„Es ist erreicht“


Hoffriseur Habys Werbung für Schnurrbartwichse und Bartbinde

François Haby muss der Udo Walz der Kaiserzeit gewesen sein. Hier gingen sie ein und aus, die Prominenten, und ließen sich die Haare schneiden. Hauptsächlich kamen sie aber wohl, um sich den Schnurrbart richten zu lassen, denn in Habys Salon standen den Herren 12 Plätze, den Damen aber nur sieben zur Verfügung. Jeden Morgen um sieben musste Herr Haby beim Kaiser antreten, um ihn zu rasieren und ihm den Schnurrbart in Form zu bringen, der durch die Werbung des umtriebigen Friseurmeisters zum leuchtenden Vorbild für die Deutsche Barttracht („Kaiser-Wilhelm-Aufsteiger“) geworden war.

Überhaupt war Herr Haby sehr geschäftstüchtig und einfallsreich bei der Erfindung und vor allem der Benennung neuer Pflegeprodukte. Neben der Schnurrbartwichse „Es ist erreicht“ gehörten die Pomade „Donnerwetter – tadellos!“, die Rasiercreme „Wach auf“ und das Damenschampoo „Ich kann so nett sein“ zum Angebot seines Frisiersalons.

Sein von Henry van den Velde ganz im Jugendstil eingerichteten Geschäft traf den Geschmack der Zeit und befriedigte das Luxusbedürfnis seiner Kundschaft. So wurde sein Salon zu einer Sehenswürdigkeit der Residenz, wie die Werbung nicht ohne Stolz vermeldet. Das Gebäude mit seinem Geschäft gibt es schon lange nicht mehr, aber zwei der Frisierplätze sind uns erhalten geblieben und gehören heute zum Bestand des Stiftung Stadtmuseum Berlin.

Gesehen habe ich den Werbezettel von Herrn Haby im Museum des Schiffshebewerks Henrichenburg. Im Außengelände blickt vom Unterhaupt der alten, 1914 fertiggestellten Schleuse der Schiffbauingenieur Rudolph Haack, nach dessen Plänen das Schiffshebewerk gebaut wurde, mit seinem Bart mit den nach oben gezwirbelten Enden auf den Besucher herab.

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14 Gedanken zu “„Es ist erreicht“

  1. Ich mag Namen, die Phrasen sind. Gibt’s heute viel zu wenig. Einen Hund kann man statt ‚Waldi‘ doch auch ‚Ißt gerne Wurst und schläft viel‘ nennen. Oder so.

    Der Name der Pomade gefällt mir am besten.

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  2. „Hier ein Stückchen, da ein Stückchen –
    hier ein Stückchen, da ein Stückchen!
    Alle rufen dann im Chor:
    vielen Dank Sarotti Mohr!“

    Es gibt ihn wirklich noch, die Werbefigur von Sarotti,
    ich habe sie bei einer „Promotion-Aktion“ vor einiger Zeit im Supermarkt gesehen.

    Ich habe ihm die alte Werbung vorgesungen und ihm dazu erklärt, wie das „früher“ war. Da wurde er ganz blaß – oder war er das vorher schon? Wirbt Sarotti jetzt mit weißen Mohren?

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  3. Bei der Büste welche mit ihrem „…Bart mit den nach oben gezwirbelten Enden auf den Besucher herab.“ blickt handelt es sich um Rudolph Haack. Jener Dargestellte Haack war der Schiffbauingenieur welcher die Pläne für das Hebewerk entwarf, zumindest wenn im Artikel auf die Wand-Büste im zweiten Foto Bezug genommen wird. Des Weiteren war Wilhelm II. nie kahlköpfig geschweige denn am Kinn derart „Vollbebartet“ – was mich auf diese journalistische Ungenauigkeit aufmerksam machte – Rechercheaufwand war für mich, der das Werk nie besuchte, fünf Minuten und ich finde wenn man einen Artikel publiziert sollte man soviel Aufwand und Genauigkeit schon betreiben. Die Bildmittel und der Rest – bzw. Anfang – des Artikels sind hingegen, im Sinne des Artikels und der Epoche, tadellos (!) auch ist es schön mehr aus dieser nahen und doch so fernen Epoche lesen zu dürfen.

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