Schloss Paretz

Schloss Paretz

Dass das Schloss Paretz in seiner Schlichtheit die Bezeichnung Schloss eigentlich nicht verdiene, sondern eher als königliche Datsche, à la limite als Landhaus bezeichnet werden müsse, fand nicht nur der sachkundige Kunsthistoriker, der uns mit rund einem Dutzend anderer Sonntagsausflügler durch das Gebäude führte, auch Fontane sah es ähnlich, als er 1873 im dritten Band seiner Wanderungen durch die Mark Brandenburg schrieb: „So war ein Sommerschloß gewonnen, anmutig, hell, geräumig; aber in allem übrigen von einer Ausschmückung, die heutzutage kaum noch den Ansprüchen eines Torf-Lords genügen würde“.

Gebaut wurde das Schloss 1797 in wenigen Monaten nach Entwürfen von David Gilly unter Mitwirkung seines Sohns Friedrich als Sommerresidenz für den damaligen Kronprinzen und späteren König Friedrich Wilhelm III. und seine Gemahlin Louise von Mecklenburg-Strelitz. Der Kronprinz, sich wohl der geringen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des preußischen Königreichs bewusst, hielt die Architekten zur Sparsamkeit an, wie Fontane weiter berichtet: „[…] der Aufbau des neuen Schlosses […] erfolgte nach einem Plane des Oberbaurats Gilly, in »ländlichem Stile.« »Nur immer denken, daß Sie für einen armen Gutsherrn bauen«, sagte der Kronprinz“.

Aus dem Paretzer Skizzenbuch
Schloss Paretz um 1800, Illustration aus dem Paretzer Skizzenbuch (Wikimedia, gemeinfrei)

Bis 1945 blieb das Schloss innen und außen im Wesentlichen im Originalzustand erhalten, erst nach dem Ende des zweiten Weltkriegs verschwand die Originalausstattung nach und nach, als das Gebäude einige Jahre als Flüchtlingslager diente. Bei späteren Umnutzungen zu DDR-Zeiten wurde auch massiv in die Bausubstanz und die Raumaufteilung eingegriffen. Die prächtigen Papiertapeten aus der Entstehungszeit des Schlosses – sowohl gemalte auch auch gedruckte – wurden 1947 abgenommen und im Neuen Palais in Sanssouci eingelagert und blieben so erhalten. Jahrzehnte später kamen sie von dort zur Restauration und schmücken – wieder am alten Platz – die Räume des Schlosses, dessen Rekonstruktion 1999 begonnen wurde und das seit 2001 für Besucher offen ist.

Schloss Paretz

Da ausreichend Dokumentationen über das Schloss und seine Einrichtung vorhanden sind, die bis zu den Namen der mit den einzelnen Gewerken beauftragten Handwerkern gehen, war es möglich, das Gebäude weitestgehend in den Zustand von 1797 zu versetzen. Natürlich sind die Möbel nicht mehr diejenigen, die ursprünglich hier standen, es wurden aber durchweg den Originalen entsprechende aus der gleichen Zeit und aus dem Besitz des preußischen Königshauses zur Ausstattung der Räume verwendet. Da der König auch hier sparsam war und nicht zum Prunk neigte, waren die schlichten Möbel oft mehrfach am Hof vorhanden.

Friedrich Wilhelm und Louise verbrachten zwischen 1797 und 1805 regelmäßig mehrere Wochen gegen Ende des Sommers in Paretz – Aufenthalte, die Fontane als glückliche Zeiten für die königliche Familie beschreibt: „In diesem also umgeschaffenen Paretz, das bei Freunden und Eingeweihten alsbald den schönen Namen »Schloß Still-im-Land« empfing, erblühten dem Königspaare Tage glücklichsten Familienlebens. Die Familie und die Stille waren der Zauber von Paretz.“ Die Ruhe, so Fontane weiter, ließ man „gern durch die Heiterkeit des Dorfs unterbrechen“ – das königliche Paar nahm stets an den alljährlichen Erntefesten teil.

Auch heute ist Paretz noch vergleichsweise abgelegen und ruhig und bietet sich für einen Ausflug an. Nach dem Besuch des Schlosses – möglichst mit Teilnahme an einer Führung – empfiehlt sich ein Spaziergang zur Havel und die Havel entlang, auf den Wegen, die schon Fontane beschritten hat. Wer danach Hunger und Durst verspürt, fahre die paar Kilometer nach Ketzin und kehre im Restaurant „An der Fähre“ (eben genau dort) ein.

Paretz, das einstige preußische Musterdorf, ist inzwischen in schwäbischer Hand – angefangen mit dem Storchenhof, der fein hergerichtet einen schönen Platz für einen kleinen Imbiss bietet, der allerdings auch kein kleines Loch ins Portemonnaie schlägt, bis zur Breuninger-Stiftung, die den früheren Getreidespeicher zu einem Veranstaltungsort und Konzertsaal aufgehübscht hat, in dem sicher kein Dorffest (mit abschließender Schlägerei?) mehr stattfindet.


Schloss Paretz
Parkring 1, 14669 Paretz / Ketzin

0331 9694-200
Stiftung Preußische Schlösser und Gärten
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8 Gedanken zu “Schloss Paretz

    • Ein schöner Begriff, fürwahr, wenn auch etwas démodé. Die einschlägigen Suchmaschinen finden auch nicht so viele Stellen, wo er vorkommt, meistens ist es ein Artikel über das mir wohl bekannte, wasserreiche und zu früheren Zeiten auch zum Torfabbau genutzte Rhinluch, in dem u.a. folgendes zu finden ist: „Die Bewohner des ständig wachsenden benachbarten Berlin benötigten, um kochen und heizen zu können, täglich riesige Mengen davon. Die Neuruppiner Wilhelm und Alexander Gentz, letzterer ging als Torflord in die Geschichte ein, beschäftigten mehr als 1.000 Arbeiter im Torfabbau“.

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  1. Das Foto vom Salonzimmer gibt die Atmosphäre dort sehr gut wieder, selbst geschossen? Wenn ich einen Blog mache über Wanderungen, Fahrten – darf ich dann auf diese Seite verlinken?

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