Haff, Uecker, Peenestrom

Heute nun endlich die angekündigte Fortsetzung von Havel, Oder, Richtung Haff.


Ziemia Lodzka wird aus dem Stettiner Hafen geschleppt

Mit gestelltem Mast geht es weiter durch das Stettiner Haff Richtung Usedom, endlich kann man auch den Motor auslassen und wieder segeln. Allerdings nicht immer, denn das Fahrwasser ist manchmal sehr eng und viele Stellen des Stettiner Haffs haben die Fischer mit Stell- und Treibnetzen für sich reklamiert.


Hübsche Seezeichen säumen den Unterlauf der Oder

Wenn der Wind dann nicht aus einer passenden Richtung kommt, muss der Motor wieder an, denn kreuzen kann man unter diesen Bedingungen oft nicht. Über die weite Wasserfläche des Haffs segeln aber nicht nur wir, sondern immer wieder auch Schwärme von Meerraben.


Auf der blauen Uecker

Unser nächstes Ziel ist Ueckermünde, die Uecker hoch geht es in einen Jachthafen fast im Zentrum der Stadt. Wir laufen durch den Ort, und auf der Suche nach einem zünftigen Lokal für das Abendessen (Fisch muss es für die Mitseglerinnen sein) finden wir am Markt das Ueckermünder Brauhaus. Es hält leider nicht ganz, was es von außen verspricht.

Am nächsten Morgen geht es dann weiter Richtung Zecheriner Brücke. Es ist diesig und grau und die Reste der alten Hubbrücke Karnin, die man am Abend zuvor noch am Horizont hat erahnen können, sind nicht mehr auszumachen.


Reste der alten Hubbrücke Karnin

Es regnet, es bläst ein kalter Wind, das Fahrwasser ist sehr eng, das Boot fährt unter Motor – ganz ungemütlich, dieser Tag. Erst nachmittags klart es auf, ein paar Sonnenstrahlen brechen durch die Wolken und beleuchten die Zecheriner Brücke.

Vor der Brücke müssen wir zusammen mit etlichen anderen Segelbooten fast eine Stunde warten, bis sie für uns hochgeklappt wird – wir waren einfach zu schnell. Als wir endlich hindurch dürfen, ist das Wetter schon viel besser und beim Blick zurück stellen wir fest, dass sich unter den abziehenden Regenwolken ein schöner Regenbogen vor grauem Himmel gebildet hat.


Zecherinerˆ Klappbrücke

Weiter geht es unter Segeln bei immer mehr Sonnenschein, aber auch bei stetig stärker blasendem kalten Wind auf dem Peenestrom nach Rankwitz, unserem nächsten Hafen.

Ansteuerung von Rankwitz
Ansteuerung von Rankwitz

Nachdem wir im Rankwitzer Hafen festgemacht hatten, war Landgang angesagt, natürlich wieder mit Restaurantbesuch. Die direkt am Hafen gelegene Gaststätte Zur Alten Fischräucherei ist tatsächlich ein Lokal, in dem es ausschließlich Fisch gibt, und an das praktischerweise gleich die namensgebende Fischräucherei samt großem Verkaufsladen angeschlossen ist. Die Fischverächter bekamen hier eine ordentliche Portion Bratkartoffeln mit Rührei, das mit den Bratkartoffeln bekommen die Mecklenburger ja genauso gut hin wie das mit dem geräucherten Fisch.


Abend im Hafen von Rankwitz

Der Wind nahm im Verlauf des Abends auf gute sechs bis sieben Windstärken zu, so dass wir selbst im Hafen von Neptun gut in den Schlaf gewiegt wurden. Ich habe hier wunderbar geschlafen. Am nächsten Morgen ging es dann gut ausgeruht weiter auf dem Peenestrom in die Krumminer Wiek. Das Wetter spielte mit, obwohl wir nicht in Bayern waren, gab es einen weiß-blauen Himmel mit viel Sonne, und wir konnten sogar ein wenig segeln – bei günstigem Wind immer den Tonnenstrich entlang.

Krummin mit Naturhafen
Krummin mit Naturhafen

Am frühen Nachmittag liefen wir dann Krummin an, wo uns ein schöner Naturhafen einen Liegeplatz für die Nacht gewährte. Das hübsche Dorf mit rund 280 Einwohnern wurde schon 1230 gegründet und beherbergte einst eine Filiale des Zisterzienserinnen-Klosters Wollin, von der nur die Kirche und hier und da ein Stück Mauer verblieben sind. Das kleine Krummin scheint ganz auf den Tourismus ausgelegt, kommt man vom Hafen, wird man gleich von zwei konkurrierenden Gaststätten – Naschkatze und Pferdetränke – empfangen, die mit einer Unmenge von Hinweisschildern auf ihre besonderen Qualitäten hinweisen und um Gäste werben. Ende Mai war der Touristenstrom jedoch noch sehr überschaubar.


Rapsfeld bei Krummin

Wir erkundeten nicht nur Ort und Kirche, sondern auf einem Spaziergang auch die schöne Usedomer Landschaft um den Ort herum. Der Abend war der erste auf unsere Fahrt mit klarem Himmel unter Sternen und entsprechend war die Stimmung im Hafen.


Fischreiher auf Rot vor Grüˆn

Es war nicht nur die klarste Nacht, sondern auch die kälteste – bei rund 3° musste man den Schlafsack schon gut zubinden. Nach dem Frühstück machten wir uns dann bei Eiseskälte, aber viel Sonne auf das letzte Stück unseres Weges: Durch die Wolgaster Klappbrücke bis nach Kröslin gegenüber von Peenemünde.


Klappbrücke in Wolgast


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10 Gedanken zu “Haff, Uecker, Peenestrom

  1. Lieber Sehmann, das von Dir als „Reste der alten Zecherinerˆ Brücke“ bezeichnete technische Denkmal ist der Rest der „Hubbrücke Karnin“. Schöne Bilder, danke.

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  2. Ich bin etwas eifersüchtig, obwohl mir das (euer) Boot für meine klaustrophobische Grundhaltung zu klein erscheint. Auch die (Vor) Pommern machen gute Bratkartoffeln. Beste Grüße.

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    • Das Boot hat zwar „volle Stehhöhe“, aber bei dir stimmt das schon nicht mehr. Und die mit den Bratkartoffeln waren hier, um ganz genau zu sein, die Ostvorpommern (OVP, sieht man in Berlin ebenso wenig gerne wie MOL und OHV). Aber dieser Detaillierungsgrad, finde ich, geht zu weit und übervordert den gemeinen Westdeutschen (die meisten Ostdeutschen wahrscheinlich auch, hieß das doch sicher 40 Jahre lang Kreis Wolgast :-)

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      • Ueckermünde im Kreis Pasewalk, es folgt der Kreis Anklam, beide im Bezirk Neubrandenburg.
        Dann natürlich der Kreis Wolgast, mit Usedom im Bezirk Rostock. Etwas „Heimatkunde“, nur für dich Vilmoskörte. Das muss sonst niemand mehr wissen.

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