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Castelluccio, bunt
Wunderschön ist die Hochebene von Castellucio eigentlich zu jeder Jahreszeit (im Winter war ich noch nicht dort, aber was ich an Fotos gesehen habe, überzeugt), in besonderer Pracht zeigt sie sich Ende Juni/Anfang Juli, wenn die Linsenfelder rund um den Ort Castelluccio in voller Blüte stehen.
Dabei sind es nicht die Linsen selbst, die hier auffallen, denn deren Blüte ist völlig unspektakulär: kleine, kaum wahrnehmbare weiße Sternchen schmücken die nur rund 30 cm hohen Linsenpflanzen. Vielmehr sind es hauptsächlich der rote Klatschmohn (papavero), die blaue Kornblume (fiordaliso,) und die gelbe Rapsblüte (colza), die auf den wie Teppichen nebeneinander liegenden Feldern eine große Farbenpracht entwickeln.
Die Farben sind dabei ziemlich genau auf die einzelnen Felder begrenzt, eines blüht rot, das nächste gelb und wieder eines erstrahlt in diesem unwirklichen Blau.
Weil beim Linsenanbau rund um Castelluccio keine Herbizide zum Einsatz kommen (alles bio!), können auch die Blumen sich entfalten, und weil jeder Bauer sein Feld immer schön in Längsrichtung pflügt, bleiben die Samen der Blumen ziemlich genau auf einem Feld, so dass sich eine gewisse Sortenreinheit der bunten Blumen einstellt.
Selbstverständlich ist das Erlebnis der Blütenpracht jedes Jahr ein wenig anders, das Wetter bestimmt eben, welche Pflanze wann blüht.
Bald nach der Farbenpracht werden die Linsen geerntet, danach trocknen sie ein paar Wochen, bevor sie im August gedroschen werden. Und dann kann man sie endlich frisch kaufen, um so leckere Sachen wie Linsensuppe daraus zu kochen.
Santa Maria in Vallo di Nera
Der Bau der Franziskaner-Kirche Santa Maria im mittelalterlichen Vallo di Nera begann bereits 1273. Sie präsentiert sich mit einem sehr schlichten Äußerem, einem recht massiven Turm und einem schönen gotischen Portal. Überraschend ist allerdings das Kircheninnere, das durch eine große Anzahl von Fresken geschmückt ist, die im 14. und 15. Jahrhundert von verschiedenen Künstlern gemalt wurden. Dieser außergewöhnlich Schmuck ist allerdings erst wieder zum Vorschein gekommen, als man die barocke Ausstattung entfernt hat.
Das kunsthistorisch bedeutungsvollste Bild ist die Darstellung eines Ereignisses, das sich um 1399 zugetragen hat und über ganz Italien erstreckte: die Processione dei Bianchi. Zehntausende von Männern, Frauen und Kindern aller Stände zogen von Turin aus durch Italien gen Süden, gewandet in weißen Leinengewändern mit weißen Kapuzen, die mit mit einem roten Kreuz an der Schulter und an der Kapuze gekennzeichnet waren. Sie beteten für Frieden und Gnade, denn in Europa und Italien wüteten etliche Kriege und selbst die Kirche war zerstritten.
Dieses Ereignis hat die Bürger von Vallo wohl so beeindruckt, dass sie schon kurz darauf einen Maler beauftragten, es im Bild festzuhalten. Das 1401 von Cola di Pietro da Camerino gemalte Fresko auf der rechten Seite der Kirche ist eine der vollständigsten Darstellungen dieser Bewegung, die binnen eines Jahres genau so schnell verschwand wie sie entstanden war. Das Fresko zeigt die Ankunft zweier Prozessionszüge der Büßer, die von den Franziskaner-Brüdern empfangen werden.
Ein paar Jahre zuvor, 1383, hatte Cola di Pietro da Camerino mit Francesco di Antonio da Ancona – beide sind Maler aus der Schule von Giotto – die Apsis ausgemalt. Die Gemälde erzählen die Geschichte Jesu, der Madonna und des hl. Franziskus.
Auf der linken Seite der Kirche ist das zweite besondere Fresko der Kirche zu sehen: die Darstellung des Martyriums der Lucia von Syrakus zu sehen.
Übrigens: Die Kirche ist meist verschlossen, den Schlüssel gibt es bei einer Dame, die gleich neben der Kirche ihr Haus samt Garten hat – freundliches Fragen hilft hier weiter, sie öffnet dann die Kirche.
Castelluccio, gelb
Nach Castelluccio in grün konnte man ahnen, dass da noch mehr kommt. Bitte, hier nun Castelluccio in gelb.
Castelluccio, grün
Über die Hochebene von Castelluccio berichtete ich früher schon. Ich finde sie von so einmaliger Schönheit, dass sie immer wieder zu einem Besuch verführt. Zu jeder Jahreszeit erscheint sie in einem anderen Gewand, manchmal dauert es auch nur Tage oder Wochen, bis sie sich ganz anders präsentiert.
Fichtenhof in Gfrill
Der Landgasthof liegt im Nationalpark Trudner Horn in dem kleinen Gebirgsort Gfrill. Um dorthin zu kommen, verlässt man die Brennerautobahn A22 oder die Staatsstraße 12 Brennero-Abetone beim Ort Salurn, der ungefähr auf halbem Wege zwischen Bozen und Trient liegt. Von dort windet sich die Straße den Berg hoch, nach rund 12 km endet sie in Gfrill (Cauria) und man ist auf mehr als 1200 m angestiegen – rund 800 m höher als das Etschtal. Das Auto stellt man auf dem Gemeindeparkplatz ab, von dort aus sind es nur ein paar Schritte zum Fichtenhof, der gleich neben der Kirche liegt.
Die Mühen der Auffahrt werden durch eine grandiose Aussicht in das Tal der Etsch und die dahinter liegende Bergkette belohnt – von der Mendel bis hin zum Rittner Horn schweift der Blick, und bei klarem Wetter sieht man das Brentamassiv. Diesen Ausblick genießt man auch aus dem Gastraum.
Der Fichtenhof ist ein Familienbetrieb, den die Geschwister Pardatscher gemeinsam betreiben: Ulli, die Sommelière, betreut bei der Getränkeauswahl, Ingrid steht in der Küche und der Bruder Christian bedient in der Gaststube, und auch Mutter und Vater der drei Geschwister helfen immer mal wieder aus.
Die Küche bietet selbstverständlich Südtiroler Spezialitäten, wobei die Köchin größten Wert auf die Herkunft und Qualität der Ausgangsprodukte legt. So kommen die meisten Gemüse und die Kräuter aus dem eigenen Garten gleich neben dem Haus, weitere Zutaten von andere regionalen Betrieben. Und das kann man den Speisen durchaus anmerken: Ich hatte herausragend gute Schlutzer gefüllt mit Fleisch, Ricotta und besagten Kräutern. Der anschließende Hauptgang – Gröstl mit Kartoffeln, Rindfleisch und Zwiebeln – war ebenfalls sehr gut und ließ keinen Platz mehr für den hausgebackenen Apfelstrudel.
Übernachten kann man im Fichtenhof auch, es gibt acht einfache Zimmer.
Gfrill und damit der Fichtenhof sind ein idealer Ausgangspunkt für Wanderungen rund um das Trudner Horn (Monto Corno), der Europäische Wanderweg E5 kommt hier vorbei.
San Salvatore in Campi
Außerhalb des Orts Campi, direkt an der Straße von Preci nach Norcia, steht eine ungewöhnliche Kirche, deren Fassade mit den zwei Portalen, den zwei fein gestalteten Rosetten darüber und dem von einer eher derben Säule getragenen Vordach so die Blicke auf sich zieht, dass man einfach anhalten muss, um sie sich näher anzusehen. Leider ist das nicht ganz einfach, denn die Kirche ist fast immer geschlossen und wird wohl nur für besondere Anlasse geöffnet. Immerhin gibt es eine Hinweistafel, auf der sich einiges zur Geschichte entnehmen lässt. Allerdings ist der Text (wie so oft) in einem dermaßen blumigen Italienisch verfasst, dass dem nach Information dürstenden Reisenden das Verstehen nicht gerade einfach gemacht wird.
Bereits 1115 wurde diese Kirche im romanischen Stil als Pieve di Santa Maria fertiggestellt (eine Pieve ist eine Landkirche, die zu jener Zeit im dünn besiedelten ländlichen Raum das geistliche und weltliche Zentrum einer Gemeinde darstellte). Im Fundament und den Streben finden sich vereinzelt große Steine und Säulenreste, die aus der etruskisch-römischen Zeit stammen (vielleicht aus dem 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung).
Als die Kirche zu klein wurde, verdoppelte man sie 1493, indem ein zweites Schiff daneben gebaut wurde: die Kirche bekam einen zweiten Gang, ein zweite Türe und die Fassade die zweite Rosette. Bis heute kann man die verschiedenen Bauperioden schon außen an der Fassade erkennen.
Gegen 1464 erfuhr die Kirche, die zu jener Zeit noch unter der Verwaltung der nahegelegenen Abtei St. Eutizio stand, ihre letzte große Verschönerung: Abt Epifanio beauftragte Künstler mit der Ausschmückung der Kirche, darunter Nicola da Siena und Maler aus der Familie Sparapane aus Norcia. Ende des 15. Jahrhunderts erhielt die Kirche den heutigen Namen San Salvatore.
Mehrfach sind wir an der verschlossenen Kirche vorbeigefahren, bis eines Tages die Tür offen stand, weil die Kirche für eine Taufe vorbereitet wurde. So konnten wir auch das Innere besichtigen. Obwohl äußerlich unter einem großen Dach, verfügt das linke, ältere Schiff im hinteren Teil noch über ein Holzdach, während der vordere Teil und das rechte Schiff durch ein gotisches Kreuzrippengewölbe gedeckt sind.

Das rechte, neuere Kirchenschiff
Auch sonst könnten die beiden Schiffe der Kirche unterschiedlicher nicht sein, das rechte ist weitgehend nüchtern und fast nur im Altarraum verziert, das linke reich mit Fresken bedeckt. Besonders auffallend ist dort, im älteren Teil, eine auf zwei achteckigen Säulen ruhende Empore, die quer in der Mitte des Schiffs angebracht ist und als Ikonostase mit Szenen aus der Passion Christi, den Aposteln und der Krönung der Jungfrau Maria bemalt ist (die Empore wird seit einem Erdeben von einer hölzernen Konstruktion gestützt).

Das linke Kirchenschiff mit der Ikonostase und Fresken von Vater und Sohn Sparapane (1464)
Die Fresken im oberen Teil der Ikonostase stammen von Giovanni und Antonio Sparapane, derweil die im unteren Teil von Nicola da Siena sind. Vor der Ikonostase steht der in Form eines Brunnens gehaltene Taufstein aus dem 11. Jahrhundert.
Etliche weitere Fresken in der Kirche sind Arbeiten unbekannter umbrischer Maler des 14. und 15. Jahrhunderts.

Großes Kreuzigungsbild im Altarraum des linken Schiffes (14. Jhdt).
Norcia
Die weit mehr als 2000 Jahre alte Stadt Norcia liegt auf rund 600 Meter Höhe in der Hochebene von Santa Scolastica – ringsum eingefasst von Bergen, die bis auf 1800 Meter ansteigen. Die Stadt selbst ist von einer bis heute lückenlos erhaltenen Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert umgeben.
Neben der Geburtsstadt des Heiligen Benedikt – Gründer des gleichnamigen Ordens – ist Norcia vor allem die Stadt der Schweinswürste und des schwarzen Trüffels, der in der Umgebung der Stadt überall unter den Eichen gedeiht, wie man den zahlreich aufgestellten gelben Schildern Raccolta Tartufi Riservata entnehmen kann, die dem Wanderer das Ernten der Trüffeln untersagen. Eine besondere Spezialität der Gegend ist der in Deutschland weniger bekannte Prosciutto di Norcia, der mir so manchesmal besser schmeckt als der berühmte Parmaschinken.
Würste und Schinken aus Norcia wurden in ganz Mittelitalien vertrieben, was den Verkaufsstellen die schöne Bezeichnung Norcinieria bescherte. Selbstverständlich ist Norcia heute im Sommer ein Ziel des Tourismus, und die Zahl der lokalen Norcinerie, die das Kaufbedürfnis der Reisenden befriedigen wollen, scheint von Jahr zu Jahr zuzunehmen.
Neben Schinken in großen und kleinen Gebinden – den Prosciutto Tascabile (Taschenschinken) nahmen die Schäfer mit zur Arbeit –, verschiedenen Würsten und Trüffeln bieten die lokalen Delikatessenläden auch den lokalen Pecorino (Schafskäse) an. Die Würste tragen hier mitunter so schöne Namen wie Coglioni di Mulo – eine Namensgebung, die ihrer Form geschuldet ist, aber dennoch dazu führt, dass viele Reiseführer das wörtlich nehmen und sie dem Touristen tatsächlich als Maultierhoden anpreisen.
Auf Nachfrage war in einer der Norcinierie zu erfahren, dass die Duftstoffe der Trüffel nur sehr ungern in das Öl übergehen wollen und deshalb so gut wie immer naturidentisches Aroma (gewonnen aus Flüssiggas) zugesetzt wird. „Sagen Sie das Ihren Landsleuten“, meint der Ladenbesitzer, „ich verkaufe Trüffelöl nur, weil die das wollen“.




























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