Santa Maria in Vallo di Nera

Der Bau der Franziskaner-Kirche Santa Maria im mittelalterlichen Vallo di Nera begann bereits 1273. Sie präsentiert sich mit einem sehr schlichten Äußerem, einem recht massiven Turm und einem schönen gotischen Portal. Überraschend ist allerdings das Kircheninnere, das durch eine große Anzahl von Fresken geschmückt ist, die im 14. und 15. Jahrhundert von verschiedenen Künstlern gemalt wurden. Dieser außergewöhnlich Schmuck ist allerdings erst wieder zum Vorschein gekommen, als man die barocke Ausstattung entfernt hat.

  

Das kunsthistorisch bedeutungsvollste Bild ist die Darstellung eines Ereignisses, das sich um 1399 zugetragen hat und über ganz Italien erstreckte: die Processione dei Bianchi. Zehntausende von Männern, Frauen und Kindern aller Stände zogen von Turin aus durch Italien gen Süden, gewandet in weißen Leinengewändern mit weißen Kapuzen, die mit mit einem roten Kreuz an der Schulter und an der Kapuze gekennzeichnet waren. Sie beteten für Frieden und Gnade, denn in Europa und Italien wüteten etliche Kriege und selbst die Kirche war zerstritten.

Dieses Ereignis hat die Bürger von Vallo wohl so beeindruckt, dass sie schon kurz darauf einen Maler beauftragten, es im Bild festzuhalten. Das 1401 von Cola di Pietro da Camerino gemalte Fresko auf der rechten Seite der Kirche ist eine der vollständigsten Darstellungen dieser Bewegung, die binnen eines Jahres genau so schnell verschwand wie sie entstanden war. Das Fresko zeigt die Ankunft zweier Prozessionszüge der Büßer, die von den Franziskaner-Brüdern empfangen werden.

      

Ein paar Jahre zuvor, 1383, hatte Cola di Pietro da Camerino mit Francesco di Antonio da Ancona – beide sind Maler aus der Schule von Giotto – die Apsis ausgemalt. Die Gemälde erzählen die Geschichte Jesu, der Madonna und des hl. Franziskus.

Das Martyrium der Hl. Lucia

Auf der linken Seite der Kirche ist das zweite besondere Fresko der Kirche zu sehen: die Darstellung des Martyriums der Lucia von Syrakus zu sehen.

Übrigens: Die Kirche ist meist verschlossen, den Schlüssel gibt es bei einer Dame, die gleich neben der Kirche ihr Haus samt Garten hat – freundliches Fragen hilft hier weiter, sie öffnet dann die Kirche.

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Ein Gedanke zu “Santa Maria in Vallo di Nera

  1. Wie schön!
    Als ich den Beitrag las, stellte sich mir auch die Frage: wer entscheidet, welche Ausmalungsschicht oder Ausstattung die (kunst)historisch wertvollste ist? Welche bleibt? Welche wird von den Restauratoren wieder zum Vorschein gebracht…

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