Kurfürstendamm

Man kennt sie, diese Straße, auch außerhalb von Berlin. Oft, wenn man Silben sparen will, wird sie kurz Ku’damm genannt. Damm heißt eine Straße meines Wissens auch nur in Berlin und in Hamburg. Und Kurfürstendamm heißt dieser Damm ganz zu recht, denn zwischen Brandenburgischer Straße und Halensee ist er eine praktische Landkarte der Brandenburgischen Markgrafen, Kurfürsten und deren Gemahlinnen. Die Querstraßen südlich und nördlich des Kurfürstendamms sind nämlich überwiegend nach ihnen benannt, wobei die chronologische Reihenfolge im Großen und Ganzen von Ost nach West verläuft.

Nun muss ich sie natürlich auch aufzählen. Das wird eine beachtliche Liste, und Jahreszahlen werde ich euch auch diesmal nicht ersparen. Wer soviele Details nicht lesen will, kann hier aufhören. Dann darf sie oder er sich aber auch nicht beschweren, wenn es mal wieder schwer fällt, sich zu erinnern, ob es nun die Joachim-Georg-Straße oder die Georg-Sigismund-Straße ist, die man gerade sucht.

Beginnen wir mit der Eisenzahnstraße: Sie ist benannt nach Friedrich II. (1413-1471), den man auch den Eisernen oder eben Eisenzahn nannte.

Ihr folgt die Albrecht-Achilles-Straße, benannt nach Albrecht III. Achilles (1414-1486), einem Bruder des Letztgenannten. Den Beinamen Achilles verlieh ihm Papst Pius II.

Die Cicero-Straße hat ihren Namen von Johann Cicero (1455-1499), einem Sohn von Albrecht III. Den Beinamen Cicero erhielt er wegen seiner Bildung und der Förderung humanistischer Studien.

Auch die Nestor-Straße trägt einen Beinamen: den des Joachim I. Nestor (1484-1535), eines Sohns des Johann Cicero. In die Zeit seiner Herrschaft fällt die Gründung der Frankfurter Universität Viadrina. Er war der letzte katholische Kurfürst Brandenburgs.

Die Markgraf-Albrecht-Straße tanzt chronologisch aus der Reihe, ist sie doch nach Albrecht I. dem Bären (ca. 1100-1170) benannt, dem Begründer der Mark Brandenburg.

Die Hektor-Straße trägt ihren Namen nach Joachim II. Hektor (1505-1571), einem Sohn des Joachim I. Nestor und der Elisabeth von Dänemark. Er führte 1539 die Reformation in Brandenburg ein. Aus dem Knüppeldamm, den er vom Berliner Schloss zum Jagdschloss Grunewald anlegen ließ, wurde später der Kurfürstendamm.

Die Johann-Georg-Straße, die nicht direkt in den Kurfürstendamm mündet, ist – wen wundert’s – nach Johann Georg (1525-1598) benannt, einem Sohn des zuvor Genannten. Sein Beiname »Oeconomicus« weist darauf hin, dass er die von seinem ausgabefreudigen Vorgänger hinterlassene Überschuldung und das Finanzchaos im Haushalt beseitigte.

Sein Sohn (1546-1608) wiederum gab der Joachim-Friedrich-Straße, die sich beidseits des Kurfürstendamms erstreckt, den Namen.

Von Norden mündet die Katharinenstraße ein, benannt nach Katharina Markgräfin von Brandenburg-Küstrin (1549-1602), der Gattin des Joachim Friedrich.

Der Sohn der beiden Letztgenannten (1572-1619) ist Namensgeber der Johann-Sigismund-Straße, die – auch nicht ganz chronologisch – »vor« seiner Mutter nach Süden abgeht.

Georg-Wilhelm (1595-1640) gab seinen Namen der Straße, die als nächste nach der Katharinenstraße nach Norden abgeht. Er ist ein Sohn des Johann-Sigismund.

Den Abschluss macht der Henriettenplatz direkt über dem S-Bahnhof Halensee, der nach Louise Henriette von Nassau-Oranien (1627-1667) benannt ist, der Gattin des Friedrich Wilhelm (1620-1688). Der große Kurfürst, Sohn des Georg Wilhelm, hat eigenartigerweise hier keine Querstraße.

[Ich danke meinem Freund Udo, der sich die Mühe gemacht hat, eine Liste von Berliner Straßennamen zu erstellen, in denen sich Brandenburgische Geschichte widerspiegelt.]

kurfuerstendamm

Damit dieser Beitrag nicht nur einer über die Nebenstraßen des oberen Kurfürstendamms wird, hier wenigstens ein paar Informationen zum Thema: Die Anregung zum Ausbau des Damms zur Prachtstraße geht auf Otto von Bismarck zurück. Eine Kabinettsorder legte 1875 die Straßenbreite auf 53 Meter fest, fertiggestellt wurde sie 1886. Die Finanzierung des Ausbaus lag ganz in privater Hand und gelang erst nach mehreren Anläufen: die »Kurfürstendamm-Gesellschaft« erhielt zum Ausgleich ein Vorkaufsrecht auf Bauland im Grunewald, um dort eine Villenkolonie anlegen zu können. Die Straße entwickelte sich schnell von einer vornehmen Wohnstraße zum eleganten Einkaufsboulevard und Literaten- und Künstlertreff. Der Kurfürstendamm war und ist der Einkaufs- und Flanierboulevard des Berliner Westens.


Kurfürstendamm, 10719 Berlin

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