Der Paechbrotbaum

Aus der Einladung zur Eröffnung der Kunst-Aktion von Haus am Gern (Barbara Meyer Cesta und Rudolf Steiner):

Der Herbst ist da. Die Bäume verlieren ihre Blätter und ziehen ihre Schuhe an. Jedenfalls in Moabit.

Hier, an der Ecke Birken-/Stephanstrasse, gleich am Rande der Paech-Brot-Brache, steht ein toter Baum. In seinem blätterlosen Schatten steht der Paech-Brunnen und keine 10 Meter weiter verkündet ein großes Schild den Baubeginn eines Einkauf-Centers für 2008. An diesem toten Baum liesse sich – mit ein bisschen Verstand – hervorragend die verwinkelte Geschichte des Stephankiez’ und der Paech-Brotfabrik, der Investoren und Besetzer, der Anwohner und Politiker etc. aufhängen, doch genau dies tun die Künstler von Haus am Gern nicht. Stattdessen hängen sie hunderte Paar Schuhe in den Baum – und laden alle Anwohner und Einwohner Moabits ein, in der Kurt-Kurt-Projektzentrale an der Lübecker Strasse 13 gebrauchte Schuhe zu behändigen und sie in den Baum zu werfen. Das verändert zwar die Situation in Bezug auf die Brache, den Kiez oder das geplante E-Center nicht, schafft aber ein einen bildhaften, künstlerischen Kommentar in der grauen Stadtlandschaft. So wird vielleicht ein toter Baum unter dem Namen «Der Paechbrotbaum» in die Berliner Stadtgeschichte eingehen.

Lang gedauert hat diese Kunst-Aktion leider nicht. Die Staatsmacht hat sie vorzeitig beendet. Aber der Reihe nach.

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Zuerst traf man sich bei Kurt-Kurt, wo etliche Fotos von sehr schönen shoe trees aus den USA und Kanada ausgestellt waren. In der Mitte des Raums warteten Säcke mit rund 1000 Paar in den letzten Tagen gesammelter Schuhe darauf, in gemeinschaftlicher Aktion aller Besucher in Einkaufswagen zum Paech-Brunnen gefahren zu werden. Dort war bereits eine temporäre Lichtinstallation aufgebaut, damit man den Baum in der nächtlichen Dunkelheit überhaupt sehen konnten.

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Kaum waren die ersten Schuhe in den Baum geworfen, kam schon ein Polizeiwagen und stoppte die Aktion wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz (die Ordnungshüter sprachen ungeschickter Weise von »Versammlungsverbot«, meine ich mich zu erinnern) und wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Naturschutz und Vergehen gegen noch lebende Bäume waren auch im Gespräch. Überdies müssen morgen gleich die bereits im Baum befindlichen Schuhe wieder entfernt werden, weil sonst die Gefahr bestünde, dass durch Wind und Sturm herabgewehte Schuhe Menschen verletzt würden.

Nachtrag 1. März 2009: Seit ein paar Tagen wird nun auf dem Gelände das gebaut, was schon 2008 hätte fertiggestellt sein sollen, und der Baum wurde samt der Schuhe abgeholzt.

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2 Gedanken zu “Der Paechbrotbaum

  1. Der Paechbrotbaum war ja wenigstens schon abgestorben, bevor er abgeholzt wurde, für den Bau. Aber in der gesamten Umgebung sind – wie so oft in den letzten Februartagen – jede Menge lebende und auch alte Bäume den Kettensägen zum Opfer gefallen. Die Brutsaison beginnt am 1. März, dann darf man nicht mehr!

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