Sprüche kloppen

Bald sind wieder Wahlen, Moabit und der Rest der Stadt hängen voll mit Plakaten. Werbung für die „Großen“, die ins Abgeordnetenhaus einziehen wollen, um die Politik der Hauptstadt zu bestimmen, und für die „Kleinen“, die demnächst auf Bezirksebene das Sagen haben möchten.

Von Jahr zu Jahr scheinen mir die Aussagen auf den Wahlplakaten, die die großen Parteien an jedem verfügbaren Laternenmast aufhängen, dünner zu werden.

„Berlin verstehen“ erklärt die SPD zum wichtigsten Ziel (hatten sie dafür in den letzten Jahren in Regierungsverantwortung nicht Zeit genug, frage ich mich). Bei „Mieter und Schutz“ denke ich jedoch eher, sie müssen erst noch lernen, Deutsch zu verstehen, bevor sie Berlin verstehen können. Ansonsten stellen sie große Plakate mit netten Fotos auf, die aber bar jeder Aussage sind. Wenigstens tun die Plakate nicht weh, wenn sie ins Blickfeld geraten.

Bei der CDU heißt der Leitspruch „Damit sich was ändert“. Eine konkrete Aussage, wie das genau geschehen soll, bleiben sie schuldig, man darf aber 100 Lösungen am Kiosk kaufen. Auf den ersten Blick dachte ich, sie wollen weniger Arbeitslose, aber bloß nicht in Berlin. Aber das meinen sie sicher anders. Es empfiehlt sich jedoch, wie bei den Mobilfunkanbietern, das Kleingedruckte sorgfältig zu lesen:

Also alles nach dem Motto: Traue keiner Statistik, die du nicht selbst verfälscht hast. „Komm, lass uns handeln“ passt ganz gut dazu – Hauptsache, wir machen irgendetwas.

Die Grünen haben die grottigsten Plakate, jede Art von Willen zu einer ansprechenden Gestaltung scheint systematisch unterdrückt. Der Wahlspruch hier lautet: „Da müssen wird ran!“. Und dazu haben sie eine freundliche, gemütlich blickende ältere Dame (so alt ist sie gar nicht, 1960 geboren) reaktiviert, die früher zwar schon mal Ministerin, aber seitdem nicht mehr aktiv in der Politik war. Sie soll jetzt mit dem klugen Spruch „Ja, Mitte.“ Bürgermeisterin des Bezirks Mitte werden. Auch sonst fallen sie negativ auf, z.B. mit dem äußerst sinnvollen Slogan: „Tilo für Tiergarten“ (im Wedding klebt vielleicht „Werner für Wedding“ oder „Gesine für Gesundbrunnen“). Und das in Moabit, das schon seit 10 Jahren nicht mehr zum nicht mehr existierenden Bezirk Tiergarten gehört. Oder wollen die Grünen heimlich die Bezirksreform rückgängig machen?

Von der Partei „Die Linke“ ist in Moabit weit und breit kein Plakat zu sehen, vielleicht wollen die hier gar nicht gewählt werden. In anderen Gegenden Berlins habe ich aber schon Plakate gesehen, zum Teil mit ähnlich seltsamen Sprüchen wie bei der SPD: „Privat ist Katastrophe“. Die gemeinsame Regierungszeit hat wohl Spuren im Sprachgebrauch hinterlassen.

Einzig die Piraten haben ein paar Aussagen auf ihren Plakaten (die hier in Moabit viel häufiger zu sehen sind als die der anderen kleinen Parteien), die vergleichsweise deutlich sagen, wofür sie eintreten. Nur lesen kann man sie leider nicht.

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16 Gedanken zu “Sprüche kloppen

  1. Bei allen Parteien gibt es inzwischen wichtige Menschen die wissen wie es geht und die Technik steht eh in allen Kinderzimmern. Die Piraten haben viele Plakate an vielen Stellen der Stadt, aber man kann nicht lesen worum es geht, dafür ist aber der Absender auch nicht zu erkennen. Ich möchte wissen woher die die Kohle haben.

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  2. Übrigens hängt auf der Perleberger Straße Richtung Wilsnacker ein Plakat der LINKEN, leider ist es nicht als solches zu erkennen, aber die drei Damen für die BVV stehen sicher für sich.

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  3. Harhar! Ich votiere dafür, daß die CDU künftig alle i-Punkte durch Herzchen ersetzt!
    (Vielleicht sollte man sich drüber freuen, daß die Parteien wenigstens kein Geld für teure Werbeagenturen verschwenden …)

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  4. Habt Ihr denn keine FDP-Plakate? Die finde ich besonders gelungen und unterhaltsam. Beim Versuch, die Internetseite mit den Kampagnenbildern zu Reproduktionszwecken nochmal aufzurufen – so viel Unsinn kann ich nicht im Gedächtnis behalten – ist mir das Adobe Flash Plug-in abgestürzt. Kein Wunder. Und dann gibt es wie immer natürlich auch den gedanklichen Abfall, der vom rechten, mittlerweile ganz gut aufgefächerten Spektrum, produziert wird.

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  5. Berlin verstehen – be-4-tempelhof.de erklärt SPD Wahlkampf

    Die Berliner SPD zieht mit dem Slogan „Berlin verstehen.“ in den Wahlkampf. Beachtlich, denn die SPD ist seit 22 Jahren in der Regierungsverantwortung. Immerhin – nun wollen die Sozialdemokraten mit Klaus Wowereit an der Spitze endlich die Stadt verstehen und uns Berlinern erklären, wie wir Berliner Berlin verstehen sollen.

    Rasant steigende Mieten und hohe Wasserpreise – Berliner SPD verstehen
    Der Berliner dagegen sollte sich die Frage stellen was die SPD in den letzten 22 Jahren eigentlich zustande gebracht hat: was hat die SPD eigentlich verstanden? Nach so langer Zeit müsste eigentlich alles erledigt sein.

    Mehr Demokratie wagen und Die Regierung bin ich – Wowereit verstehen
    Das Aktionsbündnis be-4-tempelhof.de sammelt deshalb Vorschläge, um Herrn Wowereit Berlin zu erklären und hilft den Berlinern, ihre SPD zu verstehen.

    Hartz IV und wer hats erfunden – SPD verstehen
    Ob S-Bahn Chaos, Zubetonieren des Flughafen Tempelhof, Harz IV, überteuertes Wasser, Roter Filz oder Milliardengrab Flughafen Schönefeld – Wir suchen mit dem Wähler Erklärungen.

    Natürlich erklären wir auch das neue SPD Kreuzfahrtschiff, Mitgliederschwund und Partymeister. Wie sagte doch ein Politiker: Man muss Politik den Menschen erklären.

    Damit jeder kreative Vorschlag ankommt, haben wir unseren bewährten Slogangenerator wieder aktiviert. Nach Eingabe eines Slogans entsteht daraus das passende Wahlplakat.

    Gehen Sie einfach auf die Internetseite http://www.berlin-verstehen.info oder schicken Sie Ihren fertigen Vorschlag an poster@berlin-verstehen.info.

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    • Ein paar lustige Gegenentwürfe sind ja schon dabei, ansonsten scheint sich die Initiative gerne der Wahlkampfsprüche der CDU zu bedienen. (Und ums klar zu stellen: für den Erhalt von Tempelhof als Flughafen bin ich nicht.)

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