Moabiter Werder


Uferpromenade an der Spree im Dezember

Jahrzehnte, ja fast Jahrhunderte, wurden die Ränder der Insel Moabit für Verkehr und Industrie genutzt. An den Flüssen und Kanälen entstanden Industrieanlagen, die hier einen direkten Zugang zum Transport auf dem Wasser fanden. Häfen für den Güterumschlag entstanden: Westhafen, Humboldthafen, Nordhafen. Später kamen ausgedehnte Eisenbahnanlagen dazu, um den Warenumschlag vom Wasser auf die Schiene zu ermöglichen.

Der Moabiter Werder im Südosten der Insel, der einst die königlichen Pulverfabriken beherbergte, wurde nach dem 1869 erfolgten Bau des Lehrter Bahnhofs zum Lehrter Güterbahnhof. Nach dem zweiten Weltkrieg nahm die Bedeutung des Güterbahnhofs nach und nach ab und das Gelände wurde von Speditions- und Lagerbetrieben und allerlei gemischtem Gewerbe genutzt. Mit Bergen von Schutt und Baumaterialien war es jahrelang ein Schandfleck mitten in der Stadt. Erst in den 1980er Jahren dachte man daran, das Gelände einer anderen Nutzung zuzuführen: ein Park sollte entstehen. Ansatzweise wurde ein Teil des Plans auch in die Tat umgesetzt. Die deutsche Einheit und in deren Folge der Hauptstadtbeschluss entzogen dieser Planung jedoch die Grundlage.


Abgeordnetenschlange


Abgeordnetenschlange vom anderen Ufer im April

Auf dem Gelände entstand als größtes Gebäude die »Abgeordneten-Schlange« des Berliner Architekten Georg Bumiller. 320 Meter windet sie sich über den Moabiter Werder. Nach meiner Meinung ist Bumiller hier durchaus ansehnliche Architektur gelungen.

An der Paulstraße schließen eine neugebaute Sporthalle und das ehemalige Verwaltungsgebäude des Güterbahnhofs den Werder nach Westen ab. Das denkmal-geschützte Gebäude, ein schöner, nach Plänen des Reichsbahn-oberrats Günther Lüttich erbauter Ziegelsteinbau aus der Mitte der 1930er Jahre, ist heute Sitz der Anne-Frank-Grundschule.

werder-schauermann.

Von seiner früheren Zweckbestimmung kündet die von Felix Kupsch geschaffene Sandsteinskulptur eines Schauermanns an einer Ecke des Hauses.

Den östlichen Abschluss bilden die vom Architekturbüro Sauerbruch Hutton umgebaute Polizei- und Feuerwache, die im ehemaligen Hauptzollamt untergebracht ist, der Biergarten um das frühere Casino des Packhofs direkt gegenüber dem Bundeskanzleramt und das schöne Fachwerkhaus des Restaurants »Paris-Moskau«.

Das ganze Gelände ist als öffentlich zugänglicher Park gestaltet und umfasst mehrere Sondergärten, wie den »Paradiesgarten«, das »Dornröschenwäldchen« und den »Urgarten«. Sehr gelungen ist die vollkommen neu gestaltete Uferpromenade, die sich von der Lutherbrücke (Paulstraße) bis zur Moltkebrücke (Alt-Moabit) hinzieht. Sie schließt im Osten an die breiten Wege der neuen Ufergestaltung im Regierungsviertel an, im Westen an die Uferwege des Spreebogen-Geländes mit Freibergers Innenministerium und dem Focus-Teleport. Breite Wege, Bäume und Bänke erlauben einen angenehmen Aufenthalt in einer Oase der Ruhe, die man mitten in der Stadt so nicht erwartet. Auf dem gegenüberliegenden Ufer liegt der Tiergarten, man schaut auf die Siegessäule, das Schloss Bellevue, die Kongresshalle und das Carillon. Park und Spreeuferweg wurden im Jahr 2004 von einer Fachjury zu einem der den zehn schönsten Parks Deutschlands gewählt.


Joachim-Karnatz-Allee zwischen Spree, Paulstraße, Stadtbahn, Alt-Moabit,
10557 Berlin

www.stadtentwicklung.berlin.de

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