Teufelsbrücke in Eberswalde

Teufelsbrücke

Brücken haben ja in der Regel ein sehr ruhiges Leben, viel kommen sie nicht rum. Einmal gebaut, tun sie Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte treu ihren Dienst, immer an einem Ort. Nicht so die Teufelsbrücke, die hat schon was von der Welt gesehen. Ihre Wanderbrückenkarriere begann sie 1826 in Berlin als Weidendammer Brücke, wo sie die Friedrichstraße über die Spree brachte. Obwohl – eigentlich war sie schon davor unterwegs, denn sie kam aus England, wo sie 1820 entworfen und hergestellt worden sein soll, nach Berlin.

1880 wurde sie zwar um seitliche Fußwege ergänzt, aber schon bald war sie nicht mehr breit genug, um dem zunehmenden Berliner Verkehr zu genügen. Also wurde die Brücke 1895 kurzerhand demontiert und – um 13 Meter gekürzt – in Liepe wieder aufgebaut, wo sie den Finowkanal überspannte.

Brücke in Liepe
Brücke in Liepe (Quelle: http://www.oberbarnimer.de)

Aber auch dort ist sie, warum auch immer, nicht so arg lang geblieben. Im Jahr 1913 ging sie wieder auf Wanderschaft und wurde, erneut um ein paar Meter gekürzt, in Finow-Heegermühle über der Ausfahrt des Messingwerkhafens montiert. Der Treidelweg führte über sie, weswegen sie auch als Treidelpfadbrücke bezeichnet wird. Getreidelt wird schon lange nicht mehr, aber die Brücke steht hier heute noch, trotz Denkmalschutz (siehe Denkmalliste des Landes Brandenburg für den Landkreis Barnim vom 31.12.2015, ID-Nummer 09175203) in einem traurigen Zustand.

Bei ihrer Fertigstellung 1826 war die Brücke eine der ersten gusseisernen Brücken in Mitteleuropa. Freiherr von Zedlitz beschrieb sie in seinem 1834 erschienenen Neuesten Conversations-Handbuch für Berlin und Potsdam zum täglichen Gebrauch der Einheimischen und Fremden aller Stände: »Jetzt ist diese Brücke insofern die erste und einzige ihrer Art in der Welt, als bei ihr nämlich anstatt der bisher allein üblich gewesenen massiven Pfeiler, gegen welche die Bogen gespannt werden müssen, zuerst der Versuch gemacht ist, mit freistehenden eisernen Pfeilern, welche die ebenfalls eisernen Bogen tragen, so daß, an dieser Brücke, ausgenommen den hölzernen Pfahlrost im Grunde, die hölzernen Zugklappen, […] alles durchaus von Eisen ist.«

Teufelsbrücke
Heutiger Zustand der Brücke

Der mittlere, auf eben diesen besonderen gusseisernen Säulen gebettete Brückenteil war herausnehmbar, um größeren Schiffen die Durchfahrt zu ermöglichen. Das ist sicher schon lange nicht mehr passiert, erst recht nicht an ihrem jetzigen Standort, denn außer den Booten des lokalen Rudervereins fährt kaum noch jemand in den Hafen ein. Von ihren ursprünglich fünf Jochen hat die Brücke nur noch drei behalten und ist gerade mal noch 23 Meter lang und etwas über zwei Meter breit.

Eine ganz besondere Bedeutung hatte die Weidendammer Brücke für Theodor Fontane: Auf ihr verlobte er sich am 8. Dezember 1845 mit Emilie Rouanet-Kummer.


Nähe Altenhofer Straße, Finow, 16227 Eberswalde

2 Gedanken zu “Teufelsbrücke in Eberswalde

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