Stuttgart in Berlin
»Hegel, Einstein, Sie. Wenn Schwaben etwas werden wollen, kommen sie nach Berlin« las ich heute nachmittag auf einem scherzhaften Plakat, das ein Kollege in seinem Büro an der Wand hängen hat. Ob sich die Deutsche Bahn deshalb S-Bahn-Wagen aus Stuttgart hat kommen lassen, kann ich mir nicht vorstellen. Sie scheinen mir hier im fernen Berlin auch nicht wirklich etwas zu werden. Das liegt aber nicht an den Zügen, sondern an der Bahn. Denn die hält die Tatsache, dass die schwäbischen S-Bahn-Züge zwischen Südkreuz und Gesundbrunnen mehrfach pro Stunde verkehren, weitgehend geheim. Auch die Schwaben vom Prenzlauer Berg haben es wohl noch nicht entdeckt, dieses Stückchen importierte Heimat.
Derweil anderswo die wenigen noch mit runden Rädern und heilen Bremsen verbliebenen Berliner S-Bahnen aus allen Nähten platzen, herrscht hier gähnende Leere. Was einerseits auch daran liegen mag, dass auf dieser Strecke normalerweise keine S-Bahn verkehrt, denn die einst geplante S21 wird wohl so bald nicht fahren, andererseits die Bahn diese Züge nicht als S-Bahn deklariert, sondern als »Regionalbahn im S-Bahn-Ergänzungsverkehr«. Letzteres vermutlich, damit die Berliner sich nicht an die Idee gewöhnen, dass eine S-Bahn durch den neuen Nord-Süd-Tunnel fahren könnte.
So erfährt man dann im leeren Stuttgarter S-Bahn-Zug auf der Fahrt von Hauptbahnhof nach Gesundbrunnen, dass man am 20. September in Schwaben den »Tag des Schwäbischen Waldes« mit Mostfest, Mühlenromatik und Alpakawanderung feiert. Und die Stuttgarter Netzspinne des VVS, der die Schwaben mit Waldbus, Oldtimerbus und Limesbus in den Wald bringt, kann man auch gleich studieren.
Dass ihre schönen Züge nun leer durch Berlin pendeln, dürfte nicht nur die sparsamen Schwaben ärgern.
































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