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Archiv für die Kategorie ‘Ärgern und aufregen’

Stuttgart in Berlin

17. September 2009 7 Kommentare

S-Bahn Ergänzungsverkehr

»Hegel, Einstein, Sie. Wenn Schwaben etwas werden wollen, kommen sie nach Berlin« las ich heute nachmittag auf einem scherzhaften Plakat, das ein Kollege in seinem Büro an der Wand hängen hat. Ob sich die Deutsche Bahn deshalb S-Bahn-Wagen aus Stuttgart hat kommen lassen, kann ich mir nicht vorstellen. Sie scheinen mir hier im fernen Berlin auch nicht wirklich etwas zu werden. Das liegt aber nicht an den Zügen, sondern an der Bahn. Denn die hält die Tatsache, dass die schwäbischen S-Bahn-Züge zwischen Südkreuz und Gesundbrunnen mehrfach pro Stunde verkehren, weitgehend geheim. Auch die Schwaben vom Prenzlauer Berg haben es wohl noch nicht entdeckt, dieses Stückchen importierte Heimat.

S-Bahn Ergänzungsverkehr

Derweil anderswo die wenigen noch mit runden Rädern und heilen Bremsen verbliebenen Berliner S-Bahnen aus allen Nähten platzen, herrscht hier gähnende Leere. Was einerseits auch daran liegen mag, dass auf dieser Strecke normalerweise keine S-Bahn verkehrt, denn die einst geplante S21 wird wohl so bald nicht fahren, andererseits die Bahn diese Züge nicht als S-Bahn deklariert, sondern als »Regionalbahn im S-Bahn-Ergänzungsverkehr«. Letzteres vermutlich, damit die Berliner sich nicht an die Idee gewöhnen, dass eine S-Bahn durch den neuen Nord-Süd-Tunnel fahren könnte.

S-Bahn Ergänzungsverkehr

So erfährt man dann im leeren Stuttgarter S-Bahn-Zug auf der Fahrt von Hauptbahnhof nach Gesundbrunnen, dass man am 20. September in Schwaben den »Tag des Schwäbischen Waldes« mit Mostfest, Mühlenromatik und Alpakawanderung feiert. Und die Stuttgarter Netzspinne des VVS, der die Schwaben mit Waldbus, Oldtimerbus und Limesbus in den Wald bringt, kann man auch gleich studieren.

Dass ihre schönen Züge nun leer durch Berlin pendeln, dürfte nicht nur die sparsamen Schwaben ärgern.

Qype greift ins Klo

18. August 2009 13 Kommentare

Qype, das Bewertungsportal im Internet, mit dem mich eine große Hassliebe verbindet, hat es einmal mehr geschafft, mir die Zornesröte ins Gesicht zu treiben. Nicht böses ahnend möchte ich mir einen neuen Beitrag durchlesen, der zu meinem zweiten Wohnzimmer geschrieben wurde.

Und was erblicke ich, als ich den Platz aufrufe? Kloschüsseln! Gleich drei Stück, massiv ins Auge springend (der grüne Kasten ist von mir, wäre aber eigentlich gar nicht nötig):

GriffInsKlo

Da hat sich das Qype-HQ ja wieder etwas unglaublich Tolles ausgedacht: bei Gaststätten (wo sonst noch?) wird nun die Bewertung der Toiletten als offensichtlich wichtigstes Bewertungskriterium überdeutlich präsentiert.

Arbeiten die ADAC-Campingplatz-Bewerter jetzt bei Qype? Bei diesen allem Anschein nach überwiegend analfixierten Typen ist das Klo auch immer das Wichtigste.

Ich finde es jedenfalls ausgesprochen ekelhaft, als erstes bei der Suche nach einem Restaurant superauffällig mit Kloschüsseln konfrontiert zu werden. Als werbender Gastronom würde ich mir dreimal überlegen, ob ich da noch eine Werbung schalten möchte, selbst wenn ich 4 oder 5 Kloschüsseln hätte. Andere vergeben Kochmützen, Qype vergibt Kloschüsseln?

Dafür leihe ich mir beim Schockwellenreiter gleich mal die passende Bewertung:

Für diesen Griff ins Klo verleihe ich Qype die entsprechende Schüssel (feinstes Porzellan, weiß, ca. 40 cm, Anfang des 21. Jhdts.). Qype hat sie sich redlich verdient.

Das Thema scheint zu interessieren, die Diskussion ist im Gange.

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Abenteuer Deutsche Bahn

23. Juli 2009 2 Kommentare

Fast kein Unternehmen eignet sich in diesen Tagen für einen Berliner besser zum Draufschlagen als die Deutsche Bahn. Die Unbilden des Nichtfunktionierens eines wichtigen Nahverkehrsmittels erfährt man derzeit täglich in der Hauptstadt, wo die Raffgier eines Staatsunternehmens die Berliner S-Bahn in das ziemlich totale Versagen fuhr. Die angeblich Schuldigen sind geschasst und alle anderen beeilen sich darzulegen, dass nicht das Gewinnstreben, das Ausdünnen der Werkstätten, das Personaleinsparen usw. an der misslichen Lage schuld seien. Kein Paradebeispiel für »Deutschland – Land der Ideen«.

Wie dem auch sei. Nichts Böses ahnend machte ich mich gestern dienstlich auf den Weg nach Paderborn – morgens hin, abends zurück, das sollte doch gehen. Es geht – aber es bleibt wenig Zeit in Paderborn, denn die Bahn braucht glatte vier Stunden für die rund 400 km. In Hannover ist man ja dank ICE in etwas mehr als 1½ Stunden, aber dann braucht es für die restlichen 100 km noch mal fast zwei Stunden. Zwischen Hannover und Paderborn fährt nämlich nur eine S-Bahn. Für Berliner in diesen Tagen ein böses Omen. Und in der Tat, nach 20 Minuten Warten steht auf der Abfahrtstafel „ca. 10 Minuten später”. In entgegengesetzter Richtung soll die S-Bahn gar 30 Minuten Verspätung haben, da ist man ja schon froh, dass man nur mit 10 Minuten zu rechnen hat.

Verspätung
ca. 10 Minuten später

Bis der Zug dann losfährt, sind es 15 Minuten geworden. Weit kommen wir jedoch nicht, nur zwei Stationen später – noch in Hannover – heißt es: „Bitte alle aussteigen, der Zug endet hier“. Klasse. Dann wird noch mitgeteilt, dass es nun wegen eines Oberleitungsschadens mit dem berühmt-berüchtigten Schienenersatzverkehr weiterginge, die Busse würden schon bereit stehen. Nur bis Weetzen, da könne man wieder in die S-Bahn einsteigen. So lernt man also bei der Busfahrt die ländliche Umgebung von Hannover kennen, schöne niedersächsische Bauernhöfe stehen hier, Fachwerk mit Ziegeln.

In Weetzen dann keine S-Bahn. Denn die nächste fährt nach Plan pünktlich ab, und zwar eine Stunde später als die, mit der ich ursprünglich hätte fahren sollen. Bis zur Abfahrt sind es aber inzwischen auch nur noch 20 Minuten. Die S-Bahn kommt dann aus Paderborn und bleibt mit offenen Türen im Bahnhof stehen. Die gerade Angekommenen ahnen noch nichts von ihrem Glück, gleich mit dem Bus durch die niederdeutsche Tiefebene gekarrt zu werden, und bleiben, der Überzeugung voll, dass sie gleich nach Hannover weiterführen, auf ihren Plätzen sitzen. Keine Durchsage. Nichts. Weder im Zug, noch auf dem Bahnsteig, wo die Gestrandeten stehen, die nach Paderborn wollen. Irgendwann kommt dann mal ein junger Mann mit DB-Uniform und ruft in den Zug, dass die Fahrt nicht weiterginge und alle in den SEV umsteigen müssten.

Schienenersatzverkehr
Schienenersatzverkehr

Nachdem alle mit Fahrtziel Hannover aus- und die mit Ziel Paderborn eingestiegen sind, kommt dann seltsamerweise die dazu passende verspätete Ansage und auf dem Anzeiger erscheint ein verschämtes „Zug endet hier“.

Bhf Weetzen
Zug endet hier

Stur nach Fahrplan geht es dann mit einer Stunde Verspätung weiter. Ein Schaffner, Zugbegleiter, Fahrkartenkontrolleur lässt sich auf der ganzen Fahrt nach Paderborn nicht blicken. Angst vor Volkes Zorn?

Die Informationspolitik der Bahn ist wie üblich bescheiden. Zwar ist Stunden nach dem Auftreten der Störung der SEV gut organisiert, aber niemand scheint zu wissen, was eigentlich los ist. Und vernünftige Ausweich-Empfehlungen werden auch nicht ausgesprochen. Ich hätte nämlich, wie ich später feststellte, auch mit einem anderen Zug auf einer anderen Strecke über Bielefeld nach Paderborn fahren können und wäre nur 10 Minuten statt einer Stunde später angekommen.

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Petition gegen Internetzensur

7. Mai 2009 4 Kommentare

zensursula-231x300Die Webseiten des Bundestags bieten seit September 2005 die Möglichkeit zum Einreichen und Unterstützen von öffentlichen Petitionen über das Internet. Am 22.4.2009 hat die Berlinerin Franziska Heine  eine Petition gegen die Indizierung und Sperrung von Internetseiten eingereicht, die am 4.5. veröffentlicht wurde. Innerhalb von drei Wochen nach Veröffentlichung, also bis zum 18.5.2009, wird ein Quorum von 50.000 Mitzeichnern benötigt. Das Erreichen des Quorums ist insofern bedeutsam, dass die Petition dann im Petitionsausschuss i.d.R. öffentlich beraten wird, und die Petentin zu dieser Beratung eingeladen wird und das Rederecht erhält. Bei Sascha Lobo gibt es ein Interview mit Franziska.

Am 7.5.2009 gegen 14 Uhr hatten bereits mehr als 44.000 Bürger unterzeichnet, obwohl die Server dem Ansturm nicht ganz gewachsen scheinen, und man viel Geduld braucht, um sich zu registrieren und abzustimmen. Das Quorum von 50.000 Mitzeichnern wurde in den frühen Morgenstunden des 8.5. erreicht.

Die Petition kann auch nach Erreichen des Quorums noch bis 16.6. unterzeichnet werden, so dass die Möglichkeit besteht, deutlich mehr als 50.000 Mitzeichner zu finden. Also auf: Registriert auch und unterstützt diese Petition!

Text der Petition

Wir fordern, daß der Deutsche Bundestag die Änderung des Telemediengesetzes nach dem Gesetzentwurf des Bundeskabinetts vom 22.4.09 ablehnt. Wir halten das geplante Vorgehen, Internetseiten vom BKA indizieren & von den Providern sperren zu lassen, für undurchsichtig & unkontrollierbar, da die „Sperrlisten“ weder einsehbar sind noch genau festgelegt ist, nach welchen Kriterien Webseiten auf die Liste gesetzt werden. Wir sehen darin eine Gefährdung des Grundrechtes auf Informationsfreiheit.

Begründung

Das vornehmliche Ziel – Kinder zu schützen und sowohl ihren Mißbrauch, als auch die Verbreitung von Kinderpornografie, zu verhindern stellen wir dabei absolut nicht in Frage – im Gegenteil, es ist in unser aller Interesse. Dass die im Vorhaben vorgesehenen Maßnahmen dafür denkbar ungeeignet sind, wurde an vielen Stellen offengelegt und von Experten aus den unterschiedlichsten Bereichen mehrfach bestätigt. Eine Sperrung von Internetseiten hat so gut wie keinen nachweisbaren Einfluß auf die körperliche und seelische Unversehrtheit mißbrauchter Kinder.

Mehr unter anderem bei netzpolitik.org. Die Entwicklung der Zahl der Mitzeichner läßt sich auf einer Grafik bei mitzeichner.appspot.com verfolgen.

Ethik abwählen? Nein!

14. April 2009 18 Kommentare

Auch wenn die Christlichen Religionsgemeinschaften immer wieder den Eindruck erwecken wollen, dass das Christentum Ursprung und Gewähr von Anstand, Moral und Ethik sei, entspricht das nicht den Tatsachen. Sehr deutlich wird das, wenn man den Film „Die haßerfüllten Augen des Karlheinz Deschner“ und darin vor allem die Äußerungen der Kirchenvertreter hört und sieht. Diese hervorragende Dokumentation über den Kirchenkritiker Karlheinz Deschner, die Ricarda Hinz und Jacques Tilly schon 1998 veröffentlichten, gibt es in zwei Teilen auf Google Video:

Teil 1: 

Teil 2:

(Mein Dank geht an Olyly, über deren Artikel ich erst auf diesen Film aufmerksam geworden bin. Den Film gibt es in besserer Qualität — leider nur als etwas altertümliches VHS-Video — auch zu kaufen.)

Also, Berliner, nehmt am 26. April an der Volksabstimmung zur Einführung des Wahlpflichtfachs Ethik/Religion teil und stimmt mit Nein und damit für den Erhalt des Pflichtfachs Ethik, denn wir wollen die gleichen Ethiknormen für alle und keine Sonderbehandlung für Einzelgruppen.

T-Com stellt Berlin mit hässlichen Kästen zu

18. November 2006 Kommentieren

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Der technische Fortschritt in Form von VDSL hat auch seine — durchaus vermeidbaren — Kehrseiten: die hässlichen, riesigen Verteilerkästen mit den DSLAMs, die T-Com offensichtlich problem- und kostenlos in allen großen deutschen Städten aufstellen darf, so auch in unserer Stadt. Seit Anfang 2006 ist die Deutsche Telekom in Berlin dabei, diese Kästen zur Versorgung mit 50 MBit/s-Anschlüssen entlang der Bürgersteigkanten aufzustellen. Ein Endausbau von 11.000 Stück dieser Monstren ist alleine in Berlin geplant. Die Kästen sind mannshoch, mehr als 2 m breit und ca. 1/2 m tief. Und wenn die Sonne drauf scheint, machen sie auch noch heftig Krach, weil die vielen Ventilatoren die empfindliche Elektronik kühlen müssen.

Wieso dürfen die das eigentlich? Weil sie doch noch immer ein Staatsbetrieb mit hoheitlichen Aufgaben sind? Weil es unseren Stadtverwaltern egal ist, dass unsere Städte noch mehr verschandelt werden?

Und was passiert, wenn auch noch Versatel, Hansenet, Arcor und wie die anderen Netzbetreiber noch heißen, uns auch alle mit VDSL meinen beglücken zu müssen und auf die Idee kommen, neben die Kästen der T-Com ihre eigenen aufzustellen? Und das müssen sie ja wohl, denn die Bundesnetzagentur will die Konkurrenten der T-Com ja einstweilen wohl nicht auf das T-Com Hochgeschwindigkeitsnetz lassen.

Einige Bilder allein aus dem westfälischen Viertel in Moabit:

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