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Artikel getaggt mit ‘Charlottenburg’

Sie konnten zusammen nicht kommen …

18. Oktober 2009 9 Kommentare

Zwei Birken in luftiger Höhe

Zwei Birken. Gesehen auf dem Gelände der Gebauer-Höfe am Charlottenburger Ufer der Spree, unweit der Gotzkowskybrücke.

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Waldfriedhof Heerstraße

15. August 2008 1 Kommentar

Sausuhlensee – schon wieder so ein Wort, für das man unsere Muttersprache einfach nur lieben kann. Der See mit diesem schönen Namen bildet den Kern des Waldfriedhofs Heerstraße im Charlottenburger Westen. Und der Name scheint Programm, zumindest veröffentlicht das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf auf berlin.de über den Sausuhlensee folgenden schönen Text:

»Die parkähnliche Friedhofsanlage inmitten eines Waldgebietes wird von der Fauna nicht respektiert, wie eine zeitweilige Sperrung des Friedhofes im April 2000 zeigt, als zwei Bachen mit ihren Frischlingen am Sausuhlensee (nomen est omen) ihre Kinderstube eingerichtet hatten und zur Bedrohung für Friedhofsbesucher wurden.«

An den Eingängen des Friedhofs finden sich folglich auch große Hinweisschilder mit der Bitte an die Besucher, die Tore immer geschlossen zu halten.

Waldfriedhof Heerstrasse Waldfriedhof Heerstrasse
Wildschweingefahr

Ein Friedhof mit einem See darin – das findet man nicht so oft. Aber es ist nicht nur der See, der diesen Friedhof zu einer der ungewöhnlichsten Begräbnisstätten der Stadt macht: Das Gelände fällt von den Rändern her zum See hin um rund zwanzig Meter ab, so dass die Grabfelder zum größten Teil terrassenförmig angelegt sind. Viele Grabstätten liegen dicht am Wasser oder haben zumindest einen freien Blick aufs Wasser. Welch schöner Gedanke, von seinem Grab aus auf das Wasser sehen zu können.

Waldfriedhof Heerstrasse
Gräber direkt am See

Der allen Konfessionen offen stehende Friedhof Heerstraße ist ein junger Friedhof: Er entstand zwischen 1921 und 1924 nach Plänen des Charlottenburger Gartendirektors Erwin Barth. Unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg wurde er nach Osten hin erweitert. Der neue Teil, der die Anlage fast auf das Dreifache ihrer ursprünglichen Fläche wachsen ließ, ist gärtnerisch nur wenig gestaltet und ganz in den Wald eingebettet.

Waldfriedhof Heerstrasse
Rondell aus Eiben und Buchen

Der ältere Teil hingegen ist als Park angelegt. Er hat ein großes Rondell zum Mittelpunkt, von dem aus die Hauptwege des Friedhofs sternförmig entspringen. Zum See hin löst sich die strenge Form allmählich auf.

Der Friedhof ist bekannt für die große Zahl von Grabstellen bekannter Persönlichkeiten, insbesondere von Schriftstellern, Musikern, bildenden Künstlern und populären Schauspielern, darunter Joachim Ringelnatz, Arno Holz, Oskar Sala, Leo Blech, George Grosz, Georg Kolbe, Tilla Durieux, Horst Buchholz, Klausjürgen Wussow …

Waldfriedhof HeerstrasseGrabmal Georg Kolbe und Familie

Das von Georg Kolbe für die eigene Familie selbst entworfene Grabmal ist eines der bedeutendsten des Friedhofs: Zwischen vier großen Marmorplatten ragen drei feine Säulen empor. Die linke steht für die Erde, die rechte für den Himmel, und die mittlere erinnert mit ihrem Engelsköpfchen an die früh verstorbene Frau des Künstlers.


Trakehner Allee 1, Am Olympiastadion, 14053 Berlin
030 3430 6406

www.berlin.de

rdo – Restaurant Deutsche Oper

6. Juni 2008 Kommentieren

4birnenBismarckstr. 35, Charlottenburg, 10627 Berlin
030 39501040

www.rdo-berlin.de

täglich ab 18:00

restaurant_deutsche_oper5

Seit der Spielzeit 2006/2007 hat die Deutsche Oper eine eigene Gastronomie: Das »Restaurant Deutsche Oper«, das sich kurz mit »rdo« bezeichnet, wurde in der früheren Kantine der Oper eingerichtet. Es bietet sich natürlich an, hier nach der Vorstellung einzukehren. Man kann hier sowohl drinnen sitzen, als auch draußen, um die schönen Frühsommerabenden dieses Jahres zu genießen – um die Wasserspiele herum, die den Platz rechts von der Oper schmücken, der in wenigen Tagen in Götz-Friedrich-Platz umbenannt werden wird.

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Die Einrichtung des Lokals ist etwas kühl aber gediegen: viel Holz und zum Teil mit Möbeln und Lampen ausgestattet, von denen einige Erinnerungen an die 70er Jahre aufkommen lassen. Meinen ersten und bisher einzigen Besuch stattete ich dem Restaurant in einer Gruppe von rund 20 Personen nach der Aufführung der großartigen Oper »Jeanne d’Arc – Szenen aus dem Leben der heiligen Johanna«.
ab. Was mir dabei besonders positiv aufgefallen ist, war die überaus freundliche und gut organisierte Bedienung. Kurz nachdem unsere Gruppe Platz genommen hatte, kam eine Kellnerin an unseren Tisch und stellte sich als für uns zuständig vor.

Hier klappte alles: das Bestellen, die Getränkelieferung, das Nachbestellen, das Bezahlen – alles ohne Makel, unkompliziert und flink. Auch das Essen kam in überaus angemessener Zeit, hatte ich mich doch bei vollem Haus auf lange Wartezeiten eingestellt. Ich nahm nur eine Vorspeise, einen Spargelsalat, der mir ganz gut schmeckte, wenn ich ihn auch mit etwas weniger Balsamico lieber gemocht hätte. Der Preis war mit rund 10 € durchaus angemessen, umso mehr, als man mir eine zweite Portion Brot samt Butter und Quarkdip anbot.

Auf der Homepage kann man immerhin bis zwei Stunden vor einer Vorstellung reservieren, ob das klappt, habe ich nicht ausprobiert – ich habe aber gewisse Zweifel an der Internetfähigkeit des Betriebs, denn die Wochenkarte war Anfang Juni 2008 nicht sonderlich aktuell, sondern zeigte eine Wochendauer von »Fr, 21.03.2008 – Mi, 31.12.2008« (sic).

Betreiber des Restaurants ist die Nürnberger Hattenbach-Gastronomie.

Minigolfplatz am Grunewaldturm

21. April 2008 Kommentieren

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Minigolf ist für mich ein Sonntagsvergnügen aus dem Pleistozän der Kindheit, und ich bin immer wieder erstaunt, wenn ich eine solche Sportanlage erblicke. In Berlin, zumindest im ehemaligen West-Berlin, scheint es noch viele davon zu geben, meistens irgendwo an einem der vielen Seen, dort, wo sich am Wochenende der Stadtbewohner von den Mühen der Arbeitswoche erholen möchte. Ein Spielchen Minigolf gehört dazu.

Eine ganz besondere Anlage gibt es am Fuße des Grunewaldturms, mit grandiosem Blick vom immerhin 79 Meter hohen Karlsberg hinab auf die Havel.

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Ein dekorativer gelber Schriftzug »Miniatur Golf«, der irgendwann in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts angebracht wurde, ziert eine dunkelbraune Holzhütte, die zwar Ende März noch geschlossen ist, aber in der Saison ganz sicher dem Platzwart samt Kasse ein Obdach bietet.

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Überhaupt die Hütte. Sie trägt so einiges an ihren Wänden. Unter einem Paar sportlich gekreuzter Minigolfschläger lesen wir: »Vorsicht beim Schlagen, links und rechts vom Spieler ausreichend Platz freihalten«, ganz so, als ob hier ab und zu »echte Golfer« herkämen, um den Ball mit Schmackes auf das andere Ufer der Havel zu befördern und in Gatow einzulochen. Und man nimmt mit Erstaunen zur Kenntnis, dass es eine Fédération internationale de Golf miniature gibt, zumindest aber gegeben hat, die für die international geltenden Spielregeln zuständig war. Eine Kurzfassung der Regeln für den Bahnengolfsport, die einst der heute nicht mehr existierende Deutsche Allgemeine Miniaturgolf-Sportverband e.V. abgesegnet hatte, ist an die Hütte genagelt.

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Nicht nur die Minigolfer kommen hier gerne her, auch die Wildschweine finden den Platz sehr einladend: Die Bahnen stehen zwar noch fest im märkischen Sand, dazwischen aber haben sie den Boden gepflügt, und zwar gründlich. Es fehlt eigentlich nur noch der Landmann mit seiner Egge. Mitten auf dem frisch gepflügten Acker zwischen den Minigolf-Bahnen steht der Rest einer Modelleisenbahn: Ein Schienenoval auf einer in Auflösung begriffenen Spanplatte, ein Modellbahnhäuschen ohne Dach, ein paar herunterhängende Kabel verkünden die Nachricht von der Vergänglichkeit alles Irdischen.

Und doch wird die Anlage selbst bei den wintermantelfordernden Temperaturen des diesjährigen Frühlings bespielt, denn bei Abwesenheit des Platzwartes kann man sich Schläger und Bälle im Restaurant besorgen.


Havelchaussee 61, 14193 Berlin
030 3000730
Öffnungszeiten: Mo-Fr: 11 bis 19 Uhr, Sa-So: 9:30 bis 19 Uhr

Renaissance-Theater

15. Januar 2008 Kommentieren

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Auf dem spitzen Dreieck zwischen Hardenbergstraße und Knesebeckstraße ließ sich der Akademische Verein »Motiv« 1902 sein Vereinshaus bauen. Die Restaurationsräume des Vereins wurden 1919 zu einem Kinosaal umgebaut, in dem schließlich 1922 der junge Wiener Schriftsteller Theodor Tagger das Renaissance-Theater eröffnete. Trotz der vielen zeitgenössischen Stücke, die er hier mit bekannten Schauspielern inszenierte, blieb dem wegen seines engen Saals so genannten »Schlauchtheater« der Erfolg versagt.

Ende 1926 baute der bekannte Theaterarchitekt Oskar Kaufmann, der u.a. auch die Pläne für das Hebbeltheater und die Volksbühne geliefert hatte, das Haus zu einem vollwertigen Theater um. Dabei erhielt es seine bis heute erhaltene Innenausstattung mit ihrer expressionistischen Formenvielfalt. Der Zuschauerraum wird ganz durch rötliches Rosenholz bestimmt. Unverwechselbar und einzigartig sind die großflächigen Intarsienbilder im Rang mit Darstellungen von Szenen aus der Commedia dell’Arte, die der Künstler César Klein schuf. Das Renaissance-Theater ist mit dieser Ausstattung das einzige vollständig erhaltene Art-Déco-Theater Europas und steht vollkommen zu Recht unter Denkmalschutz.

renaissance-theater

Neuer Theaterdirektor nach dem Umbau war der Regisseur Gustav Hartung, er leitete das Haus bis 1930. Ein großer Erfolg war das 1929 von ihm inszenierte Drama »Krankheit der Jugend« von Ferdinand Bruckner. Erst Jahre später wurde offenbar, dass sich hinter diesen Pseudonym der Theatergründer Tagger verbarg.

In der Spielzeit 1932/33 war das Theater geschlossen, danach wurde überwiegend seichte Unterhaltung geboten, bis es 1943 unter dem Intendanten Heinrich George das »Kleine Haus des Schiller-Theaters« wurde.

Nur wenige Tage nach Kriegsende, am 27. Mai 1945, fand im Renaissance-Theater die erste Theatervorstellung im zerstörten Berlin statt. 1946 erfolgte dann die Aufnahme des regulären Spielbetriebs und bald war das Theater Bühne für fast alle bekannten deutschen Schauspieler. Heute hat das Theater unter Leitung von Horst-H. Filohn einen Spielplan, der überwiegend Stücke zeitgenössischer Autoren umfasst und einerseits Unterhaltung auf hohem Niveau bietet, andererseits die Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen Erscheinungen nicht scheut. Außerdem finden hier seit mehr als zwanzig Jahren die Lesungen der »Berliner Lektionen« statt.


Knesebeckstraße 100, Charlottenburg, 10623 Berlin
030 3124202
www.renaissance-theater.de

Kassenöffnungszeiten: Mo-Fr: ab 10.30h, Sa: ab 10h, So: ab 13h
bis eine Stunde vor Vorstellungsbeginn, anschließend Abendkasse

Delphi Filmtheater

22. November 2007 Kommentare aus

Kantstr. 12 A, 10623 Berlin
+49 30 3121026
www.yorck.de

delphi

Durch die Jahrzehnte gehört das Delphi zu den Kinos, in denen ich mir immer wieder gerne einen Film anschaue. Ein großer Saal mit genügend Luft zum Atmen, Sesselreihen mit hinreichend Abstand, inzwischen sogar mit Sitzkomfort, ansprechendes Programm, kein Popcorn. Hier erklingt noch der klassische Kino-Gong und man vermisst geradezu die Verkäuferin, die aus ihrem Bauchladen Langnese-Eiskrem-Konfekt unters Kinovolk bringen möchte.

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Eine moderne Tonanlage mit drei- und vierbuchstabigen Abkürzungen gibt es auch, jedenfalls war der wunderschöne Schweizer Film »Heimatklänge«, den ich hier letztens gesehen habe, von bestem Ton begleitet. Und auch bei »Rhythm is it« gab’s am Ton nichts zu mäkeln.

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BagCo

22. November 2007 Kommentieren

4birnenKantstraße 154a, Ecke Fasanenstraße, 10623 Berlin
+49 30 31004774
Öffnungszeiten: Mo-Fr 7:30 bis 20Uhr, Sa-So 8:30 – 20 Uhr

Was für ein Name. Unaussprechlich. Aber besser als zuvor, denn ursprünglich hieß der Laden »CroBagCo«. Ein wahrhaft einprägsames Kürzel für die hier erhältlichen Genussmittel: Croissant, Baguettes, Coffee. Es scheint, dass die auf den Berliner U-Bahnhöfen vertretene Kette »LeCroBag” die erste Silbe, nicht aber die Croissants, weggeklagt hat, so dass der Laden nun »BagCo« heißt. Immer noch kein schöner Name (ein US-amerikanischer Hersteller von wiederverschließbaren Plastikbeuteln bedient sich auch dieses Kürzels).

Nach einem sonnmittäglichen Kinobesuch im Delphi bin ich mit Freunden hier gelandet – war das naheliegendste, einmal übern Damm. Die Inneneinrichtung des Etablissements ist ein wenig wahllos zusammengewürfelt. Man sitzt auf hohen Barhockern am Schaufenster entlang, es stehen aber auch ein paar normale Tische im hinteren Bereich.

In der Theke ein interessantes Angebot verschiedener Kuchen. Ansonsten gibt es die üblichen Coffeeshop-Heißgetränke. Dankenswerterweise führt die Bestellung eines Cappuccinos hier nicht zu einer Inquisition, in deren Rahmen man Auskunft darüber erteilen muss, welche Größe man haben möchte, ob mit Milch oder Sahne, mit Kakao oder Zimt, mit irgendwelchen weiteren Zusätzen zur Entfernung des Kaffeegeschmacks, … Und seinen Namen muss man auch nicht nennen, auf dass er fünf Minuten später durchs Lokal gerufen werde. Das fand ich angenehm und eine extra Brirne wert. Und der Kuchen schmeckte auch gut.

Kategorien:Essen und trinken Schlagworte: ,

Restaurant Ottenthal

26. Oktober 2007 1 Kommentar

Kantstraße 153, Charlottenburg, 10623 Berlin
+49 30 3133162
www.ottenthal.com

ottenthal

Ein wenig wie im S-Bahn-Bogen schaut es schon aus, das Innere des österreichischen Restaurants Ottenthal auf der Kantstraße.

ottenthal-schnitzelDer Kartoffelsalat, der zum Wiener Schnitzel gereicht wurde, war auch hier – einer Unart der deutschen Lebensmittelindustrie und auch vieler Küchen folgend – Zucker hinzugefügt worden, und zwar so viel, dass er heftig süß war. Und die Beilagen zur ansonsten ausgezeichneten Kalbsleber, die meine weibliche Begleitung hatte, nämlich »Erdäpfel-Kräutertascherl und bunter Salat mit Bio-Ziegenkäse« waren kein Glanzlicht, der Salat so gut wie ohne Dressing, statt dessen jedoch mit Him- und Brombeeren, die wohl zum Attribut »bunt« beitragen sollten, verziert.

Ich halte einen Preis von glatten 6 € für eine Flasche Mineralwasser für völlig überzogen. Dass das Wasser aus Österreich importiert wird, ist zudem nichts anderes als ökologischer Unsinn und passt nicht gut zum Konzept, die Gerichte aus Bio-Fleisch zuzubereiten. Dazu passt allerdings, dass hier der Wein in Probiergläsern in der homöopathischen Dosis von 5 cl ausgeschenkt wird.

Alles in allem zwar ordentlich, aber kein geschmacklicher Höhenflug und, weil ich nicht darauf stehe, beim Essen Prominente treffen zu müssen, kein großer Anreiz für mich, hier noch mal hinzugehen.

Kurfürstendamm

24. Oktober 2007 Kommentieren

Man kennt sie, diese Straße, auch außerhalb von Berlin. Oft, wenn man Silben sparen will, wird sie kurz Ku’damm genannt. Damm heißt eine Straße meines Wissens auch nur in Berlin und in Hamburg. Und Kurfürstendamm heißt dieser Damm ganz zu recht, denn zwischen Brandenburgischer Straße und Halensee ist er eine praktische Landkarte der Brandenburgischen Markgrafen, Kurfürsten und deren Gemahlinnen. Die Querstraßen südlich und nördlich des Kurfürstendamms sind nämlich überwiegend nach ihnen benannt, wobei die chronologische Reihenfolge im Großen und Ganzen von Ost nach West verläuft.


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Nun muss ich sie natürlich auch aufzählen. Das wird eine beachtliche Liste, und Jahreszahlen werde ich euch auch diesmal nicht ersparen. Wer soviele Details nicht lesen will, kann hier aufhören. Dann darf sie oder er sich aber auch nicht beschweren, wenn es mal wieder schwer fällt, sich zu erinnern, ob es nun die Joachim-Georg-Straße oder die Georg-Sigismund-Straße ist, die man gerade sucht.

Beginnen wir mit der Eisenzahnstraße: Sie ist benannt nach Friedrich II. (1413-1471), den man auch den Eisernen oder eben Eisenzahn nannte.

Ihr folgt die Albrecht-Achilles-Straße, benannt nach Albrecht III. Achilles (1414-1486), einem Bruder des Letztgenannten. Den Beinamen Achilles verlieh ihm Papst Pius II.

Die Cicero-Straße hat ihren Namen von Johann Cicero (1455-1499), einem Sohn von Albrecht III. Den Beinamen Cicero erhielt er wegen seiner Bildung und der Förderung humanistischer Studien.

Auch die Nestor-Straße trägt einen Beinamen: den des Joachim I. Nestor (1484-1535), eines Sohns des Johann Cicero. In die Zeit seiner Herrschaft fällt die Gründung der Frankfurter Universität Viadrina. Er war der letzte katholische Kurfürst Brandenburgs.

Die Markgraf-Albrecht-Straße tanzt chronologisch aus der Reihe, ist sie doch nach Albrecht I. dem Bären (ca. 1100-1170) benannt, dem Begründer der Mark Brandenburg.

Die Hektor-Straße trägt ihren Namen nach Joachim II. Hektor (1505-1571), einem Sohn des Joachim I. Nestor und der Elisabeth von Dänemark. Er führte 1539 die Reformation in Brandenburg ein. Aus dem Knüppeldamm, den er vom Berliner Schloss zum Jagdschloss Grunewald anlegen ließ, wurde später der Kurfürstendamm.

Die Johann-Georg-Straße, die nicht direkt in den Kurfürstendamm mündet, ist – wen wundert’s – nach Johann Georg (1525-1598) benannt, einem Sohn des zuvor Genannten. Sein Beiname »Oeconomicus« weist darauf hin, dass er die von seinem ausgabefreudigen Vorgänger hinterlassene Überschuldung und das Finanzchaos im Haushalt beseitigte.

Sein Sohn (1546-1608) wiederum gab der Joachim-Friedrich-Straße, die sich beidseits des Kurfürstendamms erstreckt, den Namen.

Von Norden mündet die Katharinenstraße ein, benannt nach Katharina Markgräfin von Brandenburg-Küstrin (1549-1602), der Gattin des Joachim Friedrich.

Der Sohn der beiden Letztgenannten (1572-1619) ist Namensgeber der Johann-Sigismund-Straße, die – auch nicht ganz chronologisch – »vor« seiner Mutter nach Süden abgeht.

Georg-Wilhelm (1595-1640) gab seinen Namen der Straße, die als nächste nach der Katharinenstraße nach Norden abgeht. Er ist ein Sohn des Johann-Sigismund.

Den Abschluss macht der Henriettenplatz direkt über dem S-Bahnhof Halensee, der nach Louise Henriette von Nassau-Oranien (1627-1667) benannt ist, der Gattin des Friedrich Wilhelm (1620-1688). Der große Kurfürst, Sohn des Georg Wilhelm, hat eigenartigerweise hier keine Querstraße.

[Ich danke meinem Freund Udo, der sich die Mühe gemacht hat, eine Liste von Berliner Straßennamen zu erstellen, in denen sich Brandenburgische Geschichte widerspiegelt.]

kurfuerstendamm

Damit dieser Beitrag nicht nur einer über die Nebenstraßen des oberen Kurfürstendamms wird, hier wenigstens ein paar Informationen zum Thema: Die Anregung zum Ausbau des Damms zur Prachtstraße geht auf Otto von Bismarck zurück. Eine Kabinettsorder legte 1875 die Straßenbreite auf 53 Meter fest, fertiggestellt wurde sie 1886. Die Finanzierung des Ausbaus lag ganz in privater Hand und gelang erst nach mehreren Anläufen: die »Kurfürstendamm-Gesellschaft« erhielt zum Ausgleich ein Vorkaufsrecht auf Bauland im Grunewald, um dort eine Villenkolonie anlegen zu können. Die Straße entwickelte sich schnell von einer vornehmen Wohnstraße zum eleganten Einkaufsboulevard und Literaten- und Künstlertreff. Der Kurfürstendamm war und ist der Einkaufs- und Flanierboulevard des Berliner Westens.


Kurfürstendamm, 10719 Berlin

Restaurant Moustache

29. September 2007 Kommentieren

3birnenGalvanistr. 12, 10587 Berlin
+49 30 3423094
www.restaurant-moustache.de
Öffnungszeiten: Mo-Fr: 12-14:30h, 18-23:30h, Sa: 18-23h

moustache

»La tradition depuis 1976« lautet der Wahlspruch des Hauses.

Depuis 1976: So lange betreibt der Chef Gilles Papelian schon ein Restaurant in Berlin. Die Liebe hat den französischen Koch veranlasst, in Berlin sesshaft zu werden. Seit 1988 führt er nun schon das Restaurant Moustache hier in der Galvanistraße am Ufer des Landwehrkanals.

La tradition: Die klassische französische Kochkunst möchte er uns mit seinem Koch Jean-François Matineau näher bringen. Und das bedeutet, dass man hier nach den cholesterinspiegelschonenen Gerichten der nouvelle cuisine vergeblich sucht. Stattdessen gibt es hier kräftige französische Küche, mit schweren Saucen, in anständigen Portionen. Ein Fels in der Brandung, könnte man sagen, denn Restaurants dieser Gattung gibt es nur wenige noch in Berlin. Die Speisekarte führt dementsprechend französische Klassiker bis hin zum Chateaubriand. Sie wird ergänzt durch eine wechselnde Wochenkarte. Dazu gibt es immer wieder Themenabende mit Spezialitäten des Hauses, wie Couscous oder Cassoulet.

moustache-tricoloreBei meinem letzten Besuch hielt sich die Begeisterung allerdings in Grenzen. Der Kellner war unaufmerksam und stritt erst ab, dass es auch ein Abendmenü gab, das im ausliegenden Newsletter für 23 € angepriesen war. Erst nachdem er in der Küche nachgefragt hatte, konnte er die Zusammenstellung des Abendmenüs verkünden.

Alle aus unserer Gruppe – wir waren zu sechst – bestellten aus der Wochenkarte. Das Essen kam relativ zügig, wobei die Ente, die ich bestellt hatte, nicht richtig warm war. Auch sonst bereite sie keine wirkliche Freude, die Rotweinsoße war etwas eigenartig gewürzt (mehrere mutmaßten Oregano) und die Bandnudeln hatten einen eigenartigen Beigeschmack. Zwei von uns hatten Faux-Filet in Roquefort-Soße bestellt, einmal medium, einmal saignant. Der Kellner hat es tatsächlich geschafft, die Teller verkehrt zu servieren, was man natürlich zu spät merkt. Abgesehen von diesem Patzer, war die Roquefort-Soße wohl sehr gelungen.

Zum Nachtisch gab es Ile flottante und Crème brulée. Letztere wurde als gut befunden, die Ile flottante fand keine ungeteilte Zustimmung, meine Lieblingszicke nörgelte rum und fand die Ile selbst für eine Süßspeise zu süß, und der flüssige Karamell auf dem Eischnee und unter der Vanillesoße (!) erinnerte sie an aufgelöste Karamellbonbons.

Die Preise bewegen sich im oberen Mittelfeld, Hauptgerichte liegen zwischen 15 und 25 €, die Nachtische um 8 €. Deutlich zu teuer finde ich den Preis von 6 € für eine Flasche Wasser (mit 0,75l).