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SchmeichelBares

15. Juni 2010 5 Kommentare

Bis auf die Sparpolitik der gegenwärtigen Bundesregierung scheint alles das Attribut sozial bekommen zu müssen. Erst waren die social media in aller Munde, die Mitmach-Medien, in denen jeder nicht nur Konsument, sondern auch Produzent sein darf und bei dem die Kommunikation zwischen den Akteuren im Vordergrund steht. Seit kurzem macht nun das social payment von sich reden, bei dem man nicht nur Zahlender bleiben muss, sondern ohne allzu großen Aufwand auch zum Zahlungsempfänger werden kann. Man hüte sich jedoch vor einer direkten Übersetzung des englischen social, hat dieses doch eine etwas weiter gefasste Bedeutung als das deutsche sozial, indem es gesellig mit einschließt.

Dafür gibt es seit kurzem gleich zwei neue Dienste im Web: flattr (ein Kunstwort aus to flatter, schmeicheln, und flatrate) und kachingle (lautmalerisch für das Geräusch, das ein alte Registrierkasse beim Öffnen der Schublade macht).

Bei flattr legt man einen variablen monatlichen Betrag fest (ab 2 €), den man bereit ist, anderen zukommen zu lassen. Dieser Betrag wird gleichmäßig auf alles verteilt, was man in diesem Monat mit Schmeicheleien bedenkt, sprich, auf alle flattr-Knöpfe, die man drückt. Bei kachingel ist das ähnlich, allerdings ist der monatliche Betrag zur Zeit auf 5 $ festgelegt.

Der wesentliche Unterschied zwischen beiden Systemen ist, dass bei flattr fast beliebige „Dinge“ – wie Bilder oder einzelne Beiträge in einem Blog – mit einem Schmeichel-Knopf ausgestattet werden können. Währenddessen steht bei kachingle nur ein einziger Knopf für eine gesamte Website, z.B. ein Blog, zur Verfügung. Bei flattr kann man also mehrere Knöpfe auf derselben Seite drücken, die dann zum Ertrag beitragen, wobei es keine Rolle spielt, wie oft man den einzelnen Knopf drückt. Bei kachingle hingegen erhöht das mehrfache Drücken des einen Knopfes den Anteil, den diese Website erhalten soll.

Bei beiden Diensten gilt der alte Spruch: Geben ist seliger denn nehmen, denn man kann nur Geld empfangen, wenn man auch welches zu vergeben bereit ist. Also muss man erst einmal einzahlen. Das geht bei beiden mit ebays ziemlich teurem paypal, bei flattr auch mit Kreditkarte und Bankeinzug, wobei dort auch wieder ein Finzanzdienstleister eingeschaltet ist, der (etwas geringere Gebühren) abzwackt. Ein weiterer Teil des eingezahlten Geldes bleibt bei den Betreibern der Dienste: flattr nimmt 10% und kachingle 15%, was aber schon die Gebühren des Finanzdienstleisters einschließt.

Diese lange Vorrede erklärt, warum es hier seit ein paar Tagen bei einigen Beiträgen den flattr-Knopf gibt: Ich möchte ausprobieren (wie etliche andere auch), inwieweit ich ein solches System für social micropayment nutzen kann, um anderen etwas SchmeichelBares zukommen zu lassen, und vielleicht auch selber mal zwei, drei, vier Cent erhaschen. Ich find’s keine schlechte Idee: Der eine schenkt Inhalt, der andere schmeichelt mit Barem.

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