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Archiv für die Kategorie ‘Wundern und staunen’

U5 darf festmachen

20. Mai 2013 4 Kommentare

Am Ufer des Marx-Engels-Forums, also direkt gegenüber vom Schlossplatz, dort, wo früher der Palast der Republik stand und wo bald die überflüssige Replika des Hohenzollernschlosses gebaut werden soll, bekommt die neue U-Bahn-Linie 5 offensichtlich eine Wasserhaltestelle.

U5 darf festmachen
Tafelzeichen A.7 Festmacheverbot, außer U5

So legt es jedenfalls auf den ersten Blick die Beschilderung auf der Spree, diesem innerstädtischen Teil des SOW (Spree-Oder-Wasserwegs), in Mitte nahe: Niemand darf hier sein Schiff anbinden (Festmacheverbot am Ufer auf der Seite der Wasserstraße, auf der das Tafelzeichen steht – BinSchStrO § 7.04), nur die U-Bahn-Linie 5 hat eine Ausnahmegenehmigung. Bislang war mir gänzlich unbekannt, dass die BVG auch schwimmende U-Bahnen betreibt, die gelegentlich des Festmachens bedürfen.

Des Rätsels Lösung erkennt man auf den zweiten Blick, wenn man etwas weiter nach rechts schaut: Die BVG betreibt hier ihren Bauhafen, und festmachen dürfen hier weniger die U-Bahn-Züge als die Schiffe, die Baumaterial und Maschinen für den Bau der Linie U5 anliefern und vor allem den Aushub aus der Tunnelröhre abtransportieren.

Herr der Tüten

13. Mai 2013 21 Kommentare

Mann mit Tüten
Hat er selber eingekauft? Oder ist er nur Hüter der Einkäufe seiner Freundin? Man weiß es nicht.

Die U-Bahn-Line 9 könnte jedenfalls umbenannt werden in Primark-Express. Sie wird regelmäßig bevölkert von einer großen Zahl kleiner Gruppen gickelnder junger Mädchen (die meisten wohl unter zwanzig), von denen ein jedes mindestens eine Primark-Tüte mit sich führt. Ist die Dichte der Tüten rund um das Steglitzer SSC (Schloss-Straßen-Center) kaum zu ertragen, so scheint sie mit zunehmender Entfernung exponentiell abzunehmen, ist deshalb in Moabit schon fast erträglich und auf dem Wedding wohl kaum noch wahrnehmbar.

Fenster zum Hof

1. April 2013 9 Kommentare

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Die Walzerbahn ist wieder da!

15. August 2012 12 Kommentare

Schon vor Jahren habe ich darüber gejammert, dass die Walzerbahn von den Berliner Rummelplätzen verschwunden ist. Dass ich auf der Walzerbahn einst der Lieblingszicke näherkam, ist nicht zuletzt der Grund dafür, sie regelmäßig auf dem deutsch-französischen Volksfest aufzusuchen. Eher selten bot auch das deutsch-amerikanische Volksfest die Gelegenheit, Walzerbahn zu fahren – je nachdem, wie der Urlaub fiel. Ohne Walzerbahn wurde der Besuch der Volksfeste dann deutlich weniger attraktiv.

Dieses Jahr nun ist das Fest vom ehemals amerikanischen Sektor in den ebenso ehemaligen britischen umgezogen, und zwar direkt nach Moabit an die Heidestraße – praktisch gleich um die Ecke. Das und die Aussicht auf superleckere warme Nachos mit geschmolzenem Käse und Jalapeno Peppers, die zum Standardangebot an Junk-Food auf dem deutsch-amerikanischen Volksfest gehören, waren Anlass genug, das Gelände des ehemaligen Hamburger und Lehrter Güterbahnhofs (HuL) aufzusuchen, der dem Volksfest einen Platz bietet, solange hier noch nicht die geplante Europa-City entstanden ist (man merke: wir haben nicht nur Ehemaliges hier, sondern auch Zukünftiges).

Die Überraschung war riesengroß, als es beim Eingang einen Gutschein für eine Fahrt mit der Walzerbahn gab. Das ungläubige Staunen beantwortete der Mann an der Kasse mit der Aussage, dass der Berliner Schaustellerbetrieb Wollenschläger, dem die Walzerbahn seit 2010 gehört, sie als das klassische Fahrgeschäft wieder instand gesetzt habe.

Das mehr als 70 Jahre alte Karussell mit seinen klappernden Holzdielen braucht sich vor der modernen Konkurrenz nicht zu verstecken – wer hier herumgeschleudert wird, muss die Nackenmuskulatur schon gut anspannen, um der Fliehkraft zu trotzen, die den Kopf abzureißen droht. Dabei sieht es viel harmloser aus, als es ist – fanden die beiden jungen Mädchen, die im Video so laut kreischen und mit wackligen Beinen vor uns ausstiegen.

Die Nachos waren übrigens eine Enttäuschung – weder warm noch mit geschmolzenem Käse bedacht, blieben sie stark hinter den Erinnerungen an das besatzungsmächtliche Original zurück. Überhaupt schien alles noch mehr Fake als auf dem französischen Pendant, selbst das Bier, das unter dem Namen Big Moose ausgeschenkt wurde, kam nicht über den großen Teich, sondern von jenseits der Elbe, nämlich von der Wolters-Brauerei aus Braunschweig.


Deutsch-Amerikanisches Volksfest
Festplatz am Hauptbahnhof
Heidestraße 30
, 10557 Berlin

03304 503813
www.deutsch-amerikanisches-volksfest.de

 

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Umgehungsgerinne in Brandenburg

30. Juni 2012 11 Kommentare

Umgehungsgerinne – was für ein Wort! Das muss ich mir irgendwann einmal anschauen, dachte ich mir, als ich las, dass im Rahmen des Verkehrsprojektes deutsche Einheit Nr. 17 an der unteren Havel-Wasserstraße in Brandenburg eine solche Fischaufstiegsanlage (noch so ein Wort!) gebaut worden ist. Nun war es soweit, denn ein Besuch der sehenswerten Ausstellung 1636 brachte mich in die Stadt an ebendieser Havel.

Am Rande der Innenstadt, dort, wo der Fluss im Laufe der Jahrhunderte viele kleine Inseln erschaffen hat, liegt die Mühlenhavel mit dem großen Havelwehr. Wie bei allen Wasserbauwerken ist seit 9/11 auch hier jeglicher Zugang unmöglich und man kann nur enttäuschend wenig von dem für immerhin 1,2 Millionen Euro errichteten Umgehungsgerinne sehen.

Das 2006 angelegte Umgehungsgerinne zieht sich rund 100 Meter in Form eines künstlich angelegten Wildbachs auf einem fünf Meter breiten Streifen parallel zur Mühlenhavel hin. Google Maps zeigt es in der Satellitenansicht in erkennbarer Qualität.

“Das Prinzip des Umgehungsgerinnes ist die weiträumige Umgehung eines Absperrbauwerkes und dessen Staubereichs in Form eines naturnah gestalteten Gerinnes im Nebenanschluß. Umgehungsgerinne stellen somit eine Verbindung zwischen Unter- und Oberwasser dar, über die ein Teil des Abflusses geleitet wird und die in einiger Entfernung zum Hindernis liegen.” schreibt die sächsische Wasserwirtschaft dazu. So ganz naturnah kann es natürlich nicht werden, wenn die Uferwände der Wasserstraße aus feinem Beton gegossen sind.

Hier ist der Austritt des Gerinnes am Unterwasser zu sehen, die deutlich erkennbare Strömung dient dazu, den Fisch anzulocken und auf den Einstieg aufmerksam zu machen. Und das scheint zu gelingen, schreibt das Wasserstraßen-Neubauamt doch dazu: “Mit dem Nachweis der seltenen und als gefährdet eingestuften Aalquappe konnten erste Erfolge festgestellt werden. Daneben bevölkern auch Aale, Rapfen, Barsche, Plötzen und Gründlinge das Gerinne.”

Aber nicht nur für Fische wurde hier gesorgt, Biber und Fischotter haben ein paar Meter weiter einen eigenen Einstieg und einen eigenen Wanderweg bekommen, was ihnen ermöglicht, das Wehr zu queren. Mit der neuen Anlage haben Fische und andere Tiere nun erstmals seit dem Beginn des Havelstaus im 13. Jahrhundert die Möglichkeit erhalten, stromaufwärts die Staustufe zu umgehen.

Fast kommt es einem so vor, als sei die Konzeption und Gestaltung von Fischaufstiegsanlagen eine eigene Ingenieurdisziplin, wenn man Dokumente wie “Bewertung von Fischaufstiegsanlagen in Mecklenburg-Vorpommern” liest. Hier finden sich auch weitere schöne Worte wie Sohlengleite, Störsteine, Pfahlfischpass, Aalleiter und Raugerinne-Beckenpass. Wer noch mehr wissen mag, dem sei das Kapitel Fischaufstiegsanlagen (PDF, 5 MB) aus dem Referenzenwerk zu diesem Thema, dem Handbuch Querbauwerke, aus NRW empfohlen.

BTW: WordPress sagt mir, dass dies mein 999. Artikel sei (777 sind eben doch nicht genug). Wenn das kein Grund zum Feiern ist!


Umgehungsgrinne am Wehr
Krakauer Straße, 14776 Brandenburg an der Havel
Wasserstraßen-Neubauamt Berlin

 

24 = 16 ?

26. Juni 2012 7 Kommentare

Zumindest bei der Deutschen Post scheint man der Auffassung zu sein, dass diese Gleichung gilt – hoffentlich rechnen sie anders, wenn sie ihre Bilanz erstellen.

Gefunden an der Postfiliale, die mir schon durch das eine oder andere Erlebnis mit der Packstation ans Herz gewachsen ist.

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Verirrt – verwirrt

17. Juni 2012 11 Kommentare

Große Fenster, die offen stehen, scheinen gelegentlich Gäste anzulocken, die sich besser nicht dazu verlocken ließen. So verirrte sich ein junger Vogel – wohl gerade beim ersten Flugunterricht – ins Zimmer und saß verwirrt auf der Gardinenstange.

Die Mutter, verzweifelt auf einem Ast vor dem Fenster sitzend, stieß keckernde Lockrufe aus, die das verängstigte Vogelkind jedoch erst mal nicht dazu bewegen konnte, wieder hinauszufliegen.

Erst mit ein bisschen mehr Bewegung im Zimmer gelang es, den kleinen Vogel zum Rückflug nach draußen zu bewegen, wo er dann mit seiner Mutter im Hinterhof von Fensterbrett zu Fensterbrett flog.

Aber welche Vogelart ist es? Zilpzalp?

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