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Artikel getaggt mit ‘Berlin’

Mexikanische Botschaft in Berlin

8. Dezember 2009 5 Kommentare

Auf dem mexikanischen Schulschiff, der Cuauhtémoc, war ich ja schon mehrfach anlässlich der Tall Ships’ Races, nun bin ich endlich auch einmal in der mexikanischen Botschaft gewesen.


Die unterschiedlich geneigten hellen Lamellen sorgen für Dynamik

Gebaut wurde sie nach Plänen der mexikanischen Architekten Teodoro Gonzáles de León und Francisco Serrano Cacho. Die beiden Architekten schufen so ein einerseits durchweg modernes Gebäude, andererseits haben sie viele Elemente der mexikanischen Tradition integriert, ohne folkloristisch zu werden. So ist das Baumaterial für die 18 Meter hohen, unterschiedlich geneigten Stelen, die wie ein Fächer das äußere Bild bestimmen, und des Atriums, das das Innere des Gebäudes prägt, aus Beton, der mit weißen Marmorstücken und Marmormehl statt Kies und Sand gemischt wurde und dessen Oberfläche in mühevoller Handarbeit durch Meißeln aufgeraut wurde, so dass der Marmor wieder zu Tage tritt.


Blick im Atrium nach unten

Das als Zylinder ausgeführte Atrium, das sich über die gesamten fünf Stockwerke erstreckt, erinnert an die Form des Maya-Observatoriums El Caracol in Chichén Itzá. Ein als Pyramide ausgeführter Garten nimmt ein anderes traditionelles architektonisches Element auf. Das Dach des Zylinders besteht vollständig aus Glas, und ein Teil des Zylinders lässt durch regelmäßig angeordnete runde Glasbausteine zusätzliches Licht in den Raum, der so vom Licht, das vom hellen Marmorbeton reflektiert wird, durchflutet ist.


Blick im Atrium nach oben, zum blauen Himmel

Ganz wunderbar fand ich die Dachterrasse, die nicht wie üblich die Klimaanlagen und andere technische Einrichtungen trägt, sondern in Art eines Steingartens, der an eine mittelamerikanische Landschaft erinnert, angelegt ist, auf dem geometrische Baukörper wie überdimensional Bauklötze liegen.


Lavendel blüht auf der Dachterrasse

Im Erdgeschoss der Botschaft gibt es einen großen Raum, der für wechselnde Ausstellungen genutzt wird, denn die Botschaft ist auch das mexikanische Kulturzentrum in Berlin. Als ich die Botschaft besuchte, lief hier gerade die Ausstellung Acróstico mit Werken von fünf jungen Künstlern aus Mexiko-Stadt, die in Berlin leben. Die Ausstellungen kann man jeden Werktag morgens von 9 bis 13 Uhr besuchen, wobei man sich auch das Atrium anschauen kann. Über das aktuelle Programm informiert die unten angegebene Website.


Embajada de México en Alemania
Klingelhöferstraße 3, 10785 Berlin

030 2693230
portal.sre.gob.mx

Montag bis Freitag 9:00-13:00 Uhr

Hafenfest

30. August 2009 3 Kommentare

Jedes Jahr findet in Berlin an einem Wochenende gegen Ende August das Hafenfest mit historischen Schiffen statt. Das erste dieser Feste gab es bereits 1990 im Humboldthafen am Lehrter Bahnhof, spätere folgten dann an der Mühlendammschleuse in Mitte, nachdem der Historische Hafen dort ein neues Domizil gefunden hatte.

Hafenfest
Hafenfest im Historischen Hafen

Der Historische Hafen Berlin wird im Wesentlichen von zwei Organisationen getragen, dem 1990 gegründeten Verein Berlin–Brandenburgische Schifffahrtsgesellschaft e.V. und der zwei Jahre danach gegründeten Spree–Cöllnische Schifffahrtsgesellschaft mbH. Gemeinsam haben sie mehr als dreißig historische Binnenschiffe unterschiedlicher Bauart und Herkunft im Historischen Hafen versammelt.

Die Gemeinsamkeit ist aber wohl nicht von Dauer, denn wo deutsche Menschen in einem Verein zusammenarbeiten, gibt es oft Zwietracht, so auch hier, wo sich die beiden Organisationen vor Gericht um das liebe Geld und um Liegerechte im historischen Hafen stritten. Vielleicht war es auch ein Ost-West-Konflikt – es ist schwierig, als Außenstehender in dem Netz der beteiligten Organisationen und deren Allianzen den Überblick zu bewahren.

Hafenfest
Hafenfest (?) im Humboldthafen

Die Uneinigkeit führte auch dazu, dass in diesem Jahr zwei Hafenfeste stattfinden sollten: eines im Historischen Hafen am Mühlendamm und ein zweites im Humboldthafen. Letzteres ist nicht wirklich ein Hafenfest geworden, sondern war im wesentlichen eine Abendveranstaltung im Rahmen der langen Nacht der Museen. Ein paar historische Schiffe, darunter das Ausstellungsschiff Kurier, lagen zwar im Humboldthafen, vom veröffentlichten umfangreichen Programm war jedoch nichts zu sehen. Wobei es dem Humboldthafen ja durchaus gut zu Gesicht stehen würde, wieder als – zusätzlicher – historischer Hafen zu dienen statt weiterhin als relativ unansehnlicher Veranstaltungsort für Sandsations, Zauberzirkusse und ähnliches herhalten zu müssen.

19. Hafenfest im Historischen Hafen
Zentralkapelle Berlin

Am Mühlendamm war schon deutlich mehr Fest: man konnte sich nicht nur die vielen historischen Schiffe in Aktion ansehen, es gab auch ein zünftiges musikalisches Rahmenprogramm, wovon mir die Blasmusik der Zentralkapelle Berlin, eines mir leider bis dato unbekannten symphonischen Blasorchesters, überaus gut gefallen hat.

Und selbstverständlich hatte man die Möglichkeit, auf dem Dampfschlepper Andreas eine einstündige Tour bis zu den Treptowers und zurück zu machen.

Hafenfest
Die Dampfmaschine von Andreas in Aktion

Erstaunlich kommt es mir doch immer wieder vor, um wie viel geräuschloser und erschütterungsfreier als ein gewöhnlicher Schiffsdiesel so eine Dampfmaschine ihre Arbeit verrichtet.

Die Dampfmaschine von Andreas stammt übrigens von 1926 und wurde 1944 in Ermangelung eines Dieselmotors in den Schlepper eingebaut. Es ist ein kleines Wunder, dass sie heute noch läuft, das wir den engagierten Menschen verdanken, die sich mit ihrem Herzblut dem Erhalt der historischen Schiffe verschrieben haben.

Und immer wieder gerne gesehen wird das Löschboot der Berliner Feuerwehr, das beim Losfahren mit „Hebeln auf dem Tisch“ erst mal heftigen Wellenschlag im Hafen verursachte (daher auch die etwas wacklige Kameraführung), wodurch sich sogar eine Schute losriss, und dann die üblichen Wasserspiele (hier mit Regenbogen) veranstaltete. Am Ende auch mit Durchfeuchtung einiger Musiker der Zentralkapelle, die zu laut nach einer Abkühlung gerufen hatten.


Historischer Hafen
Märkisches Ufer, 10179 Berlin

Dorfkirche Karow

16. August 2009 3 Kommentare

Dorfkirche Karow

Berlin ist voller Dorfkirchen, viele davon etliche Jahrhunderte alt. Eine steht in Karow und gehört zu den dreien, von denen die jeweiligen Lokalpatrioten behaupten, dass »ihre« das älteste Gebäude Berlins sei. Alle drei, die Marienfelder, die Biesdorfer und eben auch die Karower stammen aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts und sind spätromanische Feldsteinkirchen, die in späteren Jahrhunderten mehr oder weniger oft umgebaut und erweitert wurden.

Auch die Karower Kirche, deren sorgfältige Bauweise aus regelmäßig behauenen Feldsteinen auf eine Entstehung um 1230 deutet, wurde mehrfach verändert. 1424 wurde die Kirche vergrößert und erhielt im Wesentlichen ihre heutige Form mit Apsis, Chor und Hauptschiff. Das romanische Gewölbe stürzte 1579 ein und wurde durch das jetzige Tonnengewölbe ersetzt, 1863 wurde die Kirche grundlegend renoviert. Dabei wurden die Fenster vergrößert, die Empore eingebaut und die Bilder an ihr angebracht. 1847 bekam die Kirche nach mehreren hölzernen Vorgängern einen steinernen Turm nach Plänen von Friedrich August Stüler.

Dorfkirche Karow
Innenraum der Kirche mit Empore auf zierlichen gusseisernen Säulen

Bis auf den Turm präsentiert sich die Kirche von außen im Kern in ihrer ursprünglichen Gestalt, während die Innenausstattung aus späteren Jahrhunderten stammt. Kanzel und Taufe im Stil der ländlichen Spätrenaissance kamen 1622 in die Kirche. Besonders bemerkenswert sind die 33 Bilder, die an der Empore angebracht sind. Sie stammen aus holländischer Schule und gehören damit zu den eher selten in den Kirchen des Barnims anzutreffenden Darstellungen biblischer Szenen. Eines der Bilder, Simsons Löwenkampf, trägt die Zahl 1617, sicher das Jahr der Herstellung der Bilder. Die Bilder hatten vor dem Einbau der Empore ursprünglich anderswo ihren Platz, sehr wahrscheinlich stammen sie aus der alten Bucher Kirche.

Dorfkirche Karow  Dorfkirche Karow
Szenen aus dem alten Testament, links: Die Sintflut, rechts: Jona und der Walfisch

Und warum ich in der Kirche war, höre ich jemanden fragen. Weil es dort einmal mehr ein wunderbares Konzert mit Sängern des RIAS-Kammerchors gab. Gesungen wurden Werke von Heinrich Schütz, Orlando di Lasso und Johann Sebastian Bach.

Dorfkirche Karow
Mitglieder des RIAS-Kammerchors: Anette Lösch, Ulrike Bartsch, Volker Arndt, Jonathan de la Paz Zaens


Dorfkirche Karow

Alt-Karow, 13125 Berlin
030-9430101 (Gemeindehaus)
www.kirche-karow.de

Luise ist zurück!

26. Juli 2009 2 Kommentare

Das Portal zur Berliner Stadtgeschichte, das der Luisenstädtische Bildungsverein unter www.luise-berlin.de erarbeitet und betrieben hatte und das ich oft und gerne benutzt habe, wurde Ende 2008 abgeschaltet, da der Verein keine finanzielle Unterstützung für den weiteren Betrieb des Portals vom Berliner Senat bekommen konnte. Ironischerweise verwiesen auch in der luisenlosen Zeit einige Seiten des offiziellen Stadtportals berlin.de für Details zur Geschichte auf www.luise-berlin.de.

Nun aber ist die luisenlose Zeit vorbei: Kaupert Media, der Verlag aus dem der Kauperts, der bekannte Berliner Straßenführer, stammt, ist in die Bresche gesprungen und hat das komplette Angebot von Luise wieder online gestellt. Großartig!

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Freiheit statt Angst – Großdemo am 12.9.2009

17. Juli 2009 4 Kommentare

Freiheit statt Angst — ein Trailer von Alexander Svensson (CC-BY-SA-Lizenz). Elf Tage vor der Bundestagswahl, am 12.9.2009 findet in Berlin die Großdemonstration Freiheit statt Angst für Bürgerrechte im Internetzeitalter statt. Beginn 15:00 Uhr am Potsdamer Platz. Bitte vormerken und weitersagen!

Ethik abwählen? Nein!

14. April 2009 18 Kommentare

Auch wenn die Christlichen Religionsgemeinschaften immer wieder den Eindruck erwecken wollen, dass das Christentum Ursprung und Gewähr von Anstand, Moral und Ethik sei, entspricht das nicht den Tatsachen. Sehr deutlich wird das, wenn man den Film „Die haßerfüllten Augen des Karlheinz Deschner“ und darin vor allem die Äußerungen der Kirchenvertreter hört und sieht. Diese hervorragende Dokumentation über den Kirchenkritiker Karlheinz Deschner, die Ricarda Hinz und Jacques Tilly schon 1998 veröffentlichten, gibt es in zwei Teilen auf Google Video:

Teil 1: 

Teil 2:

(Mein Dank geht an Olyly, über deren Artikel ich erst auf diesen Film aufmerksam geworden bin. Den Film gibt es in besserer Qualität — leider nur als etwas altertümliches VHS-Video — auch zu kaufen.)

Also, Berliner, nehmt am 26. April an der Volksabstimmung zur Einführung des Wahlpflichtfachs Ethik/Religion teil und stimmt mit Nein und damit für den Erhalt des Pflichtfachs Ethik, denn wir wollen die gleichen Ethiknormen für alle und keine Sonderbehandlung für Einzelgruppen.

St. Augustinus in Berlin

31. März 2009 4 Kommentare

St. Augustinus

Seltsam, man kommt in eine Kirche und hat kurz das Gefühl, eine Bühnendekoration für einen Film von Fritz Lang vor sich zu haben. Was so despektierlich klingt, hat seine Ursache in der Entstehungsgeschichte von St. Augustin: Die Kirche ist ein Werk des Spätexpressionismus und zeigt das innen und außen ganz deutlich. St. Augustinus ist sicherlich bis heute einer der ungewöhnlichsten Kirchenbauten in Berlin.

St. Augustinus

Fertiggestellt wurde sie 1928, gerade ein Jahr nachdem Fritz Langs Film „Metropolis“ ins Kino gekommen war. Die Architektur der Kirche wich vom damals üblichen so ab, dass sich Erzbischof Kardinal Bertram von Breslau weigerte, den Bau zu weihen.

Architekt der Kirche ist Josef Bachem, der unter anderem auch St. Martin in Kaulsdorf geplant hat. Sein Entwurf konnte sich bei einem Architektenwettbewerb gegen andere, eher konventionelle im historisierenden Stil durchgesetzt.

Das Innere der Kirche ist ein weiter, hoher Saal mit einem Kuppelgewölbe samt Oberlicht. Das Erscheinungsbild wird einerseits stark von der hellblauen Farbgebung, andererseits von den hochaufragenden, vergoldeten Nischen an seinen vier Ecken bestimmt.

St. Augustinus St. Augustinus

Vorne stehen zwei Seitenaltäre in den Nischen, links mit einer Figur von Maria und dem Kind, rechts mit einer des Heiligen Josef.  An der Rückseite sind Beichtstühle in den Nischen untergebracht, oben zieren sie kanzelähnliche Balkone. Ungewöhnlich sind die stilisierten Kreuze über den Beichtstühlen.

St. Augustinus St. Augustinus

Ein großer Rundbogen gibt den Blick frei auf den Altarraum, der auf beiden Seiten durch eine Reihe freistehender Pfeiler aus rötlichem Stein den Eindruck der Dreischiffigkeit erhält. Der Hochaltar ist in einem gestaffelt in die Höhe strebenden Rahmen aus blauer Majolika gefasst. Das Altarbild selbst ist ein Mosaik mit Augustinus und Monika, die den Gekreuzigten anbeten – eine Holzfigur von Otto Hitzberger, der auch die Skulpturen der Seitenaltäre geschnitzt hat. Rechts befindet sich die streng geometrisch, schon ganz im Stil der neuen Sachlichkeit gestaltete Kanzel, deren Schalldeckel ebenfalls das stilisierte Kreuz trägt.

Auf der Homepage der Kirche kann man die drei Glocken (St. Augustinus, St. Monika und St. Maria Magdalena) einzeln läuten lassen und sie auch als Klingelton in verschiedenen gängigen Formaten laden.


Dänenstraße 17, Prenzlauer Berg, 10439 Berlin
030 4457445
www.augustinus-berlin.de
Offene Kirche: Mo-Fr: 12-12:30, Di: 17:30
Gottesdienst: So & Do 9:00, Di & Mi 19:00

restmodern.de

15. März 2009 3 Kommentare

restmodern.de ist ein Projekt, das sich ganz der Berliner Nachkriegsarchitektur widmet: Andreas Muhs hat wunderbare Fotos von alltäglichen Bauwerken aus den 50er bis 80er Jahren gemacht, gesammelt und kategorisiert. Was derzeit noch eine reine online-Präsentation ist, wird bald auch in gedruckter Form erscheinen, wenn sich genügend (500) Subskribenten finden, soll das Buch noch 2009 erscheinen. Ich bin dabei.

restmodern.de

Den gesamten Photostream zum Projekt gibt es auf flickr.

Der Paechbrotbaum

20. Oktober 2008 2 Kommentare

Aus der Einladung zur Eröffnung der Kunst-Aktion von Haus am Gern (Barbara Meyer Cesta und Rudolf Steiner):

Der Herbst ist da. Die Bäume verlieren ihre Blätter und ziehen ihre Schuhe an. Jedenfalls in Moabit.

Hier, an der Ecke Birken-/Stephanstrasse, gleich am Rande der Paech-Brot-Brache, steht ein toter Baum. In seinem blätterlosen Schatten steht der Paech-Brunnen und keine 10 Meter weiter verkündet ein großes Schild den Baubeginn eines Einkauf-Centers für 2008. An diesem toten Baum liesse sich – mit ein bisschen Verstand – hervorragend die verwinkelte Geschichte des Stephankiez’ und der Paech-Brotfabrik, der Investoren und Besetzer, der Anwohner und Politiker etc. aufhängen, doch genau dies tun die Künstler von Haus am Gern nicht. Stattdessen hängen sie hunderte Paar Schuhe in den Baum – und laden alle Anwohner und Einwohner Moabits ein, in der Kurt-Kurt-Projektzentrale an der Lübecker Strasse 13 gebrauchte Schuhe zu behändigen und sie in den Baum zu werfen. Das verändert zwar die Situation in Bezug auf die Brache, den Kiez oder das geplante E-Center nicht, schafft aber ein einen bildhaften, künstlerischen Kommentar in der grauen Stadtlandschaft. So wird vielleicht ein toter Baum unter dem Namen «Der Paechbrotbaum» in die Berliner Stadtgeschichte eingehen.

Lang gedauert hat diese Kunst-Aktion leider nicht. Die Staatsmacht hat sie vorzeitig beendet. Aber der Reihe nach.

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Zuerst traf man sich bei Kurt-Kurt, wo etliche Fotos von sehr schönen shoe trees aus den USA und Kanada ausgestellt waren. In der Mitte des Raums warteten Säcke mit rund 1000 Paar in den letzten Tagen gesammelter Schuhe darauf, in gemeinschaftlicher Aktion aller Besucher in Einkaufswagen zum Paech-Brunnen gefahren zu werden. Dort war bereits eine temporäre Lichtinstallation aufgebaut, damit man den Baum in der nächtlichen Dunkelheit überhaupt sehen konnten.

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Kaum waren die ersten Schuhe in den Baum geworfen, kam schon ein Polizeiwagen und stoppte die Aktion wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz (die Ordnungshüter sprachen ungeschickter Weise von »Versammlungsverbot«, meine ich mich zu erinnern) und wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Naturschutz und Vergehen gegen noch lebende Bäume waren auch im Gespräch. Überdies müssen morgen gleich die bereits im Baum befindlichen Schuhe wieder entfernt werden, weil sonst die Gefahr bestünde, dass durch Wind und Sturm herabgewehte Schuhe Menschen verletzt würden.

Nachtrag 1. März 2009: Seit ein paar Tagen wird nun auf dem Gelände das gebaut, was schon 2008 hätte fertiggestellt sein sollen, und der Baum wurde samt der Schuhe abgeholzt.

Walzerbahn

16. Juli 2008 Kommentieren

deutsch-franzoesisches_volksfest8
Dem Himmel so nah …

Jahrelang hat sie mich auf den Berliner Volksfesten begleitet, die Walzerbahn. Nicht dass ich auf jeden Rummel in Berlin gegangen wäre, aber das deutsch-französische Volksfest habe ich einigermaßen regelmäßig besucht. Das war Brauch im sektorierten West-Berlin. Und ein, zwei Runden auf der Walzerbahn gehörten einfach immer dazu. Sie ist das älteste Fahrgeschäft auf den Berliner Volksfesten – zwar kann sie nicht mit phantastischen technischen Daten protzen, aber sie hat mich immer polternd und klappernd auch ganz ohne Hydraulik gut auf Fahrt gebracht und durchgeschüttelt.

Dieses Jahr war sie zum ersten Mal nicht mehr da, welch ein Jammer.

Schon vor Jahren beklagte sich Otto Barthel, Eigentümer der Walzerbahn und Schausteller in vierter Generation, in einem Interview: »Die wollen immer nur das Modernste«. Sein Sohn, der mit dem Wellenflug, einem großen Kettenkarussell, auf dem Volksfest steht, sagt: »Die Walzerbahn ist 70 Jahr alt und Opa ist nun auch schon 67«. Kaum einer wolle noch mit ihr fahren und sie spiele noch nicht einmal mehr das Geld ein, das der Standplatz kostet. Außerdem sei sie sehr personalintensiv. Jetzt betreibe die Familie nur noch den Wellenflug, und damit fahre er gleich nach dem Abbau zum Hamburger Dom.

Deutsch-Französisches Volksfest
Der Wellenflug

Nun ist die Walzerbahn eingemottet und wird zum Verkauf angeboten. Eigentlich, so finde ich, könnte sich der Berliner Schaustellerverband, der die Volksfeste organisiert und ausrichtet, erbarmen und das gute Stück, das fast musealen Charakter hat, erwerben und selber betreiben.

Fotos von der Walzerbahn habe ich leider keine, zum Ausgleich gibt’s ein paar von anderen Karussells und und ein Filmchen vom Wellenflug, der nun auch schon 30 Jahr auf dem Buckel hat. Als Kettenkarussell ist er auch schon ein wenig anachronistisch, aber sehr hübsch: Trompetende Engel, Bilder aus deutschen Landen und weiß-blaue Rauten zieren seine Außenhaut.


Allée du Stade, Zentraler Festplatz , 13405 Berlin
030 213 32 90

www.schaustellerverband-berlin.de