Moabiter Anschläge
Gesehen im Kriminalgericht
In dem einst glücklosen Laden in der Lübecker Straße wurde monatelang gearbeitet, die Wände wurden verputzt, ein neuer Boden wurde verlegt und das Schaufenster bekam eine neue Auskleidung. Irgendwann vor etlichen Wochen hing dann – neben ein paar historischen Fotografien des Hauses und der Lübecker Straße – ein Zettel an der Scheibe, der verkündete, dass hier eine neue Bürogemeinschaft entstehen solle und dass man noch Interessenten suche. Begleitet wurden die Bauarbeiten durch ständig wechselnde Auslagen im Schaufenster.

Neues Stillleben mit Helm, Handschuhen und Gläsern (die von früher) vor Rotband

Hamburger Flagge, „Miet mich!“, Quarzsand statt Rotband

Schallplatten – ist Stevie Wonder auch wieder dabei?

Alte Fotos von der Lübecker wecken Neugier bei Passanten

Stillleben aus bunten Benzinkanistern
Inzwischen ist die Bürogemeinschaft zumindest teilexistent: im hinteren Teil scheint ein Instrumentenbauer seine Werkstatt zu haben, jedenfalls konnte ich dort schon mal Violoncelli erspähen, und vorne wird Mode entworfen und geschneidert.
Nach der grünen Mütze hat die Heilige-Geist-Kirche nun auch ein buntes Kleid bekommen – zumindest nachts erstrahlt sie nun in blau-rotem Licht. Die grüne Mütze verschwindet dabei leider im Dunkel.
An der Kreuzung, an der das schöne aus gelbem Ziegelstein errichtete Haus mit dem türkischen Restaurant Osmanya nachts immer schon angestrahlt wird, werden auch zwei weitere Gebäude in buntes Licht getaucht, besonders viel Lichtschmuck hat dabei die Bruno-Lösche-Bibliothek abbekommen.
Die Lichtinstallation ist ein Werk des Architekten und Lichtkünstlers Yves Mikelsons-Roloff und wurde vom Quartiersmanagement Moabit-Ost aus Mitteln des Programms „Soziale Stadt“ gefördert. Bis Ende Februar werden die Lichter in den Abendstunden und am frühen Morgen brennen.
Dezembermorgenrot im Kleinen Tiergarten mit Blick auf St. Johannis, eine der vier von Karl Friedrich Schinkel im Auftrag des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III entworfenen Vorstadtkirchen.
Das sind doch mal bunte Anschläge, die sich wohltuend von den vielen diffamierenden und demagogischen Zetteln der Baumschützer abheben, die derzeit überall in Moabit zu sehen sind.
Machmal muss man eine Antwort auf die dringenden Fragen des Lebens geben. So zum Beispiel auf diese wichtigen Fragen zur Packstation, die ich aus dem Fundus der Suchbegriffe habe, mit denen Leute zu meinem Blog finden:
Obgleich die beiden letzten Fragen etwas unspezifisch sind, könnte die Antwort auf alle lauten: sieben. Aber wie bei den Lottozahlen gilt: wie immer ohne Gewähr. Und deshalb ist auch acht eine gültige Antwort.
Allerdings frage ich mich, für welches lautere Unterfangen man das eigentlich wissen will.
Wochenlang wurde gezimmert und gestrichen, Fliesen wurden angebracht, Theken hereingeschafft, aufgebaut und angeschlossen und eine Säule der Halle kunstvoll in einen Gingkobaum verwandelt. Ein Ende war nicht abzusehen, und die ursprüngliche Eröffnung musste verschoben werden.

Fisch und Burger unterm Gingko essen
Nun ist es geschafft. Seit dem 1. Dezember ist die Arminiushalle um eine attraktive Einkaufsmöglichkeit reicher: Der vielgelobte Fischladen aus Prenzlauer Berg eröffnete eine Filiale in der Moabiter Markthalle. Hier kann man frischen Fisch kaufen oder ihn am Imbiss gleich an Ort und Stelle verzehren. Die Auslagen sehen blitzblank und sauber aus, alles ist frisch, und es riecht nicht nach Fisch. Das Speiseangebot ist attraktiv, das Personal freundlich und auf Berliner Art herzlich.
Für diejenigen, die keinen Fisch essen (zu denen gehöre ich), gibt es auch ein kleines fleischliches Angebot: Dicke, saftige Burger in ein paar Varianten, serviert mit leckeren Chips, die diesen Namen verdienen (eben genau keine vorgebackenen Pommes-Stäbchen aus der Kartoffel-Fabrik, sondern die dicker geschnittene, britische Variante der chipped potatoes), und mit ein paar hausgemachten Dips und Malt-Vinegar. Letzterer ist natürlich unabdingbar für Fish & Chips, die hier stilecht auf britischem Zeitungspapier angeboten werden. Gegessen habe ich sie als Fischverächter zwar nicht, aber sie wurden von den mitessenden Begleiterinnen am Eröffnungstag hoch gelobt.

Fluß- u. Seefiſche unter dem schönen Hallendach
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