Haus des Straßenverkehrs

Koblenz, die Stadt am Zusammenfluss von Rhein und Mosel, hat nicht nur auf dem Wasser viel Verkehr, sondern auch auf der Schiene und vor allem auf der Straße. Den Straßenverkehr haben sich die Koblenzer — vermutlich in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts — selbst in die Stadt geholt. Denn damals galt ja noch das Leitbild der autogerechten Stadt. Und diesem Götzen bauten die Fortschrittsgläubigen jener inzwischen schon etwas fern scheinenden Zeit in Koblenz ein eigenes Gebäude: das Haus des Straßenverkehrs. Es ist ein typischer Vertreter der Architektur dieser Jahre und gar nicht so übel anzuschauen (auf der Denkmalliste des Landes Rheinland-Pfalz taucht es eigenartigerweise nicht auf).

Haus des Straßenverkehrs
Haus des Straßenverkehrs

Der Name scheint Programm: das Haus steht an an einem der verkehrsumtostesten Plätze der Stadt. Hier teilt sich der Moselring, der als Bundesstraße 9 Auto um Auto in die Stadt bringt, und bildet ein Straßendreieck inmitten eines Schienendreiecks. Ohn Unterlass strömen die motorisierten Fahrzeuge auf mehreren Ebenen in alle Richtungen, der Lärmpegel ist beträchtlich. Für Fußgänger ist hier kein Platz. Sie müssen sich über eine dreibeinige Fußgängerbrücke — das dritte Dreieck — über den Autoverkehr erheben, um sicher ans andere Ufer zu gelangen.

Autogerechte Stadt
Die Fußgängerbrücke — ganz vom Schwung der 60er beseelt

Die Dimension dieser Verkehrsbauwerke lässt sich von der Straße aus gar nicht in Fotos festhalten. Erst aus der Vogelperspektive, die eine Karte bietet, kann man das Ausmaß erahnen und das Konzept der Trennung der Verkehrsströme, das als Leitbild der verkehrsgerechten Stadt gilt, gut erkennen.

Moselring
Einen gewissen geometrischen Reiz hat die Anordnung der Verkehrswege schon (Kartenausschnitt von Openstreetmap.org, Klicken zum Vergrößern)

Im Haus des Straßenverkehrs residieren überwiegend Berufsverbände des gewerblichen Straßenverkehrs.


Haus des Straßenverkehrs
Moselstraße 11, 56073 Koblenz

0261 49400
www.svgkoblenz.de
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4 Gedanken zu “Haus des Straßenverkehrs

  1. Auf den ersten Blick dachte ich: Ist das nicht –? Und dann war es doch Koblenz. Bestürzend uniform, die Konzepte dieser Zeit. Ob sie auch so entstanden wären, wenn man geahnt hätte, daß einmal jeder Haushalt zwei Autos haben würde?

  2. Glücklicherweise sind wir in Berlin weit davon entfernt. Wir haben mit 317 Autos auf 1000 Einwohner die geringste Autodichte der Republik. Da kann man sich gut vorstellen, wie schmerzhaft das gegenwärtige Chaos durch den S-Bahn-Ausfall ist. So schöne laute Straßen haben wir allerdings mit dem Stadtring auch.

    (Erstaunlicherweise belegt das kleine Saarland mit 555 Fahrzeugen pro 1000 Einwohner den wenig ruhmreichen ersten Platz der Statistik).

  3. Zuerst zum eingeklammerten Teil des Kommentars von vilmoskörte: als unsere Kinder 18 wurden machten sie den Führerschein, das Auto wurde von Oma gesponsort, der Unterhalt von Mama und Papa. Das ist das Saarland. Es hat die vermutlich auch die allerhöchste Dichte der Schüler und Auszubildenden mit Auto. Das ist auf den wenig ruhmreichen ÖNV außerhalb Saarbrückens zurück zu führen. Hätten wir zu dem Zeitpunkt noch in Göttingen gewohnt, wäre eine Diskussion um die Notwendigkeit eines eigenen Autos für die Kids niemals aufgekommen.

    Zum Beitrag selbst: Mit dem Haus des Straßenverkehrs scheint Koblenz dann ja unsere heimliche Hauptstadt des Straßenverkehrs zu sein.

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