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Artikel getaggt mit ‘Biergarten’

Zoigl beim Gloser

21. Mai 2012 17 Kommentare

“Zoigl, was ist das?” war meine erste Frage, als ich den Begriff zum ersten Mal in einer Oberpfälzer Zeitung las. “Ein ungefiltertes, naturtrübes Bier” war die Antwort. Tatsächlich aber steckt eine Jahrhunderte alte Tradition hinter dem Begriff. Der Zoigl – untergärig und mit recht hohem Hefeanteil gebraut, ungespundet und daher mit wenig Kohlensäure – ist eine Spezialität der nördlichen Oberpfalz und kommt aus der Kommunbrauerei.

In diesem von den Bürgern einer Stadt gemeinsam betriebenen und genutzten Brauhaus wird der erste Schritt der Bierherstellung vollzogen: Die Maische aus Malz und Wasser wird in der offenen Sudpfanne über Holzfeuer gekocht, anschließend wird der Hopfen zugegeben und alles noch einmal erhitzt. Nach dem Auskühlen wird die Würze umgefüllt und zum jeweiligen Zoiglwirt gefahren, wo nach Zugabe der Hefe die rund zehn Tage dauernde Gärung stattfindet. An das Abfüllen auf Fässer schließen sich ein paar Wochen Lagerung an, nach denen das Bier hinreichend gereift ist und zum Ausschank kommen kann.

Traditionell hatte ein Zoiglwirt seinen Schankbetrieb so lange geöffnet, bis sein Bier ausgetrunken war, dann kam der nächste an der Reihe. Dank der modernen Kühltechnik muss man heute das Bier nicht gleich austrinken, aber die Tradition der meist am Wochenende reihum geöffneten Zoiglwirte hat man bis heute erhalten. Welcher Kommunbrauer seinen Zoigl ausschenkt, erkennt man an einem an einer Stange befestigten sechszackigen Brauerstern, der draußen über dem Eingang hängt. Daher kommt wohl auch der Name der Biers: Der “Bierzeigl”, der anzeigt, wo das Bier fließt, ist in der Operpfälzer Mundart zum Zoigl geworden.

Zum Bier gehört eine zünftige Mahlzeit, und die bieten die Zoiglwirte auch an, wovon wir uns “Beim Gloser” überzeugen konnten. Bei strahlend schönem Sommerwetter saßen wir im gemütlichen Biergarten im Hof und genossen den feinen Zoigl – rötlich-braun, leicht säuerlich und frisch.

Die Lieblingszicke, von den wunderbaren Düften aus der Küche animiert, bestellte den sonntäglichen Schweinebraten mit Knödeln und war rundum zufrieden – sehr leckere Soße, schmackhafte Knödel und das Sauerkraut sauer mit viel Kümmel darin. Die Preise, die für Speis und Trank aufgerufen werden, sind äußerst human: Das Bier – beim Gloser immerhin ein Zoigl in zertifizierter Bio-Qualität – kostet im halben Liter gerade mal 1,70 € (der Einheitspreis für fast alle Getränke) und der Schweinebraten reißt mit 6,50 € auch kein Loch in den Geldbeutel.

 

Aber auch bei weniger schönem Wetter verspricht der Gloser einen angenehmen Aufenthalt, denn die Gaststube ist urgemütlich.

In Windischeschenbach (“Eschawecka” in der lokalen Diktion) sind heute zehn und im benachbarten Neuhaus fünf Kommunbrauer aktiv und betreiben reihum ihren Schankbetrieb. Ich finde, der Zoigl und die darum entstandene Gasthauskultur sind durchaus einen Abstecher wert, wenn man auf der Autobahn 93 von Hof nach Regensburg unterwegs ist. Im Zoiglkalender erfährt man, wann welcher Zoigl in Windischeschenbach geöffnet hat.


Beim Gloser
Lehnerberg 2, 92670 Windischeschenbach

09681/3170
beimgloser.de
Kategorien:Essen und trinken Schlagworte: ,

uferlos an der Panke

31. August 2009 5 Kommentare

Sang Claire Waldoff einst noch:

Und steh’ am Ufer ich der Panke,
Möcht jleich ich wieder Leine ziehn:
Bei dem Jestanke. Na ick danke.
Ne dufte Stadt ist mein Berlin …

so kann man heute doch vom Jestanke jänzlich unbehelligt im schönen grünen Garten des uferlos am Ufer eben dieser inzwischen an vielen Stellen wieder renaturierten Panke sitzen und die warmen Spätsommerabende genießen.

Café Uferlos

Nicht nur ein gepflegtes Feierabendbier schmeckt hier, nein, zu meiner Verwunderung kann man auch sehr gut essen. Auf einer großen Tafel im Innenraum sind die Tagesgerichte ausgehängt. Mit Preisen von ca. 9 bis 15 € für ein Hauptgericht ist man für den Wedding (pardon, genauer: Gesundbrunnen) sicher schon auf der etwas teureren Seite, aber was auf den Tisch kommt, scheint mir jeden Euro wert.

Mein Essen war erstens eine ungewöhnliche Kombination und zweitens auch noch ungewöhnlich gut zubereitet: “Medaillons vom Schweinefilet mit Blutwurst-Chilikruste, Birnen-Chutney und La Ratte-Kartoffeln” stand auf der Karte, dazu kamen aber auch noch Pfifferlinge in Sahne mit rohen Frühlingszwiebeln. Klingt schräg, schmeckte mir in dieser Zusammenstellung aber sehr gut. Nur das Filet hätte ich mir einen Tick mehr rosa gewünscht.

Café Uferlos

Ich komme wieder!


4birnen
uferlos
Uferstraße 13, 13357 Berlin

030 46600510

Braumanufaktur Forsthaus Templin

20. August 2009 10 Kommentare

Forsthaus Templin

Anlässlich des Teltower Rübchenfestes Ende September 2007 hatte ich das Bier der Braumanufaktur zum ersten Mal probieren können. Ein Besuch der Brauerei mit der angeschlossenen Gastwirtschaft am Templiner See stand seitdem auf dem Plan. Zwei Jahr später habe ich es doch endlich geschafft, das Brauhaus selbst zu besuchen.

Und es ist ein besonders schöner Abend geworden: mit guten Freunden das besondere Bier genossen, gut gegessen und gut unterhalten. Man sitzt sehr schön im großen Biergarten, der zwar nicht direkt am Templiner See liegt aber den Blick auf riesige Platanen eröffnet.

Forsthaus Templin  Forsthaus Templin
Weiße pur vorab und Braumeistersteak mit Potsdamer Stange

Hingefahren waren wir vor allem, um die hier gebraute Weiße zu verkosten. Die darf zwar nicht Berliner Weiße heißen, sondern muss als Potsdamer Weiße bezeichnet werden, ist aber geschmacklich nach meiner Meinung der überwiegend in Berlin servierten Weiße eines großen Bauimperiums haushoch überlegen, zudem selbige in vielen Gaststätten als Fertigmischung gereicht wird. Die Weiße der Braumanufaktur hat einen intensiven Geschmack, der dazu einlädt, sie pur zu genießen, sich aber auch behaupten kann, wenn man sie mit Schuss trinkt, aber besonders. Wer es ganz klassisch mag, bestellt sich einen Kümmel dazu und genießt sie als Weiße mit Strippe.

Die Küche ist deftig-kräftig, ganz wie es sich für ein Brauhaus gehört. Zu vielen Gerichten wird Treberbrot gereicht (Treber sind die Rückstände des Malzes bei der Bierherstellung), ein sehr schmackhaftes, dunkles Brot, das man hier – ebenso wie die Biere – zwecks Mitnahme nach Hause erwerben kann. Das Bierkutschersteak (in Bier marinierter Schweinekamm) mit Bratkartoffeln in Bier eingelegten Zwiebelringen schmeckte mir vorzüglich. Die Preise kann man nicht anders als günstig bezeichnen, und das gilt für Essen und Trinken gleichermaßen.

Übrigens hält direkt vor dem Forsthaus der Havelbus 607, der einen auch nach dem Genuß aller angebotenen Bierspezialitäten sicher nach Postdam Hbf bringt. Hinfahren kann man auch vom Volkspark Glienecke (Krughorn, gegenüber der Sacrower Heilandkirche) aus mit dem Wassertaxi, eine sehr schöne Fahrt von rund 50 Minuten Dauer, die an vielen Potsdamer Sehenswürdigkeiten vorbeiführt.


5birnen

Braumanufaktur Forsthaus Templin

Templiner Straße 102, 14473 Potsdam
033209 217979
www.braumanufaktur.de

Öffnungszeiten: täglich 11-23h

Landhaus Söhnel in Berlin

13. Oktober 2008 Hinterlasse einen Kommentar

Das Landhaus Söhnel wird seit März 2010 unter dem Namen Loretta Kohlhasenbrück unter neuer Bewirtschaftung betrieben. Der nachfolgende Bericht bezieht sich auf die alten Betreiber.

Landhaus Soehnel

Ganz dunkel meine ich mich erinnern zu können: vor fünfundzwanzig Jahren oder mehr bin ich hier wohl schon einmal gewesen, in dieser so idyllisch am Teltowkanal gelegenen Gaststätte in Kohlhasenbrück, ganz in der äußersten südwestlichen Ecke des alten, eingemauerten West-Berlins.

Idyllisch gelegen ist es immer noch, allerdings wirkt die heutige Ausschmückung des Biergartens mit fernöstlichen Stilelementen aufgesetzt und passt nicht in einen Berliner Biergarten und erst recht nicht zum Gebäude des Restaurants selbst und den hübschen alten, bunt angemalten Holzgebäuden der direkt benachbarten Söhnel-Werft. Auf dem Gelände der mehr als hundert Jahre bestehenden Werft, die einst für ihre Kanadier berühmt war, betreibt man heute ein Geschäft für fernöstliche Gartenmöbel aus Teak.

Das ganze Ensemble wird als Paradise-Garden vermarktet, auf den Terrassen findet man jetzt Lounge-Ecken, Gazebos, Relax-Stühle und Sunbed Areas. Oscar Wilde zitierend: “Man umgebe mich mit Luxus, auf das Notwendige kann ich verzichten” scheint man nach höheren Weihen zu streben.

Landhaus Soehnel

Die Küche kann dem leider nicht wirklich gerecht werden. Das Büffet, das hier anlässlich einer Veranstaltung des RIAS Kammerchor Forums geboten wurde, fand ich nicht mehr als durchschnittlich. Ärgerlich war, dass man in der Küche nicht gewillt war, auf die laufende Veranstaltung, auf der Ansprachen gehalten und auch einige Stücke gesungen wurden, Rücksicht zu nehmen und eine halbe Stunde auf dudelnde Musik zu verzichten oder das störend laute Schnitzelklopfen zu unterlassen. Für ein Unternehmen, das explizit Veranstaltungsservice anbietet, ein merkwürdiges Verhalten.

Natürlich sitzt man draußen immer noch sehr schön und für ein Bier an einem lauen Sommerabend oder einem schönen Herbsttag ist der Platz aufgrund der Lange wirklich zu empfehlen.


3birnenNeue Kreisstraße 50, Kohlhasenbrück, 14109 Berlin
030 8053850

www.paradiseworld.de

Di-Fr: ab 12:30, Sa: ab 12:00, So: ab 11:00

Zollpackhof

18. Februar 2008 1 Kommentar

221-kastaniengarten

Der Zollpackhof ist ein großer Biergarten direkt an der Spree, vis-a-vis dem Bundeskanzleramt. Unter einer riesigen, alten Kastanie (“130 Jahre alt, Naturdenkmal”, steht auf einem Schild) sitzt man im Sommer herrlich draußen und schaut den vorbeifahrenden Schiffen zu.

220-kastaniengarten

Essen und Trinken im Biergarten geht per Selbstbedienung, das Essen im Garten ist sehr schlicht, auf Kantinenniveau, aber teurer (Kasseler, Bierschinken, Leberkäs, Tiefkühlpizza) und mit wenig Liebe zubereitet. Wenn’s voll ist, sind die Schlangen schon mal lang und man wartet dementsprechend lang auf sein Bier und seinen Leberkäs.

kastanie_im_zollpackhof

Edler geht es im Restaurant drinnen zu, es gibt recht gute, österreichisch angehauchte Küche.

Ein »Geheimtip« ist ein nächtlicher Besuch am Schweizer Nationalfeiertag, an dem die nahegelegene Schweizer Botschaft ein recht üppiges Feuerwerk veranstaltet, das man von hier aus quasi »aus der ersten Reihe« verfolgen kann.


3birnenElisabeth-Abegg-Str. 1, 10557 Berlin
030 330997 0
www.zollpackhof.de

Kategorien:Essen und trinken, Moabit Schlagworte: ,

Paulaner’s

18. Februar 2008 Hinterlasse einen Kommentar

Alt-Moabit 98, 10559 Berlin
030 3994332
www.paulaners-berlin.de

paulaners

Die bayrische Bierschwemme im Herzen Moabits ist einer der gastromischen Betriebe, die nach Renovierung und Umbau in der alten Bolle-Meierei einen Platz gefunden haben. Hier gibt es (nicht nur) leckeres Hefe-Weizen vom Fass und deftiges Essen nach bayrischen Rezepten.

Im großen Biergarten oder auf der großen Terrasse lässt es sich im Sommer auch gut draußen sitzen. Der Geräuschpegel drinnen ist oft recht hoch, was auch durch die ständige Berieselung mit Musik im Stil des Musikantenstadls (brrrr…) bedingt wird, die man im Gespräch stets übertönen muss.

Bürgershof Restaurant und Biergarten

17. September 2007 Hinterlasse einen Kommentar

buergershof_4

Der einmalig schön, direkt am Wasser des Teltowkanals und der Glienicker Lake gelegene Biergarten bietet einen wunderbaren Ausblick über das Wasser auf den Park Babelsberg mit dem neugotischen Maschinenhaus am anderen Ufer. Die Morgenpost bezeichnetet den Ort nicht ganz zu Unrecht als schönsten Biergarten Arkadiens.

Leider gibt es im Biergarten keine Bedienung, so dass man sich erst für Bier oder Kaffee, dann erneut für das Bezahlen in eine lange Warteschlange einreihen darf. Wenn man etwa auch noch ein Stück Kuchen zum Kaffee haben möchte, ist ein weiteres Mal Anstehen angesagt. Für diese Ungastlichkeit gibt es glatt eine Birne Abzug. Die Preise liegen auf einem Niveau, das andernorts die Bedienung einschließt, dafür  eine weitere Birne Abzug.

buergershof

Der Bürgershof hat ein interessante Geschichte. Um 1863, als Prinz Carl von Preußen die Schweizerhäuser errichten ließ, erfolgte auch die Bebauung am Wasser, darunter das noch heute vorhandene Gebäude der Bierhalle. 1886 ließ sich der Gastwirt Ludwig Bürger vom Potsdamer Architekten W. E. Petzholtz das Hauptgebäude des “Bürgershof” in einer Stilmischung von Renaissance und Gründerzeit erbauen. Zum Ensemble gehörten Festsaal, Wintergarten, Musikpavillon und die eigene Dampferanlegestelle an der Glienicker Lake.

Mit der Eröffnung des Teltowkanals kam 1906 ein deutlicher Aufschwung für den Bürgershof, da nun viel mehr Ausflugsdampfer hier anlegten. Biergarten und Weinrestaurant mit dem Blick auf den Park Babelsberg wurden zu einem beliebten Ort für Ausflügler. Annähernd einhundert Kellner waren zur Glanzzeit des Bürgershofs im Einsatz. Im Sommer spielte die Kapelle des preußischen Infanterieregiments Nr. 9 zum Tanz auf.

Nach der deutschen Teilung wurde Klein-Glienicke zu einer Exklave der DDR, die in West-Berliner Gebiet hineinragte, und nur noch mit Passierschein zugänglich war. Eine Vorderlandmauer direkt am Uferstreifen der Glienicker Lake und eine Hinterlandmauer rund um Klein-Glienicke herum machten den Weiterbetrieb einer Gaststätte undenkbar. Das Hauptgebäude musste den Grenzsicherungsanlagen weichen und wurde 1971 gesprengt, nur die Bierhalle bleib stehen.

Nach der deutschen Einheit gab es ein unschönes Gerangel um die Rückübertragung des Geländes an die ursprünglichen Eigentümer. So hat es es bis 2004 gedauert, bis der Bürgershof seine Wiedereröffnung mit der weitestgehend dem Original entsprechenden Stehbierhalle feiern konnte.


3birnenWaldmüllerstraße 4, Klein-Glienicke, 14482 Potsdam
+49 331 2378889
www.buergershof.de
Öffnungszeiten im Winter (Nov-Mär) Sa-So: ab 12h, im Sommer (Apr-Okt) Mo-So: ab 11h

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