Neue Kissen für Moabit

Berlin greift mit Elementen für den Straßenbau und die anschließende Möblierung gern auf Hausgemachtes zurück. Seit dem 19. Jahrhundert werden viele Gehwege aus Charlottenburger Schweinebäuchen gebaut, denen Olafur Eliasson gar einen eigenen Raum in seiner Ausstellung Innen Stadt Außen gewidmet hatte. Seit den 1970er Jahren kommen die Moabiter Kissen zum Einsatz, die den Verkehr beruhigen helfen, und neuerdings werden überall in der Stadt Kreuzberger Bügel gepflanzt, an die man sein Fahrrad bequem und sicher anschließen kann. Ob weitere Berliner Ortsteile ihren Namen für ein Element der Straßengestaltung überlassen haben, ist mir nicht bekannt, sachdienliche Hinweise werden gerne entgegengenommen.


So viele Pflastersteine schluckt das Kissen


Akkurat geschnittene Pflastersteine in den Diagonalen


Viel Handarbeit

Moabiter Kissen werden nicht mehr oft neu angelegt, weil ihre Errichtung, was Materialeinsatz und Arbeitsaufwand angeht, wohl nicht ganz billig ist. Aber nun ist es doch geschehen und die Lübecker Straße in Moabit hat ihr ersten Kissen bekommen – sorgfältig aus alten Pflastersteinen zusammengesetzt und abschließend, was eher selten ist, mit Teer verfugt.

Zusammen mit einer Fahrbahnverengung sorgt das Kissen nun dafür, dass die Autos, die das überdimensionierte Parkhaus des Moa-Bogens verlassen, nicht mehr ungehindert durch diese Straße brettern können und die schweren LKW des frühmorgendlichen Lieferverkehrs wohl zukünftig ganz draußen bleiben werden.

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19 Gedanken zu “Neue Kissen für Moabit

  1. … und die Fahrer der Rettungswagen kriegen in einer weiteren Berliner Straße die Krise > Solche ‚Kissen‘ werden darum woanders rückgebaut und durch andere Maßnahmen ersetzt: Begrünung, Parkbuchten, versetzte Verkehrsführung etc.

    In der Lübecker Straße wird so lediglich das vorherrschende Grau noch ’schöner‘ gemacht und eine Chance vertan!

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    • Eine leichte versetzte Verkehrsführung oder schon die Schaffung von begrünten Parkzonen ist zumeist ausreichend – erleichtert nicht unbedingt nur dem RTW-Fahrer die Arbeit. Aber ich rate mal an, einen begleitenden Arzt zu fragen, wie er seine Spritze setzt (oder andere Dinge im schaukelnden Fahrzeug absolviert), wenn der RTW derartige Kissen überfährt.

      Das sind Erfahrungen, die in vielen Städten gemacht worden sind und gerade aus solchen Gründen wurden die Kissen dort rückgebaut.

      Auf dem Feindbild ‚böser Autofahrer / arme Anwohner‘ aufgebaute Ideologie reicht nicht aus.

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  2. HIer in unserer Straße gibt es auch so ähnliche „Hügel“, so an Kreuzungen oder vor Fußgängerüberwegen oder einfach so mitten in der Straße. Besonders jene Autofahrer sind sehr „erfreut“ wenn die tieferliegende Karosse mit lautem „Krawumms“ aufsitzt.
    Da ich als Anwohner dieser Straße notgedrungen häufig die ganze Straße durchfahre, ist mir schon ziemlich häufig ein kräftiger Fluch ausgekommen. Es gibt sicher andere „verkehrsbremsende“ Maßnahmen.

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  3. Woanders werden sie auch Krefelder Kissen http://is.gd/54yfJH genannt.
    Als Taxifahrer hasse ich diese Teile, wenn ich z.B. in der Wilhelmshavener oder Stephanstraße eine Hausnummer suche. Als Anwohner finde ich sie nicht schlecht, weil sie tatsächlich für eine Entschleunigung sorgen.

    Krankenwagenfahrer finden die Kissen doof, weil manche Kranke nicht so ruckartig bewegt werden dürfen, wie es aber beim Überfahren passiert. Die präferieren aber eher das Slalomfahren – außer sie haben jemanden mit Schwindeltrauma im Auto ;-)

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    • Wenn der Taxifahrer die Moabiter Kissen hasst, dann sind sie doch tatsächlich im Sinne der Verkehrsberuhigung wirksam. In Moabit sind sie darüber hinaus fast ausschließlich in verkehrsberuhigten Zonen gemäß § 42 (4a) StVO zu finden, die durch dieses Schild gekennzeichnet werden:

      Hier muss der Autofahrer (und das schließt sogar den Taxifahrer ein) Schritttempo fahren, und das ist verdammt langsam. Wenn das Moabiter Kissen dann mehr Anlass zum Lamento gibt als die Bordsteinkante beim Parken mit der rechten Wagenseite auf dem Gehweg, dann fährt er in der Regel zu schnell, so einfach ist das.

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  4. Unter Bremsschwellen (schmal über die ganze Straßenbreite aufgeschraubt) verstehe ich was anderes als unter Moabiter Kissen (siehe Fotos oben). Ich finde beide (und übrigens auch die Kreuzberger Bügel) ganz große Klasse. Die Vorteile für Anwohner überwiegen bei weitem hier genannte Flucheffekte. Offensichtlich wünschen sich die potentiellen Flucher nur praktisch unwirksame Entschleunigungsmaßnahmen. Ich selbst besitze übrigens sowohl Fahrrad als auch Auto und bin schon mal im Rettungswagen transportiert worden. Problemlos!

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  5. Hallo nun habe ich durch die „Kissen“ entdeckt, dass ich hier einen Doppelgänger habe…mal sehen ob das auch zu bremsen geht. -Als Berliner Malerin (ohne Auto) empfinde ich die Anordnung der Steine eher wie ein Minimal-Kunstwerk :-)

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    • An der Kreuzung zur Perleberger wird auch heftig gebaut, hier werden Gehwegvorstreckungen (was für ein Wort!) angelegt, die südliche ist schon fertig, die nördliche wurde gerade begonnen. Dann wird die Perleberger an der Kreuzung nur noch zwei Spuren für Autos haben, die Radfahrer fahren wieder auf dem roten Strich über den Gehweg (bzw. seine Vorstreckung). Zwei Spuren sind die Voraussetzung für die Anlage eines Zebrastreifens, der dann vielleicht auch noch kommt (ich sehe von einer Anfrage bei der Senatsverwaltung ab, da deren Beantwortung erfahrungsgemäß länger dauern wird als die Bauarbeiten).

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      • Es sind doch auch jetzt schon ’nur‘ zwei Spuren für die Autos – eine in jede Richtung!?!

        Und wer mit offenen Augen die dann geänderte Verkehrsführung für Radfahrer betrachtet – inclusive einer dann notwendigen Schlangenlinie – erkennt mal wieder, wie unterschiedliche Behörden ihre Arbeit koordinieren. Oder auch, wie schnell manchmal eine Kosten verursachende Maßnahme schnell abgehakt wird. Neue Besen kehren halt besser!

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      • Zwei Spuren sind es nur, wenn es keine Möglichkeit für Autofahrer gibt, auf einen nur aufgemalten Fahrradangebotsstreifen auszuweichen. Und nur bei zwei Fahrspuren ist es in Berlin möglich, einen Zebrastreifen einzurichten (damit nicht ein Auto auf einer Spur hält und ein zweites auf der zweiten Spur den querenden Fußgänger anfährt). Und ein Zebrastreifen wird dort eingerichtet, ein Mast für die Beleuchtung steht schon (dort, wo das Kleinpflaster gleich wieder aufgerissen wurde).

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