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Artikel getaggt mit ‘Architektur’

Mexikanische Botschaft in Berlin

8. Dezember 2009 4 Kommentare

Auf dem mexikanischen Schulschiff, der Cuauhtémoc, war ich ja schon mehrfach anlässlich der Tall Ships’ Races, nun bin ich endlich auch einmal in der mexikanischen Botschaft gewesen.


Die unterschiedlich geneigten hellen Lamellen sorgen für Dynamik

Gebaut wurde sie nach Plänen der mexikanischen Architekten Teodoro Gonzáles de León und Francisco Serrano Cacho. Die beiden Architekten schufen so ein einerseits durchweg modernes Gebäude, andererseits haben sie viele Elemente der mexikanischen Tradition integriert, ohne folkloristisch zu werden. So ist das Baumaterial für die 18 Meter hohen, unterschiedlich geneigten Stelen, die wie ein Fächer das äußere Bild bestimmen, und des Atriums, das das Innere des Gebäudes prägt, aus Beton, der mit weißen Marmorstücken und Marmormehl statt Kies und Sand gemischt wurde und dessen Oberfläche in mühevoller Handarbeit durch Meißeln aufgeraut wurde, so dass der Marmor wieder zu Tage tritt.


Blick im Atrium nach unten

Das als Zylinder ausgeführte Atrium, das sich über die gesamten fünf Stockwerke erstreckt, erinnert an die Form des Maya-Observatoriums El Caracol in Chichén Itzá. Ein als Pyramide ausgeführter Garten nimmt ein anderes traditionelles architektonisches Element auf. Das Dach des Zylinders besteht vollständig aus Glas, und ein Teil des Zylinders lässt durch regelmäßig angeordnete runde Glasbausteine zusätzliches Licht in den Raum, der so vom Licht, das vom hellen Marmorbeton reflektiert wird, durchflutet ist.


Blick im Atrium nach oben, zum blauen Himmel

Ganz wunderbar fand ich die Dachterrasse, die nicht wie üblich die Klimaanlagen und andere technische Einrichtungen trägt, sondern in Art eines Steingartens, der an eine mittelamerikanische Landschaft erinnert, angelegt ist, auf dem geometrische Baukörper wie überdimensional Bauklötze liegen.


Lavendel blüht auf der Dachterrasse

Im Erdgeschoss der Botschaft gibt es einen großen Raum, der für wechselnde Ausstellungen genutzt wird, denn die Botschaft ist auch das mexikanische Kulturzentrum in Berlin. Als ich die Botschaft besuchte, lief hier gerade die Ausstellung Acróstico mit Werken von fünf jungen Künstlern aus Mexiko-Stadt, die in Berlin leben. Die Ausstellungen kann man jeden Werktag morgens von 9 bis 13 Uhr besuchen, wobei man sich auch das Atrium anschauen kann. Über das aktuelle Programm informiert die unten angegebene Website.


Embajada de México en Alemania
Klingelhöferstraße 3, 10785 Berlin

030 2693230
portal.sre.gob.mx

Montag bis Freitag 9:00-13:00 Uhr

St. Marienkirche in Berlin

21. Oktober 2009 13 Kommentare

St. Marien  St. Marien

Direkt neben, oder besser unter dem Fernsehturm steht St. Marien, eine dreischiffige Hallenkirche im Stil der märkischen Backsteingotik, gebaut aus roten Ziegeln und mit einem Turm aus massiven Feldsteinen, der ursprünglich eine hölzerne Haube trug. Ihr Bau wurde um 1270 begonnen und Anfang des 14. Jahrhunderts fertiggestellt.

Einst stand die Kirche im Zentrum des alten Berlins am Neuen Markt und war dicht umgeben von Bürger- und Geschäftshäusern, die teilweise, wenn auch kriegsbeschädigt, noch bis 1960 hier standen. Heute ist sie neben dem Roten Rathaus das einzige historische Gebäude, das auf der leeren Fläche der von Liebknechtriegel und Rathauspassage gesäumten via triumphalis der sozialistischen Stadt, übrig geblieben ist.

St. Marien  St. Marien

Im Laufe ihrer Geschichte erfuhr die Kirche wiederholt Umbauten. Nicht nur der Turm wechselte öfter, meistens in Folge eines Brandes, seine Gestalt. Die jetzige Kupferhaube im neugotischen Stil wurde 1790 durch Carl Gotthard Langhans geschaffen. Das Kircheninnere wurde 1703 unter Leitung von Andreas Schlüter zu einem Predigtsaal umgestaltet. Aus dieser Zeit stammt die bis heute erhaltene barocke Alabasterkanzel. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts fand ein erneuter Umbau unter Leitung von Hermann Blankenstein statt.

Nachdem die Kirche im Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschädigt geblieben war, wurden viele Kunstwerke aus anderen zerstörten Kirchen nach St. Marien gebracht, so dass die Kirche heute über eine ungewöhnlich reichhaltige Ausstattung verfügt.

St. Marien  St. Marien

Ganz besonders hervorzuheben ist die Darstellung des Totentanzes in der Turmhalle, die aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert stammt. Auf 22 Meter Länge zeigt das Fresko einen Reigen aus geistlichen und weltlichen Ständevertretern, die jeweils von einer Todesgestalt begleitet werden. In den Versen unter den 28 Bildern, die die älteste erhaltene Berliner Dichtung darstellen, beklagen die Sterblichen ihr Leid und bitten den Tod um Aufschub. Die Bilder sind leider stark verblasst und Teile, vor allem der Texte, fehlen.

St. Marien

Unter dem Ritter in der Mitte dieses Ausschnitts ist folgendes zu lesen (zitiert nach Peter Walter: Der Berliner Totentanz zu St. Marien, Berlin 2005):

Her ritter med juweme krewete stolt
hir hebbe gy gedragen dat rode golt
hebbe gy iwer ere hir genuch gedhan
so moge gy nhu froliken mede my ghan
legget das scarpe swert van iwer siden
gi muthen med my an den dodendantz gliden

Herr Ritter mit eurem Harnisch stolz
Hier habt ihr getragen das rote Gold
Habt ihr eurer Ehre auf Erden genüge getan
So könnt ihr jetzt fröhlich mit mir gehen
Legt das scharfe Schwert von eurer Seite
Ihr müsst mich jetzt beim Totentanz begleiten

Von des Ritters Flehen um Aufschub sind leider nur noch wenige Worte erhalten.

Die Orgel ist eine Rekonstruktion des alten Werks des Berliner Orgelbauers Joachim Wagner von 1723, auf der einst auch Johann Sebastian Bach spielte. Restbestände der alten Orgel sind in den Neubau eingegangen, den die Orgelbaufirma Alfred Kern & Fils aus Straßburg durchführte.


St. Marienkirche
Karl-Liebknecht-Straße 8, 10178 Berlin

030 2424467
www.marienkirche-berlin.de
Eintrag in der Berliner Denkmaldatenbank

Öffnungszeiten: täglich 10 bis 21 Uhr

Opernhaus Leipzig

12. Oktober 2009 2 Kommentare

Oper Leipzig

Eine Perle der sozialistischen Baukultur der DDR steht in Leipzig am Augustusplatz: das Opernhaus, das von 1956 bis 1960 nach Plänen des Architekten Kunz Nierade als Ersatz für das im Krieg zerstörte Neue Theater erbaut wurde. Es ist der erste Theaterneubau, den die DDR errichten ließ, 44,6 Mio. DDR-Mark hat er gekostet. Es ist wohl auch der größte: Das Bühnenhaus misst immerhin 30 mal 23 Meter und der Saal bot ursprünglich mehr als 1600 Zuschauern Platz.

Neues Theater Leipzig um 1900
Neues Theater um 1900 (Quelle: Wikipedia, Lizenz: gemeinfrei)

Von den spätklassizistischen Formen des 1864-1868 nach Plänen von Carl Ferdinand Langhans errichteten Vorgängerbaus ließ sich Nierade offensichtlich inspirieren und hat dem Baukörper eine recht ähnliche Form gegeben. Die Fassadengestaltung mit hellem Pirnaer Sandstein, den großflächigen Fenstern mit goldfarben eloxierten Aluminiumrahmen und mit den recht wenigen Schmuckelementen ist aber ganz im Stil der Zeit gehalten. So zeigt das Opernhaus die gelungene Synthese zwischen klassizistischem Erbe und moderner Architektur. Ursprünglich hätte das Haus noch viel mehr Schmuck tragen sollen, wegen Rohstoffmangels ist es aber dazu nicht gekommen – glücklicherweise, muss man im Rückblick wahrscheinlich sagen.

Oper Leipzig
Garderobenhalle

Noch mehr zeigt das Haus von Innen seinen besonderen Baustil, den man ganz gut als sowjetisches Art Déco charakterisieren könnte. Die Wände, Pfeiler und Säulen im Eingangsbereich und der recht niedrigen Garderobenhalle sind teilweise mit handgefertigten weißen Fliesen aus Meißener Porzellan verkleidet.

Oper Leipzig
Treppe

Über aufwendig gestaltete Treppenhäuser gelangt man auf rotem Teppich schreitend vorbei an mit Blattgold ausgeschlagenen Wänden in das Parkettfoyer. Geländer und Handläufe sind ganz im typischen Stil der 1950er Jahre gehalten.

Oper Leipzig
Parkettfoyer in Birnbaumholz

Im Parkettfoyer sind die Wände großflächig mit rötlich schimmerndem Birnbaumholz verkleidet. Im Kontrast zur streng gehaltenen Vertäfelung steht die ornamental gestaltete Decke. Bemerkenswert sind hier auch die vereinzelt zu findenden Sitzmöbel, die ebenfalls ganz deutlich zeigen, aus welcher Zeit sie stammen.

Oper Leipzig
Decke im Parkettfoyer

Die Wände des Zuschauerraums sind ganz mit Riegelahorn mit seiner charakteristischen Maserung verkleidet, das der besseren Akustik wegen nicht flach sondern fächerartig angebracht ist. Besonders auffällig sind hier die halbrunden Logen – Intendantenloge und Staatsratloge – von denen aus man wohl einen Teil der Bühne nicht sieht, aber dafür selber gut gesehen werden kann.

Oper Leipzig
Blick vom Rang in den Zuschauerraum

Im ganzen Haus finden sich aufwendig gestaltete vielflammige Leuchter, es wird sicher ein massives und finanziell ruinöses Unterfangen, hier auf Energiesparlampen umrüsten zu wollen.

Oper Leipzig Oper Leipzig
Leuchter im Rangfoyer und im Zuschauerraum

Im Jahr 2007 wurde das Opernhaus mit einem Aufwand von 9,5 Millionen Euro umgebaut und in den Originalzustand von 1960 zurückversetzt. Durch eine großzügigere Bemessung der Beinfreiheit bietet das Theater heute nur noch etwas weniger als 1300 Zuschauern Platz.

Kunz Nierade, der Architekt des Opern, war übrigens auch Leiter des Architektenkollektivs, das die Pläne für die 1965/66 erfolgte grundlegende Erweiterung der Komischen Oper in Berlin lieferte, der die Hauptfront in der Behrenstraße die Neugestaltung ganz im sachlichen Stil der 1960er Jahre verdankt.


Oper Leipzig
Augustusplatz 12, 04109 Leipzig

0341 71680
oper-leipzig.de

Groterjan Brauerei

27. September 2009 3 Kommentare

Die Malzbierbrauerei Groterjan zog 1899 von der Schönhauser Allee in die Prinzenallee um. Sie war die größte Herstellerin von Malzbier in Berlin. 1929 wurden die Produktionsstätten um ein neues Verwaltungsgebäude und eine Flaschen-Abfüllanlage erweitert. Für beides lieferte der Architekt Bruno Buch die Pläne, der für eine ganze Reihe bemerkenswerter Industriebauten in Berlin verantwortlich zeichnete.

Groterjan-Brauerei

Die Gebäude zeichnen sich durch ihre klare, sachliche Form aus, die lediglich an der Straßenseite durch einige expressive Elemente aufgebrochen wird. Auffallend ist hier die starke Betonung der Horizontalen, die der Architekt durch die Verwendung von dunklen Ziegeln für das Erdgeschoss und für die Simse erreicht, die sich deutlich von den gelben Ziegeln der Obergeschosse abheben.

Auf der Hofseite treffen die stark horizontal geprägte Fassade der früheren Abfüllanlage mit der Vertikalen des Treppenhausturms aufeinander.

Groterjan-Brauerei

1961 übernahm Schultheiss (gemäß Luise) die Groterjan-Brauerei, die aber schon 1978 stillgelegt wurde. Bis auf die Flaschen-Abfüllanlage wurden die rückwärtigen Teile der Brauerei 1980 abgerissen, so dass heute nur noch die von Buch entworfenen Bauteile stehen, die unter Denkmalschutz stehen und heute von Industrie und Gewerbe genutzt werden. Unter der Ägide von Schultheiss wurde hier nicht nur Malzbier, sondern auch Groterjan Weiße hergestellt. Ein Relikt kann man im Felsenkeller bewundern.

Interessant ist wie bei so vielen deutschen Unternehmen die Geschichte des Eigentümerwechsels der Brauerei: Der jüdische Kaufmann Ignatz Nacher wurde 1901 Teilhaber der seinerzeit noch sehr kleinen Brauerei Engelhardt. Durch Einführung der Pasteurisierung erreichte er, dass das Bier von Engelhardt länger haltbar war als das der Konkurrenz. Die Brauerei kam damit zu großem wirtschaftlichen Erfolg und war bald eine der bedeutendsten Deutschlands. Mit dem Gewinn erwarb Nacher weitere Brauereien, darunter die hochprofitable Malzbierbrauerei Groterjan.

Mit der Machtübernahme der Nazis kam das baldige Ende für Nacher. Schon 1933 begann unter Führung der Dresdener Bank, Nachers Hausbank, eine der brutalsten „Arisierungen“, die damit endete, dass Nacher 1939 unter Verlust fast seines gesamten Eigentums nach Zürich exiliert wurde. Die Groterjan-Brauerei ging schon 1941 zu großen Teilen in den Besitz der Familie Oetker über (heute Radeberger Gruppe).

Quellen:


Ehemalige Groterjan Brauerei
Prinzenallee 75–79, 13357 Berlin-Gesundbrunnen

Eintrag in der Berliner Denkmaldatenbank

Haus des Straßenverkehrs

22. September 2009 4 Kommentare

Koblenz, die Stadt am Zusammenfluss von Rhein und Mosel, hat nicht nur auf dem Wasser viel Verkehr, sondern auch auf der Schiene und vor allem auf der Straße. Den Straßenverkehr haben sich die Koblenzer — vermutlich in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts — selbst in die Stadt geholt. Denn damals galt ja noch das Leitbild der autogerechten Stadt. Und diesem Götzen bauten die Fortschrittsgläubigen jener inzwischen schon etwas fern scheinenden Zeit in Koblenz ein eigenes Gebäude: das Haus des Straßenverkehrs. Es ist ein typischer Vertreter der Architektur dieser Jahre und gar nicht so übel anzuschauen (auf der Denkmalliste des Landes Rheinland-Pfalz taucht es eigenartigerweise nicht auf).

Haus des Straßenverkehrs
Haus des Straßenverkehrs

Der Name scheint Programm: das Haus steht an an einem der verkehrsumtostesten Plätze der Stadt. Hier teilt sich der Moselring, der als Bundesstraße 9 Auto um Auto in die Stadt bringt, und bildet ein Straßendreieck inmitten eines Schienendreiecks. Ohn Unterlass strömen die motorisierten Fahrzeuge auf mehreren Ebenen in alle Richtungen, der Lärmpegel ist beträchtlich. Für Fußgänger ist hier kein Platz. Sie müssen sich über eine dreibeinige Fußgängerbrücke — das dritte Dreieck — über den Autoverkehr erheben, um sicher ans andere Ufer zu gelangen.

Autogerechte Stadt
Die Fußgängerbrücke — ganz vom Schwung der 60er beseelt

Die Dimension dieser Verkehrsbauwerke lässt sich von der Straße aus gar nicht in Fotos festhalten. Erst aus der Vogelperspektive, die eine Karte bietet, kann man das Ausmaß erahnen und das Konzept der Trennung der Verkehrsströme, das als Leitbild der verkehrsgerechten Stadt gilt, gut erkennen.

Moselring
Einen gewissen geometrischen Reiz hat die Anordnung der Verkehrswege schon (Kartenausschnitt von Openstreetmap.org, Klicken zum Vergrößern)

Im Haus des Straßenverkehrs residieren überwiegend Berufsverbände des gewerblichen Straßenverkehrs.


Haus des Straßenverkehrs
Moselstraße 11, 56073 Koblenz

0261 49400
www.svgkoblenz.de

Kindl-Brauerei auf dem Rollberg

13. September 2009 8 Kommentare

Kindl-Brauerei

Bis zum Ende des letzten Jahrhunderts wurde hier noch Bier gebraut, dann wurde die Brauerei stillgelegt, die 1872 als Vereinsbrauerei der Berliner Gastwirte auf dem Rixdorfer Rollberg gegründet worden war. Anfänglich produzierte man hier das in Berlin übliche obergärige Weißbier, um dann um 1890 die Produktion untergärigen Lagerbiers aufzunehmen, das in Anlehnung an die Münchner Brauart den Namen Berliner Kindl erhielt.

Das Sudhaus der Brauerei mit seinem hohen Turm wurde 1926-1930 nach Plänen der Architekten Hans Claus und Richard Schepke ganz im Stil des Expressionismus in dunkelrotem Ziegelstein errichtet. Im zweiten Weltkrieg wurde es bei Luftangriffen stark beschädigt, die technischen Hauptausrüstungen wurden demontiert und als Reparationsleistung in die Sowjetunion verbracht.

Kindl-Brauerei

Anfang der 1950er Jahre erfolgte der Neuaufbau ganz im Stil der damaligen Zeit, wobei die äußere, expressionistische Form erhalten blieb. Hier, im Schmuckstück der Brauerei, befinden sich die einst größten Sudpfannen Europas, sechs an der Zahl. Gewaltig stehen die riesigen Kupferkessel, die leider seit der Stilllegung nicht mehr blank geputzt werden, in der großen Halle mit der wunderbaren Anmutung der Architektur der 50er Jahre.

Kindl-Brauerei

Anlässlich des Tages des offenen Denkmals konnte man die ansonsten geschlossene Brauerei besichtigen, die der Dr. Henke Projektgesellschaft (HEAG) gehört. Die Führung leitete Daniel Markovics von Verein Berliner Unterwelten, der bei Kindl einst Mälzer und Brauer gelernt und bis zur Schließung hier gearbeitet hat.

Kindl-Brauerei

Unter der Oberfläche geht es in vier Etagen bis zu 22 Meter in die Tiefe, unter dem Gärkeller liegen die früheren Lagerkeller, die ihrer Tanks beraubt sind und heute ungenutzt einer ungewissen Zukunft entgegen sehen.

In der ehemaligen Halle für die Abfüllung in Fass und Flasche ist heute eine Kartbahn untergebracht. Gleich nebenan eine Halle für Paintball, diese mir eigenartig vorkommende Art der Freizeitbeschäftigung.

Kindl-Brauerei Kindl-Brauerei

Ein junger Braumeister baut gerade in der Kelleretage des Sudhauses, unter den alten Sudpfannen, eine neue, kleine Brauerei. Gegen Ende Oktober will er fertig sein, dann gibt es auf dem Rollberg wieder Bier. Ich bin gespannt!


Ehemalige Kindl-Brauerei
Werbellinstraße 50, 12053 Berlin

www.berliner-unterwelten.de

Humboldthafenbrücke

24. August 2009 14 Kommentare

Der 2006 zum ersten Mal verliehene Deutsche Brückenbaupreis wird alle zwei Jahre von der BundesingenieurkammerKein Ding ohne Ing.«) und dem Verband beratender Ingenieure vergeben, »um den Beitrag der Ingenieure zur Baukultur stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken«. Keine schlechte Idee, denn wenn man genau hinschaut, bemerkt man, dass viele dieser eigentlich reinen Funktionsbauten ganz oft auch wunderbare Beispiele gelungener Architektur sind. Gerade in Berlin sind in den Jahren nach der »Wende« viele schöne neue Brücken entstanden, von denen die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung einige in der Broschüre „ÜberBrücken“ und auch online vorstellt.

Humboldthafenbrücke

Deutscher Brückenbaupreis2008 wurde die Humboldhafenbrücke mit diesem Preis ausgezeichnet. Der verantwortliche Ingenieur, Prof. Dr.-Ing. Jörg Schlaich, durfte die Preisskulptur im Rahmen eines Festaktes an der TU Dresden entgegennehmen. Seitdem hängt auch das Hinweisschild auf den Preis am Lehrter Bahnhof.

Eigentlich ist es ja nicht nur eine Brücke, die hier Moabit und Mitte miteinander verbindet, sondern vier nebeneinander liegende. Die Brücke ist rund 240 Meter lang, die sich auf sechs Bögen erstrecken, deren größter mit 60 Meter den Hafen überspannt. Ungewöhnlich ist der Materialeinsatz, der das sonst übliche auf den Kopf stellt: Träger aus Stahl unten und die Fahrbahn aus Beton oben. Das ermöglicht für eine Brücke solcher Tragfähigkeit ein recht filigranes Erscheinungsbild.


Humboldthafenbrücke
Friedrich-List-Ufer, 10557 Berlin

Humboldthafenbrücke in der Wikipedia

Schifferkirche Ahrenshoop

30. Juni 2009 4 Kommentare

Schifferkirche Ahrenshoop

Die kleine Ahrenshooper Schifferkirche erinnert an einen kieloben liegenden Schiffsrumpf. Den Entwurf für die ungewöhnliche Kirche, deren Bau 1950 unter schwierigen finanziellen Bedingungen begonnen und die im Oktober 1951 geweiht wurde, lieferte der Architekt Hardt-Walther Hämer, der damals noch als Student eher zufällig von den Plänen zum Bau einer neuen Kirche in Ahrenshoop hörte, als er seinen Urlaub in Prerow verbrachte. Für den Bau der Kirche wurden überwiegend heimische Baumaterialien wie Holz und Rohr verwendet.

Neben der Kirche steht ein niedriger Glockenturm aus zwei geschwungenen Bögen aus Cortenstahl, zwischen denen das Geläut aus drei Glocken untergebracht ist. Er wurde 2005 nach dem Abschluss der umfassenden Sanierung errichtet, die der Förderkreis zur Erhaltung der Schifferkirche e. V. ermöglicht hat und bei der der ursprüngliche Architekt mitwirkte. Das Kirchenschiff wurde dabei auch um ein Joch verlängert, so dass die Kirche nun auch über eine Sakristei verfügt.

Schifferkirche Ahrenshoop - Innenansicht

Der schlichte Eindruck, den das Äußere der Kirche macht, setzt sich in ihrem Inneren fort. Der Kirchenraum wird über die vollständig verglaste Westseite beleuchtet, über die man die Kirche betritt. Zusätzlich sorgt ein geschickt in das Dach integriertes Fensterband an der Ostseite für die effektvolle Beleuchtung des Altars. Die Altarwand und die Kanzel, deren Baumaterial eine Pappel lieferte, die für den Bau Kirche gefällt werden musste, stammen ebenso wie der Ständer des Taufbeckens von der Ahrenshooper Bildhauerin Doris Oberländer-Seeberg.

Schifferkirche Ahrenshoop

Vier Schiffsmodelle – Glaube, Liebe, Hoffnung und Frieden – schmücken den Kirchenraum, sie baute und stiftete der Ahrenshooper Kapitän Heinrich Voss in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts.


Paetowweg, 18347 Ahrenshoop
038233-69133
www.schifferkirche.de
Di-Sa 10-16, So: 13-16

Wohnanlage Ollenhauerstraße

4. Juni 2009 5 Kommentare

Wohnanlage Ollenhauerstraߟe

Die 1927 bis 1928 errichtete Wohnanlage zwischen Ollenhauer-, Pfahler-, Kienhorst- und Waldowstraße ist ein typisches Beispiel für das Schaffen des Architekten Erwin Gutkind. Die gesamte Anlage ist noch weitgehend authentisch erhalten und wurde 2003 sorgfältig restauriert.

Die Blockrandbebauung umschließt einen den Mietern vorbehaltenen Innenhof, in dessen Schutz Gutkind — ebenso wie im Sonnenhof — eine Kindertagesstätte anlegte. An den langen Seiten der Wohnanlage, die sich die Pfahler- und Kienhorststraße entlang ziehen, ist der Baukörper in der Tiefe gestaffelt, derweil die schmalere „Rückseite“ an der Waldowstraße eine gerade Front aufweist.

Wohnanlage Ollenhauerstraße Wohnanlage Ollenhauerstraߟe

An der „Vorderseite” zur Ollenhauerstraße, der Hauptstraße des Quartiers, sind Läden untergebracht. Den öffentlichen Charakter dieses Bereichs unterstreicht Gutkind, indem er diesen Bauteil gleichsam als offenen Hof gestaltet hat. Die Stirnseiten der Flügelbauten zu beiden Seiten sind transparent gestaltete Wintergärten mit filigraner Verglasung.

Wohnanlage Ollenhauerstraߟe Wohnanlage Ollenhauerstraße

Überhaupt ist verblüffend, welchen Wert der Architekt auf die gestaltende Wirkung der Fenster gelegt hat: mehr als zwanzig unterschiedliche Fenstertypen lassen sich entdecken. Allen gemeinsam ist, dass sie durch Sprossen in viele Einzelscheiben unterteilt sind.

Charakteristisch für Gutkinds Bauten ist die auch Gestaltung der Fassaden mit umlaufenden Bändern aus weißen Putzflächen und roten Klinkerbändern. Ebenso typisch ist die markante Gestaltung der Gebäudeecken und die Strukturierung und Dynamisierung der Fassaden durch das Einfügen und Ausschneiden von Kuben und Quadern.

Wohnanlage Ollenhauerstraߟe Wohnanlage Ollenhauerstraߟe


Ollenhauerstraße 48,13403 Berlin


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Max-Taut-Schule

23. Mai 2009 3 Kommentare

Max-Taut-Schule

Am Nöldnerplatz in Lichtenberg steht einer der größten Schulbauten der Weimarer Republik. Gebaut wurde die Anlage zwischen 1929 und 1935 nach Plänen von Max Taut, der 1927 als Sieger aus dem Wettbewerb für die „Lichtenberger Schulen“ — Lyzeum, Mittel- und Berufsschule — hervorgegangen war. Heute besuchen hier rund 3.200 Schüler und Auszubildende das Oberstufenzentrum Versorgungs- und Reinigungstechnik mit einer für mich verwirrenden Anzahl unterschiedlicher Schultypen zur beruflichen Bildung.

Die Anlage, deren zwei- und dreigeschossige Flügel sich die Fischerstraße und Schlichtallee entlang ziehen, ist als Eisenbetonkonstruktion ausgeführt und mit gelben oder roten Klinkern verblendet. Mit Ausnahme einer Eingangsfront an der Fischerstraße, die ein aus Terrakotta gefertigtes Relief mit der Darstellung einer Frau umringt von Kindern trägt, sind alle Bauteile schmucklos. Es sei denn, man betrachtet die intensiv rote und blaue Farbe der Fensterrahmen als Schmuck.

Max-Taut-Schule

Der Schulkomplex ist ein typisches Beispiel des „Neuen Bauens“ und steht heute unter Denkmalschutz. Die im zweiten Weltkrieg durch Brandbomben zerstörte Aula der Schule stand 60 Jahre als Ruine vor der Schule, bis sie zwischen 2005 und 2007 unter Leitung des Architekten Max Dudler wiederaufgebaut wurde (siehe dazu Artikel in BauNetz mit weiteren Bildern). Als moderner Multifunktionsraum bietet die Aula 800 Menschen Platz für unterschiedliche Veranstaltungen.

Wir waren zu dritt, um die Aula zu besichtigen, sahen jedoch wenig Aussicht auf Erfolg, da just zu diesem Zeitpunkt in ebendieser Aula der Landesparteitag der SPD stattfand, und FWMeiersteinwandten uns zum gehen. Doch die Lieblingszicke hatte sich schon mit unserem Anliegen an die Einlassdame gewandt, nach dem Motto: Nachfragen ist immer gut. Als ihr mit der eher verhaltenen Auskunft gedient wurde: „Da müssen Sie sich schon akkreditieren!“, stürmte sie zum entsprechenden Schalter und kam mit drei laminierten Ausweisen zurück, die uns ohne weiteres die Türen zum Internum und damit auch zur Aula öffneten. Sie hatte überlegt, Rudi Ratlos, Frank-Walter Meierstein und Agneta Zögerlich anzugeben (man weiß ja nie, einmal den Namen genannt, und schon ist man Parteimitglied), sich dann aber doch für grenzenlose Ehrlichkeit entschieden. Bleibt zu sagen, dass mehr als die Aula selbst die Tatsache begeisterte, unseren Regierenden mit seiner Banknachbarin schwätzen zu sehen.


Die Galerie ist wegen eines Fehlers bei WordPress leider etwas durcheinander.


Fischerstraße 36,10317Berlin
030-52280148
www.max-taut-schule.de