Denkmalschutz

Der hässliche graue Kasten, der einst das Rathaus des seit zehn Jahren nicht mehr existierenden Bezirks Tiergarten war und seit seiner Errichtung den Blick auf die schöne Arminiusmarkthalle verstellt, gehört ja eigentlich abgerissen. Denn wer den Palast der Republik aus politischen Gründen meint „zurückbauen“ zu müssen, der muss erst recht auch diesen Bau aus der Nazizeit abreißen, selbst wenn dieser nach dem zweiten Weltkrieg durch den Anbau eines Saals für die Bezirksverordnetenversammlung nachträglich eine Art demokratischer Legitimation erhalten hat.

Aber nein, stattdessen wird das Rathaus unter Denkmalschutz gestellt.

Bild

Und nun arbeiten hier offensichtlich die Restauratoren und untersuchen das Treppengeländer aus den 1950er Jahren auf die verwendeten Farben. Da steht doch glatt zu befürchten, dass hier, obwohl Berlin gerade dabei ist, aus Geldmangel seine überzähligen Rathäuser und Schulen zu veräußern, einiges an Geld in die Hand genommen werden soll, um den Amtssitz des Bürgermeisters von Mitte wenigstens von innen zu verschönern.

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9 Gedanken zu “Denkmalschutz

  1. So lange ein Park auf einmal heimlich still und leise einen neuen ‚Namen‘ (‚Fritz-Schloß-Park‘ wurde ohne große Diskussion und ohne irgendeine Information für die Öffentlichkeit zum modern-verquasten ‚SportPark Poststadion‘) – so lange beim Rtahaus nicht einmal daran gedacht wird, auch nur einmal das betroffene Volk zu fragen und auch nur ansatzweise auf Volkes Stimme zu hören … so lange wird das nicht vorhandene Geld weiterhin in sinnlose Farb-Gutachten gesteckt und so werden auch Alibi-Positionen in der Denkmalverwaltung geschützt.

    Vielleicht reden wir bei Gelegenheit auch mal über den dazu passenden Farbgutachten-Wahnsinn in der Arminiushalle …

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  2. Den Palast der Republik habe ich persönlich unter Denkmalschutz gestellt! Aber keiner wollte auf mich hören! Wäre ein Durchgang zur Arminushalle nicht preiswerter und schicker als ein Abriss?

    Denkmalschutz bewerte ich übrigens ziemlich ideologiefrei. Sonst müsste man fast alles abreißen. Welcher Herrscher hatte nicht irgendwie Blut am Stecken?

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  3. Geht es denn um politische oder um ästhetische Aspekte??

    Ich finde, eine geschichtsträchtige Stadt tut gut daran, alle ihre Schichten der Geschichte zu ertragen und berichten zu lassen. Wenn ich zurückdenke an die Diskussion so um 1993 herum, als unter Bauministerin Irmgard Schwätzer, der Rückbau von zahlreichen historisch belasteten Gebäuden gefordert und geplant wurde (Staatsrat, Reichsbank, Luftfahrtministerium usw.), möchte ich mir nicht vorstellen, wie das Stadtbild nach einer derartigen architektonischen Zäsur heute aussähe.

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  4. Selbstverständlich kann man die Geschichte nicht durch den Abriss von Gebäuden ändern, ebenso wenig wie mit der Wiederrichtung längst verschwundener Gebäude – Berlin braucht kein Hohenzollernschloss in seiner Mitte. Mir geht es ganz eindeutig um ästhetische Aspekte. Das politische Argument für einen Abriss war eher ein Seitenhieb auf diejenigen, die den Abriss des PdR betrieben haben.

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