Carillon im Tiergarten

Carillon im Tiergarten

Nicht weit vom Haus der Kulturen der Welt entfernt, steht im Tiergarten ein schlanker Turm, dessen schwarz polierte Granitverkleidung in der Sonne glänzt und den Himmel widerspiegelt. In seiner Schlichtheit, seinen klaren Formen und seiner Farbgebung hat der Turm durchaus eine japanische Anmutung. Gebaut wurde er nach Plänen der Architekten Bangert, Jansen, Scholz und Schultes.

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Wer es nicht schon weiß, keinen Stadtführer dabei hat, die Inschrift an einem der Beine des Turms nicht liest, seinen Kopf nicht hebt und sich auch nicht über den Ursprung der Glockenklänge wundern kann, weil gerade kein Konzert stattfindet, dem bleibt der Zweck des Turms verschlossen. Oft aber trägt sonntagsnachmittag der Wind die Klänge des Carillons, das der Turm beherbergt, über den Tiergarten. Das klingt magisch, mystisch, sind doch Carillons außerhalb von Flandern und den Niederlanden nicht so arg verbreitet.

Das Carrillon im Tiergarten geht zurück auf eine Idee des amerikanischen Carilloneurs Jeffrey Bossin, der die Installation bereits 1984 anlässlich der 750-Jahr-Feier Berlin vorschlug, um damit der historischen Carillons in der Parochialkirche und der Potsdamer Garnisonkirche zu gedenken, die beide im Zweiten Weltkrieg zerstört worden sind.

Carilloneur Jeffrey Bossin

Er war bei der Konzeption des Glockenspiels als Berater für die Stadt Berlin und der Daimler-Benz AG tätig, die unter Edzard Reuter das Carillon zum 750. Geburtstag der Stadt Berlin gestiftet hat. Es wurde von der holländischen Gießerei Koninklijke Eijsbouts nach den Spezifikationen von Jeffrey Bossin gebaut, der 1987 1987 auch das Einweihungskonzert spielte und seitdem von Mai bis September um 15 Uhr ein Sonntagskonzert gibt. Zudem wird das Carillon täglich um 12 und um 18 Uhr für jeweils fünf Minuten computergesteuert in Betrieb gesetzt.

Im Anschluss an die sonntäglichen Konzerte besteht die Möglichkeit, an einer Führung auf den Turm teilzunehmen – unbedingt empfehlenswert! Man wendelt sich in einem der Turmbeine auf 42 Meter empor, wo der Carilloneur zwischen den Glocken – die tiefen unter ihm, die hohen über ihm – seinen Arbeitsplatz in schwindelnder Höhe hat. Der Ausblick, den man von hier aus über Berlin hat, ist allein schon die Mühe des Aufstiegs wert. Dazu kommen die interessanten Erläuterungen, die Jeffrey Bossin über das Glockenspiel gibt.

Leider ist die zukünftige Finanzierung der sonntäglichen Konzerte nicht sichergestellt, es wird überall gespart und bei der Betreibergesellschaft KBB (Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin), der das Carillon durch die Zeitläufte zugefallen ist, scheint es keine Lobby für das Carillon zu geben.

Zur Abrundung noch ein paar Superlative, ohne die es in Berlin nicht geht: das Carillon im Tiergarten ist das größte Konzertglockenspiel seiner Art in Europa und das viertgrößte der Welt. Seine 68 Glocken geben ihm einen Tonumfang von fünfeinhalb Oktaven. Die Glocken haben ein Gesamtgewicht von 48 Tonnen, die größte wiegt alleine schon 7,8 Tonnen.

Aus dem Video sieht man gut, dass es einiger Kraft bedarf, ein Carillon zu spielen.

Konzerte gibt es umsonst und draußen jeden Sonntag um 15:00 Uhr von Mai bis September; Führungen im Anschluss daran gegen 15:50 Uhr.


John-Foster-Dulles-Allee, Am Haus der Kulturen der Welt, 10557 Berlin
030 8512828
www.carillon-berlin.de

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