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Archiv für die Kategorie ‘Schauen und hören’

Opernhaus Leipzig

12. Oktober 2009 2 Kommentare

Oper Leipzig

Eine Perle der sozialistischen Baukultur der DDR steht in Leipzig am Augustusplatz: das Opernhaus, das von 1956 bis 1960 nach Plänen des Architekten Kunz Nierade als Ersatz für das im Krieg zerstörte Neue Theater erbaut wurde. Es ist der erste Theaterneubau, den die DDR errichten ließ, 44,6 Mio. DDR-Mark hat er gekostet. Es ist wohl auch der größte: Das Bühnenhaus misst immerhin 30 mal 23 Meter und der Saal bot ursprünglich mehr als 1600 Zuschauern Platz.

Neues Theater Leipzig um 1900
Neues Theater um 1900 (Quelle: Wikipedia, Lizenz: gemeinfrei)

Von den spätklassizistischen Formen des 1864-1868 nach Plänen von Carl Ferdinand Langhans errichteten Vorgängerbaus ließ sich Nierade offensichtlich inspirieren und hat dem Baukörper eine recht ähnliche Form gegeben. Die Fassadengestaltung mit hellem Pirnaer Sandstein, den großflächigen Fenstern mit goldfarben eloxierten Aluminiumrahmen und mit den recht wenigen Schmuckelementen ist aber ganz im Stil der Zeit gehalten. So zeigt das Opernhaus die gelungene Synthese zwischen klassizistischem Erbe und moderner Architektur. Ursprünglich hätte das Haus noch viel mehr Schmuck tragen sollen, wegen Rohstoffmangels ist es aber dazu nicht gekommen – glücklicherweise, muss man im Rückblick wahrscheinlich sagen.

Oper Leipzig
Garderobenhalle

Noch mehr zeigt das Haus von Innen seinen besonderen Baustil, den man ganz gut als sowjetisches Art Déco charakterisieren könnte. Die Wände, Pfeiler und Säulen im Eingangsbereich und der recht niedrigen Garderobenhalle sind teilweise mit handgefertigten weißen Fliesen aus Meißener Porzellan verkleidet.

Oper Leipzig
Treppe

Über aufwendig gestaltete Treppenhäuser gelangt man auf rotem Teppich schreitend vorbei an mit Blattgold ausgeschlagenen Wänden in das Parkettfoyer. Geländer und Handläufe sind ganz im typischen Stil der 1950er Jahre gehalten.

Oper Leipzig
Parkettfoyer in Birnbaumholz

Im Parkettfoyer sind die Wände großflächig mit rötlich schimmerndem Birnbaumholz verkleidet. Im Kontrast zur streng gehaltenen Vertäfelung steht die ornamental gestaltete Decke. Bemerkenswert sind hier auch die vereinzelt zu findenden Sitzmöbel, die ebenfalls ganz deutlich zeigen, aus welcher Zeit sie stammen.

Oper Leipzig
Decke im Parkettfoyer

Die Wände des Zuschauerraums sind ganz mit Riegelahorn mit seiner charakteristischen Maserung verkleidet, das der besseren Akustik wegen nicht flach sondern fächerartig angebracht ist. Besonders auffällig sind hier die halbrunden Logen – Intendantenloge und Staatsratloge – von denen aus man wohl einen Teil der Bühne nicht sieht, aber dafür selber gut gesehen werden kann.

Oper Leipzig
Blick vom Rang in den Zuschauerraum

Im ganzen Haus finden sich aufwendig gestaltete vielflammige Leuchter, es wird sicher ein massives und finanziell ruinöses Unterfangen, hier auf Energiesparlampen umrüsten zu wollen.

Oper Leipzig Oper Leipzig
Leuchter im Rangfoyer und im Zuschauerraum

Im Jahr 2007 wurde das Opernhaus mit einem Aufwand von 9,5 Millionen Euro umgebaut und in den Originalzustand von 1960 zurückversetzt. Durch eine großzügigere Bemessung der Beinfreiheit bietet das Theater heute nur noch etwas weniger als 1300 Zuschauern Platz.

Kunz Nierade, der Architekt des Opern, war übrigens auch Leiter des Architektenkollektivs, das die Pläne für die 1965/66 erfolgte grundlegende Erweiterung der Komischen Oper in Berlin lieferte, der die Hauptfront in der Behrenstraße die Neugestaltung ganz im sachlichen Stil der 1960er Jahre verdankt.


Oper Leipzig
Augustusplatz 12, 04109 Leipzig

0341 71680
oper-leipzig.de

Bundestagswahl live im Internet

25. September 2009 13 Kommentare

Eine sicherlich deutlich von den Mainstream-Medien abweichende Diskussion zur Wahl kann man am 27. September von 15:30 bis 20:30  im Internet als Videostream auf dctp.tv sehen und als Audiostream auf bundesradio.de hören.

Moderatoren sind Philip Banse und Tim Pritlove, als Gäste diskutieren die üblichen Verdächtigen von Markus Beckedahl bis Johnny Haeusler.

Ansehen oder anhören! Das verspricht interessanter und spannender als die Wahlsendungen bei ARD und ZDF zu werden.

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Internationales Klangkunstfest __tiefKLANG

17. August 2009 Kommentieren

Tiefklang

Das am 14. August gestartete Internationale Klangkunstfest 09__tiefKLANG läuft noch bis zum 12. September an zwei außergewöhnlichen Orten in den Berliner Unterwelten.

Aus der Ankündigung: »Das Internationale Klangkunstfest Berlin untersucht 2009 künstlerische Wirkungsgefüge von „Material und Situation“ in zeitgenössischer Klangkunst und Neuer Musik, indem es auf zwei ‚eigenartige‘ Orte in den Berliner Unterwelten eingeht. An einer der besonderen unterirdischen Lokalitäten finden verschiedene Konzerte/Performances Neuer Musik und Klangkunst mit unterschiedlichsten experimentellen Formaten statt. Die Klangkunst-Ausstellung an einem anderen unterirdischen Ort ist als eine organische musikalisch-akustische Landschaft inszeniert. Die Ausstellungsbesuche bestehen aus einem geführten Parcours durch diesen artifiziellen Soundscape. Wissenschaftliche Reflexion begleitet Konzerte und Ausstellung konstant und führt zu einem Symposium mit den Künstlern und besonderen Gästen.«

Tiefklang

Ich war am 14. August bei der Vernissage in den Nordräumen am U-Bahnhof Gesundbrunnen und kann den Besuch der Ausstellung nur empfehlen. Faszinierend die Installation von Shingo Inao: ein Raum mit mehreren Tischen, auf denen alltägliche Aktionen im Stillstand gezeigt werden, die jedoch leise von den Geräuschen untermalt werden, die die gezeigte Handlung verursacht. Auf dem Tisch mit Nägeln hört man das Hämmern, auf dem Tisch mit zerbrochenen Flaschen das Zersplittern des Glases usw. Viel Beachtung findet auch Wolfgang Spahns interaktive Installation »Blick auf die Bewegung«, bei der der Zuschauer durch die Bewegung eines rohen Eis die projizierten Bilder, die fortwährend computergesteuert mit einem Schleier  überzogen werden, freilegen kann. Das Ausgangsmaterial stammt aus einem Photoalbum, dessen Bilder der Großvater des Künstlers 1936 aufgenommen, zusammengestellt und beschriftet hat. Fast alle Bilder, die auf einer Deutschlandreise entstanden, zeigen nationalsozialistische Kultstätten und Orte, die Symbole für ein vereintes deutsches Reich darstellen. Dazu läuft eine elektronisch verfremdete Fassung von Lili Marleen, die Thomas Gerwin erstellt hat.

Tiefklang

Die Ausstellung mit verschiedenen Klangkunstwerken findet in den Nordräumen am U-Bahnhof Gesundbrunnen statt (Zugang durch das nördliche Eingangsbauwerk der U-Bahn vor dem Gesundbrunnencenter, eine Treppe abwärts) und ist Mittwoch bis Sonntag von 17-18h im Rahmen einer Führung zugänglich. Sehr zu empfehlen!

Die Konzerte finden im (niemals in Betrieb gegangenen) U-Bahnhof Dresdener Straße in Kreuzberg am Alfred-Döblin-Platz statt (wessen Browser Microformate erkennt, kann gleich die Termine in seinen Terminkalender übernehmen). Auch die Konzerte im Untergrund der Dresdener Straße versprechen spannend zu werden.

Sa 22.8.09 20h-22h KONZERT 1 @ Dresdener Straße

mit Werken von Joel Chadabe, Thomas Gerwin, Ralf Hoyer, Pierre Schaeffer, Willem Schulz, Claude Shryer mit Suzanne Hensel (Live-Elektronik), Ralf Hoyer (Live-Elektronik), Carsten Schneider (Live-Elektronik), Willem Schulz (Violoncello), Iris Sputh (Tanz)

Sa 29.8.09 20h-22h KONZERT 2 @ Dresdener Straße

mit Werken von Martin Daske, Pablo Gav, Thomas Gerwin, Robin Hayward, Elsa Justel, Max E. Keller mit Martin Daske (Live-Elektronik), Robin Hayward (Tuba+Live-Elektronik), Susanne Zapf (Violine)

Do 3.9.09 20h-22h KLANGWELTEN SPEZIAL @ Dresdener Straße

Solo-Programm von und mit Tobias Dutschke (Schlagwerk, Material-Perkussion) /// Ars Acustica-Hörspiel »Utopia Hip-Hop« von Pierre Henry, SWR 2009 /// Gesprächsgast: Tobias Dutschke

Sa 5.9.09 11-17h SYMPOSIUM @ Nordräume

Prof. Dr. Christa Brüstle (FU/UdK Berlin) im Gespräch mit Dr. Sabine Schouten, Rainer Simon und den Künstlern Edward Schocker und Thomas Gerwin (Klangobjekte/Live-Elektronik), Shingo Inao (Tosso-Performance), Hartmut Sörgel (abschliessende »Verdichtung«)

Fr 11.9.09 20h-22h KONZERT 3 @ Dresdener Straße

mit Werken von Ulli Götte, Judy Klein, Fine Kwiatkowski+Willehad Graefenhorst, Frank Niehusmann, Edward Schocker+Zacharias J. Watkins, Helmut Zapf mit Ulli Götte (E-Piano), Fine Kwiatkowski (Tanz) + Willehad
Graefenhorst (Elektronik), Edward Schocker + Zacharias J. Watkins (Live-Elektronik)

Sa 12.9.09 19h-22h FINISSAGE-ABSCHLUSSFEST @ Nordräume

KlangBildEnsemble ad hoc /// Improvisations-Orchester mit Thorsten Bloedhorn (E-Gitarre), Thomas Gerwin (Live-Elektronik, Percussion), Frank Halbig (Live-Elektronik), Giovanni Longo (Live-Elektronik), Dietrich Petzold (Violine), Claudia Risch (Flöte, Saxophon), Peggy Sylopp (Live-Video) Caspar Abocab (Live-Hörspiel), Überraschungsgäste


Nordräume im U-Bhf Gesundbrunnen

Badstraße 1, 13357 Berlin
www.inter-art-project.de

U-Bhf Dresdener Straße

Dresdener Straße, 10999 Berlin

BewohnBAR – Musikalischer Salon in Moabit

19. Juli 2009 2 Kommentare

BewohnbarAn die Tradition des vor allem im 19. Jahrhundert beliebten Musikalischen Salons knüpft Alexander von Nell mit seiner »BewohnBAR« an, indem er alle sechs bis acht Wochen zu einer musikalischen oder gelegentlich auch literarischen Veranstaltung in seine Wohnung in der Moabiter Stephanstraße einlädt. Salonmusik in der eher abwertend gemeinten Bedeutung gibt es hier jedoch nicht, und biedermeierlich geht es auch nicht zu.

Schon vierzehn dieser Veranstaltungen haben seit 2005 stattgefunden, bei der letzten im Juli 2009 war ich zum ersten Mal dabei.

Bewohnbar

Drei engagierte junge Musiker — Silke Eberhard an Altsaxophon und Klarinette, Nikolaus Leistle an Basssaxophon und Bassklarinette und Nikolaus Neuser an Trompete und Euphonium — spielten improvisierte Musik. Zuerst in der Wohnung des Saloniers, nach der Pause dann im Keller des Altbaus. Dort ließen die Musiker ihre Klänge aus verschiedenen Gängen erschallen und banden die spezielle Akustik der verwinkelten Gewölbe bewusst ins Klanggeschehen ein. Hier stöhnten, krächzten, wimmerten, schnauften und hauchten die Blasinstrumente bei der freien Improvisation besonders eindrucksvoll.

Bewohnbar

Vor und nach der musikalischen Darbietung gibt es genügend Möglichkeiten, mit den Musikern und den anderen Gästen bei einem Glas Wein über die Musik, die Instrumente, den Hintergrund der Musiker selbst und vieles andere zu reden. Außer Wein gibt es Bier, Säfte und Wasser, und eine Kleinigkeit zu essen bietet der Gastgeber auch immer an.

Bewohnbar

Ein sehr gelungener Abend, ich komme gerne wieder. Wer Interesse hat, möge sich auf der unten angegebenen Homepage registrieren, um eine Einladung per E-Mail zu erhalten. Dort gibt es auch weitere Informationen zum Gastgeber und zu den bisherigen Veranstaltungen.


Alexander von Nell

Stephanstraße, 10559 Berlin
www.bewohnbar.org

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Eine Hymne für Moabit

19. Juni 2009 6 Kommentare

Vor noch nicht allzulanger Zeit schrieb ich zum Lied der Golden Kiez Girls: „Swingt zwar schön, aber als zünftiger Rap wären Reichweite und Effekt wahrscheinlich größer.“ Dank Moabit Online weiß ich nun, dass er endlich da ist, der Rap zu Moabit:

Nun auch als Video: http://vimeo.com/5186279.

Ein Track für den Kiez Nr.1 Faust nach oben
Moabit heißt Bruderschaft, Leben und auch Drogen
Zillesiedlung, Elberfelder, Beussel, Hutten, Moabit
Hansaplatz, das ist das Leben was ich lieb

Nara, Otti Döner, Hedwig-Dohm 90 abgegangen
jeden Tag hundert Tags Wände buntgemalt und abgehangen
das ist mein Kiez, dein Kiez, unser Kiez
Handy MP3 Player Moabiter Liebeslied

Moabit denkt positiv, hier tobt das Leben mein Freund
grüne Phase riesen Joint, Becks Flaschen exen heut
das ist Chillfaktor Spreeblick ich geb nen fick
häng mit meiner Straßenclikk, komm schon Junge nick jetzt mit

Hier bist du gern willkommen ob Zahnarzt oder Obdachloser
Junge von der Straße, MAE Kraft oder Kiezreporter
dieses Lied ist ein Geschenk von der Straße
Handys hoch, Boxen laut, jeder weiß jetzt was ist Phase

Mein Herz schlägt für 21
Dein Herz schlägt für 21
das ist mein Kiez, dein Kiez, unser Kiez
Handy MP3 Player Moabiter Liebeslied

Lehrter 35, 1992 HipHop Jam
Party hier, Party da, so lernten wir uns alle kennen
Leute lasst die Hütte brennen, Moabiter Straßen Fam.
Moabit von A-Z 2008 bis Endlos, denn

Ich bin stolzer 21er aus dem Block, Yooooo
echter Berliner Moabiter und das bleibt sooo
ich zeig dir Moabit, Kulturfabrik und Botschaftswahn
Turmstr., JVA, Perleberger, lasst uns fah’n

lasst uns um die Häuser ziehn, Moabit musst du lieben
Moabit ist Berlin, Moabit ist Krieg und Frieden
hier leben 69.000 auf dem Pflaster
hier kennt jeder der hier wohnt seinen Nachbarn

Du nennst es Stadtteil ich nenn’s Mittelpunkt der Erde
weg von diesem schönen Kiez bewegen mich keine hundert Pferde
Moabit zieht mich an wie ein Magnet,
Moabit ist der Kiez für den ich leb

Diese Hymne für Moabit stammt vom Hip-Hopper und BMX-Artisten doa21, der auch den Moabiter HipHop Tag am 26.6. und 28.6.2009 organisiert.

Moabit 21

Und für die, die zu jung sind oder neu im Kiez sind und nicht wissen, was die 21 bedeutet: 21 ist die Nummer des alten Postzustellbezirks, der Moabit und das Hansaviertel umfasste, aus den Zeiten, als die Postadresse noch 1000 Berlin 21 lautete statt 10559 Berlin. (NW) 21 ist ähnlich identitätsstiftend wie SO 36.

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Terre de Moab

11. Juni 2009 3 Kommentare

Terre de Moab

Erst wenige Wochen ist es her, dass Kurt-Kurt gleich zur Präsentation zweier Projekte einlud: »Terre de Moab«, eine Bodenarbeit der Schweizerin Ariane Epars und »Flüsterbogen«, eine Soundinstallation von Salah Saouli aus dem Libanon. Und nun sind schon wieder die letzten Tage gekommen, denn am Samstag, 13.06.2009 ab 16 Uhr ist schon die Finissage.

In Flüsterbogen lässt Salah Saoul uns eintauchen in einen dunklen Tunnel, der in einen schwarzen Raum ganz ohne jedes Licht führt. Tastend arbeitet man sich vor, versucht, nicht mit anderen zusammenzustoßen. Im Dunkeln erzählen uns Stimmen Geschichten aus Moabit, unerhörte Geschichten, die man besser hört, weil man nicht zu schauen braucht, geflüsterte Geschichten, zu denen man sich seine eigenen Bilder machen kann. Aus der Einladung: ”Salah Saouli gibt den verborgenen Erfahrungen, Erlebnissen und Erinnerungen eine Stimme und holt sie aus der Vergessenheit in den Fokus seiner Soundinstallation. […] Erzählungen über einen Ort, der voller Widersprüche ist. Bilder einer Oase der Toleranz, eines multikulturellen Patchworks und einer entspannten Lebensweise im Herzen Berlins gehören ebenso zu Moabit wie Kriegszerstörung, soziale Brennpunkte und bewusst oder unbewusst übersehene Drogenprobleme.

Terre de Moab Terre de Moab

Terre de Moab hingegen bringt Licht in den überaus tristen Hinterhof des Geburtshauses von Kurt Tucholsky in der Lübecker Straße. Der Hof zwischen den beiden Seitenflügeln ist nicht sonderlich breit und gibt zur Rückseite den Blick frei auf ein modernes Hochhaus auf dem Gelände des ehemaligen Moabiter Krankenhaus. Freigeben kann man eigentlich nicht sagen, eher versperrt das Hochhaus den freien Blick. Aus der Einladung: ” Ausgehend vom Wort Moabit, seiner Bedeutung und der Entwicklung dieser städtischen Insel hat sich die Künstlerin mit der Frage des Sich-Niederlassens, des Sich-Zuhause-Fühlens und des Sich-Verwurzelns auseinandergesetzt. Auch heute oder gerade heute stellen sich diese Fragen in Moabit. Ariane Epars „Bodenarbeit“ spielt ganz direkt auf dieses omnipräsente menschliche Bedürfnis an, sich zu verwurzeln und ein noch so kleines Stück Land/Erde, sei es im Schrebergarten, Hinterhof oder auf dem Balkon, zu bepflanzen.“

Terre de Moab

Der Hof selbst ist ordentlich mit Betonverbundsteinen gepflastert, zwischen den Wegen bleibt ein wenig Platz für ein paar Rabatten, die wehrhaft mit allermassivsten Betonverbundpfählen gegen spielende Kinder und ähnliches Ungemach verteidigt sind. In dieses bisschen Erde pflanzte Ariane Epars 856 blühende Studentenblumen, die ebenso schön preußisch ausgerichtet sind wie die Betonverbundsteine verlegt sind. Für kurze Zeit scheinen nun 856 kleine Sonnen in diesem Hinterhof, den das Licht der Sonne kaum erreicht.

Terre de Moab

Die Bewohner des Hauses sind jedenfalls begeistert und haben schon ihre Bereitschaft ausgedrückt, die Blumenbeete nach dem offiziellen Ende der Installation zu pflegen.


Lübecker Straße 13, 10559 Berlin
030 39746942

www.kurt-kurt.de

Open-Air-Kunst am Hamburger Bahnhof

3. Mai 2009 Kommentieren

Direkt hinter dem Gebäude des Hamburger Bahnhofs gibt es einen Grünstreifen mit Wiese, Gras und Bäumen, bevor das ehemalige Industrie- und Bahngelände beginnt, auf dem sich hier neben dem Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal erst die Halle von Mitte Meer und dann die Halle am Wasser erstreckt.

Etwas versteckt im Grünstreifen stehen schon seit ein paar Jahren zwei Kunstwerke: Urs Fischers Baked Master’s Basket (1999) und Bruce Naumanns Double Cage Piece (1974).

Baked Master's Basket

Zu Urs Fischers Baked Master’s Basket lesen wir auf einer Tafel:

Die architektonische Skulptur wurde anlässlich der Ausstellung „Urs Fischer. Werke aus der Christian Friedrich Flick Collection im Hamburger Bahnhof“ im Sommer 2005 errichtet. Die Backsteinwände werden bewusst den Naturkräften ausgesetzt. Sie sollen nicht in musealer Ewigkeit erstarren, sondern durch ihren Verfall in Bewegung bleiben. Dabei zielt Fischer nicht auf eine verklärende Ruinenromantik, vielmehr tritt die sperrige Brüchigkeit seiner Architektur in einen ironisierenden Dialog mit ihrem Umfeld.

Stimmt, die Natur bemächtigt sich langsam des Kunstwerks, Birken und Büsche wachsen zwischen den Backsteinen.

Double Cage Piece

Und zu Bruce Naumanns Double Cage Piece erfährt man:

Diese Skulptur besteht aus zwei ineinander gestellten Käfigkonstruktionen aus Winkelstahlrahmen mit Füllungen aus Streckmetall. Sie wurde anlässlich der Ausstellung „Fast nichts. Minimalistische Werke aus der Christian Friedrich Flick Collection im Hamburger Bahnhof“ im Herbst 2005 aufgestellt. Der Vorstellung des Künstlers gemäß ragt die Skulptur aus einer Baumgruppe heraus. Beim Betreten der schmalen Käfiggänge wird der Besucher mit nahezu klaustrophobischer Enge konfrontiert, ist zugleich nah der Natur und von ihr durch die enge Drahtmaschenkonstruktion getrennt.

Double Cage Piece

Ich habe mich jedenfalls nicht getraut, mich in die Enge zwischen innerem und äußerem Käfig zu quetschen, allein schon der Gedanke daran, dass man so etwas machen könnte, verursachte hinreichend klaustrophobische Vorstellungen.


Hamburger Bahnhof
nvalidenstraße 50-51, 10557 Berlin

030 39783439
www.smb.museum

Galerie Achter Achter

11. April 2009 6 Kommentare

Auf dem Weg durch meinen Kiez bin ich eben an einem orange BSR-Mülleimer vorbeigekommen, auf dem zu lesen stand: „sei putz, sei munter, sei Berlin“. Derweil ich noch denke, wie blöde diese Werbekampagne mit ihrer wenig witzigen Sprachpanscherei doch ist, stolpere ich über die Galerie Achter Achter, die in einem Hauseingang zwischen Pelzgeschäft und Zoohandlung untergebracht ist.

gAlerie Achter Achter

Drei schmale Schaufenster sind auch schon die ganze immerwährend geöffnete Galerie. In jedem hängt ein kleiner quadratischer Spiegel, in dem der Moabiter Gesicht zeigen kann. Auf dem Aushang im rechten Fenster lese ich:

Die Initiative des Berliner Senats zur Hauptstadt-Werbekampagne „be berlin“ bzw. nicht nur für uns Berliner „sei Berlin“ vollendet Ende März ihr erstes Jahr.

Braucht Berlin für sich überhaupt Werbung? Oder ist das Leben an sich, die Stadt in ihrer Eigenart, Gegenwart und Geschichte nicht schon „Werbung“ genug?

Werbungen klingen glatt und künstlich, können die eigentliche Realität jedoch nicht getreu widerspiegeln. Vielleicht ist aber auch in manchen Bezirken das Leben künstlicher geworden – trendiger, hipper. Und mancherorts mag auch Berlin an Individualität verlieren.

In Anspielung an diese Kampagne zeigen wir Moabiter unser Gesicht.

Wir brauchen keine „geschönte“ Werbe-Animation. Das „Hippe“ an unserem Kiez ist, dass er so ist, wie er ist – einfach so und ohne jede überflüssige Zier, von jedem etwas, eben echt und authentisch, und das ist sehr liebens- und lebenswert. Und: Wir sind dabei! Das ist das Besondere an uns.

So entsteht eben auch auch eine kleine kreative Kiez-Nische, ganz ungeschönt, echt im Alltagsleben eingebettet neben Kleintierhandlung und Pelzgeschäft. Das ist einzigartig. Das ist Moabit.

Dem brauche ich eigentlich gar nichts mehr hinzuzufügen.

gAlerie Achter Achter


Bugenhagenstraߟe 14, 10555 Berlin
www.achter-achter.de

Eröffnung der Temporären Kunsthalle Lelkendorf

29. März 2009 Kommentieren

Irgendwie war ich ja nach der Einladung, die mir Pfelder geschickt hatte, doch sehr, sehr  neugierig auf die Eröffnung der Temporären Kunsthalle in Lelkendorf. Also habe ich mich gestern ins Auto geworfen und habe die rund 200 km von Berlin nach Lelkendorf hinter mich gebracht, mit Abstecher nach Güstrow.

Eroeffnung der Temporaeren Kunsthalle Lelkendorf

Als ich dort ankam, stellte ich erst mal fest, dass die Kiste viel größer war, als ich mir gedacht hatte. So eine Kunsthalle braucht eben, auch wenn sie temporär und die kleinste Europas ist, doch viel Platz. Die  Freiwillige Feuerwehr von Lelkendorf war auch schon in großer Besetzung aufmarschiert und wartete auf die Arbeit. Doch erst mal ging es in die Halle der KfL (früher Kreisbetrieb für Landtechnik, jetzt Kunst für Lelkendorf), wo Rolf Wicker, der Direktor der Kunsthalle, eine einführende Rede hielt, in der er über Zweck und Sinn der Kunstaktion sprach, die teilnehmenden Künstler vorstellte und sich bei allen, die zum Gelingen des Projekts beigetragen hatten, bedankte. Ganz Lelkendorf und etliche Besucher von auswärts waren dabei, rund 180 Besucher wurden geschätzt.

Eroeffnung der Temporaeren Kunsthalle Lelkendorf

Dann ging es wieder ins Freie zur Eröffnung – mittlerweile bei ziemlichem Regen, was aber der Erwartungshaltung und der Spannung keinen Abbruch tat. Die Feuerwehrleute konnten endlich mit schwerem und leichtem Gerät zur Öffnung der Kiste schreiten. Das Raunen war groß, als die ersten Bretter fielen und man ins Innere der Kiste schauen konnte. Darin die neue Kunsthalle, die sich als das alte Pförtnerhäuschen der KfL entpuppte. Ganz offensichtlich bedurfte es doch des Kunsttransports für die Bewusstwerdung: eine Bewohnerin des Nachbardorfs meinte, dass sie das Pförtnerhäuschen noch nie wahrgenommen hätte.

Eroeffnung der Temporaeren Kunsthalle Lelkendorf

Nachdem die „Open Here“-Seite der Kiste offen war, wurde der rote Teppich ausgerollt und die Besucher konnten einen ersten Blick in die Kunsthalle werfen. Mit der Kunsthalle im Kunsttransport war ja auch gleich die erste Ausstellung nach Lelkendorf gekommen: das minimalistisch-poetische Projekt Luftballons des Stuttgarter Künstlers Rainer Ecke.

Eroeffnung der Temporaeren Kunsthalle Lelkendorf

Ich fand’s grandios und werde bestimmt noch mal zu einer der weiteren im nächsten halben Jahr geplanten Ausstellungen fahren, denn das lässt sich ganz prima mit einem Wochenendausflug an die Ostsee kombinieren.



Schloßweg 1, 17168 Lelkendorf
KfL (früher Kreisbetrieb für Landtechnik, jetzt Kunst für Lelkendorf)
0176-239 21 472
Pfelder: www.pfelder.de
Rainer Ecke: www.rainerecke.de
Rolf Wicker: www.kunsthalle-lelkendorf.de

Temporäre Kunsthalle Lelkendorf

23. März 2009 11 Kommentare

Eine Kunsthalle reist aufs Dorf

Der Berliner Künstler Pfelder (der in Moabit das Kunstprojekt Kurt-Kurt betreibt und dessen Einladungstext ich hier zu großen Teilen übernommen habe) verpackt eine komplette Kunsthalle in eine riesige Transportkiste und verschickt sie unter dem Projekttitel Kunsttransport aufs Land, genauer nach Lelkendorf, einem 250-Seelendorf in Mecklenburg-Vorpommern zwischen Teterow und Demmin.

Pfelder Kunsttransport
Hoffentlich sind die Dorfbewohner nicht zu neugierig und folgen der Aufforderung „Open here“ schon vor der feierlichen Auspackzeremonie …

Seit dem 15.03.09 steht die 10 x 5 x 5 m große Kiste nun schon in Lelkendorf am Schloßweg 1, verwirrt und begeistert die ansässige Dorfbevölkerung sowie zufällig Durchreisende und wartet auf das Auspacken. Kunsttransport von Pfelder ist ab sofort Tag und Nacht zu bestaunen.

Das große Auspacken findet am 28.03.09 ab 16 Uhr statt: Dann öffnet die Freiwillige Feuerwehr Lelkendorf die Kiste, und die wohl kleinste Kunsthalle Deutschlands wird unter dem Namen Temporäre Kunsthalle Lelkendorf feierlich in Betrieb genommen, und die erste Ausstellung wird eröffnet.

Temporäre Kunsthalle Lelkendorf

Die Temporäre Kunsthalle Lelkendorf ist eine Idee des Künstlers Rolf Wicker, der zur Zeit Stipendiat der Stiftung Deutsche Kulturlandschaft ist. Die Kunsthalle wird ein halbes Jahr lang herausragende, international tätige Künstler in Lelkendorf präsentieren. In sechs Ausstellungen werden spannende Positionen zeitgenössischer Kunst und eine große Vielfalt künstlerischer Ansätze gezeigt. Die Aktivitäten der Kunsthalle werden angekündigt und dokumentiert auf der Internetseite www.kunsthalle-lelkendorf.de.

Die Arbeit der Temporären Kunsthalle Lelkendorf wird ermöglicht und unterstützt durch die aktive Beteiligung der ganzen Gemeinde und ist Teil des Projektes „Kunst fürs Dorf-Dörfer für Kunst“, bei dem die Gemeinde Lelkendorf von der Stiftung Deutsche Kulturlandschaft ausgewählt wurde.

Luftballons

In den neuen Räumen wird als erste Ausstellung das minimalistisch-poetische Projekt Luftballons des Stuttgarter Künstlers Rainer Ecke präsentiert.  Rainer Ecke zeigt auf verblüffende Weise, was bei keiner Eröffnungsfeier fehlen darf.

Die Ausstellung ist nach der Eröffnung am 28.3.2009 bis zum 15.04.2009 rund um die Uhr für Besucher zugänglich und kostenfrei zu besichtigen.


Schloßweg 1, 17168 Lelkendorf
KfL (früher Kreisbetrieb für Landtechnik, jetzt Kunst für Lelkendorf)
0176-239 21 472
Pfelder: www.pfelder.de
Rainer Ecke: www.rainerecke.de
Rolf Wicker: www.kunsthalle-lelkendorf.de
Stiftung Deutsche Kulturlandschaft: www.landschafft.info
Lelkendorf: www.amt-mecklenburgische-schweiz.de