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Artikel getaggt mit ‘Brücke’

Humboldthafenbrücke

24. August 2009 14 Kommentare

Der 2006 zum ersten Mal verliehene Deutsche Brückenbaupreis wird alle zwei Jahre von der BundesingenieurkammerKein Ding ohne Ing.«) und dem Verband beratender Ingenieure vergeben, »um den Beitrag der Ingenieure zur Baukultur stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken«. Keine schlechte Idee, denn wenn man genau hinschaut, bemerkt man, dass viele dieser eigentlich reinen Funktionsbauten ganz oft auch wunderbare Beispiele gelungener Architektur sind. Gerade in Berlin sind in den Jahren nach der »Wende« viele schöne neue Brücken entstanden, von denen die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung einige in der Broschüre „ÜberBrücken“ und auch online vorstellt.

Humboldthafenbrücke

Deutscher Brückenbaupreis2008 wurde die Humboldhafenbrücke mit diesem Preis ausgezeichnet. Der verantwortliche Ingenieur, Prof. Dr.-Ing. Jörg Schlaich, durfte die Preisskulptur im Rahmen eines Festaktes an der TU Dresden entgegennehmen. Seitdem hängt auch das Hinweisschild auf den Preis am Lehrter Bahnhof.

Eigentlich ist es ja nicht nur eine Brücke, die hier Moabit und Mitte miteinander verbindet, sondern vier nebeneinander liegende. Die Brücke ist rund 240 Meter lang, die sich auf sechs Bögen erstrecken, deren größter mit 60 Meter den Hafen überspannt. Ungewöhnlich ist der Materialeinsatz, der das sonst übliche auf den Kopf stellt: Träger aus Stahl unten und die Fahrbahn aus Beton oben. Das ermöglicht für eine Brücke solcher Tragfähigkeit ein recht filigranes Erscheinungsbild.


Humboldthafenbrücke
Friedrich-List-Ufer, 10557 Berlin

Humboldthafenbrücke in der Wikipedia

Gotzkowskybrücke

10. April 2009 1 Kommentar

Alfred Grenander ist einer der Architekten, dessen in Berlin allgegenwärtigen Bauwerke jeden Tag von Hunderttausenden von Berlinern besucht werden. Aus seiner Hand stammen nämlich die Pläne für rund 70 Berliner U-Bahnhöfe, darunter auch sein größter und wohl bekanntester, der U-Bahnhof Alexanderplatz mit den drei sich kreuzenden Ebenen und dem weitläufigen Zwischengeschoss, das die Ebenen verbindet.

Gotzkowskybrüˆcke

Weniger bekannt ist vielleicht, dass Grenander auch an der Gestaltung von Brücken mitgewirkt hat, so unter anderem an der Gotzkowskybrücke, die die gleichnamige Straße von Moabit über die Spree nach Charlottenburg führt. Benannt sind Brücke und Straße nach dem Begründer der Königlichen Porzellan-Manufaktur Johann Ernst Gotzkowsky (1710–1775). Die steinernen Widerlager und Pfeiler der Brücke gehen auf Grenanders Planungen zurück, derweil die tragende Konstruktion, deren dreizehn schlichte Bogenträger aus Eisen hier den Fluss überspannen, von damaligen Stadtbaurat Friedrich Krause entworfen wurden.

Gotzkowskybrüˆcke

Die Brücke wurde bereits 1911 dem Verkehr übergeben und ersetzte eine hölzerne Jochbrücke von 1888. Sie stellte damals die westlichste Brücke auf Berliner Gebiet dar, denn Charlottenburg war noch eine selbständige Stadt.

Gotzkowskybrüˆcke

Um die Grenzlage der Brücke zu betonen, errichtete Grenander auf der Moabiter Seite der Brücke einen Schmuckbogen, der einem Stadttor ähnelt. Im Kontrast zu Grenanders eher neoklassizistischer Architektur der Brückenwiderlager aus Muschelkalk stehen die von Walther Schmarje im Jugendstil gearbeiteten Tierskulpturen, die die Pfeiler an den anderen drei Ecken der Brücke zieren – Widder auf der Charlottenburger Seite und ein Stier am Moabiter Ende.

Gotzkowskybrüˆcke Gotzkowskybrüˆcke


Gotzkowskystraße, 10555 Berlin
Eintrag in der Berliner Denkmaldatanbank

Klappbrücke in Wolgast

24. September 2008 Kommentieren

Klappbrücke Wolgast

Weithin sichtbar sind die runden, blauen Gegengewichte der Klappbrücke in Wolgast, die die Bundesstraße 111 über den Peenestrom führt. So manches Mal kann es aber auch dauern: man ahnt sie, weiß, dass sie da ist, die Brücke, sieht sie aber nicht. Dann steht man mit dem Auto im Stau. Die Brücke wird nämlich jeden Tag um 05.45 Uhr, 08.45 Uhr, 12.45 Uhr, 16.45 Uhr und 20.45 Uhr für rund 30 Minuten für den Schiffsverkehr geöffnet. Und während der Stoßzeiten kann es dann schon einmal zu einem kilometerlangen Rückstau kommen. Wenn dann endlich das Blaue Wunder von Wolgast am Horizont erscheint, hat man auch viel Zeit, es sich genauer anzuschauen.

Klappbruecke Wolgast

1996 wurde die neue Brücke als Ablösung des maroden Vorgängerbaus aus den 1930er Jahren fertiggestellt. Sie ist 19 Meter breit und 42 Meter lang – das ist nicht so viel, aber trotzdem soll sie die größte Waagebalkenklappbrücke (schon wieder so ein schönes Wort) in Europa sein. Und es sieht in der Tat imposant aus, und lässt die Fahrbahn viel mächtiger erscheinen, wenn die Brücke hochgeklappt ist und die Aufbauten der Frachtschiffe und die Masten der Segelboote vorübergleiten.

Auf der Brücke finden nicht nur die beiden Spuren der Bundesstraße Platz, die die Insel Usedom mit dem Festland verbindet, sondern auch ein Gleis der Usedomer Bäderbahn. Die Inselbahn fand damit im Jahr 2000 wieder Anschluss an das Festlandnetz, so dass ihre Züge heute von Swinemünde über Ahlbeck bis Stralsund rollen können.


Straße der Freundschaft, Bundesstraße 111, 17438 Wolgast
www.insel-usedom.com

Storebælt-Brücke

21. September 2008 Kommentieren

Die Große-Belt-Brücke ist ein grandioses Bauwerk zwischen den Inseln Fünen und Seeland. Die 1998 fertiggestellte Brücke besteht aus zwei Teilen: dem westlichen Teil (Vestbro) und dem östlichen Teil (Østbro), die sich auf der kleinen Insel Sprogø begegnen.


Karte der Storebælt-Brücke über den Großen Belt (aus Wikimedia, von Benutzer Lencer, Lizenz: Creative Commons Attribution ShareAlike 3.0)

Der Ostteil ist eine beeindruckende Hängebrücke mit einer Spannweite von 1624 Metern zwischen den beiden 254 Meter aufragenden Pylonen, die damit auch den höchsten Punkt Dänemarks bilden. Das Bauwerk ist die längste Hängebrücke Europas und die drittlängste der Welt.

Grosse-Belt-Bruecke

Für die Schifffahrt lässt die Brücke eine Durchfahrtshöhe von 65 Metern, so dass auch unser Segelschiff mit einer Masthöhe von 34 Metern locker darunter hindurchgeht, wenngleich es von Bord aus gesehen doch den Anschein hat, die Mastspitze würde die Unterkante der Fahrbahn ankratzen. Trotz der gigantischen Abmessungen wirkt die Brücke, wenn man sie aus der Ferne sieht oder wenn man unter ihr durchfährt, fast zierlich.

Grosse-Belt-Bruecke

Der westliche Teil ruht auf 63 Pfeilern und trägt sowohl den Autoverkehr als auch die Eisenbahn, die aber auf Sprogø in einem Tunnel verschwindet, der unter dem Wasser der Ostsee nach Seeland führt. Die Gesamtlänge des Bauwerks beträgt 18 km.

Vermutlich ist der Blick auf die Brücke eindrucksvoller, wenn man mit dem Schiff unter ihr durch fährt, als wenn man mit dem Auto über sie hinweg fährt (billiger ist es auch, es kostet nämlich nichts).


Storebæltsvej 70, Autobahn E20, 4220 Korsør
+45 7015 1015

www.storebaelt.dk

Teufelsbrücke in Eberswalde

20. Juli 2008 Kommentieren

Teufelsbrücke

Brücken haben ja in der Regel ein sehr ruhiges Leben, viel kommen sie nicht rum. Einmal gebaut, tun sie Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte treu ihren Dienst, immer an einem Ort. Nicht so die Teufelsbrücke, die hat schon was von der Welt gesehen. Ihre Wanderbrückenkarriere begann sie 1826 in Berlin als Weidendammer Brücke, wo sie die Friedrichstraße über die Spree brachte. Obwohl – eigentlich war sie schon davor unterwegs, denn sie kam aus England, wo sie 1820 entworfen und hergestellt worden sein soll, nach Berlin.

1880 wurde sie zwar um seitliche Fußwege ergänzt, aber schon bald war sie nicht mehr breit genug, um dem zunehmenden Berliner Verkehr zu genügen. Also wurde die Brücke 1895 kurzerhand demontiert und – um 13 Meter gekürzt – in Liepe wieder aufgebaut, wo sie den Finowkanal überspannte.

Brücke in LiepeBrücke in Liepe (Quelle: http://www.oberbarnimer.de)

Aber auch dort ist sie, warum auch immer, nicht so arg lang geblieben. Im Jahr 1913 ging sie wieder auf Wanderschaft und wurde, erneut um ein paar Meter gekürzt, in Finow-Heegermühle über der Ausfahrt des Messingwerkhafens montiert. Der Treidelweg führte über sie, weswegen sie auch als Treidelpfadbrücke bezeichnet wird.

Brücke um 1920 nach dem Umzug zum Messingwerkhafen (Quelle: http://www.oberbarnimer.de/)
Brücke um 1920 nach dem Umzug zum Messingwerkhafen (Quelle: http://www.oberbarnimer.de)

Getreidelt wird schon lange nicht mehr, aber die Brücke steht hier heute noch, trotz Denkmalschutz in einem traurigen Zustand.

Bei ihrer Fertigstellung 1826 war die Brücke eine der ersten gusseisernen Brücken in Mitteleuropa. Freiherr von Zedlitz beschrieb sie in seinem 1834 erschienenen Neuesten Conversations-Handbuch für Berlin und Potsdam zum täglichen Gebrauch der Einheimischen und Fremden aller Stände: »Jetzt ist diese Brücke insofern die erste und einzige ihrer Art in der Welt, als bei ihr nämlich anstatt der bisher allein üblich gewesenen massiven Pfeiler, gegen welche die Bogen gespannt werden müssen, zuerst der Versuch gemacht ist, mit freistehenden eisernen Pfeilern, welche die ebenfalls eisernen Bogen tragen, so daß, an dieser Brücke, ausgenommen den hölzernen Pfahlrost im Grunde, die hölzernen Zugklappen, [...] alles durchaus von Eisen ist.«

Teufelsbrücke
Heutiger Zustand der Brücke

Der mittlere, auf eben diesen besonderen gusseisernen Säulen gebettete Brückenteil war herausnehmbar, um größeren Schiffen die Durchfahrt zu ermöglichen. Das ist sicher schon lange nicht mehr passiert, erst recht nicht an ihrem jetzigen Standort, denn außer den Booten des lokalen Rudervereins fährt kaum noch jemand in den Hafen ein. Von ihren ursprünglich fünf Jochen hat die Brücke nur noch drei behalten und ist gerade mal noch 23 Meter lang und etwas über zwei Meter breit.

Eine ganz besondere Bedeutung hatte die Weidendammer Brücke für Theodor Fontane: Auf ihr verlobte er sich am 8. Dezember 1840 mit Emilie Rouanet-Kummer.


Nähe Altenhofer Straße, Finow, 16227 Eberswalde

Kanalbrücke Magdeburg in Hohenwarthe

25. Juni 2008 1 Kommentar

Trogbrücke Mittellandkanal

Manche Dinge brauchen etwas länger. Manche brauchen gar eine kleine Ewigkeit. So wie die Trogbrücke bei Magdeburg, die man von der Autobahn A2, die nur ein paar Hundert Meter weiter südlich die Elbe überquert, gut sehen kann. Sie hat fast ein Menschenleben lang gebraucht, um fertig zu werden.

Trogbücke, noch nie gehört? Die Brücke befördert keine Kraftfahrzeuge oder Eisenbahnen über die Elbe, sondern den Mittellandkanal, der hier eben in einem wasserdichten Trog die Elbe überquert, die rund 20 Meter tiefer liegt. Der Mittellandkanal ist mit 325 km Deutschlands längste künstliche Wasserstraße und verbindet den Dortmund-Ems-Kanal im Westen mit der Elbe und dem sich anschließenden Elbe-Havel-Kanal im Osten.

Trogbrücke Mittellandkanal
Auf der Brücke

Geplant wurde der Mittellandkanal schon am Ende des 19. Jahrhunderts und ein Teilstück des Trogs der Elbeüberquerung wurde schon vor dem zweiten Weltkrieg fertiggestellt. Die 1934 begonnenen Bauarbeiten an der Kanalbrücke wurden kriegsbedingt 1942 eingestellt und erst nach dem Ende der deutschen Teilung wieder aufgenommen. Von 1998 bis 2003 wurde die Brücke für rund 130 Mio. Euro als Teil des gigantischen Wasserstraßenkreuzes Magdeburg gebaut. Mit rund 920 Metern Länge – davon 230 Meter als Strombrücke über die Elbe und 690 Metern als Vorlandbrücke – ist sie die längste Trogbrücke Europas.

Die Brücke beseitigt einen Engpass, der die vom Rhein aus in Richtung Berlin fahrenden Schiffe zwang, bei Magdeburg den Mittellandkanal zu verlassen, das Schiffshebewerk Rothensee zu passieren und über die Elbe abwärts einen 12 km langen Umweg zu fahren, um letztendlich über die Schleuse Niegripp in den Elbe-Havel-Kanal zu gelangen.

Trogbrücke Mittellandkanal

Entstanden ist ein durchweg schönes Bauwerk, dessen Trog mit seinen Stützen, die an Spanten erinnern, und den hohen Pfeilern, die wie Schiffsmasten in den Himmel ragen, an ein großes Schiff erinnert. Ein Eindruck, der noch verstärkt wird, wenn die Elbe Hochwasser führt und die Wiesen unter dem an Land stehenden Teil der Brücke überschwemmt sind.

Trogbrücke Mittellandkanal
Unten die Elbe, oben der Mittallandkanal

Nicht nur Schiffe, auch Fußgänger und Radfahrer können die Brücke nutzen, zu beiden Seiten des Wassers sind breite Wege angelegt. Es lohnt sich, hier einen Zwischenstopp einzulegen und die Autobahn an der Ausfahrt Hohenwarthe/Lostau zu verlassen und der Ausschilderung »Trogbrücke« zu folgen. Es sind nur wenige Kilometer zur Brücke und es stehen ausreichend kostenlose Parkplätze zur Verfügung. In der Nähe der Brücke befinden sich auch einige Gaststätten, z.B. die Waldschänke, wo man dann auch gleich einkehren kann.

Trogbrücke Mittellandkanal
Blick über die Elbe unter die Träger der Vorlandbrücke


39291 Hohenwarthe
www.wsa-magdeburg.wsv.de

„Wahre Geschichte“

15. Juni 2008 Kommentieren

sandkrugbruecke_5

Mitunter ist es schwer, Kunstwerke im öffentlichen Raum wahrzunehmen. Selbst wenn ein Schild darauf hinweist, wie hier am Geländer der Sandkrugbücke:

ÜBERGÄNGE

Künstlerische Zeichen
zur Erinnerung an die sieben innerstädtischen
Grenzübergänge, 1961-1989

Gabriele Basch
Wahre Geschichte
Warenzeichen aus Ost und West
Assistenz: Eva M.-Baumert

Senatsverwaltung für Bauen, Wohnen und Verkehr
Kunst im Stadtraum, 1997-1999

Man schaut sich um, kein Kunstwerk ist zu sehen. Dabei steht man hier schon auf dem Kunstwerk, einem Bodenmosaik auf dem nördlichen Gehweg der Brücke.

Über die Sandkrugbrücke verläuft der Mauerweg und auf ihr war einer von sieben Grenzübergängen der einst geteilten Stadt. Einige Jahre nach dem Fall der Mauer wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, um geeignete Ideen zu finden, wie mit künstlerischen Mitteln die Vielschichtigkeit des Themas Übergang dargestellt werden kann.

sandkrugbruecke_1  sandkrugbruecke_2

Eine der Preisträgerinnen war Gabriele Basch, deren Mosaik Zeichen und Symbole aus den beiden deutschen Staaten zeigt. Warenzeichen und politische Symbole, die nach 1990 eine andere Bedeutung bekommen haben. Die traditionelle Form des Mosaiks lässt dem vorüber- oder besser darübergehenden Betrachter die Zeichen wie Überbleibsel einer vergangenen Kultur erscheinen.

Wenn er sie denn überhaupt sieht, denn das Mosaik ist kaum acht Jahre nach seiner Anlage schon weitgehend in Auflösung begriffen. Vor allem im östlichen Teil ist kaum noch ein Signet zu entziffern – ist das Zufall?


Invalidenstraße, Auf der Sandkrugbrücke, Berlin
www.publicartwiki.org

Gustav-Heinemann-Brücke

7. Juni 2008 Kommentieren

Die Gustav-Heinemann-Brücke ist sicher die am meisten benutzte Fußgängerbrücke in Berlin. Sie führt direkt vom Washingtonplatz vor dem Hauptbahnhof über die Spree zum Spreebogenpark. Und zum Capital Beach, der zwar ohne Beach auskommen muss, aber unmittelbar an den Gestaden der Spree liegt. Obwohl die Brücke erst rund drei Jahre alt ist, latschen offensichtlich so viele Touristen und wohl auch ein paar Eingeborene über sie, dass ihre Laufbahn aus Holzbohlen abgenutzt ist und ein Warnschild »Gehwegschäden« aufgestellt werden musste.

gustav-heinemann-bruecke

Eine nette Anekdote ist die Tatsache, dass die Brücke nach einem Mann – dem früheren Bundespräsidenten (1969–1974) Gustav Heinemann – benannt wurde, obwohl es doch den Beschluss der BVV Mitte gibt (den sie vom früheren Bezirk Tiergarten übernommen hat), alle neuen Straßen nach Frauen zu benennen, bis die Quote stimmt. Aber eine Brücke ist eben keine Straße …

Wollt ihr auch technische Details wissen? Bitte: Die nato-olivgrün gestrichene Stahlbrücke hat eine Breite von 5 m und eine Gesamtlänge von 88 m, wobei die freie Spannweite zwischen den beiden Pfeilern 66 m beträgt. Sie wiegt 220 t, das habe ich aber nicht nachgewogen.

Den Entwurf für die Brücke lieferte das Schweizer Architekturbüro Max Dudler. Irgendwie haben die Schweizer hier in der Nähe ihrer Botschaft das Heft fest in der Hand, stammt doch auch der Entwurf für den Spreebogenpark von zwei Schweizer Landschaftsarchitekten.


Rahel-Hirsch-Straße, Moabit , 10557 Berlin
www.stadtentwicklung.berlin.de

Perleberger Brücke

25. März 2008 1 Kommentar

perleberger_bruecke

Die Perleberger Brücke verbindet Moabit mit Wedding. Sie ist einer der Hauptverbindungswege von Süd nach Nord und als sie während des Neubaus im Mai 2001 für vier Wochen gesperrt war, musste der Autoverkehr weite Umwege nehmen.

Mit einer Länge von 105 Metern überspannt die Stahlbrücke das Bahngelände mit der Verbindung zwischen dem Hauptbahnhof und dem westlichen Eisenbahnring (Richtung Jungfernheide). Über die Brücke spannt sich in weitem Bogen und auf dreizehn hohen Stelzen der sogenannte »Overfly«, eine 570 Meter lange Betonbrücke, auf denen zwei Gleise die untere Etage des Hauptbahnhofs mit dem östlichen Ring (Richtung Gesundbrunnen) verbinden. Von der Perleberger Brücke selbst sieht man nicht viel, wenn man über sie fährt, auffallend sind vielleicht nur die Fußgängerleuchten, die auf schlanken 3,50 Meter hohen, nach außen kragenden Trägern angebracht sind.

Die vielen Baustellen, mit denen die Brücke und die Umgebung – auch zur Zeit wieder – gesegnet ist, führen auch schon mal zu deftigen Berliner Geschichten.

Die Brücke ist wegen des heftigen Verkehrs nicht wirklich ein so schöner Ort, um den Sonnenuntergang zu beobachten, wie es die Modersohnbrücke ist, aber interessant ist die Aussicht schon, denn hier steht man direkt über dem breiten Gürtel aus Bahn- und Industrieanlagen, der Moabit im Norden und Osten so wirkungsvoll von seinen Nachbarn trennt. Auf der einen Seite schaut man auf das Ödland des inzwischen abgeräumten Hamburg-Lehrter-Güterbahnhofs, auf den Hauptbahnhof und auf die Silhouette von Mitte mit Fernsehturm, Berliner Dom und Charité. Auf der anderen Seite erblickt man gleich zwei Kraftwerke, die vor sich hin dampfen, im Vordergrund das Kraftwerk Moabit, das gleich neben den Gleisen steht, und im Hintergrund das Kraftwerk Reuter in Charlottenburg, dazwischen das Verwaltungsgebäude des Westhafens.

perleberger_bruecke_sued perleberger_bruecke_nord

Vor Jahren ist daran gedacht worden, im Rahmen der neu zu bauenden Nord-Süd-Verbindung der S-Bahn Linie 21, die von Gesundbrunnen über den Hauptbahnhof zum Südkreuz führen sollte, hier den S-Bahnhof Perleberger Brücke zu bauen. Diese Pläne sind aber schon länger in der Schublade verschwunden, ebenso wie die ganze Linie 21 uns in absehbarer Zeit nicht beglücken wird – S-Bahn hat 20 Jahre Verspätung titelt der Tagesspiegel passend dazu. Während der Fußballweltmeisterschaft 2007 verkehrte die Line S21 vorübergehend mit aus München geliehenen S-Bahn-Zügen, so dass man mit MVV-Wagen durch Berlin fahren konnte.


Perleberger Straße, 10559 Berlin
www.gregull-spang.de

Wasserstadtbrücke

20. März 2008 Kommentieren

Gleich zwei ziemlich große Brücken überqueren nördlich der Spandauer Altstadt das Wasser der Havel. Den Autofahrer freut es, den Segler verdrießt es. Sie verbinden die Ortsteile Hakenfelde im Westen mit Haselhorst im Osten, die bebaute Havelspitze mit dem weitgehend öden Haveleck. Die neuere der beiden Brücken ist die Wasserstadtbrücke, auch Nordbrücke Oberhavel genannt.

waserstadtbrucke_5

Gebaut wurde sie in den Jahren 1999–2001 für rund 46 Millionen DM nach preisgekrönten Entwürfen der Architekten Dörr, Ludolf, Wimmer und des Ingenieurbüros Herbert Fink, geplant zu den Zeiten, als der Glaube an den

Erfolg der Neubebauung des gesamten Areals zu beiden Seiten der Havel – der _Wasserstadt Oberhavel_ – noch ungebrochen war. Nur ein Teil der Pläne ist bis heute umgesetzt, die Wasserstadt GmbH als Entwicklungsträger inzwischen in Liquidation. Rund 600 Millionen Euro hat das Land Berlin hier an Zuschüssen investiert.

waserstadtbrucke_1

Die Brücke jedoch ist ein schönes Bauwerk, flach und schlank erstreckt sie sich mehr als 250 Meter über den Fluss. Getragen wird die Stahlbrücke von ungewöhnlichen Pfeilern: jeweils vier mächtige Stützen aus Beton wachsen breitbeinig in Form von Pyramiden aus dem Wasser. So brauchen die Pfeiler keinen zusätzlichen Rammschutz, denn ein Schiff, das einen Pfeiler rammt, schiebt sich in die Höhe, wobei die Aufprallenergie verzehrt wird – pfiffige Ingenieurskunst, die auch der Schönheit dient.


Daumstraße, Spandau, 13587 Berlin
www.stadtentwicklung.berlin.de