Stiftskirche St. Marien in Neuzelle

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Ich bin ja nun nicht zufällig in Neuzelle vorbeigekommen, sondern hatte mir dieses Ziel aufgrund von einigen Bildern und einem kurzen Bericht, den ich gelesen hatte, ausgesucht. Was ich dann dort sah, hat meine Erwartungen übertroffen. Aus den Bildern wird man vielleicht die Fülle der Ausstattung erahnen können, aber einen wahren Eindruck bekommt man wohl nur beim Besuch der Kirche. Für Berliner ein schöner Sonntagsausflug, den man gut mit einem Spaziergang an der Oder verbinden kann.

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Eine solch überwältigende barocke Pracht, mit der die Stiftskirche St. Marien in Neuzelle auftritt, erwartet man eher im Süddeutschen, nicht im Brandenburgischen, wo man eher an preußisch klare Formen gewöhnt ist. Und in einem Zisterzienserkloster überrascht diese Fülle erst recht. Kloster und Kirche wurden ursprünglich auch im spätgotischen Stil als dreischiffige Hallenkirche aus Ziegelstein erbaut.

Der barocke Umbau der Kirche erfolgte um 1655-58 im Rahmen des Wiederaufbaus nach dem dreißigjährigen Krieg, der an Kloster und Kirche große Schäden angerichtet hatte.

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Italienische Stuckateure schufen den weißen Stuck an der Decke, im oberen Wandbereich und an den Säulen, einschließlich der Kolossalkapitelle, der Italiener Giovanni Vanettti malte die Deckenfresken und die oberen Wandfresken. Vor dem weißen Untergrund des Stucks können die Fresken ihre Farbigkeit besonders intensiv zur Geltung bringen.

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Zu den Zeiten des Hochbarocks, von 1727-41, fand eine zweite Phase der Barockisierung statt. In dieser Zeit arbeiten viele – zu einem Großteil aus Böhmen stammende – Meister an der weiteren Innenausstattung der Kirche. Eine Besonderheit der Kirche sind die fünf Altarpaare, die die Pfeiler umgeben und förmlich an ihnen emporwachsen. Sie dominieren den Raum und scheinen die ganze Kirche zu tragen.

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Die Kirche ist ohne Zweifel das größte und bedeutendste Barockdenkmal Ost- und Norddeutschlands. Sie ist durch die Zeitläufte bis auf den heutigen Tag eine katholische Kirche geblieben, auch nach der Reformation und nach der Aufhebung des Klosters, das mit der Niederlausitz 1815 in den Besitz Preußens gelangt war.

Eigentlich bin ich ja kein Freund des barocken Überschwangs, aber diese Kirche hat mich begeistert. Vielleicht liegt es daran, dass die gotische Architektur der Kirche trotz der barocken Überbauungen immer noch das Raumgefühl bestimmt, vielleicht auch am besonderen Licht, das die Kirche durch die großen Fenster überflutet.


Stiftsplatz, Kloster Neuzelle, 15898 Neuzelle
www.stift-neuzelle.de
Öffnungszeiten: 1. November bis Gründonnerstag Mo-Sa: 11-12h, 14-15:30h, So: 11-12h, 13-15:30h, ab Ostersonntag Mo-Fr: 10-12h, 14-16h, Sa: 11-12h, 14-16h So: 10-12h, 13-16h

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