Al Tribunale

Al Tribunale

Mit großen, an den Fenstern des Lokals angebrachten Hinweisen »Auf alle Speisen 50% Rabatt« wirbt das Restaurant »Al Tribunale« – Am Gericht, denn das Moabiter Kriminalgericht ist gerade einen Häuserblock weiter – um Gäste.

Al TribunaleNormalerweise kündigen solche 50%-Aktionen – aus Verzweiflung angesichts ständig leerer Gasträume gestartet – den baldigen Untergang einer Gaststätte an. Hier scheint es anders, die 50%-Aktion läuft schon Jahre, die Werbeplakate sind zum Teil vom Sonnenlicht schon ganz verschossen. Daran, dass das kleine »bis« vor den »50%« kaum sichtbar ist und die Preise eben doch nicht durchweg halbiert sind, kann es auch nicht liegen, denn es ist trotzdem alles phänomenal billig hier.

Nachdem ich Jahre vorbei gelaufen bin, habe ich mich heute mal getraut und habe an einem der vielen Tische, die hier auf dem sehr breiten Trottoir aufgestellt sind, Platz genommen. So Al Tribunalerichtig einladend fand ich es nicht: auf den Tischen lagen diese wunderschönen, rutschfesten, schwammigen, löchrigen Plastikgummitischdecken, die man nicht zu waschen braucht und die deswegen im Laufe der Jahr etwas schmuddelig werden. Darauf plastifizierte Tischsets mit der Cocktail- und Getränke-Karte, auch nicht mehr ganz frisch, na ja. Außer mir war noch ein anderer Gast da, so dass ich nicht lange auf die freundliche junge Dame vom Service zu warten brauchte, die mir die Speisekarte mit vielen eingelegten Zetteln mit darauf Wochen-, Tages- und Sonstwasangeboten brachte.

Das schnelle Überfliegen des umfangreichen Angebots offenbarte das übliche Sortiment des »Italieners an der Ecke« (obwohl das Lokal trotz seines italienischen Namens – wie so oft – arabische Betreiber hat), weswegen ich mich auf das erste Angebot des Tages, Rigatoni mit Filetspitzen und Champignons an Cognacsahnesoße, einließ – und das für glatte 4,40 €. Das kam dann auch nach rund zehn Minuten und bestätigte mir: »You get what you pay for«. Die Portion war zwar üppig, aber die Pasta war mir zu weich, das Fleisch reichlich, aber für Filetspitzen kam es mir doch etwas zäh vor, die Champignons machten sich rar (die sind offensichtlich inzwischen teurer als Fleisch) und die Sahnesoße war mir ein wenig zu dünn. Man konnte es essen und es machte auch satt, aber ein wirklicher Genuss war es nicht.

Das konnte auch der von der durchweg freundlichen Bedienung nach dem Bezahlen angebotene Digestif nicht mehr rausreißen, so dass trotz des niedrigen Preises hier nur zwei Birnen drin sind.


2birnenTurmstraße 17, Moabit, 10559 Berlin
030 398 340 17

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