Jahrhundert.

Etliche weitere Fresken in der Kirche sind Arbeiten unbekannter umbrischer Maler des 14. und 15. Jahrhunderts.


Großes Kreuzigungsbild im Altarraum des linken Schiffes (14. Jhdt).

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3 Gedanken zu “San Salvatore in Campi

  1. Beim Anblick der Fotos spüre ich richtig die wohltuende Kühle auf der aufgeheizten Haut beim Eintreten in die Kirche. Und der Geruch nach altem Mauerwerk und schwachen Weihrauch Aromen liegt mir in der Nase …

  2. Ich nehme schwer an, dass der Besuch von Vilmos & Begleitung genau der “besondere Anlass” war, die Tore zu öffnen und die Gäste aus Berlino mit einem Halleluja einziehen zu lassen.

    Oder hast du mal wieder den buckligen Mesner bestochen ???

  3. “S. Salvatore con la sua realtà storica, il suo valore estetico, il suo pregio corale, assurge alla dignità dell’opera d’arte.”

    Herrlich. Blumiger geht es wirklich kaum.

    Danke für den interessanten Post.

    JS

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