Sendepause bei Qype

Seit dem 1.11.2006, also deutlich mehr als zwei Jahren bin ich auf der Bewertungsplattform Qype aktiv, habe dort mehr als 600 (so ab dem 150. auch zunehmend sorgsam geschriebene und gestaltete) Beiträge mit vielen Fotos veröffentlicht und gehörte damit zu den Vielschreibern. Ich habe über Qype viele nette Leute kennengelernt, sowohl rein virtuell als auch im echten Leben, habe andere auf die Plattform aufmerksam gemacht und zum Schreiben animiert. Und die Tatsache, dass ich etwas für Qype schreiben wollte, hat dafür gesorgt, dass ich meine Umgebung wieder aufmerksamer beobachtet habe. Es hat immer viel Freude gemacht und dafür bin ich Qype dankbar.

Doch seit dem letzten Quartal des Jahres 2008 überwiegt der Ärger: Qype will, koste es was es wolle, wachsen und Geld verdienen, was ja an sich nichts Schlechtes ist und allen Beteiligten auch immer klar war. Allerdings hat Qype nach meiner Meinung dabei entscheidende Fehler gemacht.

Deutliche Qualitätsprobleme

Um das schnelle Wachstum zu befördern, werden neuen Nutzern billige Kleinigkeiten versprochen: Tassen, T-Shirts, iPods oder sogar, wie in Großbritannien, Bares. Das Versprechen: „Wenn du x Beiträge schreibst und y Punkte hast, bekommst du einen iPod“ lockt leider zum größten Teil nur Mitglieder auf die Plattform, die dort in zwei Tagen so viele Beiträge schreiben, dass sie die formalen Bedingungen für das Geschenk erfüllen. Die Beiträge sind dann entsprechend, sie machen keine sinnvolle Aussage zum besprochenen Platz  und bestehen zudem ganz oft nur aus ein, zwei Wörtern. So wird die ganze Plattform langsam zugemüllt, sinnvolle Beiträge gehen vollkommen unter. Die Aufforderung der Mitglieder, dass Qype eine Qualitätskontrolle einführen möge, gibt man zurück an die Mitglieder.

Kein Plan

Im Umgang mit den Mitgliedern, die auf dieser AAL-Plattform (andere arbeiten lassen) den Inhalt liefern, mit dem Qype letztendlich Geld verdienen möchte, zeigen die Macher von Qype wiederholt ihre große Planlosigkeit. Mit kleinen Zuwendungen unterstützte monatliche Treffen der Mitglieder werden, nachdem sie erfolgreich etabliert wurden, ohne weitere Vorankündigung abgeschafft. Nachdem der dafür angebotenen Ersatz sich als unattraktiv und nicht gangbar erwies, wird das alte System wieder etabliert. Wenigstens hat man ein Einsehen, aber gelernt hat man daraus offenbar nichts. So wurde das von einigen Mitgliedern missbräuchlich eingesetzte Punktesystem (eine an sich wertlose Auszeichnung für Mitglieder, die damit einen Platz auf einer Rangleiter einnehmen können, die aber unerhört wichtig ist), nach einer lapidaren Mitteilung tiefgreifend geändert. Das führte bei vielen Mitgliedern zur totalen Unzufriedenheit, was die Macher dazu verleitete, nach ein paar Wochen – diesmal komplett ohne jede Vorankündigung – das alte System mit einer unbedeutenden Änderung wieder in Kraft zu setzen. Beim letzen Relaunch wurde es dann vollständig abgeschafft und durch die unsäglichen „Komplimente“ ersetzt.

Keine Transparenz

Man hält es nicht für nötig, Mitarbeiter von Qype auf der Plattform eindeutig zu kennzeichnen, so dass sie für jedermann, auch für neue Mitglieder, gleich als solche erkennbar sind. Durch ungeschickte Namenswahl (Moderatoren von Diskussionsgruppen heißen hießen lange Zeit „Administrator“) wird wurde zusätzlich der Anschein erweckt, dass normale Mitglieder Mitarbeiter der Plattform seien.

Technische Unfähigkeit

Technische Probleme, die wiederholt gemeldet wurden, werden nur sehr zögerlich angegangen. Es dauert mitunter Wochen, bis erhebliche Mängel, die viele Mitglieder behindern, abgestellt werden. Man fummelt gern an der Kosmetik rum, lässt aber die wichtigen Sachen links liegen, erweckt jedenfalls diesen Eindruck. Gerade beim letzen Relaunch wurde deutlich, dass kaum einer der bestehenden Fehler behoben wurde, dafür aber etlich neue einprogrammiert wurden.

Wiederholte Fotodisaster

[Alter Ärger] Am Ende des Jahres 2006 hat Qpye es doch tatsächlich geschafft, alle von Nutzern eingestellte Fotografien zu verlieren – es gab keine funktionierende Sicherung! Irgendwie haben sie dann in mühsamer Kleinarbeit Fotos zusammenkratzen können, aber vollständig war die Wiederherstellung nicht.  Zu einem späteren Zeitpunkt scheint Qype dann auch noch mit einem schlecht arbeitenden Komprimierer über etliche Fotos gegangen zu sein, jedenfalls sind viele meiner älteren Fotos nun sehr unscharf geworden und teilweise auch verzerrt. So geht das nicht.

Zweifelhafte Inhalte

Inhalte aus der rechten Ecke, die menschenverachtende Aussagen beinhalten, werden ohne Einschreiten von Qype toleriert. Erst auf Druck der Gemeinschaft werden solche Inhalte von ihrem Autor entschärft (allerdings, so scheint mir, tut der Autor das nur unter Widerwillen und ohne Verständnis für die Kritik). Es bleibt ein schaler Geschmack.

Einige sind gleicher als andere

Es fällt auf, dass man bei Qype gerne mit zweierlei Maß misst. Beispiele dafür: Störenfriede, die über Monate hinweg wiederholt andere Mitglieder in den Diskussionsgruppen und in den Kommentaren zu Beiträgen auf Übelste beschimpfen und beleidigen, werden toleriert und dürfen unbehelligt weiter ausfällig werden. Kommentare anderer Störenfriede, die sich mit Penetranz immer wieder neu anmelden, löscht der Community Manager immer wieder sofort und sehr schnell. Kommentare in den Diskussionsforen, die das böse Wörtchen „Kacke“ enthalten, werden wegen Verwendung von Fäkalsprache schnellstens gelöscht, während anderswo, bis hin zu den Beiträgen, Fäkalsprache toleriert wird. Manche Beiträge werden mit dem Hinweis auf die AGB gelöscht, wenn sie überwiegend bis ausschließlich aus fremden Inhalten bestehen (aber ohne Rechtsverletzung), andere Beiträge, die sich mit Rechtsverstoß aus fremden Quellen speisen, bleiben trotz Hinweis stehen.

Die viel beschworene Community

Wenn es darum geht, umsonst für Qype zu arbeiten, wird gerne an die Community appelliert. So meint der Community Manager, die Gemeinschaft möge doch bitte nicht nur die Inhalte liefern, sondern darüber hinaus auch die noch Qualitätskontrolle durchführen, das könnten die Mitglieder doch gefälligst selber zu tun, indem sie die durch die ausgelobten iPods verursachte Flut sinnloser Beiträge an Qype melden. Wenn es dann mal Probleme mit den Mitgliedern, z.B. weil sie zu viele Forderungen stellen, ist man schnell das Wirtschaftsunternehmen, das nicht immerfort nur nach der Pfeife der Mitglieder tanzen könne. Da kann man dann auch mal ein lästiges Mitglied rauswerfen.

Der Community Manager

Der Qype-Mitarbeiter mit dem schönen Titel „Head of Community Management“ scheint mir mit seiner Aufgabe überfordert und leider nicht in der Lage, entstehende Konflikte zu erkennen und mäßigend einzugreifen. Er fungiert mehr als Botschafter  zwischen Nutzern und Entwicklern, Löscher unbequemer Kommentare, Hausmeister und Saubermann denn als aktiver Beförderer der Community. Das liegt vielleicht auch daran, dass er die wirkliche Herausforderung seiner Position nicht begreift (er schrieb am 3. März 2009 auf Twitter: „Was mir im Community Management im Vergleich zum e-Learning doch irgendwie ziemlich fehlt, ist die intellektuelle Herausforderung”).

Ausschluss von Nutzern

Den Vogel abgeschossen hat Qype jedoch Ende November 2008 mit dem Rausschmiss eines – zugegebenermaßen unbequemen – Mitglieds, das mit stichelnden Kommentaren den Finger immer wieder auf die schmerzenden Stellen der Unvollkommenheiten, Widersprüche und Fehler legte. Das machte er in der Regel jedoch nur in den von einem verschwindend geringen Teil der Mitglieder von Qype besuchten Diskussionsforen – die Reichweite war also wesentlich geringer als bei den auf Qype veröffentlichten Beiträge. Die Gründe für den Rausschmiss werden undeutlich genannt, alles, was zum Hintergrund des Falls gehört, wurde sorgsam gelöscht.

Das alles hat mich dazu bewogen, meine Aktivitäten auf Qype zurückzufahren und meine immerhin mehr als 600 Beiträge hierhin zu übertragen.  Das dauerte, da es ja nicht nur die reinen Texte sind, sondern auch die Bilder, die Adressen, die Stichworte, die Links, die Textauszeichnungen usw.

Der fehlgeschlagene Relaunch

Bevor ich mit dem Umzug fertig war, hat Qype Ende Februar 2009 dann mit einem fatalen Relaunch viele Nutzer verschreckt. Ich will hier keine lange Liste von Fehlern und Unvollkommenheiten aufführen, das wurde in den einschlägigen Foren von Qype bereits zur Genüge getan. Ich verweise lediglich auf Lakritzes Beitrag Quer zu schlucken: Das neue Qype, der alles bestens zusammenfasst, meinen Beitrag Qype und Geographie und füge ein paar Bildschirmabzüge zur Illustration an.

Mich hat dieser dritte und bislang letzte Relaunch jedenfalls in meiner Auffassung  bestärkt, dass Qype in diesem Zustand nicht mehr die Plattform ist, auf der ich meine Beiträge veröffentlichen möchte. Ich sage nein! Bernd das Brot singt das auch sehr passend für mich:

Und hier der Text zu „Ich sage Nein!“:

Refrain: [ Ich sage NEIN!  Nein!
Ich sag nicht ja und nicht vielleicht, ich sage NEIN!  Nein!
Heute, hier und jetzt muss es mal sein!  Nein!
Das Brot sagt nein, und alle stimmen ein.
Wir sagen NEIN! Nein!
Was immer ihr auch wollt, es wird nicht sein! Nein!
Ihr könnt toben, brüllen, drohen oder schrein! Nein!
Nicht einen Knubbelfinger mehr, nicht einen kleinen! ]

Ihr fragt euch sicher, warum das denn jetzt?
So haben wir Bernd das Brot doch gar nicht eingeschätzt!
Denn trotz dem vielen Rumgejammer und Geschrei,
bin ich ja dann letztendlich immer doch dabei.
Doch diesmal schlägts dem Fass den Boden aus!
Das Maß ist voll, ich kann nicht mehr und aus die Maus!
Hast dir was Tolles ausgedacht und dann das Brot gefragt?
Drum hör zu was dieses Brot dir jetzt mal klar und deutlich sagt:

[Refrain]

Ja, ich weiß, das seid ihr nicht von mir gewöhnt.
Das ist doch nur das Kastenbrot, das sowieso nur stöhnt!
Doch mein Genöle und Gekaste ist euch einerlei,
denn schließlich bin ich dann ja immer doch dabei.
Doch das Brot geht nur solang zu Grunde bis es bricht,
Darum frag mich doch noch mal, aber schau mir ins Gesicht!
Die Idee ist sicher super, so wie immer, ganz egal!
Was du heut bekommst, das sagt dir Bernd das Brot jetzt einfach mal!

[Refrain]

Ja da staunst du was? Aber ich bleib hier!
Du kannst machen was du willst, aber sicher nicht mit mir!
Ich schlage vor du gibst jetzt mal alleine ganz viel Gas,
und ich wünsche dir dabei von Herzen ganz, ganz, ganz viel Spass!
Wir alle hier, wir haben genug von diesem ganzen Quatsch!
Drum spring allein vom Zehner, und mach auch alleine Platsch!
War das jetzt zu kompliziert, oder hast du was am Ohr?

Macht ja nix, wir singens dir gern alle noch mal vor!
Was immer ihr auch wollt, es wird nicht sein! Nein!
Ihr könnt toben, brüllen, drohen oder schrein! Nein!
Nicht einen Knubbelfinger mehr, nicht einen kleinen!
Ich sage NEIN!

Alte Beiträge auf Qype werde ich nach und nach kürzen (damit liege ich ja ganz im Trend der Dreizeiler) und mit einem Link auf dieses Blog versehen, dann das verstößt ja nicht gegen die qypeschen Nutzungsbedingungen (Links sind erlaubt und meine Beiträge haben immer noch ein paar Zeilen, die mehr Information als „Klasse, geil, gerne wieder!“ bieten).

Darum bin ich jetzt hier, wohl wissend, dass viel weniger Leute meine Beiträge lesen werden als auf Qype. Die Entwicklung bei Qype werde ich im Auge behalten und erst später entscheiden, ob ich dort ganz aufhöre, oder – was ich mir noch nicht so recht vorstellen kann – wieder mit dem veröffentlichen neuer Beiträge beginnen werde.

Viele sind inzwischen ebenfalls von Qype weggegangen, bereiten ihren Weggang vor oder fahren zumindest zweigleisig und betreiben ihr eigenes Blog. Darüber hinaus wurden verschiedene Initiativen begonnen, nicht alles in Einzelblogs zu zersplittern, sondern auch etwas gemeinsam zu machen: die Diskussionsgruppe auf kvovadis.sixgroups.com, das Gemeinschaftsblog Neue Heymat und Landstreichlers Wo will ich meinen Platz finden?


Bildschirmabzüge von Qype-Seiten nach dem Relaunch

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32 Gedanken zu “Sendepause bei Qype

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