Vom Aberwitz

Jeden Tag komme ich auf dem Weg zur Arbeit an dieser Spielplatzruine vorbei:

Ich hatte zuvor immer den Eindruck, dass der Spielplatz von den Kindern gut angenommen wurde. Jedenfalls war er bei schönem Wetter immer sehr gut besucht, die Mütter und vereinzelt auch Väter saßen auf den Bänken und die Kinder spielten im Sand und an den Geräten.  Bis zum Herbst 2011, da kamen die Bauarbeiter und haben den Spielplatz platt gemacht. Die Spielgeräte waren verschwunden und die Sitzbänke lagen – von schweren Baugeräten zerstört – als Schrott am Rande des Baufelds (ob den Spielgeräten das gleiche Schicksal beschieden war, weiß ich leider nicht). Seitdem liegt er verwaist als Brache da.

Nun ist es wohl so, dass Spielplätze durch intensive Nutzung einem erheblichen Verschleiß unterworfen sind, der dafür sorgt, dass Spielplätze und vor allem die Geräte darauf alle fünf Jahre einer Grundsanierung bedürfen – eine Periode, die in Berlin aus Geldmangel schon auf acht Jahre gestreckt wurde. Zur Neugestaltung des Spielplatzes fand auch eine umfangreiche Bürger- oder besser Kinderbeteiligung statt, die in einen Vorschlag zur Umgestaltung mündete.

Auf dem Bauschild ist zu lesen, dass der Spielplatz im Rahmen des zweiten Bauabschnitts im Frühjahr 2012 wieder als solcher hergerichtet werden sollte. Laut Auskunft auf der Homepage des Quartiersmanagements Moabit-Ost stehen “für die Umgestaltung [..] rund 240.000,-  zur Verfügung, die in Jahren 2011 und 2012 verbaut werden sollen”. Die Gelder stammen aus dem Programm Soziale Stadt und werden über das Berliner Quartiersmanagement aus dem Quartiersfond 4 finanziert. Bei der Summe handelt es sich wohl um einen Tippfehler, denn tatsächlich stehen lediglich 140.000 € bereit, von denen rund 20.000 € bereits für den ersten Bauabschnitt, den Abriss, ausgegeben wurden.

Nun ist es bereits Mitte Juni, das Frühjahr ist vorbei, und der Spielplatz liegt immer noch verwüstet danieder.  Inzwischen ist er wenigstens zum Objekt des Guerilla Gardenings geworden, zumindest wenn man dem entsprechenden Aufruf auf Facebook glauben mag. So wird er vielleicht doch wenigstens noch zur Grünfläche.

Dabei liegen die Pläne für die Umgestaltung des Spielplatzes bereits vor. Die Gestaltung wird sich am Thema “Unterwasserwelt” orientieren.

Dem Thema entsprechend sind die neuen Spielgeräte gestaltet: ein Robinson-Eiland mit einer Wellenrutsche, eine Kletteranlage “Korallenwand”, ein Kletterturm “Feuerqualle”, eine Wippe “Delfin und Hai” und ein Mini-Karussel mit Krakenmotiv. Echtes Wasser für die geplante “große Matsch- und Sitzanlage” darf, wenn man das Motto des Spielplatzes ernst nimmt, selbstverständlich nicht fehlen: es wird vom benachbarten Lebenstraum-Haus gesponsort.

Bis der Plan allerdings in die Realität umgesetzt ist, müssen wir uns wohl noch eine Weile gedulden. Es mutet absurd an, dass ein offensichtlich noch funktionierender Spielplatz abgeräumt wird und es Monate dauert, bis der Wiederaufbau beginnt. Warum es nicht weitergeht, liegt an Haushaltssperre und Nothaushalt in Mitte. Obwohl die Finanzierung des Spielplatzumbaus zum größten Teil – nämlich zu 89% – aus europäischen Mitteln bestritten wird, blockiert Berlin wegen seiner elfprozentigen Eigenbeteiligung – rund 13.000 € – den Ausbau dieses Spielplatzes. Derzeit rechnet man in der zuständigen Verwaltung damit, dass im September das Geld freigegeben wird, es kann aber genauso gut noch bis zum Jahresende dauern. Letzteres würde wohl bedeuten, dass der zweite Bauabschnitt genau ein Jahr später als ursprünglich geplant in Angriff genommen wird.

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9 Gedanken zu “Vom Aberwitz

  1. Was ist ein “Funktionierender Spielplatz”? Der Begriff wird sicherlich von Nutzern und “Betreibern” oder “Bei Unfällen Haftenden” unterschiedlich gesehen. Vielleicht hätten einige Reparaturen dazu führen können, dass der Platz weiterhin bis zu einer Neugestaltung bespielbar gewesen wäre. Aber das hätte man wohl von verantwortlicher Seite wollen wollen und wäre auch mit Aufwand (Denken,Organisieren) verbunden gewesen.

  2. Das ist doch mal wieder typisch für Berlin. Im kleinen läuft es da genauso wie im grossen (siehe Flughafen).

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