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Artikel getaggt mit ‘Havel’

Schloss Paretz

21. April 2013 6 Kommentare

Schloss Paretz

Dass das Schloss Paretz in seiner Schlichtheit die Bezeichnung Schloss eigentlich nicht verdiene, sondern eher als königliche Datsche, à la limite als Landhaus bezeichnet werden müsse, fand nicht nur der sachkundige Kunsthistoriker, der uns mit rund einem Dutzend anderer Sonntagsausflügler durch das Gebäude führte, auch Fontane sah es ähnlich, als er 1873 im dritten Band seiner Wanderungen durch die Mark Brandenburg schrieb: “So war ein Sommerschloß gewonnen, anmutig, hell, geräumig; aber in allem übrigen von einer Ausschmückung, die heutzutage kaum noch den Ansprüchen eines Torf-Lords genügen würde”.

Gebaut wurde das Schloss 1797 in wenigen Monaten nach Entwürfen von David Gilly unter Mitwirkung seines Sohns Friedrich als Sommerresidenz für den damaligen Kronprinzen und späteren König Friedrich Wilhelm III. und seine Gemahlin Louise von Mecklenburg-Strelitz. Der Kronprinz, sich wohl der geringen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des preußischen Königreichs bewusst, hielt die Architekten zur Sparsamkeit an, wie Fontane weiter berichtet: “[…] der Aufbau des neuen Schlosses [...] erfolgte nach einem Plane des Oberbaurats Gilly, in »ländlichem Stile.« »Nur immer denken, daß Sie für einen armen Gutsherrn bauen«, sagte der Kronprinz”.

Aus dem Paretzer Skizzenbuch
Schloss Paretz um 1800, Illustration aus dem Paretzer Skizzenbuch (Wikimedia, gemeinfrei)

Bis 1945 blieb das Schloss innen und außen im Wesentlichen im Originalzustand erhalten, erst nach dem Ende des zweiten Weltkriegs verschwand die Originalausstattung nach und nach, als das Gebäude einige Jahre als Flüchtlingslager diente. Bei späteren Umnutzungen zu DDR-Zeiten wurde auch massiv in die Bausubstanz und die Raumaufteilung eingegriffen. Die prächtigen Papiertapeten aus der Entstehungszeit des Schlosses – sowohl gemalte auch auch gedruckte – wurden 1947 abgenommen und im Neuen Palais in Sanssouci eingelagert und blieben so erhalten. Jahrzehnte später kamen sie von dort zur Restauration und schmücken – wieder am alten Platz – die Räume des Schlosses, dessen Rekonstruktion 1999 begonnen wurde und das seit 2001 für Besucher offen ist.

Schloss Paretz

Da ausreichend Dokumentationen über das Schloss und seine Einrichtung vorhanden sind, die bis zu den Namen der mit den einzelnen Gewerken beauftragten Handwerkern gehen, war es möglich, das Gebäude weitestgehend in den Zustand von 1797 zu versetzen. Natürlich sind die Möbel nicht mehr diejenigen, die ursprünglich hier standen, es wurden aber durchweg den Originalen entsprechende aus der gleichen Zeit und aus dem Besitz des preußischen Königshauses zur Ausstattung der Räume verwendet. Da der König auch hier sparsam war und nicht zum Prunk neigte, waren die schlichten Möbel oft mehrfach am Hof vorhanden.

Friedrich Wilhelm und Louise verbrachten zwischen 1797 und 1805 regelmäßig mehrere Wochen gegen Ende des Sommers in Paretz – Aufenthalte, die Fontane als glückliche Zeiten für die königliche Familie beschreibt: “In diesem also umgeschaffenen Paretz, das bei Freunden und Eingeweihten alsbald den schönen Namen »Schloß Still-im-Land« empfing, erblühten dem Königspaare Tage glücklichsten Familienlebens. Die Familie und die Stille waren der Zauber von Paretz.” Die Ruhe, so Fontane weiter, ließ man “gern durch die Heiterkeit des Dorfs unterbrechen” – das königliche Paar nahm stets an den alljährlichen Erntefesten teil.

Auch heute ist Paretz noch vergleichsweise abgelegen und ruhig und bietet sich für einen Ausflug an. Nach dem Besuch des Schlosses – möglichst mit Teilnahme an einer Führung – empfiehlt sich ein Spaziergang zur Havel und die Havel entlang, auf den Wegen, die schon Fontane beschritten hat. Wer danach Hunger und Durst verspürt, fahre die paar Kilometer nach Ketzin und kehre im Restaurant “An der Fähre” (eben genau dort) ein.

Paretz, das einstige preußische Musterdorf, ist inzwischen in schwäbischer Hand – angefangen mit dem Storchenhof, der fein hergerichtet einen schönen Platz für einen kleinen Imbiss bietet, der allerdings auch kein kleines Loch ins Portemonnaie schlägt, bis zur Breuninger-Stiftung, die den früheren Getreidespeicher zu einem Veranstaltungsort und Konzertsaal aufgehübscht hat, in dem sicher kein Dorffest (mit abschließender Schlägerei?) mehr stattfindet.


Schloss Paretz
Parkring 1, 14669 Paretz / Ketzin

0331 9694-200
Stiftung Preußische Schlösser und Gärten

Umgehungsgerinne in Brandenburg

30. Juni 2012 11 Kommentare

Umgehungsgerinne – was für ein Wort! Das muss ich mir irgendwann einmal anschauen, dachte ich mir, als ich las, dass im Rahmen des Verkehrsprojektes deutsche Einheit Nr. 17 an der unteren Havel-Wasserstraße in Brandenburg eine solche Fischaufstiegsanlage (noch so ein Wort!) gebaut worden ist. Nun war es soweit, denn ein Besuch der sehenswerten Ausstellung 1636 brachte mich in die Stadt an ebendieser Havel.

Am Rande der Innenstadt, dort, wo der Fluss im Laufe der Jahrhunderte viele kleine Inseln erschaffen hat, liegt die Mühlenhavel mit dem großen Havelwehr. Wie bei allen Wasserbauwerken ist seit 9/11 auch hier jeglicher Zugang unmöglich und man kann nur enttäuschend wenig von dem für immerhin 1,2 Millionen Euro errichteten Umgehungsgerinne sehen.

Das 2006 angelegte Umgehungsgerinne zieht sich rund 100 Meter in Form eines künstlich angelegten Wildbachs auf einem fünf Meter breiten Streifen parallel zur Mühlenhavel hin. Google Maps zeigt es in der Satellitenansicht in erkennbarer Qualität.

“Das Prinzip des Umgehungsgerinnes ist die weiträumige Umgehung eines Absperrbauwerkes und dessen Staubereichs in Form eines naturnah gestalteten Gerinnes im Nebenanschluß. Umgehungsgerinne stellen somit eine Verbindung zwischen Unter- und Oberwasser dar, über die ein Teil des Abflusses geleitet wird und die in einiger Entfernung zum Hindernis liegen.” schreibt die sächsische Wasserwirtschaft dazu. So ganz naturnah kann es natürlich nicht werden, wenn die Uferwände der Wasserstraße aus feinem Beton gegossen sind.

Hier ist der Austritt des Gerinnes am Unterwasser zu sehen, die deutlich erkennbare Strömung dient dazu, den Fisch anzulocken und auf den Einstieg aufmerksam zu machen. Und das scheint zu gelingen, schreibt das Wasserstraßen-Neubauamt doch dazu: “Mit dem Nachweis der seltenen und als gefährdet eingestuften Aalquappe konnten erste Erfolge festgestellt werden. Daneben bevölkern auch Aale, Rapfen, Barsche, Plötzen und Gründlinge das Gerinne.”

Aber nicht nur für Fische wurde hier gesorgt, Biber und Fischotter haben ein paar Meter weiter einen eigenen Einstieg und einen eigenen Wanderweg bekommen, was ihnen ermöglicht, das Wehr zu queren. Mit der neuen Anlage haben Fische und andere Tiere nun erstmals seit dem Beginn des Havelstaus im 13. Jahrhundert die Möglichkeit erhalten, stromaufwärts die Staustufe zu umgehen.

Fast kommt es einem so vor, als sei die Konzeption und Gestaltung von Fischaufstiegsanlagen eine eigene Ingenieurdisziplin, wenn man Dokumente wie “Bewertung von Fischaufstiegsanlagen in Mecklenburg-Vorpommern” liest. Hier finden sich auch weitere schöne Worte wie Sohlengleite, Störsteine, Pfahlfischpass, Aalleiter und Raugerinne-Beckenpass. Wer noch mehr wissen mag, dem sei das Kapitel Fischaufstiegsanlagen (PDF, 5 MB) aus dem Referenzenwerk zu diesem Thema, dem Handbuch Querbauwerke, aus NRW empfohlen.

BTW: WordPress sagt mir, dass dies mein 999. Artikel sei (777 sind eben doch nicht genug). Wenn das kein Grund zum Feiern ist!


Umgehungsgrinne am Wehr
Krakauer Straße, 14776 Brandenburg an der Havel
Wasserstraßen-Neubauamt Berlin

 

Guter Empfang

27. August 2011 3 Kommentare

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Astbruchgefahr

21. August 2011 2 Kommentare

“Meiden Sie den Aufenthalt unter den Bäumen” erscheint mir auf diesem Weg – wenn man ihn den gehen will – schwierig bis unmöglich.

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Schiffshebewerk Niederfinow

31. Mai 2010 9 Kommentare

Bereits 1620 wurde der Finowkanal als künstliche Wasserstraße zwischen Havel und Oder in Betrieb genommen, so dass Berlin eine Verbindung auf dem Wasserweg mit der Ostsee erhielt. Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Kanal weitestgehend zerstört und erst 1743 wieder aufgebaut. Er ist heute die älteste noch schiffbare künstliche Wasserstraße Deutschlands.

Die große Bedeutung für die industrielle Entwicklung von Eberswalde-Finow hat der Finowkanal mit der 1914 erfolgten Fertigstellung des Oder-Havel-Kanals verloren, der wesentlich größere Schiffe befördern kann und weniger Schleusen aufweist. Südlich der ehemaligen Schleusentreppe in Niederfinow, die den Höhenunterschied zwischen Barnim und Oderbruch ausgleicht, entstand nach langer Planungs- und Bautätigkeit das Schiffshebewerk Niederfinow. Es nahm 1934 seinen Betrieb auf sorgte für eine deutliche Verkürzung der Fahrzeiten, denn eine Schleusung mit dem Hebewerk dauert nur rund 20 Minuten.

Das Schiffshebewerk ist ein markantes Zeugnis der Ingenieurbaukunst, das viele interessante technische Details aufweist und dadurch auch eine hohe touristische Anziehungskraft besitzt (siehe auch die unten angegeben Website des Wasser- und Schifffahrtsamts, auf der unter vielem anderen eine Computeranimation zu sehen ist, die die Funktionsweise detailliert erläutert). Da es inzwischen an seine Kapazitätsgrenze gelangt ist und die modernen Schubverbände nicht mehr aufnehmen kann, wird auf dem Platz der früheren Schleusentreppe ein neues Hebewerk errichtet. Mal schauen, ob es auch so ein hohe Langlebigkeit aufweisen wird.


Schiffshebewerk Niederfinow
Hebewerkstraße , 16248 Niederfinow

033362 215
www.wsa-eberswalde.de

Besichtigungszeiten: im Sommer 9.00 bis 18.00, im Winter 9.00 bis 16.00 Uhr

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Havel, Oder, Richtung Haff

30. Mai 2010 10 Kommentare

Berlin liegt im Osten. Und eigentlich auch ein bisschen an der Ostsee. Jedenfalls ist man schnell dort, mit dem Auto oder mit dem Zug (mit dem Brandenburg-Ticket für 27 € fahren fünf Menschen nach Stettin und zurück, und das sogar schneller als mit dem Auto). Gemütlicher und langsamer geht es mit dem Schiff. Segeln kann man zwar auf den kanalisierten Flüssen Havel und Oder und den Kanälen nicht, aber unter Motor schafft man die rund 160 km nach Stettin gut in zwei Tagen. Einige Schleusen und das Schiffshebewerk Niederfinow liegen auf dem Weg, das bringt Abwechslung in die streckenweise doch etwas eintönige Tuckerei.


Auf dem Oder-Havel-Kanal

Vom Stößensee geht es auf der Havel durch die Spandauer Schleuse in den Niederneuendorfer See, an Hennigsdorf mit seinem Stahlwerk und den großen Schrotthalden, vorbei über Oranienburg, bis die Havel bei Liebenwalde nach Norden abzweigt und wir auf dem Oder-Havel-Kanal bleiben. Durch den Lehnitzsee geht es zur Lehnitzschleuse, die unter Sportschiffern nicht gut gelitten ist, da man hier in der Regel lange warten muss, bis man geschleust wird. Wir aber hatten Glück und durften sogar – was hier ganz und gar unüblich ist – mit der Berufsschifffahrt in die Schleusenkammer.


In der Lehnitzschleuse

Nach der Lehnitzschleuse fährt man etliche Kilometer durch Wald und Wiesen, was schon etwas eintönig werden kann, lässt Eberswalde rechts liegen und erreicht das Schiffshebewerk Niederfinow, wo es vom Barnim zum nördlichen Ende des Oderbruchs sechsunddreißig Meter abwärts geht.


Schiffshebewerk Niederfinow

Auch hier mussten wir nicht lange warten, der Trog war oben und der Schleusenwärter, der uns hatte kommen sehen, wartete netterweise auf uns, bevor er den Trog hinunterfuhr, um ein unten wartendes Frachtschiff heraufzuhieven. So waren wir das einzige Schiff im Trog.


Auf dem Oder-Havel-Kanal bei Liepe


Auf der Alten Oder bei Oderberg

Im Oderbruch direkt hinter dem Hebewerk erstreckt sich eine ganz wunderbare Fußlandschaft mit Blick auf die sanften und im Mai satt grünen Hügel der Oderberge. Vorbei an den den Orten Liepe und Oderberg, wo der Kanal in die Alten Oder übergeht, erreicht man bald das untere Ende des Oder-Havel-Kanals. Hier liegt die Schleuse Hohensaaten, ein Wasserbauwerk aus den 1960er Jahren, vor der wir die Nacht verbrachten und einen Spaziergang zur nahegelegenen Oder machten, in deren Auen die Frösche ein gewaltiges Abendkonzert veranstalteten (und die Mücken dankbar für das frische Blut waren).


Abendstimmung an der Schleuse Hohensaaten

Am nächsten Morgen ging es dann früh durch die Schleuse in die Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße und damit in den Nationalpark Unteres Odertal. Zwischen diesem 1926 fertiggestellten Kanal und der ein wenig östlicher verlaufenden Oder erstreckt sich eine Wiesen- und Auenlandschaft, die von vielen Wasserläufen der alten Oder durchzogen. Diese Polder werden bei Hochwasser geflutet und nehmen große Mengen Wasser auf. Bei Friedrichsthal endet der Kanal und mündet in den westlichen der beiden Oderarme.


Polderlandschaft an der Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße

Nach einem vergleichsweise kurzen Stück auf der Oder verlässt man kurz hinter der früheren Hansestadt Gartz die Uckermark (und damit auch Deutschland) und ist bald darauf auch schon in Stettin mit seinen scheinbar endlosen Hafen- und Industrieanlagen.


Hafenanlagen in Stettin

Die zweite Nacht verbrachten wir im Hafen der Marina Gocław am nördlichen Rand von Stettin. Dort stellten wir noch am gleichen Tag den Mast, denn die beiden weiteren Brücken auf unserer Fahrt würden Klappbrücken sein. Und mit gestelltem Mast lässt’s sich besser segeln.


Mit gestelltem Mast in der Marina Gocław

Fortsetzung: Haff, Uecker, Peenestrom.


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Schrott

30. Mai 2010 4 Kommentare

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