Reise mit Hurtigruten – Tag 7: Båtsfjord – Kirkenes – Berlevåg

Am siebten Tag liefen wir zwei Häfen gleich zweimal an: Båtsfjord (23:45 bis 0:15 und 19:45 bis 20:15) und Vardø (3:15 bis 3:30 und 15:45 bis 16:45), allerdings fielen die jeweils ersten Stopps in die nachtschlafende Zeit, in der wir weiter durch die Barentssee fuhren. In Kirkenes (9:00 bis 12:30) stand der Wendepunkt der Schiffsreise an: Am Nachmittag ging es wieder südwärts, zurück nach Bergen, mit dem Vorteil, dass wir einige der Häfen, die wir nordwärts bei Nacht angelaufen hatten, nunmehr bei Tageslicht sehen würden.


Karte © Kartverket lizensiert unter Creative Commons Attribution 4.0 International (CC BY 4.0), Original bei norgeskart.no

Ich bin früh aufgestanden, so dass ich das Ablegen in Vadsø um 7:15 an Deck verfolgen konnte. Anschließend war das gute Frühstück angesagt, während uns die MS Nordkapp durch den Varangerfjord und den Bøkfjord nach Kirkenes brachte, wo wir um 9:10 festmachten.

Einige Reisende, die schon einmal mit Hurtigruten in Kirkenes waren, hatten uns erzählt, dass die Stadt nicht sehr attraktiv, ja sogar eher häßlich sei. Das wollten wir selber erkunden und machten uns auf den Weg ins Zentrum, auch hier durch den sehr hoch liegenden Schnee stapfend. Kirkenes hat rund 3.500 Einwohner und liegt 10 km von der russischen Grenze entfernt. Dank einer Sonderregelung, die auch im Schengen-Abkommen festgehalten wurde, dürfen Russen und Norweger, die innerhalb einer 30-Meilen-Zone beidseits der Grenze wohnen, seit April 2010 ohne Visum hin und her reisen. Viele Russen kaufen Waren des täglichen Bedarfs (Windeln, sagte man uns, seien sehr gefragt) in den vergleichsweise vielen Supermärkten von Kirkenes. Die Straßenschilder, Beschilderungen öffentlicher Gebäude und Namen von Geschäften sind zumeist zweisprachig. Man blickt auf eine Jahrhunderte währende gemeinsame Geschichte zurück, denn bis 1826 war die Gegend rund um Kirkenes ein gemeinsamer russisch-norwegischer Bezirk. Das sieht man z.B. auch am Gebäude, das früher die Post beherbergte: Eine Schmucktafel an der Fassade zeigt links von einem Posthorn eine norwegische Stabkirche, rechts eine russisch-orthodoxe Kirche mit den typischen Zwiebeltürmen. Im Haus gegenüber befindet sich das russische Generalkonsulat, auch andere Staaten sind mit diplomatischen Vertretungen präsent, so residiert ein paar Häuser weiter der deutsche Honorarkonsul.

Insgesamt stellte sich Kirkenes überhaupt nicht als so hässlich heraus, wie uns erzählt worden war. Zum Teil liegt das vielleicht auch daran, dass der blendend weiße Schnee etliches Grau zu überdecken vermochte und Farben stärker hervortreten ließ.

Um 12:30 verließen wir Kirkenes und fuhren zurück nach Vardø, der östlichsten Stadt Norwegens (31° 6′ 0″ E – östlicher als St. Petersburg und Istanbul), wo wir kurz nach 16 Uhr festmachten. Vardø liegt auf einer Insel direkt vor der Küste und ist über den ersten Unterwassertunnel Norwegens mit dem Festland verbunden.

Vardø wurde zur Milleniumsstadt (Tusenårssted) der Provinz Finnmark auserkoren: „Vardø ist die nördlichste Festungsstadt der Welt, Westeuropas einzige in der arktischen Klimazone, Norwegens östlichste Stadt und Grenzposten im Norden, Nordnorwegens älteste Stadt, Finnmarks ältester Fischereiort und Hauptstadt des Pomorhandels. Vardø repräsentiert die multikulturelle und kosmopolitische Finnmark.“ (zitiert nach tusenarssted.no) In der Stadt fand 2012 das Komafest statt, in dessen Rahmen internationale Künstler etliche, zumeist leerstehende Häuser mit Street Art und Graffiti versahen.

Bei der Annäherung an Vardø fällt nicht nur der hübsche Leuchtturm Vardø Fyrstasjon auf Hornøya, einer von zwei vorgelagerten Vogelinseln, sondern auch eine ziemlich große Radarinstallation auf: Globus II, betrieben vom norwegischen Auslandsgeheimdienst Norsk Etterretningstjeneste. Dass es sich um eine weitgehend zivilen Zwecken dienende Anlage handeln soll, wird angesichts der Lage so dicht an Russland bezweifelt und führte auch schon zu diplomatischen Verwicklungen mit Russland.

In Vardø gibt es mindestens zwei besichtigenswerte Ziele: die Festung Vardøhus, und das vom Schweizer Architekten Peter Zumthor entworfene Hexenmahnmal Steilneset. In Nordnorwegen – besonders in der Finnmark – kam es im 17. Jahrhundert zu einer ganzen Serie von Hexenverfolgungen. Allein in Vardø wurden 77 Frauen und 14 Männer (meist samische Schamanen) auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Wir machten uns gleich nach der Ankunft des Schiffs auf den Weg zum Steilneset Memorial. Allerdings kamen wir nur bis zur der kleinen Kirche an Vardøs Friedhof. Hier lag der Schnee mehr als hüfthoch auf dem Weg, ein Durchkommen war nicht möglich. Da das Suchen und Einschlagen eines anderen Wegs mehr Zeit gekostet hätte, als uns bis zum Ablegen des Schiffs zur Verfügung stand, blieb uns nur ein Blick aus der Ferne auf das Mahnmal. Also müssen wir noch einmal wiederkommen.

Um 17 Uhr legten wir wieder ab und erreichten Båtsfjord zur blauen Abendstunde kurz nach 20 Uhr.

Anlaufen von Båtsfjord zur blauen Abendstunde

Das Motto für das Dinner lautete Ein Hauch von Russland: „Mit Ausnahme des Kalten Kriegs (1945–1989) fand in den Grenzgebieten der Finnmark immer ein reger Handel und kultureller Austausch zwischen Norwegen, Russland und den Sami statt. Heute treffen sich norwegische und russische Esskultur auf einem Hurtigruten-Teller.“

Advertisements

8 Gedanken zu “Reise mit Hurtigruten – Tag 7: Båtsfjord – Kirkenes – Berlevåg

  1. Da es jetzt an die Rückreise geht eine kurze Frage. Vielleicht hätte ich die mir selbst beantworten können :-) Was wäre die beste Reisezeit für diese Tour? Oder war es diese mit viel weiß?

    Gefällt mir

    • Ja, ja, die Italiener! Wenn sie hier in Berlin zu Besuch sind, laufen sie immer in ihren dicken Piumini wie die Michelinmännchen umher, auch wenn’s gerade erst mal 12° oder 14° draußen hat 😉 Du scheinst dich schon sehr an die hohen Temperaturen in Apulien gewöhnt zu haben … Für mich ist ja alles über 25° zu warm, gegen die Hitze kann man kleidungsmäßig ab einem gewissen Punkt nix mehr machen (mehr als fast nackt geht nicht), gegen die Kälte kann man sich mit Kleidung nach dem Zwiebelprinzip durch einen weitere Schicht schützen.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s